PMOS (PCOS) - Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom

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PD Dr. Dr. Kilian Vomstein von Fertia

Lesedauer 8 Min.

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23.9.2026

Zwei auf einem Sofa sitzende Frauen, die eine umarmt die andere von der Seite

Du blickst in den Spiegel und siehst Unreinheiten oder sogar Akne, die Dich an Deine Teenagerzeit erinnern. Dein Haar wird dünner, während an anderen Stellen unerwünschte Härchen sprießen. Vielleicht wartest Du Monat für Monat vergeblich auf Deine Periode oder Dein Zyklus ist so unregelmäßig, dass Du ihn kaum planen kannst. Diese Erfahrungen können zutiefst verunsichern und das Gefühl auslösen, dass mit Dir etwas nicht stimmt.

Etwa 1 von 10 Frauen im gebärfähigen Alter hat ein PMOS (PCOS); es ist damit die häufigste Hormonstörung in dieser Lebensphase. Viele Betroffene stellen sich genau dieselben Fragen. Warum fühlt sich mein Körper so fremd an? Warum habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren? Oft gibt es einen gemeinsamen Namen für dieses Zusammenspiel verschiedener Symptome: das PMOS (PCOS). Zu wissen, dass es eine Erklärung gibt, ist oft der erste, befreiende Schritt. Es bedeutet auch, dass Du anfangen kannst, Deinen Körper besser zu verstehen und Wege zu finden, um Dein Wohlbefinden selbst in die Hand zu nehmen.

PMOS (PCOS) einfach erklärt: Was steckt hinter dem hormonellen Ungleichgewicht?

Auch wenn der Name kompliziert klingen mag, lässt sich das PMOS (PCOS) recht einfach erklären. Im Kern handelt es sich um ein hormonelles Ungleichgewicht, das vor allem durch einen Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen) im weiblichen Körper verursacht wird. Normalerweise sind diese Hormone auch bei Frauen vorhanden, aber nur in sehr geringen Mengen.

Dieses hormonelle Ungleichgewicht kann die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigen. Es führt dazu, dass dort zwar viele kleine Eibläschen (Follikel) heranreifen, der entscheidende Schritt zum monatlichen Eisprung jedoch oft ausbleibt. Im Ultraschall sind diese zahlreichen unreifen Eibläschen sichtbar und geben dem Syndrom seinen früheren Namen: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). Wichtig für Dich zu wissen: Dabei handelt es sich in der Regel nicht um gefährliche Zysten, sondern um viele kleine, unreife Eibläschen. Meistens tritt PMOS (PCOS) im gebärfähigen Alter auf, oft wird es zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr festgestellt.

Der neue Name ist offiziell: Ein internationales Konsensverfahren mit 56 Fach- und Patientinnenorganisationen sowie über 14.000 Befragten hat das frühere PCOS 2026 in Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) umbenannt. Der Grund: „Polyzystisch“ ist irreführend, weil keine echten Zysten vorliegen, und der alte Name lenkt den Blick zu stark auf die Eierstöcke, obwohl Hormonsystem und Stoffwechsel des ganzen Körpers betroffen sind. Das hat Diagnosen oft verzögert und die Versorgung zersplittert. An den Diagnosekriterien ändert sich nichts, und in der Übergangszeit wirst Du beide Begriffe lesen.

Anzeichen und Symptome von PMOS (PCOS)

Das PMOS (PCOS) zeigt sich bei jeder Frau anders. Die Anzeichen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich im Laufe der Zeit auch verändern. Nicht jede Betroffene muss alle Symptome aufweisen. Sie lassen sich grob in drei Bereiche einteilen:

  • Haut & Haare: Ein Überschuss an männlichen Hormonen kann sichtbare Spuren hinterlassen. Viele Frauen leiden unter hartnäckiger Akne, besonders im Kiefer- und Kinnbereich, sowie fettiger Haut – auch lange nach der Pubertät. Gleichzeitig kann das Kopfhaar dünner werden und ausfallen (Haarausfall), während an anderen Körperstellen wie dem Gesicht, der Brust oder dem Bauch verstärkter Haarwuchs (Hirsutismus) auftritt.
  • Zyklus & Körper: Ein sehr häufiges und zentrales Anzeichen sind Zyklusstörungen. Vielleicht ist Deine Periode sehr unregelmäßig und kommt nur alle paar Monate, oder sie bleibt sogar ganz aus (Amenorrhoe). Dies hängt oft damit zusammen, dass kein Eisprung stattfindet. Viele Betroffene haben zudem Schwierigkeiten, ihr Gewicht zu halten oder abzunehmen, und neigen zu einer vermehrten Fetteinlagerung im Bauchbereich. Auch ein unerfüllter Kinderwunsch kann ein Hinweis auf PMOS (PCOS) sein.
  • Psyche & Seele: Das hormonelle Ungleichgewicht kann sich auch auf Deine Stimmung auswirken. Depressive Symptome und Ängste treten bei PMOS (PCOS) deutlich häufiger auf als bei Frauen ohne die Erkrankung. Sprich das beim Arztbesuch offen an, denn auch dafür gibt es Unterstützung. Die sichtbaren Symptome und die Ungewissheit können das Selbstwertgefühl zusätzlich belasten und zu einem emotionalen Stressfaktor werden.

