Angekommen bei sich

Portrait von Monica Meier-Ivancan

Ernährungsberaterin und Fitnesstrainerin Monica Meier-Ivancan spricht im alverde-Magazin über Hormone und Frauengesundheit. © Luise Blumstengel

Interview mit Model Monica Meier-Ivancan

Gut gelaunt: „Heute lebe ich für mein Wohlbefinden“, sagt Monica Meier-Ivancan

Monica Meier-Ivancan wurde Ende der 1990er-Jahre als Model entdeckt und 2004 als erste „Bachelorette“ im Fernsehen bekannt. Heute lebt sie mit ihrer Familie in München. Sie ist ausgebildete Ernährungsberaterin sowie Fitness- und Pilatestrainerin und redet offen über Frauengesundheit. Mit alverde spricht sie über körperliche Veränderungen, Wechseljahre und darüber, warum der Druck aufhört, sobald man beginnt, mehr auf das eigene Wohlbefinden zu hören.

In Sportkleidung, ungeschminkt und mit ansteckendem Lächeln kommt Monica Meier-Ivancan zum alverde-Interview und Titelshooting. Kurz darauf sitzt sie in der Maske: „Ich gehe später noch mit meinen Freunden ins Fitnessstudio“, sagt die 49-Jährige. „Die werden sich wundern, dass ich mit Full-Face-Make-up zum Sport auftauche.“ Diese Ruhe im eigenen Körper ist das Ergebnis eines Lernprozesses.

alverde: Du kommst aus Stuttgart, hast kroatische Wurzeln und lebst in München. Was bedeutet Heimat für Dich heute?

Monica Meier-Ivancan: Heimat sind für mich Orte, an denen ich mich wie ich selbst fühle – vor allem Stuttgart-Zazenhausen, wo ich aufgewachsen bin, und Kroatien, wo wir früher immer Urlaub gemacht haben. Diese Orte sind mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden. Heute entsteht Heimat für mich aber auch im Alltag: durch Rituale wie meine Sportroutine, feste Verabredungen oder die Gassirunde und vor allem durch vertraute Menschen und echte Gespräche.

alverde: Du sprichst offen darüber, dass sich Dein Körper ab 40 trotz gleichem Training verändert hat. Was hat das in Dir ausgelöst?

Monica Meier-Ivancan: Erst mal war da ein Gefühl von Kontrollverlust. Ich habe alles gemacht wie immer und plötzlich hat es nicht mehr funktioniert. Aber irgendwann habe ich gemerkt: Ich fahre im falschen Gang weiter. Man strengt sich an, aber das bringt einen nicht weiter. Das war für mich auch ein Aha-Moment. Ich glaube, wir denken oft, alles müsste immer gleich bleiben, dabei verändern wir uns ständig. Warum sollte ausgerechnet der Körper mit 40 oder 49 stillstehen? Für mich war das der Anfang, wirklich ehrlicher hinzuschauen: Was ist gerade da, was fehlt, was braucht mein Körper jetzt? So eine Art Inventur, wie man sie aus dem Berufsleben kennt. Und genau dieser Perspektivwechsel hat mir geholfen.

„Dieses Bild von der Superfrau, die alles mühelos alleine stemmt, bringt niemandem etwas.“

© Luise Blumstengel

alverde: Inwiefern hat das auch Dein Selbstbild verändert?

Monica Meier-Ivancan: Ich bin heute viel freier. Früher hätte ich niemals so, wie ich heute Morgen hierhergekommen bin, zu einem Shooting fahren können – mit kurz angetrockneten Haaren, ungeschminkt, in Sportsachen. Da hätte ich gedacht, ich müsse noch irgendetwas optimieren, perfekter aussehen, mehr leisten. Heute denke ich: Das bin ich. Entweder jemand mag das oder eben nicht. Ich habe früher stärker für andere gelebt. Heute lebe ich für mein Wohlbefinden. Mir ist wichtiger, dass ich morgens Zeit für mich habe, dass ich nicht gehetzt bin, dass ich mich in meinem Körper gut fühle. Diese Freiheit ist etwas, das mit dem Älterwerden gekommen ist. Und genau deshalb würde ich auch sagen: Ich möchte gar nicht mehr 25 sein. Ich war damals viel unsicherer als heute.

alverde: Du hast verschiedene körperliche Veränderungen erlebt – von Schlafproblemen bis zu Zyklusschwankungen. Wann hast Du verstanden, dass dahinter hormonelle Veränderungen stecken?

Monica Meier-Ivancan: Als Dinge aufgetreten sind, die ich so nicht kannte. Ich war plötzlich nachts um drei Uhr wach, hatte Kopfkino, meine Blutungen haben sich verstärkt und ich habe mich insgesamt viel erschöpfter gefühlt. Am Anfang habe ich das gar nicht mit den Wechseljahren verbunden, sondern eher gedacht: Was ist denn jetzt plötzlich los mit mir? Erst nach und nach habe ich verstanden, dass diese Veränderungen zusammenhängen und Teil eines hormonellen Prozesses sind. Dieses Einordnen war für mich ein wichtiger Schritt, weil ich gemerkt habe: Ich muss dagegen nicht ankämpfen, sondern darf anfangen, besser hinzuschauen.

alverde: Du empfiehlst Frauen, Detektivinnen des eigenen Körpers zu werden. Was bedeutet das konkret im Alltag?

