Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

dm-drogerie markt
Lesedauer 8 Min.
•
9.7.2026

Die Wechseljahre sind kein Defekt. Keine Krankheit. Kein Versagen des Körpers. Sie sind ein natürlicher Übergang – so wie die Pubertät, nur in die andere Richtung. Und trotzdem: Wenn dieser Übergang Dein Leben spürbar belastet, darfst Du Dir Unterstützung holen. Die Hormontherapie ist eine wichtige Behandlungsmöglichkeit.
Was ist Hormontherapie eigentlich?
In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion schrittweise ein. Vor allem die Hormone Östrogen und Progesteron werden weniger. Dieses Absinken löst die typischen Wechseljahresbeschwerden aus – Hitzewallungen, Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen.
Die Antwort der Hormontherapie: Was der Körper nicht mehr ausreichend selbst herstellt, bekommt er von außen zugeführt. Als Tablette, Pflaster oder Gel werden ihm Östrogen, Progesteron oder auch beide Hormone zusammen verabreicht, um die Beschwerden zu lindern.
Müssen Hormone in den Wechseljahren ersetzt werden?
Der lange Zeit geläufige Begriff „Hormonersatztherapie“ legt genau das nahe: Der Körper hat einen Mangel und man gleicht diesen mit einem Ersatzprodukt aus. Heute setzt sich jedoch zunehmend der Begriff „Hormontherapie“ durch, denn die Wechseljahre sind kein Defizit, das behoben werden muss, sondern eine natürliche Veränderung, die biologisch und evolutionär Sinn macht. Hormone werden also nicht ersetzt, sondern medizinisch eingesetzt, wenn starke Beschwerden die Lebensqualität beeinträchtigen. Und wie bei jeder medizinischen Behandlung gilt: Nutzen und Risiken müssen individuell sorgfältig abgewogen werden.
Welche Wirkstoffe werden eingesetzt?
Die wichtigsten Wirkstoffe sind Östrogen und Gestagen (eine Hormongruppe, zu der auch Progesteron gehört). Je nach Situation wird die Therapie unterschiedlich zusammengestellt:
Östrogen: Ausschließlich Frauen, bei denen (aus unterschiedlichen Gründen) die Gebärmutter entfernt wurde, bekommen nur das Hormon Östrogen – denn ohne Gestagen als Gegenspieler kann Östrogen die Gebärmutterschleimhaut unkontrolliert zum Wachsen anregen und das Risiko für Gebärmutterkrebs erhöhen.
Kombinationstherapie: Für alle anderen Frauen kommt die Therapie aus Östrogen und Gestagen infrage. Diese Kombination schützt die Gebärmutterschleimhaut vor einer krankhaften Verdickung. Entweder werden beide Hormone täglich eingenommen oder im Wechsel, passend zum natürlichen Rhythmus im Zyklus. Hier hängt die Entscheidung unter anderem davon ab, ob Deine Periode bereits ausgeblieben ist.
Eine weitere Option ist Tibolon, ein künstlich hergestelltes Hormon mit östrogen- und gestagenähnlicher Wirkung. In Deutschland wird es allerdings sehr selten verschrieben.
Gut zu wissen: Moderne Hormontherapien arbeiten oft mit sogenannten bioidentischen Hormonen. Daneben werden aber auch weiterhin sogenannte synthetische Hormone eingesetzt. Worin besteht der Unterschied? Bioidentische Hormone entsprechen in ihrer chemischen Struktur exakt den Hormonen, die der Körper selbst produziert, synthetische Hormone wurden dagegen in ihrer Struktur gezielt leicht verändert. Ansonsten gilt für beide Formen: Hergestellt werden sie Im Labor, zumeist aus pflanzlichen Stoffen wie Yamswurzel oder Soja.
Bioidentisch bedeutet also nicht automatisch „natürlich“ und daher „besser“, und synthetische Hormone sind nicht automatisch „schlechter“. Entscheidend für die Wahl des Präparats sind immer die Verträglichkeit und der medizinische Zweck der Therapie.
Wie wird die Therapie verabreicht?
