Gemeinsam stark für den Regenwald

Biologielehrerin Silke Schreiber, Klaus, Benni und Connie Over (v.l.). © Benni Over/privat
Willi Weitzels Mutmachgeschichte
Die „grüne Lunge“ unseres Planeten zu erhalten ist ihr Herzensprojekt. Willi Weitzel hat mit den Regenwaldschützern Silke Schreiber, Benni und Klaus Over gesprochen.
Es freut mich besonders, dass ich selbst Teil dieser Mutmach-Geschichte bin. Mit Silke Schreiber, die heute Biologie- und Chemielehrerin am Wiedtal-Gymnasium in Neustadt (Wied) ist, bin ich nämlich zur Schule gegangen. Das ist spannend: Wir hatten in der zehnten oder elften Klasse einen Regenwald-Aktionstag. Und der hat nachgewirkt – Silke studierte Biologie, ging auf Expedition nach Costa Rica und für Ökologiepraktika nach Ecuador. Sie sagt: „Der Regenwald ist ein einziges, riesiges Wunder und war schon immer meins. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, diesen wunderschönen Planeten zu bewahren.“ Silkes Worte kann ich nur unterstreichen.
Alles begann mit den Orang-Utans im Berliner Zoo
Ganz in der Nähe der Schule, an der Silke unterrichtet, hegten Benni und sein Vater Klaus Over denselben Wunsch. Klaus hatte seine Familie auf Dienstreise mit nach Berlin genommen. Da wusste er bereits, dass er seinen Beruf aufgeben würde, um mehr Zeit mit Benni zu verbringen. Benni leidet an einer fortschreitenden Muskelerkrankung, ist seit dem zehnten Lebensjahr auf den Rollstuhl und inzwischen auch auf Beatmung angewiesen.
Was in Berlin geschah, ist fast magisch. Klausʼ Familie verbrachte den Tag am Orang-Utan-Gehege im dortigen Zoo. Ein Orang-Utan kommunizierte mit Benni. Er sah ihn immer wieder eindringlich an, sie waren sich ganz nah. Da machte es bei Benni klick.

Die Nachhaltigkeits-AG mit Silke Schreiber am Wiedtal-Gymnasium in Neustadt (Wied) unterstützen Bennis Aufforstungsprojekt. © Wiedtal-Gymnasium Neustadt (Wied)
Die emotionale Reise der Overs nach Borneo
Benni recherchierte zur Herkunft und Lebenssituation der Orang-Utans und schrieb ein Kinderbuch (siehe Tipp Mitte). Es entstand ein Trickfilm – „er ließ nicht locker“, wie Klaus erzählt – und Benni reiste mit seinen Eltern nach Borneo. Dort zeigte sich erneut seine besondere Verbindung zu den Tieren: Ein Orang-Utan-Mädchen nahm in einem Reservat Bennis Hand und setzte sich auf seinen Schoß.
Benni und sein Vater begannen „völlig geflasht von den Eindrücken“ – wieder zurück in Deutschland – unzählige Vorträge an Schulen über den Regenwald und dessen fortschreitende Zerstörung zu halten. Sie starteten ein Wiederaufforstungsprojekt („Bennis Wald“) und unterstützten eine Auffangstation für Orang-Utans.
Den Vortrag hörte Silke Schreiber in der Grundschule ihres Sohnes, war zu Tränen gerührt und wusste: „Das ist es. Die beiden werden mich nie wieder los.“
Regenwald-Aktionstage: Wir treffen alle zusammen
Seither ist an Silkes Arbeitsplatz das Thema Regenwald immer präsent. Über Verkaufsaktionen sammeln Gymnasiasten Geld für Bennis Projekte. An mehreren Aktionstagen im Jahr können Schülerinnen und Schüler anderer Schulen an 30 Mitmachstationen erfahren, was den Urwald ausmacht: mit Mikroskopen, allem zum Anfassen, zum Schmecken und Riechen. Die 105 Regenwald-Experten aus Silkes Nachhaltigkeits-AG betreuen diese Stationen.
Natürlich sind auch Benni und Klaus Over mit ihrem Vortrag dabei. Ich war selbst schon mehrfach im Regenwald und als Botschafter des Vereins „Abenteuer Regenwald e. V.“ bei Silkes Aktionstagen per Video zugeschaltet.
„Wir haben schon 58.000 Bäume in ‚Bennis Wald‘ gepflanzt – das macht die Schüler megastolz“, erzählt Silke. Viele andere Schulen haben sich angeschlossen, und es ist ein ganzes Unterstützernetzwerk entstanden.
Film-Tipp: „Henry rettet den Regenwald“
Der Film nach dem gleichnamigen Buch von Benni Over erzählt die berührende Geschichte eines Orang-Utan-Waisen, der in die Welt aufbricht. Er sucht nach Verbündeten, die ihm helfen, den Regenwald zu retten – mit Happy End.