Blutgruppen

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Lesedauer 9 Min.

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16.9.2026

  • Was ist eine Blutgruppe? 
  • Die wichtigsten Blutgruppensysteme: AB0 und Rhesus (Rh) 
  • Häufigkeit der Blutgruppen in Deutschland  
  • Wie wird die Blutgruppe vererbt? 
  • Wie wird die Blutgruppe bestimmt? 
  • Warum solltest Du Deine Blutgruppe kennen?  
Frau mit geschlossenen Augen legt beide Hände an die Brust und wirkt entspannt, sie trägt weißes Shirt und hellblau-weiß gestreiftes Hemd, im Hintergrund Zimmerpflanze und Regal

Ob beim Arztbesuch, der Blutspende oder in einem Gespräch über Schwangerschaft – das Thema Blutgruppe begegnet uns immer wieder. Aber was steckt eigentlich dahinter? Was bedeuten die Buchstaben und Zeichen? Und warum ist es wichtig, die eigene Blutgruppe zu kennen? 

Was ist eine Blutgruppe? 

Unser Blut besteht zu etwa 55 % aus flüssigen Bestandteilen – dem sogenannten Blutplasma – und zu etwa 45 % aus festen Bestandteilen – den Blutzellen.  

Zu den Blutzellen gehören: 

  • rote Blutkörperchen (Erythrozyten), 

  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten), 

  • Blutplättchen (Thrombozyten). 

Für die Blutgruppe sind vor allem die roten Blutkörperchen entscheidend. Auf ihrer Oberfläche sitzen bestimmte Eiweißmoleküle, die als Antigene bezeichnet werden. Je nachdem, welche Antigene auf Deinen roten Blutkörperchen vorhanden sind, gehörst Du zu einer bestimmten Blutgruppe. 

Es gibt über 30 verschiedene Blutgruppensysteme – sie beziehen sich auf jeweils andere Merkmale der Antigene auf den roten Blutkörperchen. Für die medizinische Praxis bei Weitem am bedeutsamsten sind das AB0-System und das Rhesus-System. 

Die wichtigsten Blutgruppensysteme: AB0 und Rhesus (Rh)

Das AB0-System

Das AB0-System ist das bekannteste Blutgruppensystem. Es unterscheidet vier Gruppen: A, B, AB und 0. Die Buchstaben stehen dabei für mögliche Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen: Antigen A und Antigen B. Je nachdem, welche dieser Antigene Du trägst – keines, eines oder beide –, gehörst Du zu einer der vier Gruppen. 

Gegen alle Antigene, die auf den eigenen roten Blutkörperchen nicht vorhanden sind, bildet das Immunsystem automatisch Antikörper. Wer also das Antigen A besitzt, erzeugt von Natur aus im Blutplasma Antikörper gegen das Antigen B – und umgekehrt. Das ist vor allem für die Bluttransfusion (Blutübertragung) bedeutend.  

Blutgruppe 

Antigene auf den Blutkörperchen 

Antikörper im Blutplasma 

A 

Antigen A 

Anti-B 

B 

Antigen B 

Anti-A 

AB 

Antigen A und B 

Keine 

0 

Keines 

Anti-A und Anti-B 

 
 

Das Rhesus-System

Das Rhesus-System (kurz: Rh-System) ist das zweitwichtigste Blutgruppensystem. Es umfasst viele verschiedene Merkmale, aber in der klinischen Praxis ist vor allem das Antigen D bedeutsam – der sogenannte Rhesusfaktor („Rh“). 

  • Rhesus-positiv (Rh+) → trägt Rhesusfaktor 

  • Rhesus-negativ (Rh–) → trägt nicht den Rhesusfaktor 

Das AB0-System und das Rhesus-System ergeben zusammen die Blutgruppenbezeichnung, die Du wahrscheinlich kennst: zum Beispiel A-positiv (A Rh+), 0-negativ (0 Rh–) oder AB-positiv (AB Rh+). 

Warum gibt es verschiedene Blutgruppen? 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass sich die Blutgruppen im Lauf der Evolution als Schutzmechanismus gegen Infektionskrankheiten herausgebildet haben. So ist zum Beispiel die Blutgruppe 0 in Regionen mit hohem Malaria-Risiko stärker vertreten als in anderen Teilen der Erde. Tatsächlich sind Menschen mit dieser Blutgruppe weniger gefährdet, an schweren Formen von Malaria zu erkranken. Der vermutete Mechanismus dahinter: Rote Blutplättchen, die keine Antigene A und B tragen, sind resistenter gegen die Wirkung von Malaria-Erregern.  

Häufigkeit der Blutgruppen in Deutschland  

Die Verteilung der Blutgruppen in der deutschen Bevölkerung ist nicht gleichmäßig: Die häufigsten Blutgruppen sind A-positiv und 0-positiv. Zusammen machen sie etwa 72 % der Bevölkerung aus. Die seltenste ist AB negativ mit rund 1 %. 

