Kreislaufprobleme in den Wechseljahren

PD Dr. Dr. Kilian Vomstein von Fertia
Lesedauer 7 Min.
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18.9.2026

Plötzlich schwankt der Boden oder Du hast das Gefühl von Watte im Kopf? Kommt Dir das bekannt vor? Dann sei beruhigt: Du bist nicht allein. Kreislaufprobleme wie Schwindel und Blutdruckschwankungen betreffen etwa jede dritte Frau in den Jahren um die Menopause und können stark verunsichern.
Die gute Nachricht ist aber: Du musst das nicht einfach hinnehmen. Dieser Ratgeber hilft Dir, die Ursachen zu verstehen, und gibt Dir Soforthilfen und langfristige Maßnahmen an die Hand, damit Du wieder festen Boden unter die Füße bekommst.
Arten von Schwindel in den Wechseljahren
Der typische hormonelle Schwindel: Diese Art von Schwindel ist oft diffus und weniger ein starkes Drehen. Frauen beschreiben ihn häufig als ein Gefühl von Benommenheit, „Watte im Kopf“ oder eine allgemeine Unsicherheit beim Gehen. Dieses schwankende Gefühl kann ohne einen klaren Auslöser, zum Beispiel in Stressphasen, auftreten und Dich verunsichern.
Der harmlose, aber heftige Lagerungsschwindel: Hierbei handelt es sich um einen kurzen, aber sehr heftigen Drehschwindel. Der Auslöser ist typischerweise eine schnelle Lageänderung Deines Kopfes, wie etwa beim Umdrehen im Bett. Die Ursache dafür sind gelöste Kristalle (Otolithen) im Innenohr. Auch wenn die Anfälle sehr unangenehm sind, ist diese Schwindelart harmlos und lässt sich durch spezielle Übungen, die Dir ein Arzt oder Physiotherapeut zeigen kann, gut behandeln.
Begleitende Symptome wie Herzrasen & Co.: Schwindel tritt oft nicht isoliert auf. Häufige Begleiterscheinungen können Herzrasen, Herzstolpern, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit, innere Unruhe oder plötzliches Frieren sein. Diese zusätzlichen Symptome sind ein Zeichen dafür, dass Dein Körper gerade intensiv damit beschäftigt ist, sein Gleichgewicht neu zu finden.
Die Ursachen für Kreislaufprobleme in den Wechseljahren
Zu verstehen, warum Dein Körper so reagiert, kann eine große Erleichterung sein. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine ganz natürliche Reaktion auf eine der größten hormonellen Veränderungen in Deinem Leben. Die Hauptgründe für Schwindel und Kreislaufprobleme in den Wechseljahren liegen im Zusammenspiel Deiner Hormone, Deines Blutdrucks und Deines Gleichgewichtssinns.
Hormonelle Umstellung
Die beiden wichtigsten weiblichen Hormone, Östrogen und Progesteron, spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit Deiner Blutgefäße.
Östrogen wirkt gefäßerweiternd und hält die Gefäßwände elastisch.
Progesteron wirkt leicht entwässernd und entspannt die Gefäße eher zusätzlich.
Solange diese beiden Hormone im Gleichgewicht sind, regulieren sie Deinen Blutdruck und Deine Durchblutung zuverlässig. In den Wechseljahren gerät dieser eingespielte Rhythmus jedoch durcheinander. Die Hormonspiegel schwanken stark und sinken ab. Diese Schwankungen bringen die fein abgestimmte Gefäßregulation aus dem Takt, was zu Kreislaufproblemen führen kann.
Blutdruck Veränderung in den Wechseljahren
Durch das hormonelle Ungleichgewicht kann Dein Blutdruck unvorhersehbar reagieren. Manchmal weiten sich die Gefäße plötzlich, der Blutdruck fällt ab und Dir wird schwindelig oder schwarz vor Augen. An anderen Tagen ziehen sie sich stärker zusammen, was zu einem Anstieg des Blutdrucks führen kann. Besonders ein unbemerkter Bluthochdruck sollte ernst genommen werden, da er langfristig das Herz-Kreislauf-System belasten kann. Diese ständigen Schwankungen sind für Deinen Körper extrem anstrengend und ein häufiger Grund für das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.
