Das Wir gewinnt: Die Kraft der Vereinskultur
Vereine sind gerade für Kinder wichtig, um soziales Miteinander zu lernen. ¹⁾
Kolumne von Eckart von Hirschhausen
Liebe alverde-Lesende,
sind Sie schon im WM-Fieber? Sportereignisse haben für viele Menschen eine unfassbare Faszination. Um beim Zuschauen gesund zu bleiben, sollte man nicht nur mitfiebern, sondern sich auch mit bewegen. Möglichkeiten dafür gibt es überall. Deutschland hat eine hohe Vereinskultur, und das meine ich nicht im Sinne von Vereinsmeierei, sondern wirklich von Kultur, etwas gemeinsam erschaffen, was schön ist. Am 23. Mai hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den „Ehrentag“ zum Geburtstag unseres Grundgesetzes gefeiert. Ich durfte mit dabei sein, Ehrensache, denn Demokratie ist auch kein „Zuschauersport“ – sie lebt vom Engagement von uns allen für das Gemeinwohl.
Trotz eines leichten Rückgangs in den letzten Jahren – von 31 Millionen in 2019 auf 27 in 2024 – bleibt die Zahl der Engagierten hoch. Dafür investieren Aktive nun häufiger mehr Zeit in ihr Engagement. Quer durch alle Altersgruppen und quer durch alle Geschlechter. Besonders stark ist das Engagement im Sport, gefolgt von Kultur und Musik, dem sozialen Bereich sowie Schule und Kindergarten.
Also alles in Ordnung? Nein. Trotz Mitgliederrekord im organisierten Sport kämpfen viele Vereine nicht nur auf dem Platz, sondern auch mit strukturellen Problemen: Ehrenamtliche Helfer, Trainer und Vorstände zu finden wird in vielen Regionen schwieriger. Laut Sportentwicklungsbericht fürchtet jeder sechste Verein um seine Existenz.
In Vereinen kann ich Menschen treffen, mit denen ich sonst womöglich nie zusammengetroffen wäre. Und lernen, dass Menschen unterschiedlich sind, unterschiedlicher Meinung sein dürfen, und trotzdem engagiert man sich gemeinsam. Verein kommt ja von vereint etwas schaffen. Klar kann ich, auch wenn es mir nur um Ertüchtigung geht, ins Fitnessstudio und vor mich hin Kraft aufbauen. Das bieten inzwischen auch viele Vereine mit an. Laut Statistiken erleben Fitnessstudios gerade einen Boom und haben mit 11,7 Millionen so viele Mitglieder wie nie. Wobei ich mir das sehr lustig vorstelle, würden die alle gleichzeitig an einem Tag zum Training erscheinen …
Das wird nach allem, was ich über die menschliche Natur weiß, nicht geschehen. Nur so ein Gedanke. Denn es gibt noch eins in Überzahl: innere Schweinehunde! Und den inneren Schweinehund überwinde ich am besten, wenn andere auf mich zählen! Und ich weiß, dass es auffällt, ob ich komme oder nicht. Einen Alarm auf einer App kann ich leichter ignorieren als die Nachrichten auf dem Handy: „Wir brauchen Dich! Wann kommst Du?“
Analoge Beziehungen werden in digitalen Zeiten immer wichtiger. Miteinander Schweiß zu vergießen, das schweißt einen buchstäblich zusammen. Zusammen gewinnen, verlieren und beides feiern. Die beste Zeit in meiner jugendlichen Hockey- und Basketballkarriere war nicht auf dem Feld oder in der Halle. Es war im Vereinsheim mit einer Fassbrause oder Fruchtschorle. Die hatte man sich verdient, so oder so. Und die Kalorien darin waren auch schon verbrannt. Groucho Marx hat gesagt: „Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.“ Der war auch Komiker.
Im Ernst – die Frage an Sie, liebe Leserin, lieber Leser. In welchem Verein sind Sie? In welchen könnten Sie? Und was möchten Sie mit vereinten Kräften schaffen, was keiner allein kann?
Ihr
Eckart von Hirschhausen