Digitale Akte, menschliche Nähe
Ärztin und Patientin besprechen die nächsten Schritte – unterstützt durch die elektronische Patientenakte. ¹⁾
Kolumne von Christoph Werner
Liebe Leserin, lieber Leser,
welche Emotionen löst bei Ihnen die elektronische Patientenakte, kurz ePA, aus? Wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld spreche, nehme ich ganz unterschiedliche Reaktionen wahr: von Gleichgültigkeit über große Zustimmung bis hin zu pauschaler Ablehnung.
Auch wenn ich es persönlich befürworte, dass die ePA endlich eingeführt wurde, habe ich großes Verständnis für Menschen, die das anders sehen. Denn Gesundheitsdaten sind sensibel und dokumentieren etwas über mich selbst. Außerdem sind wir bislang gut ohne ePA zurechtgekommen. Als gesetzlich Versicherter habe ich bei medizinischen Anliegen bisher recht zügig einen Termin bei meinem Hausarzt bekommen. Er ist stets auf mich eingegangen, und danach hatte ich das gute Gefühl, in fachkundigen Händen zu sein.
Als wir uns bei dm in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Gesundheitssektor beschäftigt haben, wurde uns erst so richtig bewusst, welche großen Veränderungen auf uns zukommen: In den nächsten zehn Jahren gehen deutlich mehr aktuell praktizierende Ärzte in den Ruhestand als neue nachkommen. Parallel steigt die Lebenserwartung der Bevölkerung, wodurch wir als Gesellschaft altern und die Nachfrage nach medizinischer Versorgung steigen wird. Wir laufen folglich auf einen Versorgungsengpass zu.
Gleichzeitig steigen die Gesundheitskosten und um keine Defizite anzuhäufen, werden entweder die Krankenversicherungen die Beiträge deutlich erhöhen oder der Staat wird Steuermittel zuschießen müssen.
Wenn wir auch in Zukunft eine gute Gesundheitsversorgung in Deutschland gewährleisten wollen, müssen wir wirksamere Vorgehensweisen als bisher finden. Ein Weg ist eine bessere persönliche Prävention, um sich abzeichnende Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Denn bei frühzeitiger Behandlung ist der Aufwand vergleichsweise überschaubar. Durch die Analyse allgemein verfügbarer Gesundheitsdaten wird sich statistisch besser prognostizieren lassen, ob meine persönlichen Gesundheitsdaten einen Hinweis auf den baldigen Eintritt einer bestimmten Erkrankung geben. Wenn dem so ist, kann ich durch gezielte Maßnahmen die Erkrankung bewusst abwenden. Ein weiterer Weg ist, alle persönlichen Gesundheitsinformationen für den behandelnden Arzt in der ePA direkt verfügbar zu haben und damit wiederholte Diagnostik an teuren Geräten zu vermeiden. Das reduziert nicht nur den Aufwand, Ärzte können die verfügbare Zeit mit den Patienten auch wirkungsvoller nutzen und ihnen besser gerecht werden.
In dieser Rubrik „In welcher Welt wollen wir leben?“ finden Sie Schlaglichter auf neue Wege in der medizinischen Versorgung. Sie stimmen mich zuversichtlich, dass der unumgängliche demografische Wandel auch aus der Perspektive der Gesundheitsversorgung gemeistert werden kann. Weil es dabei auf jeden ankommt, engagieren auch wir uns bei dm mit großer Hingabe für die Weiterentwicklung unseres Gesundheitsangebotes. Meine Hoffnung ist, dass dies viele tun werden, denn an guten Ideen mangelt es nicht!
Herzlichst Ihr
Christoph Werner
Vorsitzender der Geschäftsführung