Osteoporose in den Wechseljahren: Das Risiko für Knochenschwund

Prof. Dr. Ruben Kuon von Fertia
Lesedauer 9 Min.
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21.9.2026

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Umbruchs und der Neuausrichtung. Dein Körper verändert sich, und während einige dieser Veränderungen wie Hitzewallungen oder Gefühlsschwankungen deutlich spürbar sind, findet ein anderer, ganz entscheidender Prozess im Verborgenen statt: der Umbau Deiner Knochen. Vielleicht hast Du Dich bisher wenig mit Deiner Knochendichte beschäftigt – doch genau jetzt rückt sie in den Mittelpunkt. Durch die hormonelle Umstellung in der Lebensmitte verschiebt sich das Gleichgewicht des Knochenumbaus zugunsten des Knochenabbaus. Das klingt vielleicht erst einmal beunruhigend, aber die gute Nachricht ist: Du bist diesem Prozess nicht hilflos ausgeliefert.
Wie Osteoporose & die Wechseljahre zusammenhängen
Deine Knochen sind weit mehr als nur ein starres Gerüst. Sie sind ein lebendiges Gewebe, in dem ein Leben lang ein ständiger Umbau stattfindet: Alte Knochensubstanz wird abgebaut, neue wird gebildet. Dieses feine Gleichgewicht sorgt für Stabilität. Bei einer Osteoporose, auch als Knochenschwund bekannt, gerät dieser Prozess aus der Balance. Der Abbau überwiegt. Die Knochen werden schleichend poröser und ihre feine Architektur brüchiger. Dadurch steigt das Risiko für Knochenbrüche, ohne dass Du anfangs etwas davon spürst.
Genau hier kommen die Wechseljahre ins Spiel. Der entscheidende Faktor ist die hormonelle Veränderung in Deinem Körper. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen ist ein wichtiger Schutzfaktor für Deine Knochen, denn es bremst die knochenabbauenden Zellen auf natürliche Weise. Wenn Dein Östrogenspiegel in der Menopause sinkt, lässt diese Schutzfunktion nach. Die knochenabbauenden Zellen werden aktiver und der Knochenschwund beschleunigt sich. Dieser hormonelle Wandel ist der Hauptgrund, warum Frauen in und nach den Wechseljahren ein deutlich erhöhtes Risiko für Osteoporose haben.
Symptome von Knochenschwund in den Wechseljahren
Eine der größten Herausforderungen bei Osteoporose ist, dass sie lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Sie entwickelt sich leise und unbemerkt im Inneren Deines Körpers. Deshalb wird sie oft auch als „stille“ Erkrankung bezeichnet. Die ersten Anzeichen machen sich häufig erst dann bemerkbar, wenn der Knochenschwund bereits fortgeschritten ist.
Spürbare Symptome treten oft erst auf, wenn bereits ein erheblicher Teil der Knochenmasse verloren gegangen ist. Ein erstes Warnsignal können plötzliche, starke und oft als stechend beschriebene Rückenschmerzen sein, die ohne ersichtlichen Grund auftreten. Dahinter kann sich auch ein Wirbelkörperbruch verbergen. Weitere Anzeichen, die auf eine fortgeschrittene Osteoporose hindeuten können, sind:
Ein Verlust an Körpergröße von mehr als vier Zentimetern.
Die Entwicklung eines Rundrückens.
Eine zunehmend nach vorne gebeugter Körperhaltung.
Knochenbrüche, die bereits bei geringfügigen Anlässen oder Stürzen aus niedriger Höhe auftreten (z. B. am Handgelenk oder Oberschenkelhals).
Wenn Dir eines oder mehrere dieser Symptome an Dir auffallen, ist es wichtig, sie ernst zu nehmen und ärztlichen Rat einzuholen.
Der Weg zur Gewissheit: Knochendichtemessung & Co.