Monica Meier-Ivancan: Es bedeutet, sich selbst wirklich zu beobachten. Nicht nur zu funktionieren, sondern hinzuspüren: Wie schlafe ich? Wie reagiere ich? Welche Menschen tun mir gut? Welche Routinen bringen mich zurück in meine Mitte? Ich merke zum Beispiel an Kleinigkeiten, wenn etwas kippt, wenn mich plötzlich jedes Lied im Radio nervt oder ich im Verkehr schneller unruhig werde. Was mir dann hilft, ist der ehrliche Austausch mit anderen Frauen. Wenn eine Frau anfängt zu erzählen, trauen sich oft auch die anderen. Und am Ende geht niemand geschwächt aus so einem Gespräch heraus, sondern eher gestärkt, weil man merkt: Ich bin nicht allein. Man bekommt Wissen, Erfahrungen, neue Ideen.

alverde: Beim dm-Inspirationstag zur Frauengesundheit gehst Du mit diesen Themen auf die Bühne. Warum ist es Dir wichtig, Deine Erfahrungen zu teilen?

Monica Meier-Ivancan: Weil es so entlastend ist, wenn jemand sichtbar macht, dass eben nicht immer alles perfekt läuft. Viele schauen auf Menschen in der Öffentlichkeit und denken: Bei denen ist alles leicht, die haben keine Probleme, nur ich kämpfe. Aber so ist es ja nicht. Wenn man offen sagt: Ich bin auch durch Täler gegangen und mir haben bestimmte Dinge geholfen, dann nimmt das anderen ganz viel Druck. Mir ist wichtig, ehrlich zu zeigen, dass man sich Unterstützung holen darf und nicht alles allein schaffen muss. Ich spreche auch ganz offen darüber, dass ich Hilfe habe – durch meinen Mann, meine Schwiegereltern und eine Haushaltshilfe. Dieses Bild von der Superfrau, die alles mühelos alleine stemmt, bringt niemandem etwas. Gerade deshalb finde ich Bühnen wie den Inspirationstag so wertvoll: Sie schaffen Raum für Austausch, Vorbilder und neue Gedanken.

alverde: Inwiefern erlebst Du die Wechseljahre heute auch als Chance?

Monica Meier-Ivancan: Für mich sind die Wechseljahre mit Freiheit verbunden. Ich spüre viel mehr, wer ich bin, was ich will und was ich nicht mehr brauche. Früher habe ich mir selbst Druck gemacht, heute zelebriere ich Individualität viel mehr – bei mir selbst und auch bei anderen Frauen. Ich finde es schade, wenn alle gleich aussehen wollen oder sich an einem Perfektionsbild festhalten, das es so gar nicht gibt. Mit dem Älterwerden ist Selbstsicherheit dazugekommen. Es verändert sich etwas, aber es kommt auch viel dazu: mehr Klarheit, mehr Gelassenheit, mehr Persönlichkeit. Für mich ist das eine neue Phase, in der ich mir selbst näher bin.

alverde: Viele Frauen denken bei Ernährung ab 40 zuerst an Verzicht. Wie siehst Du das?

Monica Meier-Ivancan: Verzicht und noch mehr Druck helfen in dieser Phase nicht. Ich kenne das selbst: Man macht mehr, isst weniger und nichts wird besser. Der Wendepunkt war für mich, als ich verstanden habe, dass „weniger essen“ keine Lösung ist. Gerade weil mit den Jahren Muskulatur abnimmt, braucht der Körper jetzt mehr Fürsorge. Ich starte deshalb zum Beispiel mit einem sättigenden Frühstück – etwa Porridge mit Joghurt, Nüssen und Samen in den Tag. Ich schaue heute nicht mehr darauf, was ich weglassen kann, sondern was auf meinen Teller gehört: genug Protein, gute Fette und Mahlzeiten, die mir Energie geben.

alverde: Wenn Du Deinem jüngeren Ich einen ehrlichen Satz über das Älterwerden mitgeben könntest, welcher wäre das?

Monica Meier-Ivancan: Es ist gar nicht so schlimm. Es kann sogar richtig Spaß machen. Ich hatte früher nicht viele Vorbilder dafür, dass Älterwerden auch etwas Schönes sein kann. Für mich war das lange eher mit Sorge verbunden. Heute würde ich sagen: Du wirst stärker. Du wirst sicherer. Und Du wirst Dich selbst besser kennenlernen. Ich würde meinem jüngeren Ich gern sagen: Hab nicht so viel Angst davor. Bleib neugierig. Es wird gut.

Steckbrief Monica Meier-Ivancan

Sie ist Autorin, Ernährungs- und Fitnessexpertin sowie Pilatestrainerin. In ihren Büchern, Workshops und Auftritten vermittelt sie Wissen rund um Bewegung, Ernährung und Frauengesundheit. Unter anderem in ihrem Buch „Shine on. Starker Körper, starke Seele – mit dem Selfcare-Programm für alle Frauen ab 40“.

  • Was hast Du immer im Kühlschrank?: Eier. Man kann sie so vielseitig einsetzen.
  • Welche Gewohnheit hat Dein Leben verbessert?: Nicht alles persönlich zu nehmen. Und in Stresssituationen bewusst lang auszuatmen.
  • Was bedeutet Genuss für Dich heute?: Nicht nur, wie etwas auf der Zunge schmeckt, sondern auch, wie es sich danach im Körper anfühlt.
  • Was unterschätzen andere an Dir?: Dass ich 1,80 Meter groß bin – viele denken, ich bin viel kleiner.