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Hallo, kleines Wunder!

Wenn sich Nachwuchs ankündigt, können die Eltern die Geschwister altersgemäß an das neue Baby heranführen. ¹⁾

Inspirationsthema mit Pädagogin Heike vom Heede

Es ist ein Gänsehautmoment, wenn sich ein Kind und sein jüngeres Geschwisterchen nach der Geburt zum ersten Mal begegnen. Bis es aber so weit ist, beschäftigen Eltern viele Fragen. Die Pädagogin Heike vom Heede erklärt, wie sich eine Familie auf ein weiteres Kind vorbereiten kann und wie sie nach der Geburt neu zusammenfindet.

Heike vom Heede begleitet seit vielen Jahren Familien in wichtigen Lebensphasen. Sie weiß: Mütter und Väter machen sich bei der zweiten Schwangerschaft viele Gedanken. Um Organisatorisches – das liegt nahe –, aber auch sehr stark um emotionale Fragen, solche wie: „Werde ich das zweite Baby genauso lieben wie das erste? Kommt das erste Kind zu kurz?

Die zweite Schwangerschaft verläuft meist selbstverständlicher. „Auch weil Eltern mit dem ersten Kind noch sehr beschäftigt sind“, sagt Heike vom Heede. Viele können sich deshalb im Vorfeld gar nicht vorstellen, wie verliebt sie auch in das zweite Kind sein werden.Sie möchte Eltern die Sorge, ihre Kinder nicht gleich zu lieben, nehmen: „Man liebt jedes Kind immer auf seine Weise.“ Die Pädagogin rät ihnen, jedem Kind zu vermitteln: „Du bist einzigartig, und weil Du so bist, wie Du bist, hab ich Dich so doll lieb. Und mit Deinen Geschwistern ist das genauso.

Wie bereiten Eltern ältere Geschwister auf das Baby vor?

Mütter und Väter können das größere Kind spielerisch auf die Ankunft des Babys vorbereiten: Kinder ab drei Jahren zum Beispiel mit einer Babypuppe. - sie wird gewickelt, schlafen gelegt, gefüttert. Auch Kinderbücher sind bei der Vorbereitung auf das Baby hilfreich. Das Alter des Kindes bestimmt, auf welche Weise und wie stark man es mit einbinden kann“, sagt Heike vom Heede. Ein Vorschlag ist, auch kleine Kinder schon daran zu gewöhnen, anderswo zu übernachten. „Denn es bringt Entspannung für die gesamte Familie, wenn das Kind bei der Geburt seines Geschwisterchens zwei Tage bei den Großeltern oder bei anderen Bezugspersonen verbringt.

Kleine Kinder dem Alter entsprechend aufklären

Um die Schwangerschaft für ein Geschwisterkind quasi zu verkürzen, können Eltern ihm, je nach Alter, erst in der Mitte oder gegen Ende der neun Monate sagen, dass es ein Geschwisterchen bekommt. Auch für kleine Geschwisterkinder ist es spannend, den Herztönen des Babys bei Kontrollterminen in der Frauenarztpraxis oder bei der Hebamme zu lauschen.

Kommt dann eine Frage auf wie diese: „Wie kommt das Baby in den Bauch rein?“, hat Heike vom Heede diesen Tipp: Ich würde immer sagen, weil der Papa und ich uns so lieb haben und wir so feste gekuschelt haben, darum haben wir Glück, dass jetzt noch ein Kind kommt.Sie begründet das so: „Damit bleibe ich ehrlich, erkläre aber nicht den physischen Vorgang oder zeige gar Bilder aus Aufklärungsbüchern, die die Kinder sehr erschrecken können.

„Die Mutter braucht das Wochenbett als Erholungs- und Genusszeit mit dem Baby.“ – Heike vom Heede

Das erste Kind als Bruder oder Schwester feiern

Nach der Geburt erst mal alleine mit dem Baby zu Hause anzukommen, ermöglicht es Eltern, das Kleine in Ruhe kennenzulernen. Wenn das ältere Kind dann nach zwei Tagen zum Beispiel bei den Großeltern nach Hause kommt, sollte es das Baby ebenfalls allein erkunden dürfen“, sagt Heike vom Heede. Der Säugling kann dabei beispielsweise auf einer Wolldecke auf dem Boden liegen. Er sollte nicht auf dem Arm eines Elternteils sein, damit das Geschwisterkind sein Schwesterchen oder Brüderchen gut betrachten und es auch anfassen kann. „Es soll selbst den Kontakt aufnehmen können – das zu sehen, ist auch für Eltern ein tief berührender Moment.