Wenn das Gleichgewicht im Innenohr gestört ist
Dein Gleichgewichtsorgan im Innenohr ist ein hochsensibles System, das auf feinste Veränderungen reagiert. Es ist von einer Flüssigkeit, der sogenannten Endolymphe, umgeben. Die hormonellen Verschiebungen in den Wechseljahren können den Flüssigkeitshaushalt und die Durchblutung in diesem Bereich beeinflussen. Gerät dieses empfindliche System auch nur leicht aus der Balance, kann es Fehlinformationen an Dein Gehirn senden. Das Resultat ist Schwindel, obwohl Du Dich gar nicht bewegst.
Zurück in die Balance: Was Du gegen Kreislaufprobleme tun kannst
Soforthilfe: Deine Notfall-Tipps bei akuten Anfällen
Ruhig atmen: Konzentriere Dich auf eine langsame und tiefe Bauchatmung. Besonders effektiv ist die „Lippenbremse“: Atme durch die Nase ein und dann langsam durch die leicht geschlossenen Lippen wieder aus, als würdest Du eine Kerze auspusten. Das beruhigt Dein Nervensystem.
Muskelpumpe aktivieren: Wenn Du sitzt oder stehst, wippe mit den Füßen oder spanne abwechselnd Deine Wadenmuskeln kräftig an. Das hilft, das Blut aus den Beinen wieder nach oben in Richtung Herz und Gehirn zu pumpen.
Kühle Reize setzen: Lasse kaltes Wasser über Deine Handgelenke laufen oder lege Dir ein kühles, feuchtes Tuch in den Nacken. Der Kältereiz verengt die Blutgefäße kurzzeitig und kann den Kreislauf anregen.
Blick fixieren: Suche Dir einen festen Punkt im Raum und fixiere ihn mit Deinen Augen. Das gibt Deinem Gehirn ein klares Signal und hilft, das Gleichgewichtssystem zu stabilisieren.
Schnelle Helfer aus der Küche: Ein Glas lauwarmes Wasser mit einer Prise Salz kann bei niedrigem Blutdruck helfen, den Kreislauf anzukurbeln. Auch eine kleine Brezel oder ein Stück Banane können den Blutzuckerspiegel stabilisieren und Dir schnell wieder auf die Beine helfen.
Langfristige Maßnahmen für einen stabilen Kreislauf
Bewegung als Basis: Kombiniere Ausdauersport wie Walken oder Radfahren mit Gleichgewichtsübungen wie Yoga oder dem Einbeinstand. Das stärkt Dein Herz-Kreislauf-System und schult die Balance.
Richtig essen und trinken: Trinke ausreichend (1,5 bis 2 Liter pro Tag) und halte Deinen Blutzuckerspiegel durch regelmäßige, kleinere Mahlzeiten stabil. Achte dabei auf genügend Magnesium und B-Vitamine.
Sanfte Helfer aus der Natur: Ingwer kann gegen Übelkeit helfen, Pfefferminzöl bei begleitenden Spannungskopfschmerzen. Für Weißdorn gibt es Hinweise aus Studien bei Herzschwäche; eine Wirkung auf Kreislaufbeschwerden in den Wechseljahren ist nicht belegt.
Ein praktischer Tipp: Bei niedrigem Blutdruck können Kompressionsstrümpfe den Kreislauf wirksam unterstützen, besonders nach dem Aufstehen.
Wann zum Arzt? Die Grenzen der Selbsthilfe erkennen
Auch wenn Du vieles selbst in die Hand nehmen kannst, ist es wichtig zu wissen, wann ein Arztbesuch notwendig ist. Er gibt Dir Sicherheit und hilft, ernstere Ursachen auszuschließen. Zögere nicht, Dir professionelle Hilfe zu holen, denn das ist ein wichtiger Teil der Selbstfürsorge.
Besonders aufmerksam solltest Du werden und einen Arzttermin vereinbaren, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:
Der Schwindel tritt zum ersten Mal auf, wird stärker oder verändert sich.
