Starke Blutungen in den Wechseljahren

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13.7.2026

Ein voller Tampon nach kurzer Zeit, kleine Blutklumpen, die Dich erschrecken und ein Gefühl von Schwäche und Antriebslosigkeit: Unberechenbar starke Menstruationsblutungen sind in den Wechseljahren nichts Ungewöhnliches, aber für viele Frauen ein Problem, das sie überfordert. Dabei gibt es Erklärungen, Hilfe und Wege, gut damit umzugehen.
Warum verändert sich die Blutung in den Wechseljahren?
Der weibliche Zyklus wird in erster Linie durch die Hormone Östrogen und Progesteron gesteuert. Östrogen ist in der ersten Zyklushälfte dafür verantwortlich, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Nach dem Eisprung übernimmt Progesteron: Wurde keine Eizelle befruchtet, sorgt dieses Hormon dafür, dass sich die Schleimhaut am Ende des Zyklus mit der Regelblutung wieder vollständig ablöst.
In den Wechseljahren werden Eisprünge immer seltener, bis sie schließlich mit der Menopause ganz ausbleiben. Da Progesteron hauptsächlich im sogenannten Gelbkörper gebildet wird – einem kleinen Drüsenkörper, der sich nach dem Eisprung bildet –, steht dem Körper immer weniger davon zur Verfügung. Der Östrogenspiegel beginnt zwar auch zu schwanken, hält aber insgesamt noch eine Weile den gewohnten Level. Das Ergebnis: ein vorübergehendes hormonelles Ungleichgewicht, Fachleute sprechen von Östrogendominanz.
Vielfältige Beschwerden, werden mit einer Östrogendominanz in Verbindung gebracht: Brustveränderungen (erschlaffendes Brustgewebe, Brustspannen) Schlafstörungen, Gewichtszunahme, unregelmäßige Zyklen – und starke Regelblutungen.
Wieviel Blutverlust ist normal – und was gilt als starke Blutung?
Auch wenn es sich zeitweise nach mehr anfühlen kann: Im Durchschnitt verlieren Frauen pro Periode etwa 60 Milliliter Blut – das sind zwei bis vier Esslöffel. Bei dieser Menge dauert es etwa vier Stunden, bis ein Tampon oder eine Binde normaler Größe vollgesogen ist. Von einer starken Monatsblutung (auch: Menorrhagie) sprechen Fachleute bei einem Blutverlust von mehr als 80 Milliliter Blut.
Keine Sorge: Du musst natürlich nicht messen, wieviel Blut Du pro Zyklus verlierst – auch ohne präzise Mengenangabe kannst Du erkennen, ob Deine Blutung stärker ist als „normal“. Das sind typische Anzeichen:
Das Periodenprodukt muss alle ein bis zwei Stunden gewechselt werden.
Im Menstruationsblut befinden sich viele, auch dickere Blutklumpen.
Du fühlst Dich während der Periode ungewöhnlich müde und antriebslos.
Wie entstehen die Klumpen im Menstruationsblut?
Der Anblick von Klumpen (Fachausdruck: Koagel) in der Periodenblutung ist eher ungewöhnlich und kann deshalb erstmal ein bisschen erschreckend wirken. Aber Blutklumpen entstehen grundsätzlich als Folge einer natürlichen Schutzreaktion des Körpers: Um Blutverlust zu vermeiden, stellt er mit speziellen Gerinnungsfaktoren sicher, dass aus einer Wunde strömendes Blut fest wird. Im Fall der Monatsblutung ist die Situation jedoch anders: Ihre Aufgabe ist, die aufgebaute, nutzlos gewordene Gebärmutterschleimhaut loszuwerden. Deshalb sorgt der Körper mithilfe wiederum anderer Stoffe dafür, dass das Menstruationsblut flüssig bleibt und sich eventuell bildende Klumpen sehr rasch auflösen. Bei einer starken Monatsblutung können die körpereigenen Gerinnungshemmer jedoch schlicht überfordert sein – dann gerinnt das Blut doch zum Teil. Die Koagel, die dabei entstehen, können unterschiedlich groß sein.