Es gibt viele verschiedene Präparate, die sich in Wirkstoff, Dosierung und Darreichungsform unterscheiden. Zur Auswahl stehen sogenannte systemische Therapien, die im ganzen Körper wirken. In Form von Tabletten und Kapseln, Nasenspray, Hautpflaster und -gelen sowie Spritzen werden sie vor allem bei Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen eingesetzt. Lokale Therapien wie vaginale Zäpfchen, Cremes, Vaginalring wirken gezielt in der Vagina und lindern Trockenheit und Beschwerden beim Sex.
Nutzen und Vorteile der Hormontherapie
Wenn sie für Dich passt, kann die Hormontherapie Dein Leben deutlich verändern – im positiven Sinne. Hier sind die Vorteile:
Hitzewallungen und Schlafprobleme
Hitzewallungen und Schlafprobleme
Der bekannteste und am besten belegte Nutzen: Hitzewallungen und Nachtschweiß lassen bei den meisten Frauen spürbar nach. Auch schlechter Schlaf – oft eine Folge der nächtlichen Schweißattacken – verbessert sich oft deutlich. Und wer wieder schläft, ist tagsüber meist ausgeglichener, konzentrierter, lebensfreudiger.
Schutz für Knochen
Schutz für Knochen
Östrogen ist ein natürlicher Knochenschützer. Nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und damit steigt das Risiko für Osteoporose, also brüchig werdende Knochen. Die Hormontherapie kann diesen Prozess bremsen und die Bruchgefahr bei Stürzen damit senken.
Vaginale Trockenheit
Vaginale Trockenheit
Vaginalatrophie – also die Ausdünnung und Trockenheit der Scheidenschleimhaut – spricht gut auf lokale oder systemische Östrogentherapie an. Beschwerden wie Schmerzen beim Sex, Juckreiz und häufige Harnwegsinfekte können effektiv gelindert werden.
Risiken und Nebenwirkungen
Für Hormone gilt was für alle Medikamente gilt: Es gibt keine wirksame Therapie, die nicht auch Nebenwirkungen mit sich bringt.
Zu Beginn der Behandlung können unregelmäßige Blutungen und Spannungsgefühle in der Brust auftreten. Diese Beschwerden legen sich meist von selbst nach einigen Wochen.
Bei den längerfristigen Risiken steht das Brustkrebsrisiko am deutlichsten im Fokus. Eine kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie kann dieses leicht erhöhen – auch über das Ende der Behandlung hinaus, wenn die Therapie länger als fünf Jahre dauerte. Östrogen allein hingegen erhöht das Brustkrebsrisiko nach aktuellem Forschungsstand nicht, kommt aber – wie schon erwähnt – nur nach einer Gebärmutterentfernung infrage.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass eine langfristige Hormontherapie das Demenzrisiko beeinflussen kann.
Auch das Thrombose- und Schlaganfallrisiko ist leicht erhöht, denn Östrogene haben einen Einfluss auf die Leber und die Aktivierung der Blutgerinnung. Das gilt jedoch nur für die orale Therapie – also, wenn die Hormone in Tablettenform eingenommen werden. Pflaster und Gele (transdermale Therapie) scheinen dieses Risiko hingegen nicht zu erhöhen, da der Wirkstoff direkt über die Haut ins Blut gelangt und die Leber somit umgangen wird.
Wichtig: Regelmäßige Kontrolltermine sind ein wichtiger Bestandteil jeder Hormontherapie. Empfohlen werden Untersuchungen alle sechs Monate, um die Wirkung zu beurteilen, gegebenenfalls die Dosierung anzupassen und mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Nach der Hormontherapie
Wie lange dürfen Hormone eingesetzt werden? Wann ist die Therapie abgeschlossen? Und wie reagiert der Körper dann? Auf diese wichtigen Fragen gibt es leider keine eindeutigen Antworten – jede Frau reagiert wahrscheinlich anders. Im günstigsten Fall überbrückt die Hormontherapie die Phase der hormonellen Umstellung vollständig – nach dem Absetzen treten dann keine Beschwerden auf, weil der Körper die Umstellung in der Zwischenzeit abgeschlossen hat. Möglich ist aber auch, dass die Therapie den Prozess nach hinten verschiebt, sodass nach dem Absetzen erneut Beschwerden auftreten.
Wichtig: Wenn Du Dich für eine Hormontherapie entschieden hast, setze die Hormone deshalb nicht einfach abrupt ab, sondern reduziere die Dosis – begleitet von Deiner Ärztin oder Deinem Arzt – schrittweise. Das macht mögliche erneute Beschwerden meistens deutlich milder.
