Sprich mit mir, KI!
Mithilfe künstlicher Intelligenz Sprachen lernen? Das geht heute so gut wie noch nie. ¹⁾
Im Interview mit IT-Expertin Cathleen Isbrecht
Künstliche Intelligenz (KI) verändert vieles: Das Sprachenlernen könnte sie bald überflüssig machen – oder uns helfen, besser darin zu werden als je zuvor. Wie ChatGPT das Lernen persönlicher macht, erklärt Youtuberin Cathleen Isbrecht.
Brauchen wir noch Sprachunterricht? Eine Frage, die uns begleitet, seit KI Übersetzungen fast in Echtzeit liefert. Für eine Restaurantbestellung reicht die Technik längst aus. Und doch ist Sprache mehr als das, was übersetzt werden kann. Sie transportiert Emotion, Nähe, Kultur. Echte Beziehungen lassen sich auf Dauer kaum mit einer vermittelnden App führen. Und wer in eine andere Kultur eintauchen will, wird sie nur bedingt verstehen, solange jeder Satz durch einen digitalen Filter geht: Sprachen eröffnen eine eigene Weltsicht und die erlebt man am intensivsten, wenn man sie selbst spricht. Gerade deshalb lohnt es sich, Sprachen zu lernen und moderne Technologien dabei zu nutzen.
Vokabeln lernen
Uns Vokabeln abfragen schafft die KI mit links. Mit konkret formulierten Prompts können wir diese Funktion passgenau auf unsere Interessen zuschneidern: „Nenne zehn wichtige Wörter für einen Einkauf im französischen Supermarkt“, schlägt Cathleen Isbrecht vor und rät: „Oft bitte ich die KI, mir Beispielsätze zu geben. Es ist leichter, sich die Wörter im Zusammenhang zu merken.“ Auch interessant: Die KI kann umgangssprachliche Wendungen lehren – und die passende Ausdrucksweise für bestimmte Situationen empfehlen: locker beim Hotel-Check-in oder zurückhaltend im Bewerbungsgespräch.
Grammatik mit Gefühl
Auch wenn’s um Vergangenheitsformen oder Satzbau geht, erklärt die KI: „Was ist der Unterschied zwischen Simple Past und Simple Present? Erkläre mir das in einfachen Beispielen“, formuliert die KI-Enthusiastin wieder sehr konkret den Auftrag und hat noch einen Tipp: „Wer die Zielsprache direkt im Prompt nutzt, trainiert zusätzlich, und weil sich KI auf das Sprachniveau der Frage einstellt, stimmt sie ihre Antworten noch genauer auf unser Können ab.“
Gesprächspartnerin KI
Besonders spannend am Sprachenlernen mit KI ist aber die Möglichkeit, in interaktive Dialoge einzutauchen. Dazu im Promptfenster das Symbol „Sprachfunktion nutzen“ anklicken. Interaktive Dialoge sind nur mit Registrierung möglich. Das Prinzip: Eine Alltagssituation wie „Hotel-Check-in auf Englisch“ vorgeben, und ChatGPT übernimmt die Rolle des Gesprächspartners. Die KI gibt direkt Rückmeldung, korrigiert Grammatik und Wortwahl, macht Verbesserungsvorschläge. „Das hilft, Hemmungen abzubauen“, findet Cathleen Isbrecht. „Mir nimmt es die Angst, Fehler zu machen – weil ich weiß, der KI ist das sowieso egal.“ Übrigens: Wer möchte, kann sich das Gespräch auch im Nachhinein noch einmal durchlesen – und gezielt wiederholen.
Unsere Expertin Cathleen Isbrecht
Sie ist IT-Expertin, Jobberaterin und Youtuberin. © Cathleen Isbrecht/privat
Von Rezeptideen bis Sprachenlernen – Cathleen Isbrecht spricht definitiv KI. Die Beschäftigung damit ist ihr großes Hobby. Mit Neugier und Spieltrieb erkundet sie, wie KI uns im Alltag unterstützen kann. Das Ziel der Youtuberin: digitale Teilhabe für alle, verständlich erklärt und mit viel Begeisterung für neue Technologien.
Viele Wege
Wer eine neue Sprache lernt, hat heute viele digitale Helfer: Apps wie Mondly, Duolingo oder Babbel bieten strukturierte Lektionen, einen klaren Lernpfad und spielerische Motivation, etwa durchs Punktesammeln oder verschiedene Levels, die man erreichen kann.
ChatGPT dagegen ist kein Kurs, sondern eher ein Gesprächspartner: flexibel, individuell anpassbar und offen für eigene Interessen oder Fragen. Wer vor allem freies Sprechen und thematische Vielfalt trainieren möchte, findet hier eine digitale Unterstützung ganz nach dem eigenen Stil.