Mögliche Folgen einer starken Monatsblutung
Blut enthält Eisen. Wer über Wochen oder Monate ungewöhnlich viel Blut verliert, verliert damit auch viel von diesem wichtigen Rohstoff – der Körper braucht ihn, um rote Blutkörperchen herzustellen. Bei Eisenmangel können nicht genug rote Blutkörperchen produziert werden – es entsteht eine Blutarmut (Blutanämie). Dadurch wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt, was sich häufig durch folgende Symptome bemerkbar macht:
anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung (auch nach ausreichend Schlaf),
Blässe,
kalte Füße und kalte Hände,
bei stärkerer Blutarmut auch Schwindel, Kurzatmigkeit bei kleinen Anstrengungen und Herzrasen.
Gut zu wissen: Ein einfaches Blutbild gibt Aufschluss, ob ein Eisenmangel vorliegt. Wird er erkannt und konsequent behandelt, zum Beispiel durch Eisenpräparate oder eine Eiseninfusion, kann sich Dein Wohlbefinden nach wenigen Wochen spürbar verbessern.
Neben den körperlichen Folgen spielt die psychische Belastung eine große Rolle: Viele Frauen empfinden eine starke Blutung als peinlich, beängstigend oder auch eklig. Manchen ist der Anblick von Blutklumpen oder die Empfindung, wie das Blut aus ihnen herausfließt, sehr unangenehm. Hinzu kommt der Stress bei Verabredungen, Reisen, Sport, Schlaf, Intimität: Habe ich genug Schutz dabei? Was, wenn nicht? Wann muss ich wechseln? Diese permanente Anspannung kostet Kraft und kann den gesamten Alltag erschweren.
Wann solltest Du zur Ärztin oder zum Arzt?
Starke Blutungen in den Wechseljahren sind nicht ungewöhnlich und in vielen Fällen steckt eine harmlose hormonelle Ursache dahinter. Manchmal sind es aber auch gutartige Veränderungen in der Gebärmutter wie Myome oder Polypen oder Erkrankungen wie eine Adenomyose. All das lässt sich mit einem Ultraschall schnell abklären und gut behandeln.
Wenn die Blutungen also Deinen Alltag beeinträchtigen oder Du einfach das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, dann lass Dich bitte ärztlich untersuchen. Es ist gut zu wissen, was dahintersteckt und was Du dagegen tun kannst.
Tipp für den Arztbesuch: Mach Dir ein paar Notizen über die Stärke Deiner Blutung bei den letzten Zyklen. Die genaue Blutmenge lässt sich zwar nicht so einfach messen, aber die Anzahl der benötigten Binden oder Tampons pro Tag – oder wie oft Du eine Menstruationstasse / eine Menstruationsscheibe leeren musst – kannst Du Dir aufschreiben. Für Deine Ärztin oder Deinen Arzt ist das ein guter Anhaltspunkt.
Diagnose
Um zu wissen, wie Dir am besten geholfen werden kann, braucht es eine Diagnose. Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst mit Dir über Deinen Zyklus und Deine Beschwerden sprechen – bring hierfür am besten Deine Notizen mit. Danach folgt eine gynäkologische Untersuchung: Die Gebärmutter wird abgetastet und per Ultraschall angeschaut. Ein Bluttest zeigt, wie die Hormone stehen und ob die starken Blutungen bereits zu einer Blutarmut geführt haben. Manchmal ist ergänzend eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) sinnvoll. Dabei schaut die Ärztin oder der Arzt mit einer kleinen Kamera direkt in die Gebärmutter, um Veränderungen der Schleimhaut sichtbar zu machen.
Wie lässt sich eine starke Periode behandeln?
Um eine starke Blutung in den Griff zu bekommen, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche davon infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, ob Du noch einen Kinderwunsch hast oder nicht, denn viele der wirksamsten Behandlungen beeinflussen die Fruchtbarkeit. Da eine Schwangerschaft bis zur Menopause grundsätzlich noch möglich ist, solltest Du diesen Punkt bedenken und offen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt besprechen.
