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Grenzen, die stark machen

Rebecca Mir im helllila Hosenanzug vor hellem Hintergrund, lächelnd und leicht nach vorn geneigt, lange dunkle Haare über die Schultern fallend

„Ich mag Bücher, die Spaß machen“, sagt Moderatorin Rebecca Mir. © Luise Blumstengel

Interview mit Moderatorin und Autorin Rebecca Mir

Auf das eigene Bauchgefühl hören und loslassen lernen sind Themen, die Kinder ebenso begleiten wie Erwachsene. Moderatorin Rebecca Mir hat darüber ein Kinderbuch geschrieben. Im Interview erzählt sie, warum der Kita-Start ihres Sohnes der Auslöser war und wann sie angefangen hat, für sich selbst einzustehen.

Während Rebecca Mir in der Maske sitzt, ist sie parallel in einem digitalen Meeting. Es folgen Interview und Shooting, bevor sie am Nachmittag ins Kölner RTL-Studio fährt, wo sie die Fernsehsendung „Exclusiv“ moderiert. Der Tag ist eng getaktet und doch bewahrt sie ihre offene Art und steckt andere mit ihrem Lachen an.

alverde: In Deinem Bilderbuch geht es darum, Grenzen zu setzen. Warum ist Dir dieses Thema so wichtig?

Rebecca Mir: Die Idee entstand, als mein Sohn in die Kita kam. Er musste lernen, auch mal „Nein“ oder „Stopp“ zu sagen – vor allem gegenĂĽber anderen Kindern. Mir wurde schnell klar, wie wichtig das ist. Ich habe damals gemerkt, dass mir genau dafĂĽr ein passendes Buch fehlt. Also habe ich angefangen, Situationen mit Kuscheltieren nachzuspielen und mir abends eigene Geschichten auszudenken. Den entscheidenden Impuls gab schlieĂźlich meine kleine Schwester: Sie meinte irgendwann, warum ich daraus eigentlich kein Kinderbuch mache. Und da dachte ich mir: Ja, warum eigentlich nicht?

alverde: Wie hast Du den Start Deines Sohnes in der Kita erlebt?

Rebecca Mir: Ich habe meinen Sohn, bis er etwa zweieinhalb war, eigentlich ĂĽberallhin mitgenommen – auch zu Shootings und Jobs. Wenn ich gearbeitet habe, waren oft meine Mama, meine Schwester oder Freundinnen dabei, die aufgepasst haben. Ihn dann in die Kita zu geben war emotional. Die Eingewöhnung ging ĂĽber einen Monat. FĂĽr Kinder ist ja nicht selbstverständlich, dass Mama wiederkommt. Und fĂĽr Eltern ist dieses Loslassen auch ein Lernprozess.

alverde: Was hat Dir geholfen?

Rebecca Mir: Vertrauen. Zu wissen, dass mein Kind gut aufgehoben ist, und mir auch selbst Zeit zuzugestehen. Ich habe lange gebraucht, zu sagen: Ich darf auch mal in Ruhe duschen oder einen Kaffee trinken. Aber man kann nur gut fĂĽr andere da sein, wenn es einem selbst gut geht. Und da kann ich nur allen Eltern sagen: Ihr braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich habe dafĂĽr viel zu lange gebraucht. Sich selbst Raum zu geben, gehört genauso dazu.

alverde: Beobachtest Du, dass Themen wie Grenzen und Selbstbehauptung in der Kita gelebt werden?

Rebecca Mir: Die Erzieherinnen und Erzieher geben ihr Bestes, aber bei so vielen Kindern kann man nicht jede Situation sehen. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass Eltern das Thema zu Hause aufgreifen. Man kann das spielerisch machen mit BĂĽchern, Gesprächen oder Rollenspielen. So lernen Kinder frĂĽh, ihre GefĂĽhle und Grenzen auszudrĂĽcken.

„Man kann nur gut für andere da sein, wenn es einem selbst gut geht.“

Collage aus drei Fotos einer von Rebecca Mir: links Ganzkörperbild in rotem Blazer mit verschränkten Armen und Lächeln, rechts oben Halbprofil mit hellem ärmellosem Oberteil und gefalteten Händen am Kinn, rechts unten sitzend mit geschlossenen Augen und einer Hand an der Seite des Gesichts

© Luise Blumstengel

alverde: Wann hast Du zuletzt ganz bewusst Nein gesagt?

