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Wechseljahre & Progesteron

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Lesedauer 5 Min.

10.7.2026

Frau mit schulterlangem weißem Haar trägt ein grünes Oberteil und steht seitlich in einem sonnigen Garten, Blick vom Betrachter abgewendet

Sie werden oft als „zweite Pubertät“ bezeichnet – die Wechseljahre. Und richtig: Auch sie sind eine Lebensphase des hormonellen Umbruchs mit großen körperlichen und emotionalen Veränderungen. Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, ein verändertes Körpergefühl – vieles, was in dieser Zeit ganz neu oder verstärkt auftritt, lässt sich auf hormonelle Verschiebungen zurückführen. Neben dem Geschlechtshormon Östrogen spielt dabei ein weiteres eine ähnlich große Rolle: Progesteron.

Was ist Progesteron und welche Rolle spielt es im Körper? 

Progesteron ist ein Geschlechtshormon, das zur Gruppe der Gestagene (Gelbkörperhormone) gehört. Es wird vor allem in den Eierstöcken gebildet. 

Seinen Namen verdankt es seiner zentralen Aufgabe: Monat für Monat bereitet es die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor (pro = für, gestatio = Schwangerschaft). Es lockert die Gebärmutterschleimhaut auf, damit sich eine befruchtete Eizelle besser einnisten kann, und ist eine Schwangerschaft eingetreten, sorgt es dafür, dass keine weiteren Eizellen heranreifen. Produziert wird es dann nicht mehr nur im Eierstock, sondern auch im Mutterkuchen (Plazenta). 

Progesteron ist jedoch mehr als ein Fortpflanzungshormon. Seine Wirkung reicht weit darüber hinaus: 

  • Zyklusregulation: Progesteron sorgt für einen regelmäßigen Zyklus. 

  • Schlaf und Nervensystem: Das Hormon hat psychisch dämpfende Eigenschaften und kann sich damit positiv auf Angst- und Stressreaktionen sowie auf den Schlaf auswirken. 

  • Knochen und Muskeln: Progesteron unterstützt den Aufbau von Knochen und Muskeln. 

Unterschied Progesteron und Östrogen 

Progesteron und Östrogen sind beide weibliche Sexualhormone. Dabei erfüllen sie aber unterschiedliche Aufgaben: 

  • Östrogen ist vor allem in der ersten Zyklushälfte aktiv. Es regt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an, sorgt für die Reifung der Eizelle, beeinflusst Haut, Knochen und das Herz-Kreislauf-System und hat eine eher aktivierende, aufbauende Wirkung. 

  • Progesteron übernimmt in der zweiten Zyklushälfte. Es gleicht die aufbauende Wirkung des Östrogens aus, bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor und wirkt insgesamt eher beruhigend und ausgleichend. 

Warum sinkt Progesteron in den Wechseljahren? 

Mit zunehmendem Alter nimmt der Eizellvorrat in den Eierstöcken ab und damit auch die Häufigkeit des Eisprungs. Da Progesteron hauptsächlich nach dem Eisprung gebildet wird, sinkt sein Spiegel als direkte Folge. Östrogen hingegen bleibt zunächst noch auf dem gewohnten Niveau – mit der Folge, dass das eingespielte Gleichgewicht der Hormone aus der Balance kommt. 

Was viele nicht wissen: Dieser Prozess beginnt häufig schon Ende 30, Anfang 40 – also lange vor der letzten Regelblutung (Menopause). Nach der Menopause sinken dann schließlich beide Hormone deutlich ab.

Typische Beschwerden bei sinkendem Progesteronspiegel 

Ein niedriger Progesteronspiegel sowie das gesamte hormonelle Ungleichgewicht können sich auf viele Arten bemerkbar machen. Nicht jede Frau erlebt alle Symptome – Art und Intensität sind sehr individuell: 

  • Schlafstörungen: Viele Frauen schlafen in den Wechseljahren schlechter. Das hat meist mehrere Ursachen. Einerseits lässt bei sinkender Produktion von Progesteron dessen beruhigende Wirkung auf das Nervensystem nach. Andererseits führen Hitzewallungen und Nachtschweiß – beides typische Folgen des ebenfalls sinkenden Östrogenspiegels – zu Einschlaf- und Durchschlafproblemen. 

