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Östrogen in den Wechseljahren

dm-drogeriemarkt

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Lesedauer 6 Min.

9.7.2026

Frau im weißen ärmellosen Sporttop steht auf einer Fußgängerbrücke, leicht zur Seite gewandt, Zopf, Sonnenlicht von hinten

Hitzewallungen, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen – viele Frauen kennen diese Beschwerden in den Wechseljahren. Dahinter steckt vor allem eine Ursache: Der Östrogenspiegel sinkt. Doch was genau ist Östrogen, warum verändert es sich in dieser Lebensphase so stark und was kann man gegen die Beschwerden tun?

Was ist Östrogen und welche Rolle spielt es? 

Östrogen ist der Sammelbegriff für eine Gruppe weiblicher Geschlechtshormone. Die wichtigsten sind Östradiol, Östron und Östriol. Sie werden hauptsächlich in den Eierstöcken produziert, in kleinen Mengen auch in der Nebennierenrinde und im Fettgewebe. 

Östrogen beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen: 

  • Fruchtbarkeit: Sie steuern den weiblichen Menstruationszyklus und die Reifung der Eizellen. 

  • Knochen: Östrogene hemmen den Knochenabbau und schützen so vor Osteoporose. 

  • Herz und Gefäße: Die Hormone halten die Gefäßwände elastisch und beeinflussen den Cholesterinspiegel positiv. 

  • Gehirn: Östrogene beeinflussen die Aktivität von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin und wirken damit auch auf das Gedächtnis und die Stimmung. 

  • Schleimhäute: Sie halten Haut, Schleimhäute (z. B. in der Vagina und den Harnwegen) und Bindegewebe feucht und elastisch. 

  • Stoffwechsel: Östrogene regulieren den Stoffwechsel und die Fettverteilung im Körper.  

Warum sinkt Östrogen in den Wechseljahren? 

Mit zunehmendem Alter stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion schrittweise ein – ein Prozess, der in jeder Frau biologisch angelegt ist. In den Jahren der Perimenopause (oft ab Anfang/Mitte 40) schwankt der Östrogenspiegel zunächst noch – nach der letzten Regelblutung (der Menopause) ist die Produktion dann weitgehend beendet. Geringe Mengen Östrogen bildet der Körper danach noch im Fettgewebe und in der Nebennierenrinde.  

Leiden alle Frauen deshalb früher oder später an einem „Östrogenmangel“? Dieser Begriff wird zwar oft benutzt, trifft aber nicht wirklich zu – dem Körper fehlt nichts, er stellt sich einfach um. Dass dieser natürliche Übergang Beschwerden verursachen kann, liegt daran, dass viele Körpersysteme Zeit brauchen, sich an die neue Situation anzupassen. Wie stark sich das bemerkbar macht, ist individuell: Manche Frauen spüren kaum etwas, andere fühlen sich sehr beeinträchtigt. 

 Typische Beschwerden: 

  • vasomotorische Symptome: Hitzewallungen und Schweißausbrüche gehören zu den häufigsten Beschwerden. Sie treten oft plötzlich auf – tagsüber und auch nachts. Oft sind sie von Herzklopfen und starkem Erröten von Gesicht und Hals begleitet.  

  • urogenitale Veränderungen: Scheidentrockenheit, Juckreiz, Schmerzen beim Sex und häufigere Blasenentzündungen entstehen, weil die Schleimhäute dünner und empfindlicher werden. 

  • Stimmung und Psyche: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit oder Angstzustände sind typisch für die Wechseljahre. Sie können durch den direkten Einfluss von Östrogen auf entsprechende Botenstoffe im Körper entstehen, aber auch Folge der Veränderungen sein, die das Älterwerden mit sich bringt – in der Partnerschaft, der Familie oder im Beruf. 