Rebecca Mir: Wenn man ein Kleinkind hat, passiert das ständig. Ob es darum geht, länger wach zu bleiben, noch ein Eis zu wollen oder etwas durchzusetzen, das einfach nicht guttut. Gerade Eltern mĂĽssen konsequent sein – auch wenn es manchmal schwerfällt. Ich habe im Prozess des Schreibens gemerkt, dass es mir in meinem Alltag schwergefallen ist, Nein zu sagen. Ich bin lange Zeit eher ĂĽber die eigenen Grenzen gegangen. Mir wurde bewusst, das passt nicht zusammen: Ich kann meinem Sohn nicht beibringen, fĂĽr sich einzustehen, wenn ich es selbst nicht mache. Also habe ich angefangen, auch an mir zu arbeiten.

alverde: Woran merkst Du, dass ein Bilderbuch bei Euch wirklich funktioniert?

Rebecca Mir: Das entscheidet mein Sohn. Gute KinderbĂĽcher sind die, die Kinder immer wieder hören wollen. Ich mag BĂĽcher, die SpaĂź machen und bei denen man ganz nebenbei etwas lernt, ohne dass es sich wie Lernen anfĂĽhlt. Aber am Ende zählt: Wenn mein Sohn lacht, zuhört und wieder danach fragt, dann funktioniert das Buch. Und wenn es dann doch sehr oft dasselbe Buch ist, mache ich es mir selbst spannender. Jede Figur bekommt eine eigene Stimme. So wird es fast wie ein kleines Hörspiel und bleibt fĂĽr uns beide abwechslungsreich.

alverde: Was gefällt Dir an Deiner Arbeit als Moderatorin gerade besonders?

Rebecca Mir: Ich finde es total spannend, Promi-Interviews zu fĂĽhren und herauszufinden, wie Menschen sind und wie sie ticken. Einfach ins Gespräch zu gehen, zuzuhören, auch mal nachzuhaken. Wenn mich ein Thema wirklich interessiert, dann merkt man das auch. Und genau das macht mir im Moment sehr viel SpaĂź.

alverde: Wie hast Du Dir Dein journalistisches Handwerk angeeignet?

Rebecca Mir: Ich habe Fortbildungen gemacht und immer wieder Kurse belegt, zuletzt auch bei RTL. Gleichzeitig habe ich mir viel von Kolleginnen und Kollegen abgeschaut und sie gefragt: Wie macht Ihr das eigentlich? Man lernt mit jeder Sendung dazu.

alverde: Was hast Du in den Jahren vor der Kamera ĂĽber Dich selbst gelernt?

Rebecca Mir: Dass ich mir ein dickes Fell wachsen lassen muss. Gerade am Anfang ist das nicht so einfach, vor allem, wenn Kritik von auĂźen kommt. Ich habe dafĂĽr auch meine Zeit gebraucht. Manchmal gelingt es besser, manchmal schlechter. Aber ich glaube, wenn man im GroĂźen und Ganzen mit dem zufrieden ist, was man macht, dann kann man damit ganz gut umgehen.

Steckbrief Rebecca Mir – Vor der Kamera

  • Rebecca Mir ist Model, Moderatorin und Autorin. Bekannt wurde sie 2011 durch ihre Teilnahme bei Germany’s Next Topmodel. Nach vielen Jahren bei taff moderiert sie heute das RTL-Starmagazin Exclusiv. Die Einnahmen ihres Kinderbuchs spendet sie an den Kinderschutzbund Köln und an Nina e. V., zwei Organisationen, die sich fĂĽr das Wohl von Kindern einsetzen.
  • Meine Musik beim Sport: Alles mit Beat – BeyoncĂ©, Dua Lipa oder Destiny’s Child
  • Mein peinlichster TV-Fail: In einer Sendung sollte ich eigentlich erst später live gehen. Doch plötzlich hieĂź es: Jetzt sofort! Also rannte ich quer durchs Studio ins Bild und musste mir spontan eine Erklärung ausdenken, wo ich vorher gewesen war. Im Nachhinein fand ich es aber total witzig!