Hormonelle Behandlung
Hormonelle Behandlung
Da starke Blutungen in den Wechseljahren meist hormonell bedingt sind, liegt es nahe, auch hormonell gegenzusteuern. Je nach Situation und Beschwerden gibt es verschiedene Optionen. Wichtig dabei: Alle hormonellen Behandlungen greifen in den Hormonhaushalt ein und können Nebenwirkungen haben. Mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Frauenarzt kannst Du Risiken und Nutzen gemeinsam abwägen.
Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille und die Hormonspirale hemmen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und schwächen dadurch die Regelblutung deutlich ab.
Progesteron-Tabletten wirken ähnlich: Sie bremsen den Schleimhautaufbau und die Blutung fällt entsprechend schwächer aus.
Medikamente
Medikamente
Wer keine Hormone nehmen möchte oder kann, hat auch hormonfreie Optionen. Tranexamsäure ist ein Wirkstoff, der die Blutgerinnung unterstützt und die Blutungsstärke gezielt reduzieren kann. Das Medikament wird nur während der Periode eingenommen.
Ibuprofen oder Diclofenac – beides sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) – können, während der Blutung eingenommen, die Blutungsstärke etwas reduzieren und gleichzeitig Schmerzen und Krämpfe lindern.
Operative Möglichkeiten
Operative Möglichkeiten
Wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen oder nicht infrage kommen, bleiben operative Optionen. Behalte bei Deinen Überlegungen im Hinterkopf: Die Wechseljahre sind ein Übergangsstadium, die Blutungen werden irgendwann von selbst aufhören. Trotzdem: Die Lebensqualität kann durch starke Blutungen so stark eingeschränkt, dass ein Eingriff die richtige Entscheidung ist.
Die Endometriumablation ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem die Gebärmutterschleimhaut verödet wird. Dadurch wird die Blutung meist stark reduziert oder hört ganz auf. Der Eingriff ist geeignet für Frauen, die keine weiteren Schwangerschaften planen.
Wurden Myome als Ursache der starken Blutung festgestellt, gibt es je nach Größe und Lage verschiedene Behandlungsmöglichkeiten – von der gezielten Myomentfernung bis hin zur Myomembolisation, bei der die Blutversorgung der Myome unterbrochen wird. Welche Methode für Dich sinnvoll ist, besprichst Du am besten mit einer Spezialistin oder einem Spezialisten.
Die Hysterektomie – also die operative Entfernung der Gebärmutter – ist ebenfalls eine, wenn auch recht radikale Methode, die Blutungen vollständig zu beseitigen. Da es sich um einen größeren operativen Eingriff handelt, sollte die Entscheidung gut durchdacht sein. Am sinnvollsten ist er, wenn weitere medizinische Gründe dafürsprechen, wie etwa schmerzhafte Myome, die ohnehin entfernt werden sollten, oder eine starke Senkung der Gebärmutter.
Der Abschied von der Gebärmutter kann auch emotional viel bedeuten, unabhängig vom Alter oder davon, ob man Kinder bekommen hat oder nicht. Viele Frauen beschreiben gemischte Gefühle: Erleichterung auf der einen, Verlustgefühle auf der anderen Seite.
Alltagstipps: Umgang mit starken Blutungen
Starke Blutungen sind erschöpfend – nicht nur körperlich. Die ständige Bereitschaft, die Planung um die eigene Periode herum, das Gefühl, den eigenen Körper nicht mehr zu kennen: Es ist völlig verständlich, wenn Dich das nervt, traurig oder wütend macht. Dennoch: Viele betroffene Frauen finden mit der Zeit Strategien, die ihnen helfen. Vielleicht sind sie auch für Dich eine Lösung:
Die richtigen Periodenprodukte wählen: Bei sehr starken Blutungen kann eine Kombination aus verschiedenen Produkten helfen: Periodenunterwäsche oder saugstarke Einlagen zusätzlich zum Tampon geben mehr Sicherheit. Viele Frauen schwören in dieser Phase außerdem auf Menstruationsscheiben oder -tassen, da sie mehr Blut fassen als ein Tampon und ein sichereres Gefühl geben.
