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Noch viel vor

Portraits von Langston Uibel

Der Schauspieler Langston Uibel ist vor allem aus der Netflix-Serien "How to Sell Drugs Online" bekannt. © Luise Blumstengel

Interview mit Schauspieler Langston Uibel

Seinen Weg als Schauspieler geht Langston Uibel mit viel Ehrgeiz und großer Neugier. Weder internationale Produktionen noch große Bühnen schüchtern ihn ein. Ein Gespräch über Offenheit, Mut und die Lust, sich weiterzuentwickeln.

Zum alverde-Interview kommt Langston Uibel in einem schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „Hex-hex“ – der Formel, mit der Bibi Blocksberg ihre Zauberkräfte freisetzt. In dem neuen Bibi-Blocksberg-Film „Die total verhexte Zeitreise“ (Kinostart am 24. September) spielt der Schauspieler eine kleine, aber wichtige Rolle. „Ich war schon als Kind ziemlich ernst und mochte es nicht, wenn zu viel Quatsch gemacht wurde“, erzählt er. Geschichten mit Magie hingegen faszinierten ihn. Heute sind Kino und Theater für ihn magische Orte. Und im Gespräch merkt man ihm die Freude und auch das Erstaunen darüber an, tatsächlich Teil dieser besonderen Welt zu sein.

alverde: Gab es als Kind Figuren aus Büchern oder Filmen, zu denen Du sofort eine Beziehung hattest?

Langston Uibel: Ich habe bis zu meinem achten Lebensjahr in London gelebt und bin in Berlin auf eine internationale Schule gegangen. Figuren wie Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, die in Deutschland groß sind, habe ich verpasst. Dafür haben mich die Bücher von Roald Dahl wie „Matilda“ und „Der fantastische Mister Fox“ und die Buchreihe „A Series of Unfortunate Events“ von Lemony Snicket um die Abenteuer dreier Waisenkinder geprägt.

alverde: Du bewegst Dich heute zwischen deutschen und internationalen Projekten. Wieweit hat Dir Dein Aufwachsen in verschiedenen Sprachen und Kulturen dabei geholfen?

Langston Uibel: Mir war früh klar, wie groß und vielfältig die Welt ist. Das macht flexibel und neugierig. Mich interessiert viel, von gesellschaftlichen Debatten bis zu Modetrends. Wenn man international arbeitet, hilft es, entspannt zu bleiben und sich nicht zu sehr um sich selbst zu drehen.

alverde: Was hilft Dir, innerlich anzukommen, wenn Du in anderen Städten arbeitest?

Langston Uibel: Die Menschen. Ich glaube, ich habe ein gutes Gespür dafür, wo ich Leute treffe, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin. Ich schaffe es, immer mit den coolen Kids abzuhängen. Manchmal braucht es nur eine Person, die einen irgendwohin mitnimmt, und schon öffnet sich eine Stadt. So ist es mir kürzlich in Wien und Rom gegangen.

„Ich bin ehrgeizig, ich mag es zu gewinnen, und ich fände es schade, wenn es nicht funktionieren würde.“

„Wenn man international arbeitet, hilft es, entspannt zu bleiben und sich nicht zu sehr um sich selbst zu drehen.“ © Luise Blumstengel

alverde: Aber Du kommst immer gern nach Berlin zurück?

Langston Uibel: Genau. Ich war noch nie an dem Punkt, dass ich hier weg wollte. Ich gehe gern raus, sammle neue Eindrücke und komme dann umso lieber dorthin zurück, wo ich die Straßen und die Menschen seit Jahrzehnten kenne. Dieses Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, schätze ich sehr.

alverde: Du bist ohne klassische Schauspielausbildung in internationale Produktionen und auf renommierte Bühnen gekommen. Welche Eigenschaft hat Dir auf diesem Weg am meisten geholfen?

Langston Uibel: Meine Neugier. Ich schaue mir sehr viel an und versuche, genau hinzuschauen und zu lernen. Im Burgtheater habe ich beispielsweise nach den Proben immer noch eine Extraschicht mit der Sprecherzieherin eingelegt, damit mein Spiel noch mehr Präsenz hat und jeden im Publikum erreicht. Manchmal wünsche ich mir rückblickend, ich hätte eine Schauspielausbildung gemacht, weil manches dadurch vielleicht leichter gewesen wäre. Das würde ich jungen Schauspielern auch eher empfehlen.

alverde: Was gibt Dir die Theaterbühne, was Film und Serie Dir nicht geben?

