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Mischinkontinenz

dm-drogerie markt

Lesedauer 5 Min.

31.3.2026

Vielleicht kommt Dir das bekannt vor: Deine Blase meldet sich in letzter Zeit immer häufiger sehr plötzlich und sehr dringend – und lässt sich in bestimmten Situationen, etwa beim Lachen oder Niesen, nicht mehr von Dir kontrollieren. Das sind typische Beschwerden einer Mischinkontinenz. Sie können sehr belastend sein, aber es lässt sich viel dagegen tun.

Was ist Mischinkontinenz?

Die Mischinkontinenz ist eine besondere Form der Harninkontinenz. Dabei treten zwei Arten von Beschwerden gleichzeitig auf: die Symptome einer Dranginkontinenz und diejenigen einer Belastungsinkontinenz.

Gut zu wissen: Rund ein Drittel der Frauen mit Harninkontinenz haben eine Mischinkontinenz. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Doch auch Männer können betroffen sein, zum Beispiel nach Prostataoperationen oder bei neurologischen Erkrankungen.

Symptome einer Mischinkontinenz

Bei einer Mischinkontinenz kommen zwei Arten von Inkontinenz zusammen. Meistens ist eine der beiden stärker ausgeprägt und beeinflusst den Alltag mehr als die andere.  

Drangbeschwerden (Anzeichen einer Dranginkontinenz)

  • plötzlicher, starker Harndrang („Ich muss JETZT!“)
  • häufiges Wasserlassen, auch nachts (Nykturie)
  • Urinverlust noch vor Erreichen der Toilette

Belastungsbeschwerden (Anzeichen einer Belastungsinkontinenz)

  • Urinverlust bei körperlicher Belastung (Husten, Niesen, Lachen, Sport)
  • Verlust kleiner Urinmengen ohne vorherigen Harndrang 

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer Mischinkontinenz sind vielfältig. Welche eine Rolle spielen, hängt unter anderem davon ab, welche Form von Inkontinenz überwiegt.

Typische Ursachen der BelastungsinkontinenzTypische Ursachen der Dranginkontinenz
  • geschwächte oder geschädigte Beckenbodenmuskulatur
  • Operationen im Beckenbereich
  • Erkrankungen des Nervensystems 
  • Erkrankungen der Blase oder des Nervensystems
  • Verletzungen der Wirbelsäule oder des Rückenmarks
  • hormonelle Veränderungen, vor allem Östrogenmangel in und nach den Wechseljahren
  • psychische Faktoren, z.B. Stress, Ärger oder Ängste („psychosomatische Dranginkontinenz“) 

Zusätzliche Risikofaktioren

  • Übergewicht (erhöht den Druck auf den Beckenboden)
  • höheres Lebensalter
  • bestimmte Medikamente (z. B. entwässernde Mittel) 

Diagnose von Mischinkontinenz

Schon wenn Du erste Veränderungen bemerkst, solltest Du Dich ärztlich beraten lassen. Deine Hausärztin oder Dein Hausarzt kann die erste Anlaufstelle sein. Genauso gut kannst Du Dich aber direkt an Deine gynäkologische oder urologische Praxis wenden.  

Die Diagnose einer Inkontinenz ist in der Regel unkompliziert. Zunächst führst Du ein Gespräch (Anamnese) mit der Ärztin oder dem Arzt, in dem Du Deine Beschwerden und gegebenenfalls Vorerkrankungen schilderst. Im Anschluss sind verschiedene Untersuchungen möglich:

  • körperliche Untersuchung: Bauchraum und Beckenregion werden abgetastet, um Hinweise auf mögliche organische Erkrankungen zu finden.  
  • Urinuntersuchung: Es wird ein einfacher Test durchgeführt, um Harnwegsinfektionen oder andere Auffälligkeiten auszuschließen.
  • Restharnmessung: Durch Einführen eines dünnen, weichen Katheters über die Harnröhre in die Blase wird geprüft, ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase verbleibt. Die Untersuchung ist auch per Ultraschall möglich.
  • Urodynamische Messung: Dies ist eine Untersuchung, mit deren Hilfe beurteilt werden kann, wie gut die Blase arbeitet. Gemessen wird der Druck im Bauchraum und in der Blase, während diese gefüllt und wieder entleert wird. Dazu wird ein Katheter in die Blase eingeführt und (für die Messung des Drucks im Bauchraum) ein zweiter in den Enddarm. Die Untersuchung findet ambulant statt.  
  • Blasenspiegelung: Sie wird häufig bei unklaren Befunden nötig, um Blase und Harnröhre von innen zu betrachten. Dazu wird ein dünnes Instrument mit Kamera durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Um Schmerzen zu vermeiden, wird zuvor ein betäubendes Gel in die Harnröhre eingebracht.

Mischinkontinenz behandeln

Die Therapie richtet sich nach der vorherrschenden Inkontinenzform und der Hauptursache. Welche Behandlung am besten passt, kann nur individuell entschieden werden – gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.

  • Beckenbodentraining
    • Es ist wissenschaftlich sehr gut belegt,
    • stärkt die Muskulatur und stützt Blase sowie Harnröhre
    • und verbessert den Verschlussmechanismus.
    • Idealerweise findet es unter Anleitung (z.B. Physiotherapie) statt.
  • Blasentraining
    • Es soll helfen, den Harndrang bewusster wahrzunehmen.  
    • Toilettengänge werden schrittweise hinausgezögert.
    • Es ist besonders wirksam bei Drangbeschwerden.
  • Medikamente
    • Sie können die Blasenaktivität dämpfen oder den Harndrang reduzieren.
    • Wirkung und Nebenwirkungen sollten regelmäßig überprüft werden.
  • Elektrostimulation
    • Die sanften elektrischen Impulse können die Blasenfunktion positiv beeinflussen.
  • Injektionen
    • Eingespritzt werden zum Beispiel Bulking Agents (Unterpolsterung der Harnröhre) oder Botulinumtoxin („Botox“) bei bestimmten Formen von Inkontinenz.
    • Die Wirkung ist zeitlich begrenzt – Wiederholungen sind nötig.
  • Operative Maßnahmen
    • Sie werden nur in Einzelfällen vorgenommen, etwa wenn andere Maßnahmen keinen Erfolg zeigen.
    • Nutzen und Risiken müssen sorgfältig abgewogen werden. 

Alltagstipps

Du kannst selbst viel dazu beitragen, mehr Kontrolle, Sicherheit und Lebensqualität zurückzugewinnen.

  • Passende Inkontinenzprodukte nutzen
    Moderne Einlagen, Vorlagen oder Pants sind diskret, geruchsneutralisierend und sehr saugfähig. Sie schützen zuverlässig vor Feuchtigkeit und geben Dir sowohl tagsüber als auch nachts ein sicheres Gefühl.
  • Regelmäßige Toilettenzeiten einführen
    Feste Toilettenzeiten helfen, die Blase zu entlasten und den Harndrang besser einzuschätzen. So kannst Du ungewolltem Urinverlust gezielt vorbeugen.
  • Ausreichend trinken
    Auch wenn es paradox erscheint: Weniger trinken kann die Blase zusätzlich reizen. Besser ist es, über den Tag verteilt regelmäßig zu trinken.
  • Harntreibende Getränke bewusst reduzieren
    Kaffee, schwarzer oder grüner Tee sowie alkoholische Getränke können den Harndrang verstärken.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

Print

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2022). S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau (AWMF Registernr. 015-091). AWMF.

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