PMDS - Prämenstruelle Dysphorische Störung

Porträtaufnahme eines lächelnden Mannes mit kurzem braunem Haar und dunklem Hemd vor neutralem hellgrauem Hintergrund

Prof. Dr. Ruben Kuon von Fertia

Lesedauer 7 Min.

•

23.9.2026

Frau sitzt entspannt auf einer Fensterbank, trägt helle Loungewear und einen offenen Cardigan, Blick nach rechts aus dem Bild

Kennst Du das GefĂĽhl, in den Tagen vor Deiner Periode plötzlich ein anderer Mensch zu sein? Intensive Stimmungsschwankungen, eine unerklärliche Traurigkeit oder starke Reizbarkeit belasten Deinen Alltag und Deine Beziehungen. Du fĂĽhlst Dich vielleicht angespannt, ĂĽberfordert und erkennst Dich selbst kaum wieder. Doch mit dem Einsetzen Deiner Menstruation bessern sich diese belastenden Symptome häufig innerhalb weniger Tage. 

Wenn Dir dieses wiederkehrende Muster bekannt vorkommt, bist Du hier genau richtig. Hinter einer solchen starken, wiederkehrenden Belastung kann eine Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) stecken. Wir erklären Dir, was genau dahintersteckt, wie Du Klarheit fĂĽr Dich gewinnen kannst und welche Strategien Dir helfen, Dein Wohlbefinden wieder zu stärken. 

Was ist PMDS? Die klare Abgrenzung zu PMS

Sicher kennst Du das Prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, mit seinen typischen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen oder Brustspannen. Doch die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) ist mehr als nur ein besonders ausgeprägtes PMS. Sie ist eine eigenständig definierte Erkrankung, bei der vor allem ausgeprägte psychische Symptome im Vordergrund stehen. 

Ein wichtiger Unterschied liegt im AusmaĂź der Beschwerden und ihrer Auswirkungen auf den Alltag:  Während PMS mit unterschiedlich stark ausgeprägten Beschwerden einhergehen kann, können die Symptome bei PMDS so stark sein, dass sie Deinen Alltag, Deine Beziehungen und Deine Arbeit deutlich beeinträchtigen. Im Vordergrund stehen dabei oft ausgeprägte Stimmungsschwankungen, starke Reizbarkeit, depressive Stimmung oder Ă„ngste. 

Wichtig ist dabei: PMDS ist keine Charakterschwäche, sondern eine ernstzunehmende, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannte medizinische Erkrankung. Während prämenstruelle Beschwerden weit verbreitet sind, betrifft PMDS nur einen kleineren Anteil der Frauen. . Wenn die Tage vor den Tagen also Dein Leben deutlich beeinträchtigen , könnte mehr dahinterstecken als "nur schlimmes PMS".

Symptome von PMDS

Die Symptome der PMDS sind vielfältig und können sich von Frau zu Frau und sogar von Zyklus zu Zyklus unterscheiden. Charakteristisch ist, dass sie in der zweiten Zyklushälfte (der Lutealphase) nach dem Eisprung beginnen und sich mit Beginn der Periode oder in den ersten Tagen danach deutlich besser. Um die unterschiedlichen Beschwerden besser zu verstehen, lassen sich die Symptome in drei Bereiche einteilen:

Psychische Symptome

Sie sind oft am belastendsten und stehen bei PMDS im Vordergrund. Dazu gehören starke Stimmungsschwankungen, plötzliche Traurigkeit und Weinerlichkeit, ausgeprägte Reizbarkeit oder Wut, Angst und Anspannung, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit sowie ein vermindertes Interesse an alltäglichen Aktivitäten.

Körperliche Symptome

Auch der Körper kann mit einer Reihe von Beschwerden reagieren. Typisch sind unter anderem Brustspannen, Blähungen und ein Völlegefühl, Kopf- oder Gliederschmerzen, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Müdigkeit und ein vermehrtes Schlafbedürfnis sowie Heißhunger oder Appetitveränderungen.

Kognitive Symptome

Viele Frauen bemerken auch  Konzentrationsschwierigkeiten, das GefĂĽhl, „neben sich zu stehen“, oder eine allgemeine Ăśberforderung bei alltäglichen Aufgaben.

FĂĽr eine Diagnose mĂĽssen nicht alle Symptome vorliegen. Nach den diagnostischen Kriterien mĂĽssen mindestens fĂĽnf typische Symptome vorhanden sein, darunter mindestens eines der Kernsymptome ausgeprägte Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Wut, depressive Stimmung oder Angst und Anspannung. Entscheidend ist auĂźerdem, dass die Beschwerden den Alltag deutlich beeinträchtigen. 