Die Pädagogin gibt Familien den Tipp, diesen Tag mit dem ersten Kind gebührend zu feiern, weil es jetzt eine Schwester oder ein Bruder ist. Ein Geschenk für das Erstgeborene und sein Lieblingskuchen, den vielleicht die Großeltern beisteuern mögen, sollte dabei nicht fehlen.So kann das Kind den Tag als Lebenserinnerung mitnehmen“, erklärt Heike vom Heede. Und: Es hat eine andere Haltung zum Baby, die nicht von Ängsten und Neid geprägt ist.

Ich würde deshalb dem Kind auch nicht sagen, dass das Baby das Geschenk aus dem Bauch mitgebracht hat.Das Präsent der Eltern sollte im Zusammenhang mit der neuen Familiensituation stehen. Bei Schulkindern kann es zum Beispiel eine Sofortbildkamera sein. Damit können sie selbst ein Familienalbum basteln.

Einen Plan B vorbereiten für den Fall der Fälle

So weit der Idealfall. Was aber, wenn nicht alles so glatt läuft und die Schwangere beispielsweise liegen muss oder ins Krankenhaus kommt? Oder wenn das Baby zu früh auf die Welt kommt und in der Klinik bleiben muss? Die Pädagogin empfiehlt Familien, schon für die Schwangerschaft einen Plan B zu entwickeln. Meist wird er nicht benötigt, aber im Notfall hilft es, vorbereitet zu sein und zu wissen, wer bei der Betreuung des größeren Kindes unterstützen kann.

Wer kein Netzwerk an Familienangehörigen und Freunden hat, die einspringen können, kann sich bei seiner Krankenkasse nach Unterstützungsmöglichkeiten erkundigen. Gleiches gilt auch, wenn zum Beispiel Wochenbettdepressionen das Familienglück trüben. Hier sollten die Partner die Initiative ergreifen und sich trauen, zu ihren Frauen zu sagen: ‚Du bist nicht mehr dieselbe, wir suchen Dir jetzt Hilfe‘.“ Hebammen können hier Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen.

Eine gute Planung und Organisation hilft Familien mit einem Neugeborenen dabei, die erste Zeit nach der Geburt entspannter zu erleben.Die Mutter braucht das Wochenbett als Erholungs- und Genusszeit mit dem Baby“, sagt Heike vom Heede.Und auch danach sollte sie nicht zum Beispiel durch Schlafmangel in eine tiefe Erschöpfung geraten.“ Die zweifache Mutter weiß aus eigener Erfahrung und aus ihrer Beratungspraxis, dass es vielen Müttern schwerfällt, sich Auszeiten zu „erlauben“. Aus Sicht der Pädagogin sind sie doppelt wichtig: Für die Mutter, um wieder Kraft zu schöpfen. Aber wir haben zudem eine Verantwortung, auch gesellschaftlich, Kindern vorzuleben, dass es wichtig ist, Raum für sich und Auszeiten zu haben“, sagt sie. „Sonst erleben insbesondere Mädchen: Ich muss als Mutter immer im To-do-Modus und ansprechbereit sein.

Wichtig ist der Pädagogin auch, Rollenmuster aufzubrechen: „Wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, ist es ganz wichtig, dass wir uns Freiräume zugestehen.“ Eltern sollten sich gegenseitig Freiräume zum Krafttanken ermöglichen, um Sport zu machen, am Wochenende mal auszuschlafen oder Freunde zu treffen.

„Wir haben eine Verantwortung, auch gesellschaftlich, Kindern vorzuleben, dass es wichtig ist, Raum für sich und Auszeiten zu haben.“ – Heike vom Heede

Weniger Familienchaos mit einer guten Planung

Hausarbeiten wie den Kühlschrank oder die Dusche gründlich putzen sind da „Genusszeit-Räuber“, wie es Heike vom Heede nennt. Diskussionen darum, wer sie übernimmt, knabbern auch an Paarbeziehungen. Wochenpläne können helfen, in denen genau festgehalten ist, wer wann was macht.In jedem Beruf habe ich meinen Plan. Ich habe mein Konzept. Man muss das mit dem Familienplan ja nicht für immer und ewig machen, aber ich rate dazu, es erst mal zu versuchen.“ Was nicht guttut, wird wieder abgeschafft, Erprobtes beibehalten.