  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Angstgefühle: Viele Frauen berichten in dieser Phase von einer erhöhten emotionalen Empfindlichkeit oder innerer Unruhe. 

  • Unregelmäßige oder verstärkte Regelblutungen: In der Perimenopause – der Phase zwischen Beginn der Wechseljahre und Menopause (letzte Menstruation) – können die Zyklen kürzer oder länger werden, die Blutungen stärker und oft auch schmerzhafter. 

  • Brustspannen und Wassereinlagerungen: Ein hormonelles Ungleichgewicht kann diese Beschwerden begünstigen. 

Wichtig: Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Bei anhaltenden oder belastenden Symptomen solltest Du Deine Ärztin oder Deinen Arzt ansprechen. 

Den sinkenden Progesteronspiegel ausgleichen 

Das Sinken des Progesteronspiegels lässt sich nicht aufhalten, doch Du kannst aktiv dazu beitragen, Deinen Körper in dieser Phase zu unterstützen und Beschwerden zu lindern. 

Lebensstil

Bestimmte Gewohnheiten im Alltag können dazu beitragen, Deinen Körper in den Wechseljahren zu stärken und das hormonelle Gleichgewicht zu fördern: 

  • Stressreduktion: Cortisol und Progesteron werden aus denselben Vorstufen gebildet. Bei chronischem Stress priorisiert der Körper die Cortisolproduktion – auf Kosten des Progesterons. Gezielte Auszeiten, Atemübungen oder Yoga können diesem Ungleichgewicht entgegenwirken. 

  • Ausreichend Schlaf: Schlechter Schlaf und hormonelle Veränderungen schaukeln sich gegenseitig hoch – ein Teufelskreis, der sich aber durchbrechen lässt. Gute Schlafhygiene ist in dieser Phase echte Selbstfürsorge. 

  • Ausgewogene Ernährung: Vitamin B6 (Pyridoxin)¹ trägt nachweislich zur Regulierung der Hormontätigkeit bei1 und steckt vor allem in Bananen, Kartoffeln und Geflügel – ist aber auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Zink, Kalzium und Magnesium sind darüber hinaus wichtige Mineralstoffe, die dem Körper in dieser Phase auf verschiedenen Wegen guttun. 

  • Bewegung: Regelmäßige, moderate Bewegung tut dem Körper und der Hormonbalance gut. Übermäßiger Leistungssport kann hingegen den Progesteronspiegel zusätzlich senken. Hier gilt: Hör auf Deinen Körper!

Pflanzliche Mittel

Manche Frauen möchten ihre Wechseljahre so natürlich wie möglich begleiten und greifen deshalb auf pflanzliche Mittel zurück. Zwei davon werden besonders häufig genannt: 

  • Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Dieser Heilpflanze wird eine indirekte, regulierende Wirkung auf den Hormonhaushalt zugeschrieben.  

  • Yamswurzel (Dioscorea villosa): Die Yamswurzel enthält den pflanzlichen Wirkstoff Diosgenin und ist als Creme, Kapsel oder Extrakt erhältlich. Sie wird immer wieder als Möglichkeit für eine naturnahe Begleitung der Wechseljahre genannt. 

Wichtig: Auch pflanzliche Mittel können Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Sprich am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, bevor Du etwas Neues ausprobierst. Sie können Dir helfen, das Richtige für Dich zu finde.

Hormontherapie 

Wenn Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine menopausale Hormontherapie (MHT) eine sinnvolle Option sein. Sie kann typische Wechseljahresbeschwerden wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und unregelmäßige Blutungen lindern. Dabei gibt es verschiedene Therapie- und Darreichungsformen (Tablette, Kapsel, Gel, Creme) – je nach Beschwerdebild und individueller Situation: 

  • Bioidentisches Progesteron gilt heute als bevorzugte Option, da es dem körpereigenen Hormon chemisch identisch und gut verträglich ist.  

