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Wechseljahre und Hormone

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Lesedauer 7 Min.

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21.7.2026

Frau mittleren Alters mit dunklem, lockigem Haar steht im Freien mit ausgebreiteten Armen, Blick zur Kamera, trägt ein hellblaues T-Shirt

Sie steuern Schlaf, Stimmung, Knochen, Herz und Stoffwechsel: Die Rede ist von den weiblichen Geschlechtshormonen Ă–strogen und Progesteron. Wenn ihre Produktion nachlässt, macht sich das bemerkbar – in Körper und Seele. 

Was haben Hormone mit den Wechseljahren zu tun?

Die Wechseljahre – medizinisch als Klimakterium bezeichnet – sind eine natĂĽrliche Lebensphase, in der sich der weibliche Körper hormonell neu ausrichtet. Ausgelöst werden sie, sobald die Produktion von Ă–strogen und Gestagen in den Eierstöcken nachlässt. Weil diese Hormone so viele Körperfunktionen mitregeln, kann ihr zunehmender RĂĽckgang ganz unterschiedliche Veränderungen auslösen. Hören die Eierstöcke schlieĂźlich ganz auf, Eizellen freizugeben, ist die Menopause erreicht: der Zeitpunkt der letzten Regelblutung und damit das Ende der fruchtbaren Lebensphase. 

Die weiblichen Geschlechtshormone

Ă–strogene und Gestagene sind die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone. Genau genommen handelt es sich bei beiden um jeweils eine Gruppe verschiedener Hormone. Sie werden hauptsächlich in den Eierstöcken produziert und steuern gemeinsam den Menstruationszyklus. Ihre bekannteste Aufgabe: den Körper Monat fĂĽr Monat auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereiten. In den Eierstöcken reift dafĂĽr regelmäßig ein Eibläschen (Follikel) heran, das selbst ebenfalls Hormone produziert. Bleibt eine Befruchtung aus, setzt die Monatsblutung ein – und der Zyklus beginnt von vorn. 

Doch die Wirkung der sogenannten Sexualhormone reicht weit ĂĽber den Zyklus hinaus. Sie beeinflussen die Haut und Schleimhäute, die Knochen, die Muskeln, das Herz-Kreislauf-System und sogar das Gehirn, so zum Beispiel auch das sogenannte Thermozentrum im Zwischenhirn, das unsere Körpertemperatur steuert. 

Die vier Phasen der Wechseljahre 

Die Wechseljahre verlaufen in vier Phasen: 

  • Prämenopause: die Zeit vor der Menopause. Die Progesteronproduktion lässt nach, die Ă–strogenproduktion gerät ins Schwanken. Erste, noch subtile Veränderungen wie leicht unregelmäßige Monatsblutungen können auftauchen. 

  • Perimenopause: die eigentliche Ăśbergangsphase. Die Hormonproduktion geht deutlich zurĂĽck – das Gehirn versucht gegenzusteuern und schĂĽttet vermehrt FSH (follikel-stimulierendes Hormon) aus, um die Eierstöcke zur Ă–strogenproduktion anzuregen. Das fĂĽhrt zu starken Hormonschwankungen, die viele Frauen deutlich spĂĽren. Diese Phase kann zwei bis zehn Jahre dauern. 

  • Menopause: der Zeitpunkt der letzten Regelblutung, im Durchschnitt passiert das um das 50. Lebensjahr. 

  • Die Postmenopause: die Zeit danach, in der sich der Körper immer besser an den dauerhaft niedrigeren Hormonspiegel anpasst. Die meisten Beschwerden klingen ab, manche bleiben. 

Typische hormonell bedingte Wechseljahresbeschwerden  

Keine Frau erlebt die Wechseljahre gleich. Manche bemerken kaum etwas, andere sind ĂĽber Monate oder Jahre stark belastet. Viele der typischen Beschwerden lassen sich direkt auf den schwankenden bzw. sinkenden Hormonspiegel zurĂĽckfĂĽhren

Hitzewallungen und NachtschweiĂź

Sie sind das bekannteste und häufigste Zeichen der Wechseljahre – etwa ein Drittel aller Frauen kennt sie: plötzliche Hitzewellen, die vom Oberkörper aufsteigen, das Gesicht röten und von SchweiĂźausbrĂĽchen begleitet werden. Sie dauern im Schnitt rund drei Minuten. Die Häufigkeit, Dauer und Stärke können sich aber von Tag zu Tag ändern. 