Blutgruppe  

Vorkommen  

A Rh+  

37 %  

A Rh–  

6 %  

0 Rh+  

35 %  

0 Rh–  

6 %  

B Rh+  

9 %  

B Rh–  

2 %  

AB Rh+  

4 %  

AB Rh–  

1 % 

Was bedeutet die Blutgruppe für die Blutspende? 

Damit eine Bluttransfusion sicher ist, muss das Spenderblut zur Blutgruppe der Empfängerin oder des Empfängers passen – sonst kann das Immunsystem das fremde Blut angreifen. Da nicht alle Blutgruppen gleich häufig vorkommen, ist der Bedarf an Blutspenden sehr unterschiedlich verteilt. 

  • Welche Blutgruppen sind besonders „gefragt“?  
    Die Blutgruppen 0-negativ, B-negativ und AB-negativ sind selten – entsprechend dringender werden entsprechende Spenderinnen und Spender gesucht. Aber: Auch häufige Blutgruppen werden dringend benötigt! 
    A-positiv und 0-positiv machen zwar den Großteil der Bevölkerung aus, doch genau deshalb ist auch der Bedarf an diesen Blutgruppen enorm. Blutkonserven sind nicht ewig haltbar – der Vorrat muss stetig aufgefüllt werden. 

  • Wer ist „Universalspender“? 
    Im Notfall, wenn keine Zeit für eine Blutgruppenbestimmung bleibt, wird für die Transfusion auf 0-negatives Blut zurückgegriffen. Es wird von nahezu allen Menschen vertragen, da die roten Blutkörperchen dieser Gruppe weder Antigen A, B noch D tragen. Menschen mit dieser Blutgruppe gelten deshalb als „Universalspender“ und sind besonders gefragt. 

  • Wer ist „Universalempfänger“? 
    Wer AB-positiv als Blutgruppe hat, besitzt keine Antikörper gegen A, B oder D (Rhesusfaktor) und kann daher theoretisch rote Blutkörperchen aller Blutgruppen empfangen, ohne dass das Immunsystem Alarm schlägt. Im Klinikalltag wird nach Möglichkeit dennoch grundsätzlich blutgruppengleiches Blut gegeben – also Blut, das in allen relevanten Merkmalen zum Empfänger passt –, um auch seltene Unverträglichkeiten auszuschließen. 

Kurz gesagt: Jede Blutgruppe hilft! 
Wenn Du spenden möchtest, tust Du etwas Gutes – unabhängig davon, welche Blutgruppe Du hast. Als Spenderin oder Spender bist Du geeignet, wenn Du älter bis als 18, keine akuten oder bestimmte schwere chronischen Erkrankungen hast und nicht gerade aus einem tropischen Land mit besonderen Infektionsrisiken zurückgekehrt bist. Genauere Infos bekommst Du von Deinem Blutspendedienst. 

Wie wird die Blutgruppe vererbt? 

Die Blutgruppe ergibt sich aus der Kombination zweier Anlagen – eine erbst Du von Deinem Vater, eine von Deiner Mutter. Welche Blutgruppe dabei herauskommt, hängt davon ab, welche Anlage sich durchsetzt. Und hier gilt eine einfache Regel: Die Anlagen A und B sind dominant – sie setzen sich durch, wenn sie vorhanden sind. Die Anlage 0 ist dagegen rezessiv, das heißt, sie zeigt sich nur dann, wenn Du sie von beiden Elternteilen geerbt hast.  

Der Rhesusfaktor wird auf ähnliche Weise vererbt: Je eine Anlage kommt von Mutter und Vater. Dabei ist Rh-positiv dominant. Es reicht also aus, wenn ein Elternteil die Anlage für Rh-positiv weitergibt – dann ist das Kind ebenfalls Rh-positiv. Rh-negativ wird ein Kind nur dann, wenn es von beiden Elternteilen je eine Anlage für Rh-negativ erbt.  

Gut zu wissen: Sind die Blutgruppen der Eltern bekannt, lässt sich die Blutgruppe eines gemeinsamen Kindes oft eingrenzen – aber nicht immer eindeutig vorhersagen. Der Grund: Hinter einer Blutgruppe können sich unterschiedliche genetische Anlagen verbergen, die man nicht mit einem Bluttest feststellen kann. 

Wie wird die Blutgruppe bestimmt? 

Die Blutgruppe lässt sich mit einem einfachen Bluttest feststellen. Im Labor wird dabei geprüft, welche Antigene sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befinden und welche Antikörper im Blutplasma vorhanden sind.  

