Unreine Haut – ein unerwartetes Phänomen in den Wechseljahren

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Lesedauer 7 Min.
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1.9.2026

Der Blick in den Spiegel birgt wohl für jeden Menschen immer mal wieder Überraschungen: vom Pickel in der Pubertät über das Lippenbläschen am Hochzeitstag bis zu den ersten Krähenfüßchen, wenn wir noch nicht damit gerechnet haben. In diese Kategorie fallen auch die Hautunreinheiten in den Wechseljahren.
Fachleute sehen darin aber gar kein unerwartetes Phänomen. Akne im Erwachsenenalter ist nicht ungewöhnlich. Es gibt sogar einen Ausdruck dafür: Spätakne (Akne tarda). Pickel, Mitesser, Pusteln, Knoten und entzündliche Veränderungen gehören dazu. Die gute Nachricht: Mit einer angepassten Hautpflege und, wenn nötig, medizinischer Unterstützung lassen sich die Beschwerden in der Regel gut kontrollieren.
Hormonelle Achterbahn: Warum die Haut verrückt spielt
Vielleicht erinnerst Du Dich noch an die Zeit der Pubertät zurück oder hast es im Laufe Deines Lebens bei der nachwachsenden Generation beobachtet: Jungs neigen fast noch stärker zu Akne als Mädchen bzw. ist sie beim männlichen Geschlecht oft massiver ausgeprägt. Aber was hat das nun mit dem Phänomen in den Wechseljahren zu tun?
Ganz einfach: Es sind vor allem die männlichen Hormone, insbesondere das Testosteron, die für die Bildung von Hautunreinheiten verantwortlich sind. Diese Hormone, Androgene genannt, sind auch bei Frauen vorhanden, allerdings überwiegen bei diesen in den fruchtbaren Jahren Östrogen und Progesteron. Weil die Östrogenproduktion in den Wechseljahren stärker zurückgeht als die Androgenproduktion, gewinnen die männlichen Hormone in ihrer Wirkung die Oberhand. Man spricht von einem relativen Androgenüberschuss.
Das erklärt, warum manche Frauen in den Wechseljahren
vermehrt Pickel und Mitesser entwickeln,
eine fettigere Haut bekommen,
stärkeren Haarwuchs im Gesicht feststellen und/oder
unter dünner werdendem Kopfhaar leiden.
Diskutiert wird auch eine genetische Disposition: Wessen Eltern selbst unter einer Spätakne litten, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen sein.
Typische Stellen für Unreinheiten sind das Kinn, der Bereich zwischen Mund und Nase sowie die Wangen.
So wirken sich Androgene auf die Haut aus
Androgene regen die Talgdrüsen an. Dadurch produzieren sie mehr Hautfett, das die Poren verstopfen und Entzündungen pushen kann. Gleichzeitig wird die Haut aber auch dünner, trockener und empfindlicher. Deine besonders zarte Haut war nämlich ebenfalls dem Östrogen zu verdanken. Das Hormon fördert die Entstehung von Kollagenen, den faserartigen Proteinen, die die Haut besonders straff und glatt machen, indem sie Feuchtigkeit einlagern. Doch zu Beginn der Wechseljahre verliert Deine Haut bis zu 30 Prozent des Kollagens. Das ist eine ganze Menge! Die natürliche Feuchtigkeitsregulation funktioniert jetzt weniger gut, die Haut neigt zum Austrocknen.
Die Wirkung von Cutibacterium Acnes
Das Bakterium Cultibacterium acnes gehört zur ganz normalen Hautflora. Es besiedelt die Talgdrüsenfollikel, also die Poren mit Haaren und Talgdrüsen. Verändern sich die Verhältnisse in den Talgdrüsen, wie es bei der Spätakne der Fall sein kann, nimmt das Bakterium möglicherweise überhand und vermehrt sich unkontrolliert. So kann es zu Entzündungsreaktionen kommen.
Die richtige Pflege: Produkte und Routinen für reife, unreine Haut
Frauen in den Wechseljahren sind meist erfahrener, gelassener und souveräner geworden. Ihre Haut hat diesen Wandel “hautnah” miterlebt – und sich dabei selbst immer wieder neu entwickelt. Kein Wunder also, dass sie heute eine völlig andere Pflege braucht als jugendliche Aknehaut. Aggressive Reinigungsprodukte oder häufiges Peeling richten jetzt mehr Schaden an, als dass sie helfen würden: Damit rubbelst Du die natürlichen Fette ab und zerstörst den körpereigenen Säureschutzmantel. Wichtig ist eine Kombination aus sanfter Tiefenreinigung, entzündungshemmenden Wirkstoffen und intensiver Feuchtigkeit.
