Extraurethrale Inkontinenz
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31.3.2026
Inkontinenz ist ein sensibles Thema und mit vielen Fragen verbunden. Leider aber auch noch immer mit Scham und Unsicherheit! Das gilt ganz besonders für die extraurethrale Inkontinenz – eine Form der Inkontinenz, bei der der Urin nicht nur aus der Harnröhre, sondern ungewollt auch „woanders“ austritt.
Was ist extraurethrale Inkontinenz?
Extraurethral bedeutet „außerhalb der Harnröhre“ – und genau das passiert bei dieser eher seltenen Form von Inkontinenz: Der Urin verlässt den Körper auch über andere Wege als die Harnröhre – über die Vagina, den Darmausgang oder die Haut.
Das kann sich für die Betroffenen auf sehr unterschiedliche Weise bermerkbar machen. Manche Menschen verlieren Urin nur in bestimmten Situationen, etwa beim Aufstehen, Gehen oder bei körperlicher Anstrengung. Andere erleben ein ständiges, unkontrollierbares Tröpfeln. Es kommt auch vor, dass der Urinabgang gar nicht von den Betroffenen wahrgenommen wird – ihnen fällt nur auf, dass Unterwäsche oder Kleidung ständig feucht sind und unangenehm riechen. All das kann die Betroffenen sehr stark verunsichern und viel Lebensqualität kosten. Aber es gibt Hilfe für sie: Hinter diesen Symptomen steckt eine behandelbare medizinische Ursache.
Ursachen der extraurethralen Inkontinenz
Diese Form der Inkontinenz kann bereits von Geburt an bestehen, kann sich aber auch erst im Laufe des Lebens enwickeln.
- Angeborene Ursachen
Die angeborene extraurethrale Inkontinenz wird von einer Fehlbildung der Harnwege verursacht: Der Harnleiter mündet nicht wie normalerweise in die Blase, sondern außerhalb, zum Beispiel in die Vagina. Der Urin gelangt dadurch unkontrolliert nach außen, obwohl die Blase selbst oft ganz normal funktioniert. Diese Form der Inkontinenz wird häufig schon im Babyalter festgestellt und in den meisten Fällen auch zeitnah operativ behandelt. - Erworbene Ursachen
Extraurethrale Inkontinenz kann sich im Laufe des Lebens entwickeln. Häufige Auslöser sind sogenannte Fisteln. Das sind kleine, unnatürliche Verbindungskanäle im Körperinneren. Sie können zum Beispiel nach Operationen, Entzündungen, Verletzungen oder Bestrahlungen im Beckenbereich entstehen. Am häufigsten sind bei Frauen vesikovaginale Fisteln (zwischen Blase und Vagina), gefolgt von vesikokutanen Fisteln (zwischen Blase und Haut), die bei Frauen und Männern vorkommen. Über diese Fisteln kann Urin aus der Blase oder den Harnwegen in andere Organe oder nach außen gelangen, ohne dass sich das bewusst steuern lässt.
Diagnose einer extraurethralen Inkontinenz
Mit Anzeichen einer extraurethralen Inkontinenz solltest Du nicht zögern, ärztlichen Rat einzuholen. In einem ersten Gespräch (Anamnese) wird Deine Ärztin oder Dein Arzt mit Dir besprechen, wann und wie der Urinverlust auftritt. Danach folgen in der Regel verschiedene Untersuchungen in einer fachärztlichen Praxis, zum Beispiel eine Urinanalyse oder bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie).
Für eine genauere Abklärung können Farbstofftests eingesetzt werden. Dabei wird ein Farbstoff über einen Katheter in die Blase eingebracht, um den Austrittsweg sichtbar zu machen. Auch endoskopische Untersuchungen der Blase (Zystoskopie) sind möglich. Hier führt die Ärztin oder der Arzt ein dünnes Instrument mit Kamera durch die Harnröhre ein, um Harnröhre und Harnblase von innen zu betrachten.
Extraurethrale Inkontinenz behandeln
Anders als bei anderen Inkontinenzformen, etwa Dranginkontinenz oder Belastungsinkontinenz, lassen sich die Beschwerden einer extraurethralen Inkontinenz nicht durch Beckenbodentraining oder Blasentraining lindern. Da die Ursache anatomischer Natur ist, wird in den meisten Fällen eine Operation nötig.
Ziel ist es, Fisteln zu verschließen oder fehlgeleitete Harnleiter so zu verlagern, dass der Urin wieder ausschließlich über die Blase und Harnröhre abgeht. Für diese Eingriffe werden heute meist minimalinvasive Operationstechniken eingesetzt. Das heißt: Die Eingriffe erfolgen über sehr kleine Schnitte oder natürliche Körperöffnungen, sodass das umliegende Gewebe geschont wird. Die Vorteile: weniger Schmerzen, ein geringeres Infektionsrisiko und eine schnellere Erholung.
Tipps und Alltagshilfen
Eine extraurethrale Inkontinenz muss immer ärztlich abgeklärt und behandelt werden – dann lassen sich die Beschwerden lindern, und in vielen Fällen ist sogar eine Heilung möglich. Bis es so weit ist, gegebenenfalls aber auch nach der Behandlung, kannst Du selbst einiges tun, um Deinen Alltag angenehmer zu gestalten und möglichen Komplikationen vorzubeugen:
- Verwende atmungsaktive Inkontinenzprodukte, um die Haut zu schützen.
- Achte auf sanfte Intimhygiene mit pH-neutralen Produkten.
- Nutze Hautschutzcremes, um Reizungen zu vermeiden.
Wichtig: Es kostet Dich vielleicht Überwindung, aber scheue Dich nicht, Unterstützung anzunehmen – sei es durch medizinisches Fachpersonal, eine Apotheke oder passende Hilfsmittel. Mit der richtigen Versorgung lässt sich Lebensqualität bewahren!
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. (o.D.). Harn- und Stuhlinkontinenz. https://www.kontinenz-gesellschaft.de/wp-content/uploads/2025/11/Broschuere-Harn-und-Stuhlinkontinenz.pdf
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- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2022). S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau (AWMF Registernr. 015-091). AWMF.