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Fundamente für Zuversicht

Zwei sitzende Personen auf einem Sofa: eine Erwachsenenperson mit lockigen roten Haaren legt den Arm um ein Kind mit schulterlangen blonden Locken und beide lächeln sich an

Kinder lernen von Eltern, positiv in die Zukunft zu schauen. ¹⁾

Kolumne von Christoph Werner

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich noch an Ihre Kindergartenzeit? Welche Gefühle steigen dabei in Ihnen auf?

Ich habe meine Zeit im Kindergarten noch lebendig vor Augen. Anfangs brachte mich meine Mutter morgens und holte mich nachmittags wieder ab. Ich erinnere noch, wie ich auf der Bank unter den Kleiderhaken saß und sie mir die Schuhe band, bevor wir nach Hause fuhren. Ich war so glücklich, wieder bei ihr zu sein!

Später nahm mein Vater mich morgens mit und setzte mich ein paar Straßen vom Kindergarten entfernt ab, wenn er meine ältere Schwester und die Nachbarskinder zur Schule fuhr. Denn auch ich sollte bereits früh die Gelegenheit haben, an meinen Aufgaben zu wachsen. Diese Gelegenheit kam ziemlich schnell, als mir auf dem Weg ein großer streunender Hund begegnete. Auf Augenhöhe zu sein fühlte sich schon damals existenziell für mich an. War das der böse Wolf, von dem ich schon so oft in Märchen gehört hatte? Ich habe noch lebhaft in Erinnerung, wie ich den Atem anhielt und mich ganz langsam an ihm vorbeischob.

Meine Kindergartenzeit im Waldorfkindergarten in Karlsruhe war eine Zeit voller Fantasie. Die Tagesabläufe waren strukturiert und gaben Vertrautheit. Jeder konnte sich bei der Zubereitung des Frühstücks einbringen. In den Spielzeiten raspelten wir Korken und Kastanien. Wir hörten Geschichten, sangen gemeinsam und untermalten die Liedtexte mit Gesten. Manche Verse kenne ich heute noch.

„Die Sorgen und Bedrohungen der Erwachsenenwelt blieben vor der Tür. So bekam ich ein Urvertrauen in das Gute und Schöne in der Welt.“

Die Sorgen und Bedrohungen der Erwachsenenwelt blieben vor der Tür. Im Rückblick bin ich dankbar dafür. Denn so bekam ich ein Urvertrauen in das Gute und Schöne in der Welt. Manchmal denke ich, dass die Fundamente für meine große Zuversicht auch in meinen Kindergartentagen gegossen wurden. Auf diesen Fundamenten konnte ich mein späteres Leben in Eigenverantwortung bauen.

Als Erwachsener weiß ich um die Bedrohungen, die Not und das Leid in dieser Welt. Darüber den Mut nicht zu verlieren, ein waches Auge auf das zu behalten, was Hoffnung und Vertrauen vermittelt, verdanke ich wahrscheinlich auch meinen Erlebnissen im Kindergarten.

Mit 14 Jahren las ich von Gudrun Pausewang das Jugendbuch „Die letzten Kinder von Schewenborn“. Es beschreibt die apokalyptischen Zustände nach einem Nuklearkrieg in Deutschland aus der Perspektive eines Kindes. Das Buch faszinierte und verstörte mich. Mein Vater riet mir, es besser nicht zu lesen. Auf meine Frage, ob es nicht wichtig sei, mich angesichts der damaligen nuklearen Bedrohungslage damit zu befassen, erwiderte er: „Ich empfehle Dir, es jetzt noch nicht zu lesen. Denn ich wünsche mir für Dich, dass Du das Zutrauen an das Gute in der Welt nicht verlierst.“ Verstanden habe ich das damals nicht und las das Buch trotzdem bis zu seinem bitteren Ende. Erst im Rückblick ging mir auf, was er gemeint hatte.

Wenn heute junge Menschen angesichts aktueller Bedrohungen wenig Perspektive für ihre Zukunft sehen, frage ich mich, ob das vielleicht auch damit zusammenhängt, dass wir sie oftmals so früh mit den Schrecken der Welt konfrontiert haben. Lassen Sie uns daher den jungen Menschen den Rahmen geben, der ihnen ein Leben voller Zuversicht ermöglicht. Wenn wir das sorgsam tun, werden sie später als Erwachsene in Selbstverantwortung sinnvolle Entscheidungen treffen.

Herzlichst Ihr
Christoph Werner
Vorsitzender der Geschäftsführung