Jun 28, 2011
Fantasie entfalten
Das Spiel mit unterschiedlichen Oberflächen, Formen und Farben regt die Sinne an und fördert die Kreativität. Mit Fantasie verwandeln Kinder alltägliche Dinge spielerisch zu etwas Besonderem – Neues entsteht. Dies prägt die Entwicklung der Persönlichkeit und unterstützt aktives Lernen.

Kinder brauchen Zeit, um ihre Fantasie entfalten zu können.
Spielen – immer und überall
Der Elternalltag steht heute häufig unter der Devise: „Es muss etwas geboten werden!“ Viel Geld und Energie wird darauf verwendet, Kindern genügend Spielzeug, Abwechslung, Unterhaltungsmedien, Freizeit-Programm, Förderung und vieles mehr zu bieten. Bleibt da eigentlich noch genügend Raum fürs eigentliche Spielen und für das Entstehen einer kindlichen Fantasiewelt?
Natürlich haben viele Kinder Freude an dem „Programm“, das wir für sie veranstalten – ob das nun Fernsehen und Videos, Turnstunden, Schwimmkurse oder musikalische Früherziehung sind – und sie nehmen natürlich auch manches daraus fürs Leben mit. Aber lernen sie dabei auch, aus sich heraus aktiv zu sein, selbst Spiele zu entwickeln und ihre Zeit zu füllen? Immer häufiger hört man die Klage von Eltern, dass sich ihr Kind langweilt und sich nicht selbst beschäftigen kann.
Es lohnt, wenn wir – besonders in den ersten Jahren - unsere Energie stärker dafür einsetzen, unseren Kindern den Weg in ihre eigene Fantasie- und Spielwelt zu zeigen oder einfach den Freiraum und die Bedingungen zu schaffen, dass es diesen Weg selbst finden kann.
Die Spielfreude und -fähigkeit entsteht nicht bei jedem Kind von alleine, aber sie kann geweckt und gepflegt werden, indem wir das Kind ins Spiel einführen, Puppen und Tiere „beleben“ helfen, so dass sie einen Charakter erhalten, oder indem wir selbst kreativ werden im Bau von Höhlen oder Häusern aus Decken und Kissen. Mit ein paar bunten Tüchern und viel Fantasie verwandeln sich Kinder in eine Elfe oder den großen Zauberer.
Wo ältere Geschwister da sind, stellt sich das Problem meist gar nicht. Denn wenn ein Kind erlebt, wie so eine Spielwelt entsteht, wird es bald selbst eigene Welten schaffen und sie mit seiner eigenen Fantasie ausgestalten – am liebsten natürlich mit anderen Kindern zusammen, ob dies nun Geschwister oder Freunde sind. Dann müssen wir lediglich in unserem Alltag noch Raum schaffen, dass solches Spiel sich entfalten kann.
Spielen ist wohl die gesündeste Aktivität, die ein Kind ergreifen kann. Und Kinder können immer und überall spielen, so scheint es. Spielen heißt dabei keineswegs nur, sich die Zeit vertreiben - es ist eine ernsthafte Aktivität, beinahe könnte man sagen „Arbeit“ für Kinder. Das Spiel ist ein entscheidender Erfahrungsraum für Kinder, in dem sie selbst etwas tun und erleben. Sie entwickeln dabei ihre körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten. Sie schulen ihre Motorik und Sinneswahrnehmung, entwickeln Selbstvertrauen und Sozialverhalten, lernen aber auch mit Misserfolgen umzugehen, Fehler zu machen und eigene Wege auszuprobieren. Kurzum sie lernen im eigenen Tun und Erfahrungen machen – also aktiv und nicht durch die Erklärungen eines Erwachsenen.
Die Fantasie, die in der Kindheit veranlagt und gepflegt wurde, ist etwas, das uns das ganze Leben begleitet und ihre Entwicklung können wir nicht später in Kursen lernen oder nachholen. Sie ist ein Geschenk, das wir aus der Kindheit mitnehmen.
Wie von selbst entfalten Kinder ihre Fantasie
Tannenzweige werden zu Puppen, ein großer Karton zum Seeräuberschiff und leere, aneinander gehängte Eierkartons, zu einem Zug für Spielfiguren. Die Fantasie von Kindern kennt keine Grenzen. Vorausgesetzt, Eltern lassen ihnen freie Bahn.
Greta und Malte spielen im Garten Restaurant. „Herr Ober, ich hätte gerne Spaghetti mit Brokkolisoße“, gibt Greta ihre Bestellung auf. Auf einem großen Baumblatt serviert Küchenchef Malte dünne Ästchen als Spaghetti und zusammen gekräuselte grüne Blätter als Brokkoli. Als die beiden ihre Rollen tauschen, kümmert sich Fünf-Sterne-Köchin Greta um Maltes Bestellung und bringt ihm Fleischspieße aus bunten Blütenblättern. Sie rollt die Blätter zusammen und spießt sie auf ein Ästchen. Dazu gibt es Schlammpfützensoße und Grassalat. Zum Nachtisch bereiten die Kinder einen Kuchen aus Erde und aufgesammelten Äpfelchen.
Das Kind in seiner Welt ernst nehmen
Ein Kind braucht also lediglich Eltern, die es in seiner Fantasiewelt ernst nehmen. Sie können ihm keinen größeren Gefallen tun, als öfter mal mitzuspielen, sich dabei an die Hand nehmen und in die kindliche Zauberwelt entführen zu lassen.
In Zusammenarbeit mit dem Online-Portal

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