Fettige Haare in den Wechseljahren

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Lesedauer 7 Min.
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27.8.2026

Du warst vermutlich auf vieles gefasst in den Wechseljahren. Dass aber wieder Teenie-Probleme auftauchen könnten, damit hast Du nicht gerechnet. Bis Du morgens vorm Spiegel stehst und die Haare – gestern erst gewaschen! – platt und strähnig herunterhängen.
Viele Frauen erwarten in den Wechseljahren eher sprödes und trockenes Haar. Tatsächlich kann aber genau das Gegenteil der Fall sein: Die Haare fetten schneller nach, die Kopfhaut wirkt ölig und die Frisur verliert rasch ihr Volumen. Dieses Phänomen ist gar nicht ungewöhnlich. Häufig hängt es mit den hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren zusammen.
Dass das überraschend für Dich kommt, liegt sicher auch daran, dass die wenigsten Frauen darüber sprechen. Obwohl es für viele belastend ist, nach dem Motto: „Das nun auch noch!“, kommt es ihnen andererseits marginal vor. Wer wird wegen einer solchen Kleinigkeit schon jammern? Aber: Oft hilft es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Zu mehreren ist man einfach weniger allein.
Die hormonelle Achterbahn: Warum die Talgproduktion verrücktspielt
Während der Wechseljahre sinken die Östrogen- und Progesteronspiegel schneller als die körpereigenen männlichen Hormone, die Androgene. So gewinnen diese die Oberhand. Auf dieses relative hormonelle Ungleichgewicht reagiert die Kopfhaut bei manchen Frauen, indem sie deutlich mehr Talg produziert. Denn Androgene docken direkt an die Rezeptoren in den Talgdrüsen an und fordern sie quasi dazu auf, vermehrt Hauttalg herzustellen. Man spricht auch von Sebum. Das Ergebnis: fettige Haare.
Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt: Durch den Östrogenmangel verändert sich auch die Haarstruktur. Neue Haare wachsen feiner nach und sind dadurch noch anfälliger gegen den Talg, der sich auf ihnen festsetzt – die Frisur verliert so noch schneller an Volumen, als das bei kräftigem Haar der Fall wäre. Im wahrsten Sinne des Wortes „erschwerend“ kommt der Schweiß dazu, der durch die Wechseljahr-bedingten Hitzewallungen entsteht und sich mit dem Sebum vermischt.
Die richtige Pflege von Kopfhaut und Haar: Produkte und Routinen
Wie gehst Du nun am besten mit Deinen Haaren um? Vermutlich würdest Du sie am liebsten jeden Tag richtig einschäumen und anschließend in Form föhnen. Viele Frauen trauen sich das aber nicht, weil man immer wieder hört, dass sich häufiges Waschen bei fettigem Haar eher negativ auswirke. Keine Sorge: So grundsätzlich lässt sich das nach aktuellem Wissensstand nicht sagen. Wichtig ist vor allem, dass Du Dich wohlfühlst, und wenn das für Dich mit einem gepflegten Äußeren zusammenhängt, solltest Du Dir die regelmäßige Haarwäsche einfach gönnen.
Entscheidend ist das Was, Wie und Womit. Primär geht es um eine schonende Reinigung. Nimm nur handwarmes Wasser und ein mildes Shampoo, speziell für fettiges Haar oder empfindliche Kopfhaut. Es entfernt überschüssigen Talg, ohne das Haar unnötig zu reizen. Aggressive entfettende Shampoos können dagegen die Kopfhaut austrocknen, was zu Irritationen führt und die Talgproduktion weiter triggert, während die Haarspitzen austrocknen. Auch solltest Du silikonfreie Produkte bevorzugen, da Silikone die Haare zusätzlich beschweren.
Haare waschen, aber richtig
Massiere das Shampoo vorsichtig mit den Fingerspitzen ein und spüle ihn anschließend sorgfältig aus.
Drücke die Haare sanft mit den Händen aus und lege dann ein weiches Handtuch um den Kopf. Damit kannst Du weitere Flüssigkeit durch leichten Druck aufsaugen. Besonders gut geht das mit Mikrofaser-Handtüchern, die viel Feuchtigkeit aufnehmen. Außerdem sind sie so zart, dass sie die empfindliche Schuppenschicht der Haare nicht aufrauen. Trotzdem solltest Du nicht rubbeln, sondern die Haare nur Strähne für Strähne ausdrücken. Manche Menschen schwören auch auf ein einfaches Baumwoll-T-Shirt, weil es sehr saugfähig ist und kaum Reibung erzeugt.
Wenn Du Pflegespülungen oder Haarmasken liebst, spricht nichts dagegen, sie anzuwenden. Allerdings solltest Du sie nur in den Haarlängen und Spitzen verteilen, nicht direkt auf die Kopfhaut. Sonst können Sie die Haare zusätzlich beschweren, was zulasten des Volumens geht. Das gilt auch für Conditioner.