Bei plötzlichen Brustschmerzen, Atemnot, Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen oder einer Ohnmacht: Wähle sofort den Notruf 112. Das ist ein Notfall und kein Fall für den nächsten freien Termin.
Du bist wegen des Schwindels bereits gestürzt oder Dein Alltag wird stark beeinträchtigt.
Die Beschwerden trotz Deiner eigenen Maßnahmen einfach nicht besser werden.
Deine Periode ist in letzter Zeit sehr stark oder sehr häufig. Dann sollten auch Blutbild und Eisenspeicher (Ferritin) sowie die Schilddrüse (TSH) geprüft werden, denn Blutarmut und eine überaktive Schilddrüse verursachen ähnliche Beschwerden wie Schwindel und Herzrasen.
Dein Hausarzt oder Deine Hausärztin ist dabei immer die erste Anlaufstelle. Er oder sie kann einschätzen, ob eine Überweisung zum Gynäkologen (für hormonelle Fragen), HNO-Arzt (zur Abklärung des Gleichgewichtsorgans) oder Kardiologen (für Herz und Blutdruck) sinnvoll ist. Je nach Diagnose reichen die medizinischen Optionen dann von einer menopausalen Hormontherapie (MHT) über Blutdruckmedikamente bis hin zu gezielter Physiotherapie, die besonders bei Lagerungsschwindel schnell helfen kann.
FAQ
1. Ist Schwindel in den Wechseljahren normal?
1. Ist Schwindel in den Wechseljahren normal?
Ja, Schwindel und Kreislaufprobleme gehören zu den häufigen, wenn auch sehr unangenehmen Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Du bist damit also keineswegs allein. Die starken Hormonschwankungen können das Herz-Kreislauf-System und das Gleichgewichtsorgan beeinflussen und zu diesen Symptomen führen.
2. Was hilft sofort bei einer akuten Schwindelattacke?
2. Was hilft sofort bei einer akuten Schwindelattacke?
Setze oder lege Dich hin, um einen Sturz zu vermeiden. Atme langsam und tief (z. B. mit der Lippenbremse). Spanne Deine Wadenmuskeln an, um den Kreislauf anzukurbeln, und fixiere einen festen Punkt im Raum mit Deinen Augen. Ein Glas Wasser, eventuell mit einer Prise Salz, kann ebenfalls schnell helfen.
3. Hängt jeder Schwindel in dieser Zeit mit den Hormonen zusammen?
3. Hängt jeder Schwindel in dieser Zeit mit den Hormonen zusammen?
Nicht unbedingt. Obwohl der hormonelle Schwindel typisch für die Wechseljahre ist, kann es auch andere Ursachen geben. Ein sehr häufiger Grund ist zum Beispiel der gutartige Lagerungsschwindel, der durch Kristalle im Innenohr ausgelöst wird. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung bei anhaltenden oder starken Beschwerden immer sinnvoll.
4. Können Hitzewallungen und Schwindel zusammen auftreten?
4. Können Hitzewallungen und Schwindel zusammen auftreten?
Ja, das ist eine sehr typische Kombination. Bei einer Hitzewallung weiten sich die Blutgefäße im oberen Körperbereich plötzlich. Das kann zu einem kurzzeitigen Blutdruckabfall führen, der wiederum Schwindel oder ein Gefühl der Benommenheit auslöst.
5. Wie lange dauern diese Kreislaufprobleme in den Wechseljahren?
5. Wie lange dauern diese Kreislaufprobleme in den Wechseljahren?
Das ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich und lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Bei manchen Frauen sind die Beschwerden nur eine kurze Phase, bei anderen können sie über mehrere Jahre immer wieder auftreten. Zur Einordnung: Die verwandten vasomotorischen Beschwerden wie Hitzewallungen halten im Median 7,4 Jahre an. Sobald der Körper nach der Menopause eine neue hormonelle Balance gefunden hat, legen sich die Kreislaufprobleme aber in der Regel wieder.
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Quellen
Printquellen
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S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen (AWMF-Register 015-062).