In Deutschland wird die Blutgruppe bestimmt: 

  • bei der ersten Blutspende, 

  • vor Operationen oder Transfusionen, 

  • in der Schwangerschaftsvorsorge, 

  • auf eigenen Wunsch beim Hausarzt oder in einem Labor (meist als sogenannte IGeL-Leistung, also selbst zu bezahlen). 

Warum solltest Du Deine Blutgruppe kennen?  

Im normalen Alltag spielt die Blutgruppe keine Rolle. Dein Blut macht seinen Job, völlig egal, welche Antigene dabei im Spiel sind. Doch es gibt Situationen, in denen Deine Blutgruppe plötzlich eine entscheidende Rolle spielt: bei einer Bluttransfusion etwa oder wenn Du schwanger bist.  

Bei Bluttransfusionen 

Wer nach einem Unfall, einer Operation oder einer schweren Erkrankung Blut benötigt, ist darauf angewiesen, zur eigenen Blutgruppe passendes Spenderblut zu erhalten. Bekommt man Blut mit den „falschen" Antigenen, erkennt das eigene Immunsystem dieses als fremd und löst eine Abwehrreaktion aus: Im Körper des Empfängers verklumpen die roten Blutkörperchen des Spenderblutes. Es bilden sich Gerinnsel in den kleinen Gefäßen, die Organe wie Nieren, Lunge oder Herz verstopfen und schädigen können. Gleichzeitig werden durch die überschießende Reaktion auch körpereigene Zellen in Mitleidenschaft gezogen. Das Ergebnis ist ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen. 

In der Klinik wird vor jeder geplanten Transfusion selbstverständlich geprüft, welche Blutgruppe eine Patientin oder ein Patient hat. Im Notfall jedoch – wenn keine Zeit bleibt – ist es ein echter Vorteil, wenn die Blutgruppe bereits bekannt ist und zum Beispiel auf einem Notfallausweis steht. 

In der Schwangerschaft 

In der Schwangerschaft ist vor allem der Rh-Faktor von Bedeutung – genauer gesagt die Kombination aus mütterlichem und kindlichem Rh-Faktor. Ist eine Mutter Rh-negativ und ihr ungeborenes Kind Rh-positiv, kann es zu einer sogenannten Rhesusunverträglichkeit (Inkompatibilität) kommen. 

Während der Schwangerschaft, vor allem aber bei der Geburt können kleine Mengen kindlichen Blutes in den Kreislauf der Mutter gelangen. Das Immunsystem der Mutter erkennt die Rh-positiven Blutkörperchen als fremd und beginnt, Antikörper dagegen zu bilden. 

Bei der ersten Schwangerschaft ist das in der Regel noch kein Problem: Die Antikörperbildung braucht Zeit, und bis sie in Gang kommt, ist das Kind meist bereits auf der Welt. 

Gefährlich wird es erst bei einer erneuten Schwangerschaft mit einem Rh-positiven Kind: Denn jetzt ist das Immunsystem der Mutter bereits „vorbereitet“. Es erinnert sich und reagiert schnell. Die gebildeten Antikörper können die Plazenta überwinden und die roten Blutkörperchen des ungeborenen Kindes angreifen und zerstören. Die Folgen für das Kind können ernst sein. 

Aber keine Sorge: Was zunächst beunruhigend klingt, ist heute in der Praxis gut beherrschbar: Rh-negative Schwangere erhalten routinemäßig – auch schon bei der ersten Schwangerschaft – eine sogenannte Anti-D-Prophylaxe. Das ist eine Spritze, die verhindert, dass das Immunsystem der Mutter Antikörper bildet. Deshalb wird die Blutgruppe samt Rh-Faktor zu Beginn jeder Schwangerschaft bestimmt und im Mutterpass festgehalten. 

Hat die Blutgruppe Einfluss auf den Charakter?

Um das Thema Blutgruppe ranken sich viele Mythen und Aberglauben – alte und neue. In vielen Regionen Asiens, vor allem in Japan, spielt die Blutgruppe zum Beispiel traditionell eine Rolle in der Charakterdeutung. Ähnlich wie bei uns den Sternzeichen werden dort den Blutgruppen verschiedene Eigenschaften zugeordnet. Bei uns wiederum sehr bekannt ist das Konzept einer Blutgruppendiät: Bestimmte Lebensmittel sollen je nach Blutgruppe besonders gesund oder schädlich sein. In dieser Vorstellung entspricht zum Beispiel die Blutgruppe 0 dem „Ur-Blut“ der Jäger und Sammler – die optimale Diät für Menschen mit dieser Blutgruppe sei viel Fleisch, Fisch und Wurzelgemüse, jedoch keine Milch und kein Getreide. Forscherinnen und Forscher sehen das klar anders: Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, dass die Blutgruppe beeinflusst, wie der Körper auf bestimmte Ernährungsweisen reagiert.  

 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

Printquellen

  • Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. (2019). Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie. Berlin: Springer.