Woher kommt PMOS (PCOS)? Ein Blick auf die Ursachen

Die genauen Ursachen von PMOS (PCOS) sind zwar noch nicht vollständig erforscht, doch zwei Hauptfaktoren stehen im Fokus: eine genetische Veranlagung und eine Insulinresistenz. Häufig tritt das Syndrom in Familien gehäuft auf, was auf eine erbliche Komponente hindeutet.

Der entscheidende Faktor für viele Betroffene ist jedoch eine Insulinresistenz. Dabei reagieren die Körperzellen nur noch schwach auf das Hormon Insulin, das den Blutzucker verarbeiten soll. Dein Körper versucht, dies durch eine erhöhte Insulinproduktion auszugleichen. Dieser permanent hohe Insulinspiegel kann einen Teufelskreis in Gang setzen: Er stimuliert die Eierstöcke, mehr männliche Hormone zu bilden, was wiederum die Symptome verstärkt.

Dieses Wissen kannst Du nutzen: Über Ernährung und Bewegung lässt sich die Insulinresistenz günstig beeinflussen. Reicht das nicht aus, stehen zusätzlich Medikamente zur Verfügung.

Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist

Dein Körper sendet Dir Signale, und es ist nur verständlich, wenn Du unsicher bist, wie Du sie deuten sollst. Ein Arztbesuch ist immer dann ratsam, wenn Du das Gefühl hast, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist oder Du unter bestimmten Symptomen leidest. Zögere nicht, Dir professionelle Unterstützung zu suchen, insbesondere wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte auf Dich zutreffen:

  • Dein Zyklus ist seit mehreren Monaten sehr unregelmäßig (länger als 35 Tage) oder bleibt ganz aus.
  • Du leidest unter hartnäckiger Akne oder sehr unreiner Haut, obwohl die Pubertät vorbei ist.
  • Du bemerkst verstärkten Haarwuchs an für Frauen untypischen Stellen wie Gesicht, Brust oder Bauch.
  • Du hast mit unerklärlicher Gewichtszunahme oder großen Schwierigkeiten beim Abnehmen zu kämpfen.
  • Ein Kinderwunsch bleibt über längere Zeit unerfüllt.

Ein Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt schafft nicht nur Klarheit darüber, ob ein PMOS (PCOS) vorliegt. Es ist auch entscheidend, um andere Ursachen für Deine Beschwerden, wie zum Beispiel eine Störung der Schilddrüse oder ein erhöhtes Prolaktin, auszuschließen.

So wird PMOS (PCOS) diagnostiziert

Wenn Du vermutest, von PMOS (PCOS) betroffen zu sein, ist ein Arztbesuch der beste Weg, um Gewissheit zu erlangen. Deine gynäkologische oder endokrinologische Praxis ist hierfür die richtige Anlaufstelle.

Die Diagnose stützt sich in der Regel auf drei Untersuchungen:

  • Ein ausführliches Gespräch (Anamnese) über Deine Symptome, Deinen Zyklus und Deine Krankengeschichte.
  • Eine Blutuntersuchung, um Deine Hormonwerte (vor allem männliche Hormone) und oft auch Blutzucker- und Insulinwerte zu prüfen.
  • Eine Ultraschalluntersuchung, bei der die Ärztin oder der Arzt nach den vielen kleinen Eibläschen an den Eierstöcken sucht.

Die Diagnose PMOS (PCOS) wird meist gestellt, wenn zwei dieser drei Punkte zutreffen: ein unregelmäßiger Zyklus oder ausbleibende Eisprünge, erhöhte männliche Hormonwerte (im Blut oder durch Symptome wie Akne sichtbar) und das typische Bild im Ultraschall. Bei Erwachsenen kann statt des Ultraschalls auch der AMH-Wert im Blut bestimmt werden.

Was Du bei PMOS (PCOS) tun kannst: Finde Deine Balance wieder

Du kannst selbst viel tun, um Deine Symptome zu lindern und den hormonellen Zusammenhang aus Insulinresistenz und Hormonüberschuss zu durchbrechen. Im Mittelpunkt stehen dabei Deine Ernährung und Bewegung.