Ausgelöst werden sie dadurch, dass der sinkende Ă–strogenspiegel das Temperaturzentrum im Gehirn (den Hypothalamus) aus dem Gleichgewicht bringt.  

Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt – wahrscheinlich reagiert dieses Zentrum in der Folge empfindlicher auf Temperaturschwankungen und gibt Signale zur Wärmeabgabe, obwohl eigentlich keine Überhitzung vorliegt.

Veränderungen der Vaginalschleimhaut

Wenn die Ă–strogenproduktion nachlässt, werden die vaginalen Schleimhäute dĂĽnner, trockener und empfindlicher. Das kann sich als Trockenheit, Juckreiz oder Schmerzen beim Sex äuĂźern. 

Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit

Die Wechseljahre können die Gefühlswelt durcheinanderwirbeln – und das hat auch hormonelle Gründe: Östrogen beeinflusst die Ausschüttung von Serotonin und anderen Botenstoffen im Gehirn. Wenn der Östrogenspiegel schwankt, schwankt oft auch die Stimmung.

Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit

Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren, dass sie vergesslicher werden oder sich schlechter konzentrieren können – oft als „Gehirnnebel“ (Brain Fog) bezeichnet. Ă–strogen hat Einfluss auf verschiedene Hirnfunktionen, darunter Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Sein RĂĽckgang kann daher direkt zu kognitiven Veränderungen beitragen. Hinzu kommt: Schlechter Schlaf – selbst häufig eine Folge des hormonellen Wandels – beeinträchtigt die Denkleistung zusätzlich.   

Die gute Nachricht: Bei den meisten Frauen klingen diese Beschwerden nach der Ăśbergangsphase von selbst wieder ab.

Knochenabbau (Osteoporose)

Östrogen schützt die Knochen: Es bremst den natürlichen Knochenabbau und fördert den Einbau von Kalzium. Sobald der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, verlieren die Knochen schneller an Dichte und das Risiko für Osteoporose steigt.

Schlafprobleme

Viele Frauen schlafen in den Wechseljahren schlechter. Dabei wirken Hormone auf zwei Wegen: Einerseits direkt durch die sinkende Produktion von Progesteron und damit auch seiner Wirkung auf das Nervensystem. Andererseits indirekt: Nächtliche Hitzewallungen und SchweiĂźausbrĂĽche wecken Dich auf oder erschweren das Einschlafen. 

Gewichtszunahme und veränderte Körperzusammensetzung

Viele Frauen bemerken, dass sich ihre Körperform verändert: Bauch, Taille und Hüften werden runder. Der Rückgang von Östrogen verändert den Fett- und Proteinstoffwechsel. Der Energieverbrauch geht zurück, Muskeln bauen sich schneller ab und das Fett verlagert sich.

Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden 

Bei den meisten Frauen sind Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen gut erträglich und klingen mit der Zeit von selbst ab. Sie können aber auch sehr stark sein und länger anhalten als beim Durchschnitt der Frauen. Dagegen gibt es inzwischen viele verschiedene Behandlungen. Gut untersucht ist die sogenannte Hormontherapie – meist in Form einer Einnahme von Ă–strogen- und/oder Gestagen-Präparaten. Sie sind in verschiedenen Formen erhältlich: als Tablette, Pflaster, Gel, Spray oder Vaginalcreme – je nach Beschwerdebild und persönlicher Präferenz. 

Gut zu wissen: FrĂĽher nahmen viele Frauen in den Wechseljahren Hormone ĂĽber Jahre hinweg. Der Gedanke klang einleuchtend: Man gibt dem Körper ja nur zurĂĽck, was ihm fehlt. Deshalb hieĂź die Behandlung lange „Hormonersatztherapie“. 

Heute weiĂź man: Ganz so einfach ist es nicht. Die Wechseljahre sind kein Mangelzustand, sondern eine natĂĽrliche Veränderung mit einem biologischen Sinn. Eine Hormontherapie ersetzt deshalb nichts, was fehlt – sie ist eine medizinische Behandlung, deren Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden sollten. Deshalb spricht man heute auch präziser von Hormontherapie. 

