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Wenn das „Warum“ uns leitet

Großer, knorriger Baumstamm in einem grünen Friedhof mit Grabkreuzen und Grabsteinen im Hintergrund

Friedhöfe sind Orte der Ruhe. Hier können andere sich an uns erinnern. ¹⁾

Kolumne von Christoph Werner

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie das Wort „Friedhof“ hören, welche Gedanken kommen Ihnen?

In meiner Kindheit war es die Spannung zwischen dem Friedlichen und Ewigen und den Schauergeschichten, die sich oft um diesen Ort ranken. Als Erwachsener blicke ich abgeklärter darauf. Denn mittlerweile habe ich verstanden, dass das Wort Friedhof eigentlich nichts mit „Friede“ zu tun hat, sondern mit einem „eingefriedeten“ Hof, also einem eingegrenzten Ort, an dem wir den dort Ruhenden ewigen Frieden wünschen.

Früher waren Friedhöfe Teil der Kirchhöfe und damit wie die Ortskirchen im Mittelpunkt der Ortschaften und des gesellschaftlichen Lebens. Als die Städte wuchsen, sich ausdifferenzierten und mit dem Wachstum der Einwohnerzahlen auch die jährlichen Bestattungen zunahmen, entstanden Friedhöfe als eigenständige Einheiten am Rande der Städte. Die Verstorbenen rückten aus dem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens heraus. Parallel dazu schritt der gesellschaftliche Wandel voran. Mit dem Fortschritt gewannen mehr die Zukunft und die Verwirklichung des eigenen Lebens an Bedeutung, während die Herkunft und die Tradition verloren gingen. Damit wurde es weniger eindeutig, was ein erfülltes Leben auszeichnet.

„Vielleicht würde die Welt tatsächlich anders aussehen, wenn wir auf unseren Grabsteinen mehr festhalten würden als nur den Namen, das Geburts- und Sterbedatum.“

Die letzten Ruhestätten mahnen mich heute, dass die uns auf dieser Erde geschenkten Jahre endlich sind. Damit rückt für mich die Frage in den Vordergrund, wofür wir sie einsetzen möchten. Wie möchten wir erinnert werden? In seiner Geschichte „Der Suchende“ beschreibt der Autor und Psychiater Jorge Bucay Grabsteine, auf denen statt der Geburts- und Sterbezeitpunkte Zeiträume in Jahren, Monaten, Tagen und Stunden vermerkt sind. Denn auf den Grabsteinen wird die Zeit festgehalten, in der die Verstorbenen echtes und tiefes Glück empfunden haben. Für Jorge Bucay ist das die einzig wahre, wirklich gelebte Zeit.

Sollten wir die Botschaft von Jorge Bucay ernst nehmen? In meinem beruflichen Leben gibt es viele Gründe, stringent meinen Terminkalender abzuarbeiten, mit meinen Gedanken schon wieder drei Schritte weiter zu sein, in Wallung zu geraten, nicht richtig zuzuhören und dem anderen nicht die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie oder er verdient. Wie anders ist es doch, wenn wir im Blick behalten, dass es nicht nur darum geht, „wie wir etwas machen“, sondern auch darum, „warum wir etwas machen“. Vielleicht würde die Welt tatsächlich anders aussehen, wenn wir auf unseren Grabsteinen mehr festhalten würden als nur den Namen, das Geburts- und Sterbedatum.

Bezogen auf unsere Tätigkeit bei dm ist unser Claim „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“ für mich vergleichbar mit einem Bekenntnis, warum und wofür wir tätig sind. Es wurde uns von den Menschen hinterlassen, die vor uns im Unternehmen für unsere Kunden tätig waren. Daran können wir heute anknüpfen und es jeden Tag erneut mit Leben füllen. Wenn uns das gut gelingt, werden künftige Generationen darauf aufbauen können. Dann werden wir nicht unser „Warum“ verlieren und uns kann Zukunft durch Herkunft glücken.

Herzlichst Ihr
Christoph Werner
Vorsitzender der Geschäftsführung