Zur Diagnose einer Osteoporose ist die Knochendichtemessung, auch DXA-Messung (Dual-Röntgen-Absorptiometrie) genannt, die wichtigste Untersuchung. Sie ist völlig schmerzfrei und geht mit einer sehr geringen Strahlenbelastung einher. Meist wird die Dichte der Knochen an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals gemessen, da hier Brüche besonders folgenschwer sind. Das Ergebnis, der sogenannte T-Wert, gibt an, wie stark Deine Knochendichte vom Durchschnittswert gesunder junger Erwachsener abweicht. Anhand dieses Wertes lässt sich das Risiko für Knochenbrüche gemeinsam mit weiteren Risikofaktoren besser einschätzen.
Manchmal können zusätzlich Blutuntersuchungen oder weitere bildgebende Verfahren wie Röntgen oder eine Computertomographie (CT) sinnvoll sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen oder mögliche Knochenbrüche genauer zu beurteilen.
So minderst Du Dein Osteoporose-Risiko in den Wechseljahren
Auch wenn die hormonelle Umstellung ein Fakt ist, bist Du keinesfalls machtlos. Im Gegenteil: Du kannst selbst viel dazu beitragen, Deine Knochengesundheit zu erhalten und dem Knochenschwund entgegenzuwirken. Die drei wichtigsten Säulen dafür sind Bewegung, Ernährung und die Vermeidung von Risikofaktoren.
Dein knochenstarkes Workout: Bewegung für starke Knochen
Deine Knochen brauchen, ähnlich wie Deine Muskeln, regelmäßige Impulse, um stark und dicht zu bleiben. Jedes Mal, wenn Du Deine Muskeln anspannst, üben sie einen Zug auf die Knochen aus. Jeder Stoß, zum Beispiel beim Gehen oder Tanzen, setzt Reize, die den Knochenaufbau fördern können. Regelmäßige Bewegung ist daher eine Deiner wirksamsten Strategien.
Besonders gut geeignet sind Sportarten, die Deine Knochen fordern:
Krafttraining: Ob mit leichten Hanteln, Widerstandsbändern oder dem eigenen Körpergewicht – gezieltes Krafttraining ist ideal. Es stärkt nicht nur die Muskeln, die Dein Skelett stützen, sondern unterstützt den Knochenstoffwechsel.
Gewichttragende Ausdauersportarten: Sportarten, bei denen Du Dein eigenes Körpergewicht tragen musst, sind besonders gut geeignet. Dazu gehören flottes Gehen, Wandern, Nordic Walking oder auch Tanzen. Sie alle üben sanften Druck auf das Skelett aus.
Balance- und Koordinationsübungen: Yoga, Pilates oder Tai-Chi verbessern Dein Gleichgewicht und Deine Koordination. Das hilft nicht nur, Deine Haltung zu stärken, sondern senkt auch das Risiko für Stürze – eine der Hauptursachen für Knochenbrüche im Alter.
Wichtig ist vor allem die Regelmäßigkeit. Versuche, an den meisten Tagen der Woche mindestens 30 Minuten aktiv zu sein. Finde eine Bewegungsform, die Dir Freude bereitet, denn nur so bleibst Du langfristig motiviert dabei.
Iss Dich stabil: Die Power-Ernährung für die Wechseljahre
Was täglich auf Deinem Teller landet, kann einen wichtigen Beitrag zur Knochengesundheit leisten. Mit einer gezielten Auswahl an Lebensmitteln kannst Du die Bausteine liefern, die Dein Körper jetzt dringend benötigt.
Kalzium – Der Baustoff Nr. 1: Deine Knochen bestehen zu einem großen Teil aus Kalzium. Daher ist eine ausreichende Zufuhr wichtig. Hervorragende Quellen sind nicht nur Milch, Joghurt und Käse, sondern auch pflanzliche Alternativen wie mit Kalzium angereicherte Drinks (z.B. aus Hafer oder Soja) und Tofu. Auch grünes Gemüse hat es in sich: Besonders Grünkohl, Brokkoli, Rucola und Fenchel sind wertvolle Kalziumlieferanten. Ein Blick auf das Etikett Deines Mineralwassers lohnt sich ebenfalls – einige Sorten enthalten besonders viel von dem wichtigen Mineralstoff.