Nutzen einer Hormontherapie 

Mehrere groĂźe Studien zeigen, dass eine Hormontherapie die Lebensqualität von Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden verbessern kann: 

  • Hitzewallungen und SchweiĂźausbrĂĽche werden in Häufigkeit und Intensität deutlich reduziert – und damit oft auch die Schlafprobleme, die durch NachtschweiĂź entstehen.  

  • Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen können sich bessern. 

  • Vaginalschleimhaut und Sexualleben profitieren ebenfalls: Trockenheit und Schmerzen beim Sex lassen nach, was die Lebensqualität und das Wohlbefinden spĂĽrbar verbessern kann. 

  • Eine längerfristige Hormontherapie schĂĽtzt die Knochendichte und senkt das Risiko fĂĽr KnochenbrĂĽche – besonders relevant fĂĽr Frauen mit erhöhtem Osteoporoserisiko. 

  • Studien deuten darauf hin, dass eine Ă–strogen-Gestagen-Behandlung das Darmkrebsrisiko leicht senken kann. 

Risiken und Nebenwirkungen 

Wie jede medizinische Behandlung hat auch die Hormontherapie Risiken, ĂĽber die Du gut informiert sein solltest. 

Zu den kurzfristigen Nebenwirkungen gehören unregelmäßige Blutungen, besonders zu Beginn der Therapie, sowie SpannungsgefĂĽhle in der Brust.  

Bei den längerfristigen Risiken steht das Brustkrebsrisiko am häufigsten im Fokus: Eine kombinierte Ă–strogen-Gestagen-Therapie kann dieses leicht erhöhen. Ă–strogen allein erhöht das Brustkrebsrisiko nach aktuellem Forschungsstand nicht. DarĂĽber hinaus kann eine Hormontherapie das Risiko fĂĽr Blutgerinnsel und Schlaganfall leicht erhöhen.  

 Regelmäßige Kontrolltermine sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Empfohlen werden Untersuchungen alle sechs Monate – um die Wirkung zu beurteilen, die Dosierung anzupassen und mögliche Risiken frĂĽhzeitig zu erkennen. 

Gut informiert entscheiden 

Eine Hormontherapie ist keine Entscheidung, die man mal eben trifft – und sie ist nicht fĂĽr jede Frau geeignet. Bestimmte Vorerkrankungen, etwa hormonabhängige Tumore oder schwere Lebererkrankungen, können gegen eine MHT sprechen. Nimm Dir die Zeit, Nutzen und Risiken gemeinsam mit Deiner Ă„rztin oder Deinem Arzt in Ruhe abzuwägen, stelle Fragen und scheue Dich nicht, eine zweite Meinung einzuholen. 

Alternative Ansätze bei hormonell bedingten Wechseljahresbeschwerden 

Nicht jede Frau möchte oder kann eine Hormontherapie machen und vor allem sind die Beschwerden nicht immer so stark, dass sie nötig wäre. FĂĽr diese Fälle gibt es einige natĂĽrliche Ansätze, die helfen können. 

Pflanzliche Präparate

Wer es zunächst ohne Hormone versuchen möchte, hat einige pflanzliche Optionen zur Auswahl. Die Studienlage ist unterschiedlich, aber viele Frauen berichten von einer spĂĽrbaren Wirkung. Die am häufigsten eingesetzten im Ăśberblick: 

  • Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa): wird vor allem bei Hitzewallungen und Schleimhautbeschwerden eingesetzt, 

  • Frauenmantel und Salbei: werden häufig bei SchweiĂźausbrĂĽchen eingesetzt, 

  • Baldrian und Hopfen: haben eine beruhigende Wirkung und können das Einschlafen unterstĂĽtzen, 

  • Johanniskraut: kann Stimmungsschwankungen und leichte depressive Verstimmungen lindern, 

  • Mönchspfeffer: kann unregelmäßige Blutungen in der Perimenopause verringern, 

  • Soja-Isoflavone: können Häufigkeit und Stärke von Hitzewallungen verringern.  

Wichtig: Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind auch bei pflanzlichen Präparaten möglich. Sprich vor der Einnahme am besten mit Deiner Ă„rztin oder Deinem Arzt. 

