Von Kinderliedern und heißen Köpfen

Wenn der Sommer immer heißer wird, sind Schattenspender umso wichtiger.
Kolumne von Eckart von Hirschhausen
Liebe alverde-Lesende,
es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit!
Als ich die Themen für diese alverde-Ausgabe sah, erinnerte ich mich an meine eigene Kindergartenzeit Anfang der 70er-Jahre. Und was fiel mir sofort ein? Dass wir gemeinsam gesungen haben! Ich habe noch Lieder aus dieser Zeit im Ohr und ein kleines Musical, das wir für die Eltern und auch den Seniorenclub aufgeführt haben. Mein Part war der „Verkehrsschutzmann“. Alle Kinder inklusive mir wussten danach, dass man besser nach rechts und links schaut, bevor man eine Straße überquert. Klingt etwas antiquiert. Heute müsste man einige Kinder erst einmal auffordern, vor dem Überqueren der Straße von ihrem Handy hochzuschauen … Anderes Thema.
Was ich jedem Kind wünsche, ist, die heilsame Kraft der Musik, des Miteinanders, des Tanzens und Singens für sich zu entdecken. Dafür feiere ich auch Beatrice Werner mit ihrem Herzensprojekt „Singende Kindergärten“, das Sie in dem alverde-Magazin auf Seite 88 nachlesen können, leider ohne Tonspur. Aber vielleicht haben Sie ja wie ich schöne Tonspuren in Ihrem Hinterkopf. Kindergarten kann Spuren hinterlassen. Am besten klingende!
Bei einer Aufführung in unserem Gemeindehaus sackte der Junge neben mir mitten in einem Lied in sich zusammen und wurde bewusstlos. Zum Glück nicht lange, aber der Schrecken war groß. Was war passiert? Wir standen aufgereiht mit dem Rücken direkt vor einer Glasscheibe. Die Sonne brannte auf unsere Hinterköpfe, und ohne dass der Junge es spürte, bekam er einen zu heißen Kopf und kollabierte. Die Physik des Treibhauseffektes galt damals schon. Wärmestrahlung kommt durch die Scheibe rein, nicht raus. So staute sich die Hitze im Raum, im Kopf. Und der Körper zog die Notbremse und sagte sinngemäß: Wenn Du hier an einem für Dich nicht besonders günstigen Ort so lange aufrecht stehst, sorge ich dafür, dass Du aus der Sonne kommst, leg Dich mal in den Schatten. Und sobald sein Kreislauf sich erholte, er ein feuchtes kühlendes Tuch auf die Stirn bekam und wieder lachte, sangen wir weiter. Nur mit ein bisschen mehr Abstand von der Glasscheibe.
Warum ich das erzähle? Bei Hitzewellen, die in diesem Monat auch wieder zu erwarten sind, denken wir schnell, dass es ausschließlich ein Problem für ältere Menschen mit Vorerkrankungen sei. Stimmt nicht. Hitze ist für jeden von uns ungünstig. Gerade für Schwangere und kleine Kinder ist Vorsicht geboten. Man kennt die Berichte von Kindern, die im Auto zurückgelassen werden und sehr rasch überhitzen, weil ein Auto auch ein Treibhaus ist: Wärme kommt rein und nicht raus. So wie wir das auch mit der Atmosphäre und den Treibhausgasen im großen Stil mit Mutter Erde machen. Gesunde Erde – Gesunde Menschen. Gilt für uns alle.
Warum? Kinder bewegen sich mehr als Erwachsene und erzeugen damit auch mehr Muskelwärme. Gleichzeitig können sie nicht so effektiv schwitzen, haben im Verhältnis zum Körper auch einen größeren Kopf und ein empfindlicheres Hirn. Alles medizinische Gründe, Hitzeschutz und Klimaschutz als Kinderschutz zu begreifen. Kindergärten brauchen heute noch viel mehr als in meiner Kinderzeit Gebäude, die auf Hochsommer und Hitze vorbereitet sind. Beschattete Außengelände und Klettergeräte, Wasserspender für den kleinen Durst zwischendurch und Orte zum „Chillen“ – was ja nichts anderes heißt als abkühlen! Behalten Sie auch diesen August über alle Generationen hinweg, von Oma und Opa bis Enkel und der schwangeren Tante, immer einen kühlen Kopf!
Ihr
Eckart von Hirschhausen