Herzrasen in den Wechseljahren

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Lesedauer 7 Min.
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9.10.2026

Du sitzt entspannt auf dem Sofa und plötzlich klopft Dein Herz wie wild, als wärst Du gerade einen Berg hochgerannt. Kein Sport, kein Schreck, einfach so. Tritt Herzrasen zum ersten Mal auf, ist das für die meisten Frauen sehr beängstigend. Dabei muss es keineswegs bedeuten, dass etwas Ernstes vorliegt. Möglicher Auslöser ist schlicht, dass der Hormonhaushalt gerade etwas verrücktspielt.
Warum das Herz schneller schlägt
Klären wir zunächst ein paar medizinische Begriffe, damit Du weißt, wovon eigentlich die Rede ist, wenn sie, zum Beispiel in der Arztpraxis, zur Sprache kommen:
Herzrasen (Tachykardie): Der Puls in Ruhe (also ohne körperliche Anstrengung) liegt anfallsartig oder dauerhaft über 100 Schläge pro Minute. Zum Vergleich: Als normal gilt ein Ruhepuls von etwa 60 bis 90 Schlägen pro Minute.
Herzstolpern (Palpitationen bzw. Extrasystolen): Du spürst einzelne „Aussetzer“ oder im Gegenteil zusätzliche Herzschläge, als sei der Rhythmus kurz aus dem Takt geraten.
Warum Herzrasen und Herzstolpern in den Wechseljahren gehäuft auftreten können, ist wissenschaftlich nicht vollständig erforscht. Vermutet werden direkte und indirekte Zusammenhänge mit den hormonellen Veränderungen dieser Lebensphase.
Sinkender Östrogenspiegel
Östrogen ist weit mehr als nur ein “Fortpflanzungshormon”. Es beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper, unter anderem auch die Funktion des Herzens. So wirkt sich Östrogen zum Beispiel darauf aus, wie viel Kalzium in die Zellen des Herzmuskels gelangt. Kalzium wiederum ist ein wichtiger Mineralstoff für den Herzschlag: Er ist daran beteiligt, dass sich der Herzmuskel zusammenzieht und dass das Herz seinen gleichmäßigen Rhythmus hält.
Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, kann sich dieses fein abgestimmte Zusammenspiel verändern – eine mögliche Erklärung dafür, warum viele Frauen in den Wechseljahren vermehrt Herzrasen oder Herzstolpern bemerken.
Hitzewallungen
Hitzewallungen gehören zu den bekanntesten Wechseljahresbeschwerden. Man geht davon aus, dass der sinkende Östrogenspiegel das Temperaturzentrum im Gehirn – den Hypothalamus – aus dem Gleichgewicht bringt: Es reagiert dann empfindlicher auf kleinste Temperaturschwankungen und löst Wärmeabgabe aus, obwohl der Körper gar nicht überhitzt ist. Dabei weiten sich die Blutgefäße, und der Puls steigt kurzfristig an – das Herz beginnt zu pochen.
Weitere mögliche Auslöser
Koffein, Alkohol und Nikotin
Schlafmangel und Schlafstörungen
wenig Bewegung oder umgekehrt plötzliche Anstrengung
bestimmte Medikamente
seltener: eine Schilddrüsenüberfunktion, Eisenmangel, Fieber oder tatsächliche Herzrhythmusstörungen
Herzrasen in den Wechseljahren: Harmlos oder ein Warnsignal?
Befindest Du Dich gerade in Deiner Lebensmitte, ist es sehr gut möglich, dass das Herzrasen zeigt: Der Körper stellt sich gerade hormonell um. Aber gib Dich bitte nicht vorschnell mit dieser Erklärung zufrieden! Denn tatsächlich erhöht sich in den Wechseljahren das allgemeine Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil der schützende Effekt des Östrogens auf Gefäße und Herz nachlässt. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein gutes Argument dafür, nicht einfach abzuwarten. Lass das Herzrasen ärztlich abklären. Das gibt Dir Sicherheit und schützt Dich gleichzeitig davor, eine ernsthaftere Ursache zu übersehen.
Wichtig: Ein Arztbesuch ist spätestens fällig, wenn:
der Ruhepuls wiederholt oder dauerhaft über 100 Schlägen pro Minute liegt,
Brustschmerzen, spürbare Atemnot, starker Schwindel oder gar eine Ohnmacht zum Herzrasen hinzukommen,
die Anfälle häufiger, länger und/oder intensiver auftreten,
Du einen unregelmäßigen Puls über längere Zeit kontinuierlich bemerkst, also nicht nur einzelne „Stolperer“,
in Deiner Familie schon Herzerkrankungen aufgetreten sind oder Du selbst eine Vorerkrankung des Herzens hast.