Vitamin D – Der Einbauhelfer: Kalzium allein reicht nicht aus. Damit Dein Körper das Kalzium aus der Nahrung auch in die Knochen einbauen kann, braucht er Vitamin D. Dieses Vitamin unterstützt die Aufnahme von Kalzium und trägt zu einer normalen Knochengesundheit bei. Unser Körper kann es mithilfe von Sonnenlicht auf der Haut selbst bilden. Da die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden aber vor allem in den Herbst- und Wintermonaten oft nicht ausreicht, kann nach ärztlicher Rücksprache eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.
Achtung, Knochenräuber! Diese Gewohnheiten solltest Du jetzt überdenken
Neben all den guten Dingen, die Du für Deine Knochen tun kannst, gibt es auch einige Gewohnheiten und Lebensmittel, die Deiner Knochengesundheit schaden können. Man nennt sie auch „Knochenräuber“, weil sie die Knochengesundheit beeinträchtigen oder den Kalziumstoffwechsel ungünstig beeinflussen können.
Phosphat-Fallen: Phosphat ist zwar ein wichtiger Mineralstoff, doch ein Zuviel davon kann das Gleichgewicht stören und den Kalziumstoffwechselungünstig beeinflussen. Besonders viel Phosphat steckt in stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Schmelzkäse, Fast Food und Softdrinks wie Cola. Eine bewusste, frische Ernährung hilft Dir, diese Fallen zu umgehen.
Zu viel Salz: Ein hoher Salzkonsum führt dazu, dass Dein Körper vermehrt Kalzium über die Nieren ausscheidet. Dieses Kalzium fehlt dann für den Einbau in die Knochen. Versuche, öfter mit frischen Kräutern, statt mit Salz zu würzen und meide stark gesalzene Fertigprodukte und Snacks.
Übermäßiger Kaffee- und Alkoholkonsum: Auch Kaffee und Alkohol können in größeren Mengen die Kalziumbilanz Deines Körpers negativ beeinflussen. Das bedeutet nicht, dass Du komplett darauf verzichten musst. Ein bewusster und maßvoller Genuss ist jedoch gerade in den Wechseljahren besonders ratsam.
Rauchen: Nikotin greift auf vielfältige Weise in den Knochenstoffwechsel ein. Es beeinträchtigt die Funktion der knochenaufbauenden Zellen und verschlechtert die Durchblutung, was die Nährstoffversorgung der Knochen reduziert. Ein Rauchstopp ist somit eine der besten Entscheidungen, die Du für Deine Knochengesundheit treffen kannst.
Deine Knochen-Checkliste für die Wechseljahre und danach
Du siehst, es gibt unglaublich viel, was Du selbst für die Stabilität Deines Körpers tun kannst. Die Wechseljahre sind die perfekte Zeit, um neue, gesunde Gewohnheiten zu etablieren, die Dich lange stark und mobil halten. Damit Du im Alltag den Überblick behältst, haben wir die wichtigsten Punkte hier noch einmal als praktische Checkliste für Dich zusammengefasst.
Bewegung integrieren: Mindestens 3-mal pro Woche gezieltes Kraft- oder Koordinationstraining (z. B. Hanteltraining, Yoga, Pilates) und tägliche, gewichttragende Bewegung wie flottes Gehen.
Kalzium tanken: Täglich kalziumreiche Lebensmittel wie Joghurt, Käse, Brokkoli, Grünkohl oder kalziumreiches Mineralwasser auf den Speiseplan setzen.
An Vitamin D denken: Regelmäßig Zeit im Freien verbringen, um die körpereigene Vitamin-D-Bildung zu unterstützen . Im Winter kann nach ärztlicher Rücksprache eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.
Bunt essen: Viel Gemüse, Obst und kalziumreiche Lebensmittel unterstützen eine ausgewogene Ernährung.
Knochenräuber meiden: Den Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln, zu viel Salz, Softdrinks und Alkohol bewusst reduzieren.
