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Reflexinkontinenz

dm-drogerie markt

Lesedauer 5 Min.

31.3.2026

Was ist Reflexinkontinenz?

Reflexinkontinenz ist eine besondere Form der Harninkontinenz, die sowohl Männer und Frauen als auch Kinder betreffen kann. Dahinter steckt eine Störung im Zusammenspiel von Blase und Gehirn. Normalerweise meldet die Blase dem Gehirn: „Ich bin voll!“. Das Gehirn entscheidet dann bewusst, wann und wo die Blase entleert wird. Bei der Reflexinkontinenz funktioniert diese Kommunikation nicht mehr zuverlässig. Die Blase reagiert stattdessen reflexartig: Ohne Vorwarnung entleert sie sich, sobald ein bestimmter Füllstand erreicht ist.

Ursachen der Reflexinkontinenz

Reflexinkontinenz entsteht durch Schädigungen des Nervensystems, die das Zusammenspiel aller an der Harnspeicherung und -entleerung beteiligten Nerven und Organe beeinträchtigen. Häufige Ursachen sind:

  • Unfälle mit traumatischer Querschnittslähmung,
  • neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS), Schlaganfall oder Morbus Parkinson oder
  • angeborene Fehlbildungen.

Symptome einer Reflexinkontinenz

Bei einer Reflexinkontinenz fühlen die Betroffenen nicht, ob die Blase voll ist oder leer – sie haben keinen oder nur einen ganz schwachen Harndrang. Sie können den Moment also nicht vorhersehen, wann die Blasenmuskulatur sich reflexhaft zusammenziehen und der Urin schwallartig abgehen wird.

Diagnose einer Reflexinkontinenz

Wenn Du glaubst, Anzeichen einer Reflexinkontinenz bei Dir zu bemerken, solltest Du zeitnah Hausärztin oder Hausarzt um Rat fragen. Denn diese Form der Inkontinenz kann langfristig Deine Nieren und die Blasenmuskulatur schädigen – eine rasche und sorgfältige Diagnostik ist daher wichtig. Falls nötig wird Dich Deine Ärztin oder Dein Arzt für weitere Untersuchungen in eine urologische oder neurologische Praxis überweisen. 
Für die Diagnostik stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können. Das sind:

  • Urinuntersuchung,
  • Ultraschalluntersuchung der Blase und Harnröhre,
  • Restharnmessung,
  • Messung der Blasenfunktion,
  • CT (Computertomografie),
  • MRT (Magnetresonanztomografie). 

Reflexinkontinenz behandeln

Schäden des Nervensystems sind derzeit noch nicht heilbar, nur ihre Auswirkungen auf den unteren Harntrakt können behandelt werden. Ziel ist, die Blasenentleerung planbarer zu machen, Folgeerkrankungen wie Nierenschäden zu vermeiden und vor allem die Lebensqualität zu verbessern.

  • Medikamentöse Therapie
    In vielen Fällen werden Medikamente verschrieben, die gezielt auf die Blasenmuskulatur wirken. Da die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen individuell sehr unterschiedlich sein können, ist es wichtig, dass Du ärztlich begleitet wirst.  
  • Botulinumtoxin-Injektionen (Botox)
    Auch die Injektion von Botulinumtoxin (Botox) in die Blasenwand kann eine wirksame Behandlungsoption sein. Der Wirkstoff entspannt den überaktiven Blasenmuskel und kann unkontrollierte Kontraktionen reduzieren. Die Wirkung hält in der Regel mehrere Monate an, danach wird die Behandlung bei Bedarf wiederholt.  
  • Katheterisierung
    Viele Betroffene profitieren von der sogenannten intermittierenden Selbstkatheterisierung (ISK): Sie führen in regelmäßigen Abständen einen Einmalkatheter in die Harnröhre ein und lassen den Urin kontrolliert abfließen. Das ist unkomplizierter, als es sich vielleicht zunächst anhört!
  • Operationen
    Wenn andere Maßnahmen nicht ausreichend helfen, können auch operative Therapien infrage kommen. Dazu zählt zum Beispiel die Implantation eines Blasenschrittmachers. Das ist ein kleines elektronisches Gerät, das die Nerven stimuliert, die an der Blasensteuerung beteiligt sind. Ob ein solcher Eingriff für Dich sinnvoll ist, wird individuell geprüft – meist in spezialisierten urologischen oder neurologischen Zentren.

Tipps und Alltagshilfen

Reflexinkontinenz verändert den Alltag spürbar. Termine, Wege außer Haus, sogar ein kurzer Einkauf werden zu Stresssituationen. Die ständige Sorge, dass etwas „passieren“ könnte, ist zermürbend. Umso wichtiger ist es, Möglichkeiten zu finden, die etwas Sicherheit, Kontrolle und ein Stück Normalität zurückgeben.

  • Den Alltag planbarer machen
    Ein gut strukturierter Tagesablauf mit festen Zeiten für Toilettengänge oder Katheterisierung gibt Dir ein Stück Kontrolle zurück und kann helfen, ungewollte Situationen zu vermeiden.  
  • Inkontinenzprodukte nutzen 
    Aufsaugende Hilfsmittel wie Inkontinenzeinlagen, -vorlagen, Pants oder Slips ermöglichen es Dir, unter Menschen zu gehen und am Leben teilzunehmen, ohne ständig Angst haben zu müssen. Moderne Produkte sind dünn, unauffällig und geruchsbindend, sodass sie dem Umfeld nicht auffallen. Wichtig ist jedoch, die richtige Saugstärke und Passform zu wählen.
  • Die Haut schützen und pflegen
    Feuchtigkeit und Urin können die Haut stark reizen. Brennen, Rötungen oder Entzündungen sind unangenehm und können den Alltag zusätzlich erschweren. Eine sanfte Intimpflege mit milden Reinigungsprodukten und schützende Cremes helfen, die Haut gesund zu halten.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

Print

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2022). S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau (AWMF Registernr. 015-091). AWMF.

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