Meist reichen ein Gespräch, ein EKG (das die elektrische Aktivität Deines Herzens aufzeichnet), eventuell ein Langzeit-EKG über 24 Stunden sowie ein paar Blutwerte, um harmlose von behandlungsbedürftigen Ursachen zu unterscheiden.
Gut zu wissen: Was ist „Herzangst“?
Ob Verliebtheit, Lampenfieber oder Angst: Emotionen können unser Herz aus dem Takt bringen. Normalerweise beruhigt sich das Herz von selbst, wenn die Situation vorbei ist oder sich abschwächt. Angst jedoch kann zu einem unguten Teufelskreis führen: Die Betroffenen deuten das Herzrasen oder -stolpern als gefährliche Erkrankung (zum Beispiel als drohenden Infarkt), was die Angst weiter verstärkt und den Puls noch weiter nach oben treibt. In schweren Fällen kann so eine behandlungsbedürftige Herzneurose („Herzangst“) entstehen. Kennst Du diese Angst? Dann lass Dein Herz möglichst rasch untersuchen! Die (in den meisten Fällen entlastende) Diagnose gibt Dir Sicherheit.
Was hilft? Tipps zur Linderung und Prävention
Wenn keine behandlungsbedürftige Erkrankung diagnostiziert wurde, kannst Du versuchen, Dein Herz mit einigen Maßnahmen zu besänftigen. Wichtig ist dabei, geduldig zu sein und genau hinzuspüren, was bei Dir persönlich wirkt.
Entdecke mögliche Trigger.
Mach Dir ein paar Wochen lang Notizen: Wann tritt das Herzrasen auf, was hast Du kurz vorher gegessen, getrunken oder erlebt? Vielleicht erkennst Du dann ein Muster: Ist es die zweite Tasse Kaffee am Morgen? Das scharfe Essen? Oder eine bestimmte Stresssituation im Alltag?Behalte Koffein, Alkohol und Nikotin im Blick.
Alle drei können den Sympathikus, also den „Gaspedal“-Teil Deines Nervensystems, anregen und so den Puls beschleunigen. Das heißt nicht, dass Du ab sofort auf „Entzug“ gehen musst, aber ein bewussterer Umgang tut Dir gut.Hilf Deinem Nervensystem, ruhig zu werden.
Langsame, tiefe Bauchatmung (zum Beispiel 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen), Meditation, Yoga oder bewusste Pausen im Alltag können helfen, Dein Nervensystem zu beruhigen.Achte auf Deinen Mineralstoffhaushalt.
Magnesium und Kalium sind wichtige Mineralstoffe für den Körper, besonders für das Herz. Ein Mangel, der länger unbemerkt bleibt, kann sich auf den Herzrhythmus auswirken. Gute Magnesium-Quellen sind Walnüsse, Mandeln, Vollkornprodukte und Naturreis. Viel Kalium liefern Bananen, Kartoffeln oder Trockenobst. Ob eine gezielte Nahrungsergänzung für Dich persönlich sinnvoll ist, lässt sich am zuverlässigsten anhand eines Bluttests und im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt klären.Informiere Dich über eine Hormontherapie.
Da der Östrogenrückgang jetzt eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden spielt, kann für Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden eine Hormontherapie (HT) eine Option sein. Die Studienlage zu den Effekten in Bezug auf Herzrasen ist nicht einheitlich, und ob eine HT für Dich infrage kommt, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Dieses wichtige Thema, wägst Du am besten gemeinsam mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt ab.Lerne die pflanzlichen Helfer fürs Herz kennen.
Weißdorn, Melisse und Passionsblume werden traditionell bei nervös bedingter Unruhe des Herzens und Herzklopfen eingesetzt. Wissenschaftlich belegt ist die Wirkung gegen Herzrasen in den Wechseljahren bisher nicht, doch einen Versuch ist es allemal wert – schon allein das entschleunigende Ritual kann guttun: Wie wäre es, den Tag künftig statt beim Feierabendbier bei einer Tasse warmem Kräutertee ausklingen zu lassen?
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Internet
Internet
Deutsche Herzstiftung. (o.D.). Das Herz und die Hormone. Abgerufen am 26. August, von https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/das-herz/herz-hormone-zusammenspiel
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Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2020). S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen (AWMF-Register-Nr.: 015-062). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-062
Simpson, E. R. (2003). Sources of estrogen and their importance. J Steroid Biochem Mol Biol. 86(3-5). https://doi.org/10.1016/s0960-0760(03)00360-1