Kinder von klein auf spielerisch in den Haushalt einzubinden kann Eltern auf Dauer nicht nur etwas entlasten. So lernen Kinder von Anfang an: „Die Wäsche wird in den Korb gebracht und wenn sie gewaschen und getrocknet ist, falten wir sie …“ Und sie erfahren, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen. „Eltern können sich schöne Aufgaben überlegen, die den Kindern Freude machen“, schlägt Heike vom Heede vor. In wertschätzenden, positiven Worten können Erwachsene erklären: „Jetzt bist Du schon so groß, dass Du Küchenhelfer bist und die Gurken schneiden darfst …

Das Kind „darf“ also an Alltagsverpflichtungen teilnehmen, es „muss“ nicht. Das kann sein Selbstwertgefühl stärken. Gemeinsames Spielen und Kuscheln verbindet die Familie, niemand soll das Gefühl haben, zu kurz zu kommen. Geschwisterkinder sollen nicht hinter dem Baby zurückstehen müssen. Um zum Beispiel ein Schulfest oder eine Aufführung des größeren Kindes aufmerksam verfolgen zu können, ist es besser, das Baby in der Zeit von anderen lieben Menschen betreuen zu lassen.

Damit die Familie neu zusammenwächst, ist es wertvoll, regelmäßig etwas getrennt zu unternehmen. Nicht nur Me-Time und Paar-Time für die Eltern sind wichtig, jedes Kind kann für sich Freude und Liebe tanken, wenn es auch regelmäßig allein mit den Eltern oder nur einem Elternteil etwas Schönes machen kann. Zum Beispiel auf den Spielplatz oder ins Schwimmbad gehen, gemeinsam im Garten Blumen pflanzen, Bilderbücher anschauen oder in der Garage werkeln – Hauptsache keiner Verpflichtung nachgehen oder dabei To-dos erledigen. Dann erlebt man das Kind noch mal ganz anders“, sagt Heike vom Heede.

Heike vom Heede

Es ist wichtig, sich als Eltern gegenseitig Freiräume zum Krafttanken zu ermöglichen. © Diana Sabeeh

Die Pädagogin gründete 2008 ihr Familieninstitut. Seit über 20 Jahren ist Heike vom Heede im Bereich Familien, Eltern und Schwangerschaftsbegleitung aktiv. Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und Großmutter hat das Familieninstitut Heike vom Heede aufgebaut. Es hat sich auf Familienberatung und Kurse für Schwangerschaft, Geburt, Elternsein und frühe Kindheit spezialisiert. Infos: familieninstitut-duesseldorf.de

Das Hebammen-Duo Marie Kuon (li.) und Anja Stern berät Schwangere und Familien. © Simone Lobgesang Fotografie

Hebammen-Tipps

Ein weiteres Baby ist unterwegs – diese Ratschläge für Eltern haben die Hebammen von Hallohebamme und dem glückskind-Podcast Geburtskanal:

  1. Für die Schwangerschaft und das Wochenbett zentral sind: Organisation, Unterstützung und Hilfe annehmen.
  2. Die Schwangerschaft ist eine gemeinsame Reise. Das große Kind darf gerne bei der Namenssuche oder beim Babykleidung-Aussuchen helfen. So entsteht das Gefühl: Ich bin wichtig und gehöre dazu.
  3. Dem älteren Kind erklären, wer während der Geburt bei ihm sein wird und warum Mama sich danach viel ausruhen muss.
  4. Viele Frauen tun sich im Wochenbett schwer damit, Dinge liegen zu lassen. Doch: Es muss nicht alles sofort perfekt laufen! Sich Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstfürsorge.
  5. Auch Geschwisterkinder sind gewissermaßen im Wochenbett und dürfen ihre neue Rolle in der Familie finden. Starke Gefühle gehören dazu. Gerade in der Anfangszeit, wenn das Baby viel Aufmerksamkeit benötigt, kann beim älteren Kind Neid aufkommen, sodass es fragt: „Wann geht das Baby wieder?“ Wichtig ist, solche Gefühle ernst zu nehmen und dem Kind Raum zu geben, sie zu zeigen. So spürt es, dass sein Platz im Herzen der Eltern unverändert bleibt, nur dass jetzt ein weiterer kleiner Mensch dazugekommen ist.
  6. Kleine Aufgaben oder gemeinsame Spiele, die man beim Stillen oder Kuscheln auf dem Sofa machen kann, stärken das Wir-Gefühl und die Bindung in der neuen Familienkonstellation.