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Gesundheit im digitalen Zeitalter

Gut informiert zu sein ist wichtig, um sicher mit Medikamenten umzugehen. Âč 

Kolumne von Eckart von Hirschhausen

Liebe alverde-Lesende,

frĂŒher war es einfacher, da hatte jeder zwei Ärzte. Zum einen ging man, wenn man etwas hatte, zu dem anderen, wenn einem etwas fehlte. Und weil es genug niedergelassene Ärztinnen und Ärzte gab, ließ man sich als Patient im Wartezimmer nieder und nahm sich eine der Zeitschriften. Wir wurden Europameister im Arzt-Besuchen! Schade, dass dies keine olympische Disziplin ist, aber dabei sein ist alles. Pro Kopf zehnmal im Jahr. Also nicht nur fĂŒr den Kopf, sondern auch fĂŒr den Rest des Körpers. Eine Milliarde Arztkontakte kommen so zusammen. Und dennoch sind wir nicht gesĂŒnder als die Menschen in anderen LĂ€ndern, nur unser Gesundheitswesen ist teurer.

Inzwischen ist die Lage sehr anders. Es gibt in vielen Gegenden wenige bis gar keine FachĂ€rztinnen und FachĂ€rzte. Wenn man schließlich einen Termin hat und nach langem Warten dran ist, hat man statt einer „Sprechstunde“ nur Minuten fĂŒr das GesprĂ€ch zwischen Oberkörper frei machen, einatmen, Medikamente aufsagen – und vor dem Ausatmen ist man schon aus dem Zimmer. Zeitschriften sind so selten geworden wie die Kolleginnen und Kollegen, die sich noch Zeit nehmen fĂŒr Zuhören, Nachfragen, AufklĂ€ren oder Hausbesuche.

Das Wort Patient kommt von „Leiden“ und „Geduld“. Wer leidet, hat aber keine Geduld – der geht ins Internet. Da gibt es keine Wartezeit, sondern fĂŒr jede Frage sofort eine Antwort von der „kĂŒnstlichen Intelligenz“, der KI, die uns angeblich alle weltweiten Weisheiten in ein paar SĂ€tzen zusammenfasst. Was bei all dem Hype unterschĂ€tzt wird: Chats simulieren zwar immer besser das Pingpong von natĂŒrlicher Sprache, sie bleiben aber kĂŒnstlich. Und auch wenn sie durch höfliches „Das ist aber eine gute Frage“ uns Menschen an unserer empfindlichsten Stelle, der Eitelkeit, packen – sie bleiben im wahrsten Sinne herzlos.

„Ich tauchte ab in die Keller unter dem Frankfurter Flughafen, wo die Zollbeamten aus all den PĂ€ckchen gefĂ€lschte Medikamente herausfischten.“

Herzlos sind auch BetrĂŒger, denen es mit „KI“ immer leichter fĂ€llt, passgenaue FĂ€lschungen von echten Menschen zu erstellen. Ich weiß aus schmerzhaften drei Jahren Kampf mit gefĂ€lschten Anzeigen mit meinem Gesicht, meiner Stimme und abstrusesten Behauptungen leider genau, wovon ich rede. Im Netz gibt es von mir inzwischen ĂŒber 1.000 Versionen: Mal verkaufe ich angeblich Potenzmittel, mal bin ich Herzchirurg und kann verkalkte GefĂ€ĂŸe von innen wieder sauber putzen. Jeden Tag erreichen mich E-Mails von verzweifelten Menschen, die auf den gefĂ€lschten Hirschhausen reingefallen sind – und viel verlieren: ihr Geld, zum Teil ihre Gesundheit und ihren Glauben an das Gute.

In meiner ARD-Doku „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ decke ich auf, wie einfach solche FĂ€lschungen heute anzufertigen sind – und wie schwer es ist, echt und Fake auf den ersten Blick zu unterscheiden. Die Abzocker sind international organisiert. Ich traf einen Whistleblower in Brasilien, der mir die dreckigen Geheimnisse der Branche offenlegte. True Crime 
 Ich tauchte ab in die Keller unter dem Frankfurter Flughafen, wo die Zollbeamten aus all den PĂ€ckchen gefĂ€lschte Medikamente herausfischten. Ich war schockiert, dass da sogar Hormone, Krebsmittel und umetikettierte Abnehmspritzen gefunden werden. Oder Honig, der harmlos aussieht, mit potenzsteigernden Mitteln drin, inklusive aller Risiken und Nebenwirkungen. Auch falsche Medikamente können echten Schaden anrichten. Bevor Sie also im Netz irgendetwas bestellen – fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – oder Ihre ARD Mediathek: Da verrate ich Ihnen gerne noch mehr!

Ihr
Eckart von Hirschhausen

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