Ist die Hormontherapie das Richtige für Dich?
Auch diese Frage kann ehrlicherweise nicht pauschal beantwortet werden. Sie muss individuell, nach einem guten, ausführlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt, entschieden werden. Dennoch gibt es ein paar grundsätzliche Orientierungspunkte:
Wer kann profitieren?
Frauen mit stark belastenden Beschwerden wie intensiven Hitzewallungen, schwerem Schlafmangel oder vaginaler Trockenheit
Frauen mit erhöhtem Osteoporoserisiko (familiär gehäufte Fälle von Knochenschwund, Raucherinnen, Bewegungsmangel oder Kalziummangel)
Frauen, die frühzeitig in die Wechseljahre kommen (vor dem 40. Lebensjahr oder als Folge einer chirurgischen Entfernung der Eierstöcke vor der Menopause).
Wer sollte besonders vorsichtig sein bzw. verzichten?
Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs in der persönlichen Krankengeschichte
Frauen mit bestimmten Formen von Gebärmutterschleimhautkrebs
Frauen mit schweren Lebererkrankungen
Frauen mit aktiven Thrombosen oder stark erhöhtem Thromboserisiko
Frauen mit unklaren Blutungen (die müssen zuerst abgeklärt werden)
Alternativen zur Hormontherapie und ganzheitliche Ansätze
Und was ist, wenn Du ganz bewusst keine Hormontherapie machen möchtest oder Deine Beschwerden gar nicht so stark sind? Dann gibt es für Dich einige natürliche Ansätze, die Dich unterstützen können.
Pflanzliche Mittel (Phytotherapie)
Pflanzliche Mittel (Phytotherapie)
Die Forschungslage zu pflanzlichen Alternativen ist nicht eindeutig und auch nicht für alle Mittel gleich gut – aber ein Versuch lohnt sich, denn es gibt doch Frauen, die gute Erfahrungen damit machen. Besonders häufig zum Einsatz kommen:
Traubensilberkerze sowie Isoflavone (aus Soja oder Rotklee) bei Hitzewallungen,
Frauenmantel und Salbei bei Schweißausbrüchen,
Baldrian und Hopfen zur Beruhigung und als Einschlafhilfe,
Johanniskraut bei Stimmungsschwankungen und leichten depressiven Verstimmungen,
Mönchspfeffer bei unregelmäßigen Blutungen.
Ernährung
Ernährung
Auch mit der besten Ernährung lässt sich das Absinken des Hormonspiegels weder aufhalten noch ausgleichen – aber Du kannst Deinen Körper doch wirkungsvoll damit unterstützen. Zum Beispiel mit Sojaprodukten, Leinsamen und Hülsenfrüchten. Sie enthalten sogenannte Phytoöstrogene – pflanzliche Verbindungen mit einer schwachen östrogenähnlichen Wirkung. Wie deutlich sich das bemerkbar macht, ist individuell sehr verschieden und wissenschaftlich noch nicht abschließend bewertet. Grundsätzlich gilt: Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und kalziumreichen Lebensmitteln wie Milchprodukten, grünem Blattgemüse und Nüssen tut Knochen und Muskeln besonders gut. Weniger Koffein, Alkohol und stark Gewürztes kann bei manchen Frauen zudem Hitzewallungen abschwächen – es lohnt sich, auszuprobieren, was dem eigenen Körper bekommt.
Bewegung
Bewegung
Dass regelmäßige Bewegung guttut, ist keine Neuigkeit, aber in den Wechseljahren zahlt sie sich gleich auf mehreren Ebenen aus. Ausdaueraktivitäten wie Joggen, Schwimmen oder Tanzen regen die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin an und heben so die Stimmung. Krafttraining wiederum wirkt dem in dieser Phase beschleunigten Muskelabbau entgegen und stärkt die Knochen. Finde heraus, was Dir passt, trau Dich, auch Neues zu beginnen und achte vor allem darauf, dass Du Spaß hast.