  • Synthetische Gestagene (Progestine) ähneln dem körpereigenen Progesteron, sind aber nicht chemisch identisch damit. Sie haben einen stärkeren Einfluss auf das Brustkrebs- und Thromboserisiko als bioidentisches Progesteron. 

  • Kombinationspräparate enthalten Progesteron zusammen mit Östrogen und werden häufig eingesetzt, wenn beide Hormone aus dem Gleichgewicht geraten sind. 

Wichtig: Ob eine Hormontherapie die richtige Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – das ist so individuell wie jede Frau selbst. Eine Ärztin oder ein Arzt kann gemeinsam mit Dir abwägen, welche Vorteile und möglichen Risiken in deiner konkreten Situation relevant sind, und die passende Therapieform und Dosierung finden. Eines gilt aber in jedem Fall: Nur um vermeintlich „jünger“ zu bleiben, ist eine Hormontherapie nicht sinnvoll. 

Fazit  

Die Wechseljahre werfen viele Fragen auf, die es verdienen, ernst genommen zu werden. Progesteron ist dabei ein zentrales Puzzlestück: Sein Rückgang beginnt oft früher als erwartet und kann das körperliche wie seelische Wohlbefinden spürbar beeinflussen. 

Doch Du bist diesem Prozess nicht hilflos ausgeliefert. Ob durch bewusste Ernährung, einen gesunden Lebensstil, pflanzliche Begleitung oder – wenn nötig – eine medizinische Therapie: Es gibt viele Wege, diese Phase gut zu gestalten. Welcher davon der richtige für Dich ist, hängt von Deiner ganz persönlichen Situation ab. 

Das Wichtigste ist: Bleib neugierig, hör auf Deinen Körper und hol Dir Unterstützung, wenn Du sie brauchst.

Die markierten Aussagen basieren auf zugelassenen Health Claims gemäß EU-Verordnung (EU) Nr. 432/2012: ¹Pyridoxin trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. (2025). Linderung von Wechseljahresbeschwerden. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/linderung-von-wechseljahresbeschwerden/

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2020). S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen (AWMF-Registernr.: 015-062).  

Grant, M. D., Marbella, A., Wang, A. T., Pines, E., Hoag, J., Bonnell, C., Ziegler, K. M., & Aronson, N. (2015). Menopausal symptoms: Comparative effectiveness of therapies. Agency for Healthcare Research and Quality. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK285448/ 

Pschyrembel Online. Gestagene. bgerufen am 26. März 2026 unter: https://www.pschyrembel.de/Gestagene/K08Q4/doc/ 

 

 

Printquellen

Daniele, C., Thompson Coon, J., Pittler, M. H., Ernst, E. (2005). Vitex agnus castus: a systematic review of adverse events. Drug Saf. 28(4). https://doi.org/10.2165/00002018-200528040-00004

Marjoribanks, J., Farquhar, C., Roberts, H., Lethaby, A., Lee, J. (2017) Long-term hormone therapy for perimenopausal and postmenopausal women. Cochrane Database Syst Rev (1). https://doi.org/10.1002/14651858.CD004143

Stute, P., Wildt, L., Neulen, J. (2018). The impact of micronized progesterone on breast cancer risk: a systematic review. Climacteric. 21(2). https://doi.org/10.1080/13697137.2017.1421925 

Wang, H., Liu, Y., Kwok, J. Y. Y., Xu, F., Li, R., Tang, J., Tang, S., Sun, M. (2025). The effectiveness of yoga on menopausal symptoms: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Nurs Stud. (161). https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2024.104928 

Zhang, G. Q., Chen, J. L., Luo, Y., Mathur, M. B., Anagnostis, P., Nurmatov, U., Talibov, M., Zhang, J., Hawrylowicz, C. M., Lumsden, M. A., Critchley, H., Sheikh, A., Lundbäck, B., Lässer, C., Kankaanranta, H., Lee, S. H., & Nwaru, B. I. (2021). Menopausal hormone therapy and women's health: An umbrella review. PLOS Medicine, 18(8), e1003731. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003731