Risiko abklären: Das persönliche Osteoporose-Risiko mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen und bei Bedarf eine Knochendichtemessung in Betracht ziehen.
FAQ
1. Erhöht die Einnahme von Cortison mein Osteoporose-Risiko?
1. Erhöht die Einnahme von Cortison mein Osteoporose-Risiko?
Ja, die langfristige Einnahme von Cortison-Präparaten (Glukokortikoiden) über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten ist einer der häufigsten Risikofaktoren für eine medikamentenbedingte Osteoporose. Cortison kann sowohl den Knochenaufbau hemmen als auch den Abbau fördern. Wenn Du auf eine solche Therapie angewiesen bist, ist es umso wichtiger, dass Du dies mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin besprichst. Gemeinsam könnt ihr gezielte Schutzmaßnahmen wie eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D sowie regelmäßige Bewegung einleiten und Deinen Knochenstatus im Auge behalten.
2. Wann ist eine Knochendichtemessung für mich sinnvoll?
2. Wann ist eine Knochendichtemessung für mich sinnvoll?
Eine Knochendichtemessung (DXA) ist dann sinnvoll, wenn das Ergebnis eine Auswirkung auf Dein weiteres Vorgehen hat. Sie wird insbesondere für Frauen nach den Wechseljahren empfohlen, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. . Dazu gehören zum Beispiel eine familiäre Vorbelastung, niedriges Körpergewicht, eine frühe Menopause oder die Einnahme von Risikomedikamenten wie Cortison. Sprich am besten mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin darüber. Er oder sie kann Dein persönliches Risiko am besten einschätzen und Dir eine Empfehlung geben.
3. Welche Nahrungsergänzungsmittel sind in den Wechseljahren für die Knochen wichtig?
3. Welche Nahrungsergänzungsmittel sind in den Wechseljahren für die Knochen wichtig?
Die beiden wichtigsten Nährstoffe für die Knochen sind Kalzium und Vitamin D. Eine kalziumreiche Ernährung ist die Basis. Solltest Du es nicht schaffen, Deinen Bedarf über die Nahrung zu decken, kann ein Kalziumpräparat sinnvoll sein. Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Kalzium und trägt zu einer normalen Knochengesundheit bei. Da die körpereigene Bildung in unseren Breitengraden – insbesondere in den Wintermonaten – eingeschränkt sein kann, sollte individuell ärztlich abgeklärt werden, ob eine Nahrungsergänzung sinnvoll ist.
4. Wie decke ich meinen Kalziumbedarf ohne Milchprodukte?
4. Wie decke ich meinen Kalziumbedarf ohne Milchprodukte?
Das ist heutzutage zum Glück kein Problem mehr. Es gibt viele gute pflanzliche Kalziumquellen. Dazu zählen grünes Gemüse wie Grünkohl, Brokkoli, Rucola und Fenchel. Auch Nüsse (z.B. Mandeln) und Samen (z.B. Sesam oder Chiasamen) können zur Kalziumversorgung beitragen. Eine wichtige Rolle spielen zudem kalziumreiches Mineralwasser (ein Blick auf das Etikett lohnt sich) und mit Kalzium angereicherte pflanzliche Drinks, zum Beispiel aus Hafer, Soja oder Mandeln.
5. Ist Osteoporose heilbar?
5. Ist Osteoporose heilbar?
Eine bereits bestehende Osteoporose ist nach heutigem Stand nicht im Sinne einer vollständigen Wiederherstellung der ursprünglichen Knochenmasse heilbar. Das Ziel der Behandlung ist es jedoch, den Knochenabbau zu stoppen oder zumindest stark zu verlangsamen und die Knochensubstanz so gut wie möglich zu stabilisieren. Damit lässt sich das Risiko für weitere Knochenbrüche deutlich senken. Durch eine Kombination aus Medikamenten, Ernährung und gezielter Bewegung kann die Lebensqualität erhalten und verbessert werden, sodass Du weiterhin aktiv am Leben teilnehmen kannst.