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Kompetenzen in der Arztpraxis neu verteilt

Medizinische Fachangestellte übernehmen in der Arztpraxis mehr als nur die Terminkoordination. ¹⁾

Spezialisierte Fachkräfte sind tragende Säulen in Arztpraxen

Fachkräfte entlasten Ärztinnen und Ärzte, sichern die Abläufe und machen ambulante Versorgung überhaupt erst möglich. Ihre Bedeutung wächst – nicht nur im Versorgungsalltag, sondern auch im Kontext gesundheitspolitischer Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Strukturreformen und demografischer Wandel.

Ein volles Wartezimmer, das Telefon klingelt, der Blutdruck einer Patientin muss gemessen werden. Eine typische Szene beim Hausarzt an einem Morgen. Die Ärztin ist gerade nicht im Raum – doch in der Praxis läuft alles in geregelten Bahnen. Dank der medizinischen Fachangestellten. Seit 2006 heißt so der Beruf, der früher als „Arzthelferin“ betitelt wurde.

Ärzte geben viele medizinische Aufgaben ab 

Mit der Namensänderung wurde auch der Alltag in der Arztpraxis für die medizinischen Fachkräfte moderner und zeitgemäßer. Längst geht es nicht mehr nur darum, Termine zu koordinieren oder den Überblick über den Empfangstresen hinweg zu behalten. Themen wie Gesundheitsvorsorge, Früherkennung, Hygiene und Notfallmanagement gewinnen an Bedeutung. Medizinische Fachangestellte übernehmen auch ärztliche Tätigkeiten, die früher die Ärztin oder der Arzt machte: Impfungen, Messung von Blutdruck oder Temperatur und vieles mehr. „Ohne diese Unterstützung könnten Ärzte heute die steigende Anzahl an Patientinnen und Patienten nicht mehr bewältigen“, sagt Kerstin Petermann.

Die 56-Jährige arbeitet seit fast 40 Jahren in einer Hausarztpraxis in Bamberg. Nach Ehrenamt als Jugendliche beim Roten Kreuz, Ausbildungen zur Rettungssanitäterin und Arzthelferin hat sie ihr Wissen stetig erweitert. Zuletzt mit einer Zusatzqualifikation zur Versorgungsassistentin (VERAH) und einem berufsbegleitenden, privat finanzierten Studium „Primary Care Management“, PCM, auf Deutsch etwa: Primärversorgungsmanagement. Dieser junge Studiengang soll medizinisch geschulte Menschen für erweiterte Versorgungs- und Managementaufgaben in Hausarztpraxen qualifizieren.Damit kann ich viele wichtige medizinische Aufgaben in der Erstversorgung von Patienten übernehmen“, erläutert sie. „Beispielsweise Behandlungen bei Rückenschmerzen koordinieren oder dem Arzt Vorschläge für Medikamente machen.“

Gesicherte Versorgung von chronisch kranken Patienten 

„Die großen Momente sind nicht plötzliche Notfälle, sondern die leisen Erfolge“, sagt Kerstin Petermann. „Ein stabil eingestellter Blutdruck, eine chronisch kranke Patientin, die wieder Sicherheit im Leben findet.“ Bei Hausbesuchen behält Kerstin Petermann die Therapie im Blick. „Ich habe oft mehr Zeit für Gespräche als der Arzt.“ Gut qualifiziertes nichtärztliches Personal wie MFA, VERAH oder PCM federt den Ärztemangel ab und sichert die Kontinuität der Betreuung angesichts einer wachsenden Zahl älterer und chronisch kranker Patienten. „Die Betroffenen sind offen für eine Versorgung durch ein multiprofessionelles Team“, weiß Kerstin Petermann aus eigener Erfahrung.

Gut zu wissen: 
Der Beruf „Sprechstundenhilfe“ existierte so nie. Er hieß erst „Arzthelferin“, heute Medizinische Fachangestellte (MFA).

Aufgaben der MFA: 

  • Sie vergeben Termine, dokumentieren Behandlungsabläufe und machen die Abrechnungen
  • MFA übernehmen viele medizinische Aufgaben: Sie legen Verbände an, bereiten Spritzen vor, nehmen Blut ab, pflegen Instrumente und erledigen Laborarbeiten

Aufgaben der Versorgungsassistenten (VERAH): 

  • Sie sind spezialisierte MFA mit einer Zusatzausbildung
  • Sie unterstützen meist Hausarztpraxen in der Patientenversorgung, haben mehr Verantwortung und Handlungsspielraum
  • Sie übernehmen viele medizinische, nichtärztliche Tätigkeiten, wie Wunden fachgerecht zu versorgen oder Vitalparameter zu überprüfen, und koordinieren den Hilfebedarf der Patienten

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