Bewegung

Regelmäßige Bewegung in den Wechseljahren macht gleich auf mehreren Ebenen einen Unterschied. Beim Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Tanzen schĂĽttet der Körper Endorphine und Serotonin aus, was die Stimmung hebt. Krafttraining hilft, Muskeln zu erhalten, die in den Wechseljahren schneller abgebaut werden, und stärkt gleichzeitig die Knochen. Beides zusammen ist daher ideal – und wer dabei noch SpaĂź hat, umso besser. 

Ernährung

Unsere Ernährung kann den schwindenden Hormonspiegel zwar nicht ersetzen, aber sie kann den Körper in dieser Phase gut unterstĂĽtzen. Bestimmte Lebensmittel – vor allem Sojaprodukte, Leinsamen und HĂĽlsenfrĂĽchte – enthalten sogenannte Phytoöstrogene: pflanzliche Verbindungen, die eine schwache östrogenähnliche Wirkung haben können. Wie stark das spĂĽrbar ist, ist individuell verschieden und wissenschaftlich noch nicht abschlieĂźend geklärt. 

Generell tut eine ausgewogene Ernährung in den Wechseljahren besonders gut: Gemüse, Vollkornprodukte und kalziumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, grünes Blattgemüse und Nüsse helfen, Knochen und Muskeln zu stärken – beides ist durch den sinkenden Hormonspiegel stärker gefordert. Weniger Koffein, Alkohol und stark gewürzte Speisen kann bei manchen Frauen zusätzlich Hitzewallungen abschwächen. Hier gilt: einfach ausprobieren, was Dir persönlich guttut.

Schlaf und Stressmanagement

Gut schlafen, wenn die Hormone es einem schwer machen – das klingt leichter gesagt als getan. Und ja: Wenn nächtliche Hitzewallungen immer wieder fĂĽr Unterbrechungen sorgen, helfen keine Schlaftipps der Welt wirklich weiter, solange die Ursache nicht adressiert ist. Deshalb ist es wichtig, zuerst zu schauen, ob die Beschwerden selbst behandelt werden sollten – etwa mit einer Hormontherapie oder pflanzlichen Präparaten. FĂĽr alle, deren Schlafprobleme milder sind oder die ergänzend etwas tun möchten: Feste Schlafzeiten, ein kĂĽhles Schlafzimmer und Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, den Alltagsstress zu senken – und damit indirekt auch das Stresshormonsystem zu entlasten, das in den Wechseljahren ohnehin stärker beansprucht wird. 

Gesprächstherapie und kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Wenn Stimmungstiefs oder Ă„ngste den Alltag belasten, kann eine psychotherapeutische Begleitung sehr hilfreich sein. Kognitive Verhaltenstherapie hat sich in Studien als wirksam erwiesen, interessanterweise sogar bei Hitzewallungen: Sie hilft, die Wahrnehmung und Reaktion auf die Symptome zu verändern, sodass sie als weniger belastend empfunden werden. 

Fazit: Du musst das nicht einfach durchstehen 

Die Wechseljahre sind eine Lebensphase, keine Dauerkrise. Ja, der sinkende Ă–strogen- und Progesteronspiegel kann vieles durcheinanderbringen – Schlaf, Stimmung, Knochen, Stoffwechsel. Aber es gibt heute mehr Möglichkeiten denn je, diesen Prozess aktiv zu begleiten: von der Hormontherapie ĂĽber pflanzliche Präparate bis hin zu gezielten Lebensstiländerungen. 

Das Wichtigste: Du musst nicht einfach stillhalten und warten, bis es vorbeigeht. Wenn Beschwerden Deinen Alltag belasten, ist das ein guter Grund, das Gespräch mit einer Ă„rztin oder einem Arzt zu suchen. Gemeinsam lässt sich herausfinden, welcher Ansatz am besten zu Dir, Deiner Gesundheitsgeschichte und Deinen BedĂĽrfnissen passt. Denn das ist sicher: Diese Phase geht vorbei – und mit der richtigen UnterstĂĽtzung lässt sie sich gut meistern. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ă„rztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung. 

Quellen

Internetquellen

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Printquellen

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