Wenn Tee Schule macht
Die Wuppertalerin Nevin Seyfi gibt Kindern in ihrer âTeestundeâ WertschĂ€tzung und macht ihnen Mut. ÂčâŸ
Willi Weitzels Mutmachgeschichte ĂŒber Nevin Seyfi und Ihre Teestunde
Nevin Seyfi betreut Kinder im âoffenen Ganztagâ einer Grundschule und spĂŒrte: Die Kinder brauchen eine Routine, um ârunterzukommenâ und von sich zu erzĂ€hlen. Sie ersann die âTeestundeâ. Willi Weitzel stellt Nevin Seyfi vor.
Ich treffe Nevin Seyfi im Video-Chat. Heute trinkt sie keinen Tee, dafĂŒr steht vor mir eine dampfende Tasse. Wer Tee trinkt, hĂ€lt einen Moment inne: Nevin Seyfi erzĂ€hlt, ich lausche ihrer Geschichte. So ist es auch in ihrer âTeestundeâ, die sie im âoffenen Ganztagâ einer Wuppertaler Gemeinschaftsgrundschule anbietet: ein Kind erzĂ€hlt, die Umsitzenden hören zu.
Kindern zuhören
Immer donnerstags finden sich Nevin und die Kinder zusammen. âWorĂŒber wir sprechen, bleibt unter unsâ, sagt sie. Die Teestunde bietet einen geschĂŒtzten Raum, in dem alle um einen Tisch sitzen. Es gibt GebĂ€ck und Erdbeer-Himbeer-Tee. Die Kinder sagen, was sie bewegt â meist ist ein bestimmtes Thema der AufhĂ€nger. Einmal ging es zum Beispiel um Vernunft, wie Nevin erzĂ€hlt: âViele Kinder kennen den Begriff nur aus Ermahnungen wie: âSei doch endlich mal vernĂŒnftig.ââ
Die 59-JĂ€hrige sagt den Kindern, dass Vernunft fĂŒr sie mit Nachdenken ĂŒber das eigene Handeln zusammenhĂ€ngt. Alle dĂŒrfen Ă€uĂern, was sie darĂŒber denken, niemand wird ausgelacht. Und: Sie haben gelernt zu warten, bis jemand ausgesprochen hat. âGemeinsam haben wir herausgefunden, dass Vernunft nichts mit Strenge zu tun hat, sondern mit Klugheit und RĂŒcksichtâ, erzĂ€hlt Nevin. Durch die GesprĂ€che, Rollenspiele und den Erfahrungsaustausch lernen die Sechs- bis ZehnjĂ€hrigen, dass sie mit vernĂŒnftigem Handeln oft Streit vermeiden und besser miteinander auskommen können. Hut ab!
Ein heller Stern am Horizont
Ich erfahre: 75 Prozent der GrundschĂŒlerinnen und -schĂŒler, die die Gemeinschaftsschule besuchen, haben einen Migrationshintergrund und stammen aus aller Welt. Nevin weiĂ, was es bedeutet, fremd zu sein. Sie hat es als Kind selbst erfahren. Mit ihrer Mutter und vier Geschwistern kam sie Ende der 1960er-Jahre aus der TĂŒrkei nach Deutschland. Ihr Vater war vor ihrer Geburt gestorben. Ihre Mutter arbeitete rund um die Uhr quasi fĂŒr zwei. âWir Kinder wurden alleine groĂâ, sagt Nevin. 1971 kommt sie in die Schule. âDie anderen zeigten mit dem Finger auf uns AuslĂ€nder.â Sie leidet darunter, ist entmutigt. Da ist wie ein heller Stern am Horizont eine Mathelehrerin, die ihr Mut zuspricht. Sie nahm mich mit ins Lehrerzimmer, machte mir eine Tasse Tee, umarmte mich und sagte: ââDu schaffst das!ââ FĂŒr Nevin die Rettung. Jahrzehnte spĂ€ter ist sie diejenige, die Mut zuspricht und Tee kocht. Wunderbar!
Verbindendes erkennen
Ganz intuitiv hat sie schon 2010 aus einem Entspannungskurs die Teestunde entwickelt. Die Kinder freuen sich darauf, wie die vielen Briefe und selbst gemalten Bilder, die Nevin bekommt, zeigen. Eltern und LehrkrĂ€fte berichten, dass die Kinder entspannter und aufmerksamer sind und bessere Noten haben. âSie erkennen, dass sie mit dem, was sie beschĂ€ftigt, nicht alleine sind, und dass sie viel mehr verbindet als trennt, egal wo sie herkommen.â Nicht jeder hatte als Kind so ein Ermutigungserlebnis wie Nevin, das er aus vollem Herzen weitergibt wie sie. Doch ich wĂŒnsche mir, dass unser Beitrag andere dazu inspiriert, auch Teestunden einzurichten und Kinder zu stĂ€rken und zu ermutigen.
Ăber TrĂ€ume, Mut und das Leben
Willi Weitzel ist mit seiner Show âUnd wovon trĂ€umst Du?â auf Tour. 90 Minuten zum Lachen, Staunen, Mitfiebern und zum TrĂ€umen fĂŒr alle zwischen fĂŒnf und 99 Jahren. Mit starken Fotos auf groĂer Leinwand.