Die Zwischenlösung: Trockenshampoo
Wenn Du nicht zu häufig Haare waschen willst oder einfach mal keine Zeit hast, kann Trockenshampoo auch bei fettigem Haar in den Wechseljahren eine gute Lösung sein. Es schont nämlich die Längen und sorgt für ein besseres Volumen. Dabei solltest Du aber Folgendes beachten:
nicht zu häufig anwenden,
am besten schon, bevor das Haar wirklich fettig ist, also vorbeugend,
nach kurzer Einwirkzeit gründlich ausbürsten, um die Talg-Puder-Verbindung mechanisch zu entfernen,
maximal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einsetzen, nicht öfter in direkter Folge.
Zu häufig angewendet kann Trockenshampoo nämlich zu Hautirritationen führen und die ohnehin schon gereizte Kopfhaut noch mehr herausfordern.
Die Frisur macht‘s
Wenn Du Dich mit offenen Haaren unwohl fühlst, dann binde sie einfach zum Pferdeschwanz oder flechte sie zum straffen Zopf. Der sogenannte Sleek-Look spielt bewusst damit, dass die Haare ganz eng am Kopf anliegen, extrem glatt sind und seidig glänzend wirken. Abstehende Härchen werden dabei mit Gel oder Haarwachs fixiert. Dieser Stil steht nicht jeder Frau, aber probiere es aus. Oft wirkt er sehr edel und modern.
Und wenn alle Haare oder vielmehr alle Stricke reißen: eine Cap oder ein breites Haarband retten den Bad-Hair-Day!
Welche Rolle spielt Ernährung?
Eine ausgewogene Ernährung liefert die Bausteine, die Haut und Haare für eine normale Funktion benötigen. Eine mediterrane Ausrichtung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch tun Deiner Gesundheit und Deinem Wohlbefinden im Allgemeinen gut. Bei einem ärztlich nachgewiesenen Mangel an Vitaminen wie Vitamin B7 und D oder Spurenelementen wie Zink und Eisen kann auch die Kopfhaut und das Haarwachstum leiden. Das sollte entsprechend ausgeglichen werden. Rein vorbeugend ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, um fettigen Haaren oder einer erhöhten Talgproduktion gegenzusteuern, ist aber wenig hilfreich.
Wann ist ärztlicher Rat gefragt?
Auch wenn fettige Haare psychisch belastend sein können – in der Regel ist dieses Phänomen völlig harmlos. Dennoch gibt es Situationen, in denen Du wegen der Problematik eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen solltest. Das ist der Fall, wenn
die Beschwerden plötzlich und ausgeprägt auftreten: Sie könnten dann auf irgendwelche Medikamente zurückzuführen sein, auf hormonelle Veränderungen, die nichts mit der Menopause zu tun haben, oder auf eine Stoffwechselstörung.
starker Haarausfall hinzukommt, was eventuell auf eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Erkrankung der Kopfhaut hinweist.
Juckreiz, Schmerzen, Schuppen oder entzündliche Veränderungen der Kopfhaut bestehen: Pilzerkrankungen oder bakterielle Entzündungen können in diesem Fall zugrunde liege.
sich Akne, verstärkte Gesichtsbehaarung oder andere Zeichen einer ausgeprägten Hormonstörung wie etwa eine Veränderung der Stimme entwickeln, was auf eine andere hormonelle Ursache zurückzuführen sein könnte,
die Beschwerden trotz angepasster Haarpflege über einen längeren Zeitraum anhalten. Dann könnte nämlich eine Hauterkrankung wie die seborrhoische Dermatitis vorliegen.
das seelische Wohlbefinden erheblich eingeschränkt ist.
Je nach Ursache kommt eine medikamentöse Therapie oder eine Hormonbehandlung infrage. Letztere zielt darauf ab, durch die Verabreichung von Östrogen und Progesteron den Einfluss der männlichen Hormone auf Kopfhaut und Haarwurzeln zu reduzieren.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- American Academy of Dermatology. (o. D.). Hair care products: How to choose shampoos and conditioners. Abgerufen am 8. Juli 2026, von https://www.aad.org/public/everyday-care/hair-scalp-care/hair/products
Blumeyer, A., Tosti, A., Messenger, A., et al. (2018). Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and in men – Short version. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 32 (1), 11–22. https://doi.org/10.1111/jdv.14624
Deutsche Gesellschaft für Ernährung. (2024). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
National Institutes of Health Office of Dietary Supplements. (o. D.). Biotin – Fact Sheet for Health Professionals. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Biotin-HealthProfessional/
National Institutes of Health Office of Dietary Supplements. (o. D.). Zinc – Fact Sheet for Health Professionals. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/
Printquellen
Printquellen
North American Menopause Society. (2023). The Menopause Guidebook (10. Aufl.). Cleveland, OH: The Menopause Society.