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Digital zum Anfassen

In der Code Week lassen die Trainer die Mädchen viel ausprobieren, und wenn es hakt, wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. ¹⁾

Zu Besuch in einer Schule in Hamburg

Programmieren statt nur konsumieren: In der Code Week gestalten Kinder die digitale Welt ein Stück weit mit. alverde hat zwei Veranstaltungen in Hamburg besucht.

Eine Wüstenlandschaft, gespickt mit Steinen und Kakteen – Regen wäre hier ein Segen. Es fallen bereits dicke Tropfen. Aber warum bewegt sich die Spinne mit ihrem Wasserglas auf dem Rücken nicht, um sie aufzufangen? Große Ratlosigkeit vor dem Bildschirm. „Die Spinne funktioniert nicht.“ Die zehnjährige Clara sieht Medientrainer Tom Wiedemann fragend an. „Wahrscheinlich habt Ihr einen Schritt vergessen“, sagt er und öffnet ein Fenster auf dem Laptop. Es zeigt eine bunte Kette von Befehlen, die Clara und ihre Freundin Theda untereinander angeordnet haben, um das Computerspiel zum Laufen zu bringen. Gemeinsam geben die drei noch ein, dass sich die Spinne auf der x-Achse ansteuern lässt. Geschafft! Mit der Maus bewegt Theda die Spinne nun geschickt über den Wüstenboden, um Wassertropfen einzusammeln.

Mädchen unter sich

Computergames spielen – für die meisten Kinder eine leichte Übung. Selbst die Mechanik eines Spiels entwerfen, die Kulisse und Figuren gestalten – weniger. „Viele Mädchen wissen leider nicht, dass Programmieren cool ist“, hatte Tom Wiedemann bei der Begrüßung gesagt. Mit zwei Kolleginnen veranstaltet er im Rahmen der Code Week einen Workshop nur für Mädchen in der Hamburger Zentralbibliothek. Für das Spiel mit der Spinne benutzen sie die Programmiersprache Scratch. Diese arbeitet mit farbigen Codeblöcken, Blau steht etwa für Bewegungen, Lila für das Design. „Eigentlich wie ein Puzzlespiel“, sagt der Trainer.

In einem weiteren Workshop in der Zentralbibliothek gibt es ein Update für das Handspiel „Schere, Stein, Papier“. Die Kinder sollen es gegen „Calliope mini“ spielen, das ist ein flacher, handtellergroßer Computer. Mit Knöpfen, Anschlüssen und kleinen Lämpchen erinnert Calliope an ein aufmontiertes Radio. Seine transparente Erscheinung vermittelt: Auch an digitaler Technik darf geschraubt und gebastelt werden.

Clara und Theda (links) haben mit dem Computerspiel jede Menge Spaß. ¹⁾

Spielend programmiert

Die Kinder überlegen sich Symbole für Schere, Stein, Papier, die sich auf dem kleinen Quadrat von LED-Lampen darstellen lassen. Die Anweisung für Calliope lautet nun, zufällig eines der Bilder erscheinen zu lassen, wenn er geschüttelt wird. Coden bedeutet im Grunde nichts anderes, als genaue Anweisungen zu geben. Teilnehmer Leo beherrscht diese Programmiersprache schon fast fließend. Fast jeden Tag programmiert er zu Hause, erzählt der Sechstklässler. Aus dem Calliope mini, der speziell für den Gebrauch in Bildungsprojekten entwickelt wurde, ist er eigentlich schon herausgewachsen. Aber es sind Ferien „und ich hatte sonst nichts vor“, begründet er seine Teilnahme.

Im Mädchen-Workshop geht es mittlerweile lebhaft zu. Das Spiel haben alle 15 Teilnehmerinnen erfolgreich programmiert. Jetzt dürfen sie kreativ werden und die Elemente aus der Scratch-Sammlung frei zusammenstellen. Es fliegen Donuts durchs Weltall, und niedliche Hasen schweben durch Dschungellandschaften. Clara und Theda haben zusammen mit einer Trainerin herausgefunden, wie sich die Beine der Wüstenspinne einzeln ansteuern lassen, und spendieren jedem eine andere Farbe. „Die Spinne wird richtig modisch“, sagt Theda kichernd.

Ein paar Plätze weiter macht die zehnjährige Yukta das Spiel schwieriger, indem sie die Tropfen schneller regnen lässt. Yukta hat schon einige Kurse besucht und programmiert auch zu Hause. Geht sie lieber in einen reinen Mädchen–Workshop? Sie schüttelt den Kopf. „Hauptsache, es macht Spaß. Ich gehe auch hin, wenn ich das einzige Mädchen bin.“ Nach dem Ende der Veranstaltung reicht sie der Trainerin eine Stempelkarte. Vier Oktopusse, die Maskottchen der Code Week, zeigt die Karte bereits. Und es stehen noch weitere Workshops auf dem Programm.

Tom Wiedemann (rechts im Bild) und die anderen Trainer der Initiative App Camps, die den Workshop durchführt, verstehen sich als Mut- und Möglichmacher. ¹⁾

Europaweit regional

Die Code Week ist eine von der Europäischen Kommission ins Leben gerufene Initiative, die die digitale Welt anschaulich und greifbar machen will. Die Umsetzung liegt in der Hand regionaler Akteure. In Hamburg koordiniert die Körber-Stiftung seit zehn Jahren die Veranstaltungen, die Workshops selbst werden von verschiedenen Bildungsinitiativen gestaltet. „Besonders beliebt sind kreative Angebote, bei denen das Programmieren mit Kunst oder Musik verbunden wird“, sagt Programmleiterin Nele Steigerwald von der Körber-Stiftung. Die nächste Code Week findet in der zweiten Oktoberhälfte 2026 statt. 

Mehr Infos unter: Codeweek.de