Puls messen: Was Dein Herzschlag über Deine Gesundheit verrät

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Lesedauer 9 Min.

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15.9.2026

Zwei Hände, eine ältere Hand mit sichtbaren Adern und Ring hält eine jüngere Hand auf einem hellen gestrickten Kleidungsstück

Dein Herz pumpt rhythmisch Blut durch Deinen Körper, um Organe, Muskeln und Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Zuerst fließt das Blut in die größte Schlagader, die Aorta, von dort wird es über das arterielle Gefäßsystem weiterverteilt. Dabei pflanzt sich auch die Druckwelle fort, die das Herz erzeugt, wenn es das Blut auswirft. In den oberflächlich liegenden Blutgefäßen kannst Du diese Druck- und Volumenschwankung von außen spüren – das ist Dein Puls. 

Zusammen mit Blutdruck, Körpertemperatur und Atmung zählt der Puls in der Medizin zu den Lebenszeichen (Fachausdruck: Vitalzeichen.) Weil sich das Befinden eines Menschen meistens auch in einer Veränderung des Herzschlags widerspiegelt, ist er ein wesentliches Kriterium, um die individuelle Gesundheit einzuschätzen. Nicht von ungefähr ist die Pulsmessung eines der ältesten diagnostischen Verfahren in der Medizin.  

Auch Du selbst kannst Deinen Puls beobachten und so ein Gefühl für Deinen Körper und mögliche Unregelmäßigkeiten entwickeln. 

Warum Puls messen? Die Bedeutung für Deine Gesundheit 

Die Pulsmessung kann helfen, die Herzgesundheit besser einzuschätzen. Bestimmen Ärztin, Arzt oder medizinisches Fachpersonal Deinen Puls, geht es ihnen nicht nur darum, die Pulswellen zu zählen, sondern auch festzustellen, wie regelmäßig und wie kräftig diese sind. Zusammengefasst achten sie beim Ertasten des Pulses auf folgende Merkmale:  

  • die Pulsfrequenz – das heißt: die Anzahl der Pulswellen pro Minute, bei gesunden Erwachsenen beträgt sie zwischen 60 und 100.  

  • den Pulsrhythmus – das heißt: die zeitliche Abfolge der Pulse, im Normalfall erfolgen sie in regelmäßigen Abständen.  

  • die Pulsqualität – das heißt: die Stärke der gefühlten Pulswelle und die Füllung des Blutgefäßes. 

Zusammengenommen geben diese drei Kriterien entscheidende Hinweise auf die Vitalfunktionen und mögliche Erkrankungen. Auch über die Reaktion des Körpers bei Stress und körperliche Belastungen lassen sich Rückschlüsse ziehen. Das hilft beispielsweise dabei, die Fitness eines Menschen zu beurteilen. 

Gut zu wissen: Die Qualität des Pulses ist nur mit einiger Erfahrung abzuschätzen. Das sollte also dem medizinischen Personal überlassen bleiben. Aber die ersten beiden Merkmale – Frequenz und Rhythmus – kannst Du selbst beobachten. Die Pulsfrequenz ist objektiv messbar und den Pulsrhythmus kannst Du in der Regel gut einschätzen. Wenn Du unsicher bist, frag am besten bei Deiner Ärztin oder Deinem Arzt nach.  Was sind Venen?

Unser Körper wird von einem Netz aus Blutgefäßen durchzogen, die Venen sind ein großer Teil davon. Vereinfacht gesagt sind sie die Rückwege des Blutkreislaufs: Während die Arterien sauerstoffreiches Blut vom Herz in den Körper transportieren, sammeln die Venen das sauerstoffarme Blut wieder ein und bringen es zurück zum Herz. Von dort gelangt es in die Lunge, wird neu mit Sauerstoff versorgt und der Kreislauf beginnt von vorne.

Puls messen leicht gemacht: Schritt-für-Schritt-Anleitung 

Die Pulsmessung ist einfach und ohne technischen Aufwand umzusetzen. Du benötigst dafür nur eine Uhr mit Sekundenanzeige. Moderne Fitnessuhren oder Blutdruckmessgeräte können zusätzlich unterstützen, sind aber für eine reine Pulsermittlung nicht notwendig. 

Der Puls lässt sich an verschiedenen Stellen des Körpers ertasten, zum Beispiel am Hals, in der Leiste oder an den Schläfen. Besonders einfach gelingt die Messung am Handgelenk. 

Puls am Handgelenk messen 

Hier wird der Puls am häufigsten gemessen. Die Arterie, die man dazu ertastet, ist die sogenannte Speichen-Schlagader, die Arteria radialis. 

