Ihre Katzenfiguren sagen: „Pfoten weg!“
Im Atelier an der Plöner Seenplatte: Irmi Wette liebt die kreativen Vorbereitungen für ihr Figurentheater. ¹⁾
Willi Weitzels Mutmachgeschichte
Kinderschutz und Kinder sind Irmi Wettes Lebensinhalt. Seit vielen Jahren zieht sie durch die Lande, um Kinder mit ihrem Figurentheater „Pfoten weg!“ gegen sexualisierte Gewalt zu wappnen. Willi stellt Irmi Wette vor.
Irmi Wette hat eine Mission, das wird mir im Video-Chat mit ihr sofort klar. Sie arbeitet auf allen möglichen Ebenen mit der Polizei, mit Jugendämtern, lokalen Einrichtungen für Kinder, Kitas, Schulen und mit Organisationen zusammen, um Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen und Hilfsangebote aufzuzeigen. Das ist stark!
Für ihr Figurentheater hat Irmi Wette Katzen ausgewählt, Schmusekatzen, die aber auch ihre Krallen zeigen können. Kinder ab vier Jahren bis ins Grundschulalter sehen deutschlandweit ihre Vorstellungen. Trotz des ernsten Stoffs bringt das Stück die Kinder zum Lachen. Wenn wir lachen, ist kein Raum in unserem Gehirn für Angst. „Darum geht es mir: Kindern Kraft, Energie, Zuversicht und Hoffnung zu geben“, sagt Irmi Wette.
Sie berichtet, dass auch viele, von sexualisierter Gewalt betroffene Erwachsene zu ihr sagen: „Hätte ich früher ‚Pfoten weg!‘ gesehen, ich hätte gewusst, dass ich nicht schuld bin.“ Das macht mich sehr betroffen. Gut, dass die Kinder im Projekt auf liebevolle und behutsame Weise erfahren, dass immer nur diejenigen, die ihnen etwas antun, schuld sind.
„Glaubt den Kindern, die erfinden so was nicht.“
Die Puppenspielerin möchte Eltern, die mit ihren Kindern „Pfoten weg!“ sehen, in ihrer Sensibilität und in ihrem Bauchgefühl stärken. „Ich möchte, dass Kinder in ihrer Persönlichkeit ernst und wahrgenommen werden“, sagt sie. Das sehe ich genauso: Nur weil sie in einem kleineren Körper stecken, haben Kinder nicht weniger Rechte.
„Wenn ein Kind dem Onkel die Hand nicht geben will und der Tante kein Küsschen, dann ist das in Ordnung“, betont Irmi Wette. Tatsächlich werden Kinder immer noch gezwungen, über ihre Grenzen zu gehen. Entsprechend ist die Botschaft des Theaterstücks: Ich bestimme über meinen Körper.
Die Katzenfiguren verabschieden die kleinen Zuschauer am Ende höchstpersönlich. Die Kinder dürfen ihnen die Hand geben, wenn sie mögen. Einmal kam ein Erstklässler und sagte zur Katze: „Weißt Du, bei mir zu Hause ist alles viel schlimmer.“ Und Irmi Wette als Katze sagte zu ihm: „Ich schau, wie ich Dir helfen kann.“
Erstmal hat sie seinen Lehrer angesprochen, der stellte die Glaubwürdigkeit des Jungen aber infrage. Unglaublich! Dabei sagen Figuren im Stück „Pfoten weg!“: „Glaubt den Kindern, die erfinden so was nicht!“ Schließlich wurde das Jugendamt in dem Fall des Jungen aktiv.
Selbst etwas unternehmen und bewegen
Ich erfahre im Video-Chat auch, dass ein tiefer Schmerz, den Irmi Wette vor 30 Jahren erfahren hat, ein Auslöser für ihr Engagement war – und er ist heute noch ihr Motor: der Suizid ihrer besten Jugendfreundin. Irmi Wette spielt ihr Figurentheater auch für sie. Damals konnte sie ihre Freundin nicht retten, heute kann sie Kindern helfen und konkret etwas bewirken.
„Wenn man bei Schmerz in die Tiefe geht, ist er ja auch Energie – und diese Energie kreativ umzusetzen ist für mich eines der größten Lebensgeschenke“, sagt die Künstlerin. „Ich werde auch ‚Irminator‘ genannt, weil ich gelernt habe, Leid zu transformieren. Figurentheater ist Magie und natürlich tanke ich selber auch auf.“
Katzenfiguren lehren Kinder, „Nein“ zu sagen
Das interaktive Figurentheaterstück „Pfoten weg!“ und Begleitmaterialien wie Bilderbuch, Hörspiel oder Film unterstützen Kinder darin, Übergriffe zu erkennen, dem eigenen Gefühl zu vertrauen, selbstbewusst Grenzen zu setzen, sich Hilfe zu holen und sich nicht schuldig zu fühlen.
Näheres unter: pfoten-weg.de