  • Ernährung als Schlüssel: Eine Ernährung, die Deinen Blutzuckerspiegel stabil hält, ist besonders wirksam. Das erreichst Du, indem Du schnelle Blutzuckerspitzen meidest. Setze auf langsam verdauliche Kohlenhydrate in Kombination mit Proteinen und gesunden Fetten.
    • Greife zu: Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, viel buntem Gemüse, Nüssen und Samen.
    • Reduziere: Zucker, Weißmehlprodukte und gesüßte Getränke.
  • Bewegung, die guttut: Regelmäßige Bewegung hilft Deinen Zellen, besser auf Insulin zu reagieren, baut Stress ab und unterstützt die Gewichtskontrolle. Wichtig ist nicht Höchstleistung, sondern Freude an der Aktivität. Ideal ist eine Mischung aus moderatem Ausdauersport wie Walken oder Radfahren und sanftem Muskelaufbau wie Yoga oder leichtem Krafttraining.

Reichen Lebensstilmaßnahmen nicht aus, gibt es wirksame medizinische Optionen: eine kombinierte Pille zur Zyklusregulierung und gegen Akne oder vermehrte Behaarung, Metformin zur Verbesserung der Insulinresistenz und bei Kinderwunsch Letrozol zur Auslösung des Eisprungs. Da PMOS (PCOS) das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht, sollten Blutzucker- oder HbA1c-Werte je nach Risikoprofil alle ein bis drei Jahre kontrolliert werden. Bleibt die Periode über Monate aus, gehört auch das zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut in ärztliche Begleitung.

FAQ

Wie merkt man, dass man PMOS (PCOS) hat?

Typische Anzeichen sind ein sehr unregelmäßiger oder komplett ausbleibender Menstruationszyklus, Hautprobleme wie Akne und fettige Haut, Haarausfall am Kopf und gleichzeitig verstärkter Haarwuchs im Gesicht oder am Körper. Da nicht jede Frau alle Symptome haben muss, kann nur eine ärztliche Untersuchung Klarheit bringen.

Kann PMOS (PCOS) geheilt werden?

Nein, PMOS (PCOS) ist nach aktuellem medizinischem Stand nicht heilbar, da es sich um eine chronische hormonelle Störung handelt. Aber – und das ist die wichtige Botschaft – die Symptome lassen sich durch einen angepassten Lebensstil mit der richtigen Ernährung und Bewegung oft sehr gut in den Griff bekommen und deutlich verbessern. Zusätzlich können Medikamente wie die Pille, Metformin oder bei Kinderwunsch Letrozol gezielt helfen.

Warum ist Abnehmen bei PMOS (PCOS) so schwer?

Das hängt oft mit der Insulinresistenz zusammen. Der hohe Insulinspiegel im Blut kann dafür sorgen, dass der Körper Energie leichter in Form von Fett speichert, besonders im Bauchbereich. Das macht das Abnehmen schwieriger, aber nicht unmöglich. Eine blutzuckerfreundliche Ernährung und regelmäßige Bewegung sind hier der Schlüssel zum Erfolg.

Was ist die wichtigste Ernährungsregel bei PMOS (PCOS)?

Die absolut wichtigste Regel lautet: Halte Deinen Blutzuckerspiegel so stabil wie möglich. Vermeide daher Zucker und Weißmehlprodukte, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen. Setze stattdessen auf Vollkornprodukte, viel Gemüse, Proteine und gesunde Fette zu jeder Mahlzeit.

In welchem Alter tritt PMOS (PCOS) auf?

PMOS (PCOS) tritt typischerweise im gebärfähigen Alter auf. Oft werden die Symptome erstmals zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr deutlich, zum Beispiel nach dem Absetzen der Pille oder bei einem unerfüllten Kinderwunsch. Die Veranlagung dazu besteht aber schon früher.

Kann ich mit PMOS (PCOS) schwanger werden?

Ja, sehr viele Frauen mit PMOS (PCOS) werden schwanger. Findet kein regelmäßiger Eisprung statt, lässt er sich medikamentös auslösen; Mittel der ersten Wahl ist Letrozol. Sprich bei Kinderwunsch früh mit Deiner gynäkologischen Praxis, dann lässt sich der Weg gut planen.

Quellen

Printquellen

Teede HJ et al. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. Lancet 2026;407:2329-2339.

Teede HJ et al. Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Hum Reprod 2023;38:1655-1679.

Cooney LG et al. High prevalence of moderate and severe depressive and anxiety symptoms in polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis. Hum Reprod 2017;32:1075-1091.

Legro RS et al. Letrozole versus clomiphene for infertility in the polycystic ovary syndrome. N Engl J Med 2014;371:119-129.

Franik S et al. Aromatase inhibitors (letrozole) for ovulation induction in infertile women with polycystic ovary syndrome. Cochrane Database Syst Rev 2022;9:CD010287.