Empfehlenswert sind jetzt
ph-neutrale Reinigungsprodukte, die morgens und abends angewendet werden. Sie entfernen Talg und Schmutz, ohne die Hautbarriere anzugreifen.
„nicht-komedogene“ (nicht porenverstopfend, auf Beschriftung achten!) Feuchtigkeitspflegeprodukte wie Hyaluronsäure, die eine leichte Textur haben und dadurch die Poren nicht verstopfen,
täglicher UV-Schutz.
Wichtig: Achte auf eine konsequente, aber sanfte Routine. Setze nicht zu viele unterschiedliche Produkte gleichzeitig ein und vermeide häufige Produktwechsel. Das könnte Deine Haut sonst zusätzlich belasten. Hast Du die Pflege gefunden, die zu Dir passt, dann bleib ihr am besten treu und mache keine Experimente!
Mehr als nur Creme: Ernährung, Stress und Lebensstil als Einflussfaktoren
Du hast es sicher selbst schon gemerkt, wie sensibel Deine Haut auf Veränderungen und äußere Bedingungen reagiert. Schließlich ist sie unser größtes Organ und ständige Kontaktfläche zu unserer Umwelt. Somit ist klar, dass auch der Lebensstil die Haut beeinflusst. Stress kann Entzündungsprozesse fördern und Hautunreinheiten verstärken. Ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung und Entspannungstechniken dagegen können zu Ausgeglichenheit beitragen und dadurch indirekt ein besseres Hautbild fördern.
Was die Ernährung anbelangt: Bestimmte Lebensmittelunverträglichkeiten können Akne begünstigen. Häufige Trigger sind Kuhmilchprodukte, Zucker und Gluten. Kann der Darm bestimmte Nahrungsmittel nicht richtig verarbeiten, wird die Darmschleimhaut durchlässiger. So gelangen Entzündungsstoffe in den Blutkreislauf und machen sich schließlich als Knoten unter der Haut, vor allem am Kiefer und am Kinn bemerkbar. Wenn Du einen Verdacht hast, sprich am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt darüber. Wird der Auslöser gefunden, solltest Du diesen meiden.
Abgesehen davon existiert aber keine spezielle Akne-Diät. Eine ausgewogene pflanzenbetonte Ernährung tut aber auch der Haut gut: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und gesunde Fette. Vor allem Omega-3-Fettsäuren beispielsweise aus fettem Fisch, Walnüssen und Leinöl sind wichtige Bausteine, um Hauttrockenheit und Entzündungen zu reduzieren. Umgekehrt solltest Du Fast Food und hochverarbeitete Lebensmittel meiden.
Wichtig auch: Nimm ausreichend Flüssigkeit zu Dir, idealerweise etwa zwei Liter täglich. Dabei solltest Du Dich auf Wasser, Tee oder stark verdünnte Fruchtsäfte konzentrieren.
Wann ist ärztlicher Rat gefragt?
Konsequente Pflege, ein aktiver Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung tragen viel zur Hautgesundheit in den Wechseljahren bei. Doch manchmal reicht das alles nicht, um die Hautveränderungen in den Griff zu bekommen und eine Spätakne in Schach zu halten. Es gibt Situationen, in denen Du Dich bei einer Ärztin oder einem Arzt vorstellen solltest.
Das ist dann sinnvoll, wenn:
die Hautunreinheiten stark ausgeprägt oder schmerzhaft sind,
Knoten oder tiefe Entzündungen auftreten,
die Pickel vernarben,
die Beschwerden trotz aller Pflegemaßnahmen über Monate fortbestehen und/oder
Du zusätzlich vermehrten Haarwuchs oder Haarausfall beobachtest.
Eine Hautärztin oder ein Hautarzt kann die Ursache genauer abklären und bei Bedarf eine medizinische Behandlung empfehlen oder einleiten. Dazu gehören beispielsweise verschreibungspflichtige Cremes mit Retinoiden oder andere individuell angepasste Therapien.