Du benötigst eine Uhr mit Sekundenanzeige. So gehst Du vor: 

  1. Setze oder lege Dich entspannt hin. 

  2. Drehe die Handfläche nach oben. 

  3. Lege Zeige-, Mittel- und Ringfinger auf die Innenseite des Handgelenks, etwas unterhalb des Daumenballens. 

  4. Drücke leicht auf das Blutgefäß, sodass Du das Pulsieren spürst. 

  5. Ab dem ersten Schlag, den Du sicher und deutlich tastest, schaust Du auf die Uhr. 

  6. Zähle ab jetzt die Schläge 15 Sekunden lang. 

  7. Nimm den ermittelten Wert mal 4. 

Das Ergebnis ist die Anzahl der Pulsschläge pro Minute.  

 Wichtig: 

  • Achte darauf, vor der Messung einige Minuten ruhig zu sitzen oder zu liegen. Für den Ruhepuls eignet sich als Zeitpunkt besonders der Morgen direkt nach dem Aufwachen. 

  • Verwende zum Ertasten niemals Deinen Daumen. Er besitzt selbst einen Puls, das könnte Deine Messung stören. 

  • Übe keinen zu starken Druck aus, damit Du die Blutzufuhr nicht unterbrichst. 

  • Bei unregelmäßigem, langsamem oder schwer tastbarem Puls musst Du eine volle Minute lang messen. 

Puls messen mit Geräten 

Für die Pulsmessung gibt es technische Hilfsmittel wie: 

  • Smartwatches 

  • Smart Rings 

  • Fitnessarmbänder 

  • Brustgurte beim Sport 

  • Blutdruckmessgeräte mit Pulsmessung 

  • Pulsoximeter 

Diese Geräte sind recht praktisch und können Tendenzen zeigen. Auffällige Werte solltest Du immer per Hand nachkontrollieren. Bestätigt sich ein kritischer Wert, lass ihn bitte medizinisch abklären.

Ruhepuls, Belastungspuls und Normalwerte 

Normalerweise verläuft die Pulsfrequenz parallel zur Anzahl der Kontraktionen des Herzmuskels. Das zeigt, dass das Herz stark genug ist, um das Blut bis in die herzfernen Regionen des Körpers zu befördern.  

Der Puls ist aber auch von der jeweiligen Situation abhängig, in der Du Dich befindest. Deshalb unterscheiden die Expertinnen und Experten verschiedene Pulsarten. 

Ruhepuls 

Der Ruhepuls beschreibt die Herzfrequenz in entspanntem Zustand. Bei Erwachsenen gilt allgemein: 60 bis 85 Schläge pro Minute sind normal, bis 100 Schläge pro Minute sind akzeptabel. 

Neugeborene 

120 bis 140 Schläge/Minute 

Kleinkinder 

100 bis 120 Schläge/Minute 

Kindern und Jugendliche 

80 bis 100 Schläge/Minute 

Männer 

60 bis 70 Schläge/Minute 

Frauen 

70 bis 75 Schläge/Minute 

ältere Menschen 

80 bis 85 Schläge/Minute 

Gut zu wissen: Sehr trainierte Ausdauersportlerinnen und -sportler haben teilweise eine Ruhepulsfrequenz von unter 60 Schlägen pro Minute. 

Belastungspuls 

Bei körperlicher Aktivität steigt die Pulsfrequenz an. Das Herz pumpt schneller, um den Körper besser mit Sauerstoff zu versorgen. 

Wie stark der Puls ansteigt, hängt ab von: 

  • Deinem Alter 

  • Deinem Trainingszustand 

  • der Intensität der Belastung 

  • Deinem Gesundheitszustand 

Um den Maximalpuls festzulegen, den Dein Körper bei körperlicher Auslastung erreichen kann, gilt folgende grobe Faustformel: 

Männer: 207 minus (Lebensalter x 0,7) 

Frauen: 206 minus (Lebensalter x 0,88) 

Eine 40-jährige Frau rechnet also zum Beispiel: 206 − (40 × 0,88) = 206 − 35,2 = 170,8 Schläge pro Minute. 

Gut zu wissen: Menschen mit guter Ausdauerfitness haben häufig einen niedrigeren Belastungspuls, da ihr Herz wirksamer arbeitet. 

Faktoren, die den Puls beeinflussen 

Eine Veränderung der Pulsfrequenz muss nicht automatisch krankhaft sein. Es gibt viele Faktoren, die die Herzfrequenz und damit die des Pulses beeinflussen – manchmal nur kurzfristig, manchmal dauerhaft. Dazu gehören: 

  • Schlaf: Im Schlaf ist die Pulsfrequenz normalerweise niedrig. 