Die Ursache hinter den Symptomen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse fĂĽr Betroffene ist: Die Ursache fĂĽr PMDS liegt nicht in der eigenen Persönlichkeit oder in einer „schwierigen Art“.  Nach heutigem Verständnis spielen vielmehr neurobiologische Mechanismen eine wichtige Rolle.

Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass PMDS in der Regel nicht durch eine hormonelle Störung oder ungewöhnliche Hormonspiegel verursacht wird. Vielmehr wird  eine besondere Empfindlichkeit gegenĂĽber den hormonellen Schwankungen im weiblichen Zyklus vermutet. Dabei werden verschiedene neurobiologische Mechanismen diskutiert, unter anderem Veränderungen in der Regulation von Botenstoffen wie Serotonin. Auch genetische Faktoren könnten eine Rolle spielen. Wie genau die hormonellen Veränderungen die Beschwerden auslösen, ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutlich beeinflussen sie bei entsprechend empfindlichen Frauen verschiedene Signalwege und Botenstoffsysteme im Gehirn und können so zur Entstehung der psychischen und körperlichen Symptome beitragen. Diese Erkenntnis ist entscheidend: PMDS ist eine anerkannte medizinische Erkrankung und keine Frage der Persönlichkeit oder Willenskraft. Das Verständnis der biologischen Zusammenhänge ist ein wichtiger Schritt, um die Erkrankung  zu entstigmatisieren und geeignete Behandlungsstrategien zu finden.

So findest Du heraus, ob Du von PMDS betroffen bist

Wenn Du vermutest, unter PMDS zu leiden, ist ein wichtiger Schritt das FĂĽhren eines Zyklustagebuchs. Da die Erkrankung nicht durch Bluttests oder andere Untersuchungen  diagnostiziert werden kann, ist das charakteristische zeitliche Muster Deiner Symptome fĂĽr die Diagnose besonders wichtig.

Ziel ist es, ĂĽber einen Zeitraum von mindestens zwei  Menstruationszyklen täglich Dein Befinden zu protokollieren. So lässt sich dokumentieren, ob Deine Beschwerden typischerweise vor der Menstruation auftreten, sich mit Beginn der Periode oder kurz danach bessern und anschlieĂźend weitgehend oder vollständig abklingen. 

Dieses Tagebuch ist eine wichtige  Grundlage fĂĽr ein Gespräch mit Deinem Arzt oder Deiner Ă„rztin. Es hilft, das zyklische Muster Deiner Beschwerden zu erfassen und unterstĂĽtzt eine fundierte Diagnosestellung. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt fĂĽr einen Arztbesuch?

Du musst das nicht alleine durchstehen. Wenn Du merkst, dass die wiederkehrenden Symptome Deinen Alltag, Deine Beziehungen oder Deine Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigen, ist es sinnvoll, ärztliche oder psychotherapeutische UnterstĂĽtzung in Anspruch zu nehmen.  

Dabei ist Dein persönlicher Leidensdruck ein wichtiger Maßstab. Ein Arztbesuch ist besonders dann ratsam, wenn Du:

  • das GefĂĽhl hast, die Kontrolle ĂĽber Deine Emotionen zu verlieren.
  • unter starken depressiven Verstimmungen, Hoffnungslosigkeit oder Wut leidest.
  • merkst, dass Deine sozialen und familiären Beziehungen unter den Symptomen leiden.
  • Dich selbst in diesen Phasen nicht mehr wiedererkennst.

Wenn Du Gedanken hast, Dir selbst etwas anzutun, oder Suizidgedanken auftreten, solltest Du Dir sofort professionelle Hilfe suchen.

Was man gegen PMDS tun kann

PMDS lässt sich behandeln. Es gibt verschiedene  Ansätzen, die Dir helfen können, Deine Symptome zu lindern und Dein Wohlbefinden zu verbessern. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Deinen Beschwerden und Deiner individuellen Situation ab. 

  • Selbsthilfe & Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung können Dein allgemeines Wohlbefinden unterstĂĽtzen und eine medizinische Behandlung ergänzen.Gezielte Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder ein warmes Bad  können Dir helfen, Stress zu reduzieren und zur Ruhe zu kommen.
  • Pflanzliche UnterstĂĽtzung: FĂĽr einige pflanzliche Präparate wie Mönchspfeffer (Agnus castus) gibt es Hinweise auf eine mögliche Wirkung bei prämenstruellen Beschwerden. FĂĽr die gezielte Behandlung einer PMDS ist die Evidenz jedoch begrenzt. Wichtig ist hierbei: Auch pflanzliche Präparate können Neben- und Wechselwirkungen haben. Besprich ihre Einnahme daher am besten ärztlich, insbesondere wenn Du andere Medikamente einnimmst.
  • Medizinische Therapien: Wenn die Beschwerden Deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, gibt es wirksame medizinische Behandlungsoptionen. Sogenannte Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), eine bestimmte Art von Antidepressiva, gelten als eine Behandlung der ersten Wahl. Sie können je nach individueller Situation kontinuierlich oder nur in der zweiten Zyklushälfte eingenommen werden.. Auch bestimmte kombinierte hormonelle VerhĂĽtungsmittel, können die Symptome lindern. Ob eine hormonelle Behandlung infrage kommt und welches Präparat geeignet ist, sollte individuell ärztlich besprochen werden.