Ein Notfallset dabeihaben: Ein kleiner Beutel mit Hygieneartikeln und Wechselwäsche im Rucksack oder der Handtasche kann das Sicherheitsgefühl im Alltag enorm verbessern.
Kleidung bewusst wählen: Dunklere Hosen, Kleider oder Röcke an stärkeren Blutungstagen zu tragen ist zwar absolut kein Muss – aber viele Frauen empfinden es doch als entlastend, sich einfach keine Gedanken über mögliche Blutflecken machen zu müssen.
Nachts geschützt schlafen: In der Nacht kann eine wasserdichte Unterlage oder ein altes Handtuch über dem Laken für ruhigeres Einschlafen sorgen.
Bewegung und Entspannung: Was hilft, ist sehr individuell: Manche Frauen empfinden sanfte Bewegung oder Yoga als wohltuend, andere brauchen eher Auslastung. Beides ist okay – wichtig ist, dass Du auf Dich hörst.
Auf Eisen achten: Um einem Eisenmangel und einer Blutarmut vorzubeugen, achte darauf, eisenreiche Lebensmittel auf den Speiseplan zu setzen: rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Kürbiskerne, Spinat – am besten immer in Kombination mit etwas Vitamin C, das die Aufnahme von Eisen verbessert. Bei nachgewiesenem Mangel ist aber oft eine zusätzliche Supplementierung notwendig.
Darüber reden: Die Wechseljahre sind leider in vielen Köpfen immer noch ein Tabuthema. Dabei hilft es enorm zu wissen, wie es anderen Frauen damit geht. Gib Dir einen Ruck und sprich darüber – ob mit einer Freundin, Deinem Partner oder in einer Online-Community. Ein offener Austausch kann wirklich entlastend sein!
Und noch etwas zum Schluss: Sei Dir immer bewusst, dass, was Du erlebst, nicht ewig so weitergehen wird. Die Phase, bis sich der Hormonhaushalt wieder ganz eingependelt hat, dauert im Durchschnitt vier bis acht Jahre – das mag lang klingen, aber: Es geht vorbei. Nach der Menopause hört die Monatsblutung von ganz allein auf. Bis dahin: Hör auf Deinen Körper, sei liebevoll und geduldig mit ihm und hol Dir Unterstützung, wenn Du sie brauchst.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Internetquellen
Internetquellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. (2023). Zugangswege der Hysterektomie: Evidenzrecherche zur S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie von benignen Erkrankungen der Gebärmutter (Evidenzbericht V21-08A). https://www.iqwig.de/download/v21-08a_zugangswege-der-hysterektomie_evidenzbericht_v1-0.pdf
National Institute for Health and Care Excellence. (2021). Heavy menstrual bleeding: Assessment and management (NICE Guideline NG88). https://www.nice.org.uk/guidance/ng88
Printquellen
Printquellen
Bofill Rodriguez, M., Dias, S., Jordan, V., Lethaby, A., Lensen, S. F., Wise, M. R., Wilkinson, J., Brown, J., & Farquhar, C. (2022). Interventions for heavy menstrual bleeding: Overview of Cochrane reviews and network meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews, 5. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013180.pub2
Bofill Rodriguez, M., Lethaby, A., & Fergusson, R. J. (2021). Endometrial resection and ablation versus hysterectomy for heavy menstrual bleeding. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2. https://doi.org/10.1002/14651858.CD000329
Vitale, S. G., Riemma, G., Mikuš, M., et al. (2022). Quality of life, anxiety and depression in women treated with hysteroscopic endometrial resection or ablation for heavy menstrual bleeding: Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Medicina, 58(11), 1664. https://doi.org/10.3390/medicina58111664


