HauptnavigationKategorienavigationHauptinhalt

Ballaststoffe, für den Bauch ein Genuss

Eine Person in weißer Bluse und blauer Jeans sitzt auf einem Kissen und hält eine Schüssel mit verschiedenen Lebensmitteln, darunter Avocado, Tomaten und Reis

Von der Vielfalt auf dem Teller profitieren Körper und Seele – auch die Mikroorganismen. ¹⁾

Kolumne von Eckart von Hirschhausen

Liebe alverde-Lesende,

willkommen im neuen Jahr mit neuen guten Vorsätzen. In dieser Ausgabe geht es viel um die Küche. Genau der Ort, wo wir am Ende der Silvesterparty die besten Gespräche hatten. Und wo wir auch einen der größten Hebel für unsere körperliche und seelische Gesundheit haben! Wie wird die Küche zu einem Zukunftsort für uns, für die Familie, für mehrere Generationen?

Wie Sie wissen, beschäftigt mich schon lange die Frage, wie die persönliche Gesundheit mit der Gesundheit von Mutter Erde zusammenhängt. Und die direkteste Antwort geht vom Acker durch die Küche über den Teller in die Tiefen unseres Bauches. Und obwohl es unter der Erde und unter der Bauchdecke für gewöhnlich dunkel ist, erhellt die Wissenschaft immer mehr, wie eng wir verbunden sind über gemeinsame Freunde. Ja, wenn wir essen, essen wir nie nur für uns, sondern immer auch für unsere Mitbewohner, für die Mikroben, unser Mikrobiom. Und je mehr ich darüber lerne, desto weniger „eklig“ finde ich die Tatsache, dass wir so viele Wesen in uns haben, sondern denke: „Toll, dass ihr da seid, was kann ich euch heute zu futtern geben?

Und was soll ich jetzt kochen? So bunt, so vielfältig, so artenreich wie es geht – und wie es schmeckt! Denn automatisch gibt es dadurch auch mehr Biodiversität in der Nahrungskette. Die neueste Empfehlung lautet: Wir sollten pro Woche 30 verschiedene Pflanzen essen. Wie bitte? Aus dem Kopf könnte ich wahrscheinlich keine 30 essbaren Pflanzen aufzählen, aber es gibt sie, es gibt sogar noch viel mehr!

Neben Gemüse und Obst zählen dazu auch Samen, Nüsse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gewürze. Diese Empfehlung geht unter anderem zurück auf eine Studie²⁾ mit über Zehntausenden von Menschen, die zeigte: Wer eine große Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln zu sich nimmt, hat eine bessere Darmgesundheit. Viele verschiedene „Leckerli“ machen viele Mitbewohner glücklich und robust, wenn sich mal ein ungebetener Keim breitmachen will. Rote, grüne, gelbe, ja, sogar violette und orangefarbene Lebensmittel – ohne Farbzusatz selbstverständlich – sorgen für viele verschiedene Darmbakterien, und das ist die Grundlage für besseres Wohlbefinden, mehr Widerstandskraft gegen Krankheitserreger, eine bessere Verdauung und sogar eine verbesserte Gehirnfunktion.

„Wenn wir essen, essen wir nie nur für uns, sondern immer auch für unsere Mitbewohner, für unser Mikrobiom.“

Unglaublich: Selbst Erkrankungen wie Parkinson, Depression und Demenz werden neuerdings mit dem Biom in Verbindung gebracht – wie gesagt, es ist komplex und Gegenstand von vielen aktuellen Studien, die das noch bestätigen müssen.

Mein Koch-Tipp für heute lautet also: Kochen Sie etwas, was Sie noch nie gekocht haben. Und überraschen Sie sich und Ihre Mitbewohner, also alle, die in Ihrer Küche sind – und in Ihnen. Nicht alle 30 Pflanzen auf einmal, wobei das in einem Eintopf auch ginge. Kein Stress: Kaffee ist ja morgens schon die erste Pflanze, Apfel geht immer – einfach so, im Salat oder im Ofen. Und seit ich auf dem Forum Nantesbuch neulich die begeisternde Köchin Sarah Wiener erlebte, schau ich beim Kauf nach Äpfeln mit einer kleinen Macke. Sarah meinte sehr anschaulich: Wenn Insekten einen Apfel vor lauter Pestiziden für nicht essbar halten, warum sollten wir ihn dann anrühren?

Jeder hat seine Macken – und ob eine Gurke oder Möhre krumm ist, nimmt unser Biom uns nicht krumm. Es wird nur grummelig über Einheitsbrei. Wie Sie auf die nächsten 28 Pflanzen in einer Woche kommen, dazu finden Sie in dieser alverde-Ausgabe, im Biomarkt, beim Gemüseladen um die Ecke, vielleicht auch direkt beim Erzeuger viele Anregungen. Und wenn Sie noch frische Kräuter darüberstreuen, haben Sie sofort noch mehr Punkte auf Ihrem Pflanzenkonto gut – und es schmeckt allen Beteiligten!

Ihr
Eckart von Hirschhausen