Leben mit PMDS: So unterstĂĽtzt Du Dich und Dein Umfeld

Neben der Behandlung der Symptome kann es hilfreich sein , Deinen Alltag auf die wiederkehrenden Phasen einzustellen und Dein Umfeld mit ins Boot zu holen. Das kann Dich im Umgang mit den Beschwerden entlasten und das gegenseitige Verständnis fördern. 

  • Offene Kommunikation: Deinem Umfeld zu erklären, was in Dir vorgeht, kann eine Herausforderung sein. Es kann helfen zu erklären, dass PMDS mit einer besonderen Empfindlichkeit gegenĂĽber den normalen hormonellen Schwankungen des Menstruationszyklus zusammenhängt. Das macht deutlich, dass es sich nicht um eine Charakterschwäche handelt und kann das Verständnis fĂĽr Deine Situation fördern.
  • Deine persönliche WohlfĂĽhl-Box: FĂĽr Momente, in denen Dich die Symptome zu ĂĽberrollen drohen, kann eine persönliche „WohlfĂĽhl-Box“ ein hilfreiches Ritual sein. Stelle Dir eine Kiste mit Dingen zusammen, die Dir in akuten Phasen guttun und Dir helfen, Dich auf Deine SelbstfĂĽrsorge zu konzentrieren. Ideen dafĂĽr sind: beruhigender Tee, Kopfhörer mit Deiner Lieblingsmusik, ein wohltuendes Duftöl oder eine Wärmflasche.

An welchen Arzt oder welche Ärztin kann ich mich wenden?

Die Gynäkologie ist eine mögliche erste Anlaufstelle für die Diagnose. Da die psychischen Symptome oft im Vordergrund stehen, kann auch ein Psychiater, Psychotherapeut oder Dein Hausarzt der richtige Ansprechpartner sein, um passende Behandlungswege zu finden und Dich bei Bedarf zu überweisen.

Wann genau treten die PMDS-Symptome im Zyklus auf?

Die Symptome beginnen typischerweise in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung (Lutealphase). Am stärksten sind sie meist in den Tagen direkt vor der Menstruation.  Mit Beginn der Periode oder in den ersten Tagen danach bessern sich die Beschwerden typischerweise deutlich und sind anschlieĂźend meist nur noch gering ausgeprägt oder vollständig verschwunden.

Gibt es Lebensmittel oder Getränke, die PMDS-Symptome verschlimmern können?

Einzelne Frauen berichten, dass bestimmte Lebensmittel oder Getränke ihre Beschwerden beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung kann grundsätzlich sinnvoll sein, eine spezielle „PMDS-Diät“ mit eindeutig belegter Wirkung gibt es jedoch nicht. Es kann hilfreich sein, individuell zu beobachten, ob beispielsweise Alkohol oder Koffein Deine Beschwerden beeinflussen.

Ist PMDS heilbar?

PMDS ist an die hormonellen Veränderungen des Menstruationszyklus gebunden. Es stehen verschiedene wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich die Beschwerden häufig deutlich lindern lassen. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome und ihre Auswirkungen auf Deinen Alltag möglichst weit zu reduzieren.

Kann ich PMDS auch noch nach den Wechseljahren haben?

?  Nach der natĂĽrlichen Menopause tritt PMDS nicht mehr auf, da die zyklischen hormonellen Veränderungen ausbleiben. In der Ăśbergangsphase davor (Perimenopause) können sich die Beschwerden jedoch verändern oder verstärken.

Quellen

Printquellen

Management of Premenstrual Disorders: ACOG Clinical Practice Guideline No. 7. Obstet Gynecol. 2023 Dec 1;142(6):1516-1533.

Management of Premenstrual Syndrome: Green-top Guideline No. 48. BJOG. 2017 Feb;124(3):e73-e105.

Hantsoo L, Payne JL. Towards understanding the biology of premenstrual dysphoric disorder: From genes to GABA. Neurosci Biobehav Rev. 2023 Jun;149:105168.

Carlini SV, Lanza di Scalea T, McNally ST, Lester J, Deligiannidis KM. Management of Premenstrual Dysphoric Disorder: A Scoping Review. Focus (Am Psychiatr Publ). 2024 Jan;22(1):81-96