Schlaf
Schlaf
Wenn nächtliche Hitzewallungen regelmäßig für Unterbrechungen im Schlaf sorgen, kommt man mit allgemeinen Schlaftipps schnell an seine Grenzen. Hier ist es sinnvoller, zunächst die Ursache anzugehen – sei es durch eine Hormontherapie oder pflanzliche Unterstützung. Leidest Du unter milderen Schlafproblemen oder möchtest ergänzend etwas für Deine nächtliche Erholung tun, achte vor allem auf feste Schlafzeiten, ein kühles Schlafzimmer und versuche es mit Entspannungspraktiken wie Yoga, Meditation oder progressiver Muskelentspannung. All das hilft, den Stresspegel zu senken und damit auch das Stresshormonsystem zu entlasten, das in den Wechseljahren ohnehin mehr leisten muss.
Gesprächstherapie und kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Gesprächstherapie und kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Wenn Stimmungstiefs oder Ängste den Alltag belasten, kann eine psychotherapeutische Begleitung sehr hilfreich sein. Kognitive Verhaltenstherapie hat sich in Studien als wirksam erwiesen, sogar bei Hitzewallungen: Dabei kannst Du lernen, äußere Reize auf andere Weise wahrzunehmen und auch anders darauf zu reagieren, so dass sie als weniger belastend empfunden werden.
Fazit
Die Wechseljahre sind ein wichtiges Kapitel im Leben von Frauen – manchmal anstrengend, vielleicht auch überraschend, aber in jedem Fall am Ende eine befreiende Erfahrung. Ob Hormontherapie der richtige Weg für Dich ist, hängt von so vielen persönlichen Faktoren ab. Was in jedem Fall zutrifft: Das Wissen zum Thema Wechseljahre wächst, die Therapieoptionen werden vielfältiger und besser, und es ist Dein gutes Recht, gehört und gut informiert zu werden.
Hol Dir also das Gespräch, das Du verdienst. Stell die Fragen, die Dir auf der Seele brennen. Und vertrau auf Deinen Körper – so wie er gerade ist.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Internetquellen
Internetquellen
Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. (2025). Linderung von Wechseljahresbeschwerden. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/linderung-von-wechseljahresbeschwerden/
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2020). S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen (AWMF-Registernr.: 015-062).
Grant, M. D., Marbella, A., Wang, A. T., Pines, E., Hoag, J., Bonnell, C., Ziegler, K. M., Aronson, N. (2015) Menopausal Symptoms: Comparative Effectiveness of Therapies. AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; No. 147). www.effectivehealthcare.ahrq.gov/reports/final.cfm
Printquellen
Printquellen
Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. (2019). Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: Individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence. The Lancet, 394(10204), 1159–1168. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31709-X
Formoso, G., Perrone, E., & Maltoni, S. (2016). Short-term and long-term effects of tibolone in postmenopausal women. Cochrane Database of Systematic Reviews, 10, CD008536. https://doi.org/10.1002/14651858.CD008536.pub3
Leach, M. J., Moore, V. (2012). Black cohosh (Cimicifuga spp.) for menopausal symptoms. Cochrane Database of Systematic Reviews (9). https://doi.org/10.1002/14651858.CD007244
MacLennan, A. H., Broadbent, J. L., Lester, S., & Moore, V. (2004). Oral oestrogen and combined oestrogen/progestogen therapy versus placebo for hot flushes. Cochrane Database of Systematic Reviews, 4, CD002978. https://doi.org/10.1002/14651858.CD002978.pub2
Marjoribanks, J., Farquhar, C., Roberts, H., Lethaby, A., Lee, J. (2017) Long-term hormone therapy for perimenopausal and postmenopausal women. Cochrane Database Syst Rev (1). https://doi.org/10.1002/14651858.CD004143
Robert Koch-Institut. (2020). Journal of Health Monitoring, 5(2). https://doi.org/10.25646/6061
von Arx, J. (2025). Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung von vasomotorischen Beschwerden (VMS) in den Wechseljahren. J. Gynäkol. Endokrinol. (28). 108–118. https://doi.org/10.1007/s41975-025-00402-0
Zhang, G. Q., Chen, J. L., Luo, Y., Mathur, M. B., Anagnostis, P., Nurmatov, U., Talibov, M., Zhang, J., Hawrylowicz, C. M., Lumsden, M. A., Critchley, H., Sheikh, A., Lundbäck, B., Lässer, C., Kankaanranta, H., Lee, S. H., & Nwaru, B. I. (2021). Menopausal hormone therapy and women's health: An umbrella review. PLOS Medicine, 18(8), e1003731. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003731