Langston Uibel: Ich komme vom Film und möchte auch beim Film bleiben. Aber die Bühne fordert mich auf andere Weise. Im Burgtheater spielst Du vor tausend Menschen. Dann, was man sagt, wirklich zu meinen, das verlangt enormen Mut. Ich kann meine Rolle nicht einfach so runterspielen. Ich bin immer mit voller Leidenschaft drin und komme schweißgebadet von der Bühne. Und man spürt die Reaktion unmittelbar. Das ist noch mal berührender, als wenn Dich mal jemand auf der Straße auf einen Film anspricht, den Du vor ein paar Jahren gedreht hast.

alverde: An welcher Station Deines Weges hast Du am meisten gelernt?

Langston Uibel: Sehr viel bei Christian Petzold, mit dem ich „Roter Himmel“ gedreht habe. Wir haben viel über Kunst und Film gesprochen. Und die Arbeit mit Barbara Frey am Burgtheater. In den acht Wochen intensiver Proben habe ich sehr klar gesehen, wo ich momentan stehe und wohin ich noch möchte.

alverde: Du übernimmst inzwischen auch Aufgaben hinter der Kamera. Beim ersten Kinofilm Deines Schauspielkollegen Lamin Leroy Gibba etwa bist Du der Executive Producer (ausführender Produzent). Was reizt Dich daran?

Langston Uibel: Es ist weniger die Tätigkeit, die mich reizt, sondern der Einfluss, den ich damit habe. Bei Projekten, die mir sehr viel bedeuten, möchte ich gerne auch ganzheitlich mitsteuern. Deshalb spiele ich in Lamins Film nicht nur die Hauptrolle, sondern kann als Produzent auch die Besetzung und damit die visuelle Sprache des Projekts mitgestalten.

alverde: Du hast schon einige Auszeichnungen bekommen. Geben sie eher Sicherheit oder bauen sie Druck auf?

Langston Uibel: Jeder Mensch braucht zwischendurch Bestätigung. Wir sollten generell ein bisschen netter zueinander sein. Insofern ist ein Preis erst einmal etwas Schönes.

alverde: Du wurdest oft als Newcomer ausgezeichnet. Wie lange ist man das eigentlich?

Langston Uibel: 28 ist noch jung, aber dass Chancen nicht unbegrenzt sind, spüre ich trotzdem. Es gibt viele Menschen, die diesen Beruf machen wollen, und natürlich setzt einen das unter Druck. Und den mache ich mir auch selbst, einfach weil mir das alles sehr viel bedeutet. Ich bin ehrgeizig, ich mag es zu gewinnen, und ich fände es schade, wenn es nicht funktionieren würde. Gleichzeitig weiß ich auch: Es ist nicht das Ende der Welt, wenn etwas nicht klappt. Man muss es nur immer wieder versuchen.

„Wir sollten generell ein bisschen netter zueinander sein.“

Bibi Blocksberg x Langhaarmädchen

Bibis ikonische Pferdeschwanz-Frisur wurde wie alle anderen Haarstyles des Films mit den Haarprodukten der Langhaarmädchen gestylt. Die passenden Tutorials gibt es auf Instagram: @langhaarmaedchen

Steckbrief Langston Uibel – Cool und klassisch

Er wurde 1998 in London geboren und wuchs zweisprachig auf. Er spielte in Streaming-Serien wie „Unorthodox“, „How to Sell Drugs Online (Fast)“ und „Hijack“ mit. Der Film „Roter Himmel“, in dem er eine Hauptrolle spielte, wurde 2024 mit dem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet. Sein Theaterdebüt gab er 2023 im Wiener Burgtheater mit „Ein Sommernachtstraum“ unter der Regie von Barbara Frey. Mit ihr probt er aktuell im Schauspielhaus Düsseldorf „Die Möwe“, die im Oktober Premiere hat.

  • Papas Playlist
    Sein Vater hat eine Jazzbar in London. Dessen Musikgeschmack hat Langston Uibel stark beeinflusst. Während er an Filme klare Qualitätsanforderungen stellt, zählt bei Musik nur: „Entweder der Song bockt oder nicht.“
  • Zurück zum Sommermärchen
    Ein Zeitreise-Ticket würde der Fußball-Fan in den Sommer 2006 buchen. „Da war hier noch alles gut.“
  • Französischer Klassiker
    Ein Film, der ihn kürzlich beeindruckt hat, ist „Das grüne Leuchten“ von Eric Rohmer.