  • Schlaf: Viele Frauen schlafen in den Wechseljahren schlechter und führen das auf die Hormone zurück. Das stimmt aber nur zum Teil: Die häufigsten Schlafräuber sind nächtliche Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die das Einschlafen erschweren oder Dich mitten in der Nacht wecken. Hinzu kommt, dass Schlafprobleme grundsätzlich mit zunehmendem Lebensalter häufiger werden. 

  • Knochen und Gelenke: Sobald der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, verlieren die Knochen schneller an Dichte. Viele Frauen haben dann kurzfristig Gelenk- und Muskelschmerzen, langfristig erhöht sich das Osteoporose-Risiko. 

  • Haut und Haare: Häufig sind auch Veränderungen an Haut und Haaren sichtbar: Die Haut wird trockener und dünner, die Haare können an Fülle verlieren. 

  • Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit  

Viele Frauen berichten von „Brain Fog" („Gehirnnebel“). Sie können sich schlechter konzentrieren und empfinden sich als vergesslicher. 

Den sinkenden Östrogenspiegel ausgleichen 

Es gibt verschiedene Ansätze, um Wechseljahresbeschwerden zu lindern – von einer Hormontherapie über pflanzliche Mittel bis hin zu Lebensstilanpassungen. Welche Option die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein offenes Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt schafft meistens Klarheit.

Hormontherapie (MHT – menopausale Hormontherapie) 

Die sogenannte menopausale Hormontherapie gilt bei mittelschweren bis schweren Wechseljahresbeschwerden als die wirksamste Behandlungsoption. Dabei werden synthetisch hergestellte Östrogene (und je nach Situation auch Gestagene) von außen zugeführt – in Form von Tabletten, Gelen, Pflastern oder Sprays. 

Chancen einer Hormontherapie:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche können reduziert werden und damit oft auch die Schlafprobleme.  

  • Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen können sich bessern.  

  • Bei lokaler Anwendung lassen vaginale Trockenheit und Schmerzen beim Sex nach.  

  • Die Knochendichte wird unterstützt, das Risiko für Knochenbrüche sinkt.  

  • Das Darmkrebsrisiko sinkt leicht. 

Risiken einer Hormontherapie

  • Zu Beginn der Therapie können unregelmäßige Blutungen und Spannungsgefühle in der Brust auftreten. Diese legen sich meist nach einigen Wochen. 

  • Bei einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie ist das Brustkrebsrisiko langfristig leicht erhöht. Bei reiner Einnahme von Östrogen ist das Risiko laut aktuellem Forschungsstand nicht erhöht. Aber: Frauen mit Gebärmutter wird von einer Therapie mit einem reinen Östrogen ohne Progesteron dringend abgeraten. Denn Östrogen regt die Gebärmutterschleimhaut unkontrolliert zum Wachsen an und erhöht so das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs. Progesteron schützt die Schleimhaut und gleicht diesen Effekt aus. 

  • Das Risiko für Thrombose und damit auch für Herzinfarkt und Schlaganfall ist leicht erhöht – vor allem bei oraler Einnahme. Transdermale Formen wie Pflaster oder Gel gelten als risikoärmer. 

Das individuelle Risiko hängt immer von Alter, Therapiedauer, Hormonart und Anwendungsform ab!

Wichtig: Ob eine Hormontherapie die richtige Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – das ist so individuell wie jede Frau selbst. Eine Ärztin oder ein Arzt kann gemeinsam mit Dir abwägen, welche Vorteile und mögliche Risiken in deiner konkreten Situation relevant sind, und die passende Therapieform und Dosierung finden. Eines gilt aber in jedem Fall: Nur um vermeintlich „jünger“ zu bleiben, ist eine Hormontherapie nicht sinnvoll. 

Lebensstiländerungen  

Der Lebensstil hat einen überraschend großen Einfluss auf das Erleben der Wechseljahre. Schon kleine Veränderungen im Alltag können Großes bewirken: 

  • regelmäßige Bewegung: Die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining stärkt Knochen und Herz-Kreislauf-System, verbessert den Schlaf und hebt die Stimmung. Auch sanftere Bewegungsformen wie Yoga oder Tai-Chi haben in Studien positive Effekte auf Wechseljahresbeschwerden gezeigt. Speziell für diese Lebensphase gibt es sogar das sogenannte Hormon-Yoga – eine Praxis, die gezielte Übungen mit Atemtechniken kombiniert. 