Topische Medikamente
Topische Medikamente
Der Begriff „topisch“ leitet sich vom Griechischen topos = Ort, Stelle her und bedeutet, dass die Substanz örtlich angewendet wird, also als Creme, Salbe, Gel, Lotion oder Lösung. Bei leichteren bis mittelschweren Formen reicht eventuell eine solche lokale Therapie aus. Folgende Wirkstoffe kommen dabei infrage:
Retinoide (z.B. Adapalen, Tretinoin, Trifaroten), wirken entzündungshemmend, abschuppend und reinigen nicht nur die verstopften Talgdrüsengänge der Aknehaut, sondern sorgen auch dafür, dass sie längerfristig offen bleiben.
Azelainsäure wirkt antibakteriell, reinigt die Poren und kann Hyperpigmentierungen (dunkle Hautverfärbungen) aufhellen.
Benzoylperoxid (BPO) wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und leicht keratolytisch, d. h. es öffnet die verstopften Poren und reduziert die Verhornung.
Clascoteron ist ein Antiandrogen, das die Wirkung von Adrogenen in der Haut blockiert. Dadurch werden hormonell bedingte Entzündungsprozesse abgeschwächt und die Talgproduktion reguliert.
Lokal eingesetzte Antibiotika (z.B. Clindamycin, Erythromycin) hemmen das Wachstum von Bakterien, insbesondere des Cutibacterium acnes, das bei Akne eine Rolle spielt. Die Einnahme solltest Du unbedingt mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt besprechen.
Systemische Maßnahmen
Systemische Maßnahmen
Im Gegensatz zu den topischen Behandlungsmethoden wird bei einer systemischen Therapie der Wirkstoff über den Blutkreislauf verabreicht – also als Tabletten, Kapseln oder Injektionen. Diese Maßnahmen eignen sich eher für schwere Form von Akne. Das Wirkstoffspektrum umfasst:
Systemische Antibiotika wie Doxycyclin und Tetracyclin, die die Besiedelung mit Cutibacterium acnes verringern und antientzündlich wirken.
Isotretinoin (Vitamin-A-Säure) verhindert die Entstehung von Mitessern und reduziert die Größe der Talgdrüsen.
Antiandrogene greifen als hormonelle Therapie in den Hormonhaushalt ein und können hormonell bedingte Akne lindern.
Spironolacton vermindert die Testosteronproduktion und hemmt die Bindung von Testosteron an die Rezeptoren.
Metformin, eigentlich ein Medikament zur Behandlung von Typ 2-Diabetes, kann bei Spätakne ebenfalls helfen, indem es die Hormonbalance positiv beeinflusst.
Fazit
Niemand kennt Deinen Körper so gut wie Du. Das gilt auch für Deine Haut, die Dir nun schon seit vielen Jahren zeigt, was sie braucht. Aber nun kommt alles ein wenig durcheinander und Du musst vielleicht Deine Pflegeroutinen entsprechend anpassen. Lass‘ Dich nicht verrückt machen, auch wenn Du am liebsten „aus der Haut“ fahren würdest. Hole Dir die Unterstützung, die Du brauchst, bis die wechseljahresbedingten Beschwerden abklingen und der Körper sich umgestellt hat.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Internet
Internet
American Academy of Dermatology Association. (2024). Acne: Overview and treatment options. American Academy of Dermatology. https://www.aad.org
Wolf, E. (2022). Das Anti-Pickel-Programm. Pharmazeutische Zeitung. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/das-anti-pickel-programm-134536/
Print
Augustin, M., Dirschka, T., Gerber, P. A., Kerscher, M., Kirsten, N., & Ochsendorf, F. (2026). Acne tarda: Recommendations for classification, treatment and care as a result of an expert discussion. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 24(1), 11–23. https://doi.org/10.1111/ddg.15913
Deutsche Menopause Gesellschaft e. V. (2024). Wechseljahre – Informationen für Frauen und Fachkreise. Deutsche Menopause Gesellschaft.
Landers, D., & Schaller, M. (2025). Acne tarda: Vertieftes Krankheitsverständnis, neue Therapiekonzepte. Deutsches Ärzteblatt, 122(6). https://doi.org/10.3238/PersDerma.2025.03.21.01
Schaefer, E., & Lademann, J. (Hrsg.). (2024). Dermatologie und Kosmetologie der reifen Haut. Springer.