  • körperliche Aktivität: Bei körperlicher Belastung wie beispielweise Sport steigt der Puls deutlich an, im Anschluss sinkt er üblicherweise wieder ab. 

  • Stress und Emotionen: Aufregung, Angst oder Stress aktivieren das Nervensystem. Dann schlägt das Herz schneller, der Puls steigt. 

  • Fieber: Ein erhöhter Puls bei fieberhaften Infekten ist eine natürliche Reaktion – der Körper bekämpft die Erreger und beschleunigt dazu die Durchblutung und den Stoffwechsel. 

  • Genussmittel: Koffein, Nikotin oder Alkohol können den Puls vorübergehend beeinflussen. 

  • Aufenthalt in größer Höhe: Die sauerstoffarme Höhenluft treibt den Puls hoch. 

  • bestimmte Medikamente: Betablocker, Narkose-, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Nitroglycerin können die Pulsfrequenz senken; Wehenhemmende Mittel und Asthma-Medikamente können sie dagegen in die Höhe treiben.

Wann der Puls Sorgen bereitet: Unregelmäßigkeiten und Warnsignale 

Der Puls kann auf verschiedene Arten von der Norm abweichen: 

  • Er ist zu langsam, medizinisch: Bradykardie. 

  • Er ist zu schnell, medizinisch: Tachykardie. 

  • Er ist unregelmäßig, medizinisch: Arrhythmie.  

Nicht jede Schwankung ist gefährlich. Aber: Stellst Du ohne erkennbare Ursache einen dauerhaft sehr hohen oder einen ungewöhnlich niedrigen Ruhepuls fest, lass das bitte zeitnah ärztlich abklären. Denn dahinter können verschiedene Erkrankungen stecken. 

Insbesondere gilt das bei einem unregelmäßigen Puls mit einzelnen, abweichenden Pulsschlägen. Der kann auf verschiedene, auch ernste Erkrankungen des Herzens hinweisen. Handlungsbedarf besteht vor allem, wenn folgende Symptome hinzukommen:   

  • Schwindel, 

  • Herzstolpern oder „Flattern“,  

  • extreme Müdigkeit, 

  • Herzrasen ohne erkennbare Ursache, 

  • Ohnmachtsanfälle, 

  • Brustschmerzen oder Atemnot. 

Bei akuten starken Beschwerden warte bitte nicht ab, sondern verständige den Notarzt.

Puls messen im Alltag: Praktische Tipps für Deine Gesundheit 

Die regelmäßige Pulsmessung kann Dir helfen, Deinen Körper besser kennenzulernen, und wenn Du sportlich aktiv bist, unterstützt sie Dich darin, Dein Training sinnvoll anzupassen.  

Zwar ersetzt sie keine medizinische Untersuchung, kann aber ein wichtiger und unkomplizierter Baustein für Deine individuelle Gesundheitsvorsorge sein. Besonders empfohlen wird sie bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Beschwerden wie Herzstolpern oder Schwindel und bei der Einnahme bestimmter Medikamente wie Betablocker.  

Praktische Tipps: 

  • Miss möglichst immer zur gleichen Tageszeit. 

  • Gewöhne Dir an, den Ruhepuls morgens zu dokumentieren, um Vergleichswerte zu haben. Notiere dabei Uhrzeit der Messung, Messergebnis und Besonderheiten. 

  • Beobachte Veränderungen über mehrere Tage und dokumentiere sie sorgfältig. 

  • Besprich auffällige Werte mit einer Ärztin oder einem Arzt. Deine Dokumentation wird dabei nützlich sein. 

Kommt Dir das jetzt erstmal zu aufwendig und eigentlich unnötig vor? Zumal Du keinen zwingenden Anlass hast, die Pulskontrolle als Routine in Deinen Alltag einzuführen? Warum nicht trotzdem mal für einige Zeit konsequent messen? So lernst Du Deinen Puls kennen und – falls es doch einmal nötig werden sollte – kannst Du Dir selbst „auf den Puls fühlen“. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

Printquellen

  • Feuchte, Ch., Krobath, C., Mayer, A., Stollmaier, W. (2009). Medizinische Fachangestellte: Behandlungsassistenz, Patientenbetreuung (1. Aufl.). Handwerk und Technik. 
  • Lauber, A., & Schmalstieg, P. (2007). Wahrnehmen und Beobachten (2. Aufl.). Thieme.