  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann Wechseljahresbeschwerden verstärken. Entspannungstechniken wie Achtsamkeitsmeditation (MBSR), Atemübungen oder Progressive Muskelentspannung können helfen. 

  • Schlafhygiene: Ein kühles Schlafzimmer, feste Schlafzeiten und der Verzicht auf Alkohol und Koffein am Abend können helfen, den Schlaf zu verbessern. 

  • Rauchen aufhören: Raucherinnen erleben die Menopause oft früher und haben stärkere Beschwerden. Außerdem ist das Risiko für Herzerkrankungen und Osteoporose erhöht. 

Gesprächstherapie und kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Wenn Stimmungstiefs oder Ängste den Alltag belasten, kann eine psychotherapeutische Begleitung sehr hilfreich sein. Kognitive Verhaltenstherapie hat sich in Studien als wirksam erwiesen, interessanterweise sogar bei Hitzewallungen: Sie hilft, die Wahrnehmung und Reaktion auf die Symptome zu verändern, sodass diese als weniger belastend empfunden werden.

Ernährung und Östrogen 

Die Ernährung verhindert zwar nicht, dass der Östrogenspiegel absinkt, aber sie kann durchaus beeinflussen, wie Dein Körper damit klarkommt. Außerdem kannst Du Dich mit einer ausgewogenen Ernährung vor langfristigen Folgeerkrankungen wie Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.

Phytoöstrogenreiche Lebensmittel

Sojaprodukte (Tofu, Edamame, Sojamilch), Leinsamen, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide enthalten Isoflavone und Lignane. Das sind pflanzliche Verbindungen, die östrogenähnlich wirken können.

Kalzium und Vitamin D

Mit sinkendem Östrogenspiegel steigt das Osteoporoserisiko erheblich. Kalziumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, grünes Blattgemüse (z. B. Brokkoli, Grünkohl), Sesam und kalziumreiches Mineralwasser sind jetzt besonders wichtig.1 Vitamin D – das vor allem durch Sonnenlicht gebildet wird – hilft dabei, dass Kalzium aufgenommen werden kann. In den sonnenarmen Monaten sind zusätzlich eingenommene Vitamin-D-Präparate oft sinnvoll. 

Omega-3-Fettsäuren

Fettreicher Fisch wie Lachs, Makrele und Hering sowie Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse liefern Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken und das Herz-Kreislauf-System schützen. Alternativ können Omega-3-Fettsäuren auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zugeführt werden.

Ballaststoffe und vielfältige Pflanzenkost

Eine ballaststoffreiche, pflanzenbasierte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten unterstützt nicht nur das Gewichtsmanagement (kann gerade in den Wechseljahren wichtiger werden), sondern wirkt sich auch positiv auf den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel aus.

Was lieber meiden?

Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel, viel Alkohol und koffeinhaltige Getränke können Hitzewallungen begünstigen und den Schlaf verschlechtern. Du musst nicht vollständig darauf verzichten, aber ein bewusster Konsum kann schon helfen. 

Die markierten Aussagen basieren auf zugelassenen Health Claims gemäß EU-Verordnung (EU) Nr. 432/2012: ¹Kalzium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung. 

Quellen

Internetquellen

Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. (2025). Linderung von Wechseljahresbeschwerden. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/linderung-von-wechseljahresbeschwerden/ 

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2020). S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen (AWMF-Registernr.: 015-062).  

Grant, M. D., Marbella, A., Wang, A. T., Pines, E., Hoag, J., Bonnell, C., Ziegler,  K. M., Aronson, N. (2015) Menopausal Symptoms: Comparative Effectiveness of Therapies. AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; No. 147). www.effectivehealthcare.ahrq.gov/reports/final.cfm

 

Printquellen

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