Harnwegsinfekt
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27.2.2026
Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, das Gefühl, die Blase nicht ganz entleeren zu können – das sind typische erste Anzeichen eines Harnwegsinfekts (kurz HWI), also einer Entzündung der Harnwege. In den meisten Fällen wird diese Erkrankung durch Bakterien verursacht. Fast jede zweite Frau macht im Laufe ihres Lebens mindestens einmal einen Harnwegsinfekt durch. Männer sind seltener betroffen.
Was ist eine Harnwegsinfektion?
Als Harnwege werden die Organe und anatomischen Strukturen bezeichnet, die an der Produktion und dem Transport von Harn (Urin) beteiligt sind. Betroffen von Harnwegsinfekten sind meist die unteren Harnwege – Blase (Zystitis) und Harnröhre (Urethritis).
Entzündungen der oberen Harnwege (Nieren, Nierenbecken, Harnleiter) sind seltener und oft schwerwiegender. Dazu zählt die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigste Ursache für einen Harnwegsinfekt sind Bakterien aus dem eigenen Darm, allen voran die sogenannten Escherichia coli (E. coli). Sie können von außen in die Harnröhre gelangen, von dort in die Blase und im ungünstigsten Fall bis in das Nierenbecken aufsteigen.
Einige Faktoren können den Krankheitserregern diesen Weg erleichtern. Dazu zählen unter anderem:
- weibliche Anatomie
Bei Frauen ist die Harnröhre kürzer als bei Männern und der Harnröhrenausgang liegt näher am After. Dadurch haben Bakterien es leichter, in die Blase aufzusteigen. - Sex
Beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Harnröhre verschleppt werden – unabhängig davon, ob verhütet wird oder nicht. - Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist der Urin weniger konzentriert und enthält damit auch weniger natürliche Abwehrstoffe gegen Bakterien. Gleichzeitig sind die Muskeln der Harnröhrenwand etwas entspannter, sodass Keime leichter nach oben in die Harnwege gelangen. Zusätzlich übt die wachsende Gebärmutter Druck auf die Harnwege aus und kann den Urinabfluss verzögern – perfekte Bedingungen für Bakterien. - Prostatavergrößerung
Eine vergrößerte Prostata kann auf Blase und Harnröhre drücken und somit das Verbleiben von Restharn begünstigen. - gestörte Vaginalflora
Stress, die Einnahme von Antibiotika, hormonelle Veränderungen (z.B. in den Wechseljahren) oder übermäßige Intimhygiene können die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen. - Spermizide und Diaphragmen
Spermienabtötende Verhütungsmittel und Diaphragmen können das Risiko für Harnwegsinfekte erhöhen. - Katheter oder Blasensonden
Fremdkörper in der Blase bieten eine Eintrittspforte für Keime. - Vorerkrankungen
Anatomische Besonderheiten im Harnwegsbereich, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose oder urologische Erkrankungen können das Entstehen von Harnwegsinfekten begünstigen.
Blasenentzündung durch Kälte?
Viele kennen den Spruch der Großmutter: „Setz dich nicht auf kalte Steine, sonst bekommst Du eine Blasenentzündung!“ Ganz falsch ist das nicht – aber auch nicht die ganze Wahrheit. Eine Blasenentzündung entsteht durch Bakterien, nicht durch Kälte allein. Allerdings kann Kälte die Durchblutung im Beckenbereich verschlechtern und damit die körpereigene Abwehr gegen Keime schwächen. Also lieber nicht lange in nasser Badekleidung herumsitzen und sich im Winter warmhalten!
Typische Symptome
Ein Harnwegsinfekt macht sich meist recht schnell und deutlich bemerkbar. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen,
- häufiger Harndrang, auch bei kleiner Urinmenge,
- das Gefühl, den Harn nicht halten zu können,
- Unterleibsschmerzen oder Druckgefühl über der Blase,
- trüber oder unangenehm riechender Urin,
- Blut im Urin.
Bei einer Nierenbeckenentzündung treten meist zusätzliche Symptome auf:
- Fieber und Schüttelfrost,
- Schmerzen im Rücken oder in den Flanken,
- allgemeines, oft schweres Krankheitsgefühl.
Wann solltest Du mit einer Harnwegsinfektion zum Arzt?
Auch wenn viele Harnwegsinfekte unkompliziert verlaufen, gibt es Situationen, in denen ein ärztlicher Besuch wichtig ist. Dazu zählen:
- Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung,
- Blut im Urin,
- Beschwerden, die über mehrere Tage anhalten,
- wiederkehrende Infekte, d.h. mehr als drei Blasenentzündungen im Jahr.
Schwangere, Männer, Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, bereits geschädigten Nieren oder anatomischen Besonderheiten der Harnwege sollten die Beschwerden grundsätzlich ärztlich abklären lassen. Bei ihnen ist das Risiko für Komplikationen erhöht – man spricht deshalb auch von einer komplizierten Harnwegsinfektion.
Diagnose
Meist genügt schon ein kurzes Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, in dem Du Deine Beschwerden schilderst. Eine Urinprobe liefert in der Regel schnell die Antwort, ob es sich um eine Blasenentzündung handelt und ob Bakterien im Spiel sind.
Bei komplizierten oder häufig wiederkehrenden Infekten können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein – zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), um die Nieren und Blase genauer zu beurteilen. In seltenen Fällen wird auch eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) durchgeführt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen.
Gut zu wissen: Für die erste Orientierung zu Hause gibt es Urin-Kontrolltests: So kannst Du selbst prüfen, ob Anzeichen einer Harnwegsentzündung vorliegen, und frühzeitig reagieren.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung hängt davon ab, wie stark die Symptome sind. Wenn Du lediglich ein leichtes Brennen beim Wasserlassen verspürt und dadurch im Alltag kaum einschränkt bist, kannst Du die Blasenentzündung meist mit Hausmitteln zu Hause auskurieren:
- ausreichend trinken
Wer viel trinkt (ca. 1,5–2 Liter täglich), spült die Harnwege regelmäßig durch und schwemmt die Bakterien schneller aus. - spezielle Blasen- und Nierentees
Tees mit Kräutern wie Goldrutenkraut, Brennnessel, Birken- oder Bärentraubenblätter wirken sanft harntreibend und können die Blase bei ihrer Reinigungsarbeit unterstützen.
Hinweis: Bärentraubenblätter sollten während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden, da hierzu noch keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen. - Wärme
Eine Wärmflasche auf dem Unterbauch oder ein warmes Bad können angenehm sein, die Muskulatur entspannen und Schmerzen lindern. - Schmerzmittel
Bei stärkeren Beschwerden können Schmerzmittel (z.B. Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol) und krampflösende Präparate (z. B. mit Butylscopolamin) die Beschwerden erleichtern und helfen, die verkrampfte Blase zu entspannen. Diese Präparate sind apotheken-, aber nicht rezeptpflichtig.
Verschlimmern sich die Beschwerden und Schmerzen oder klingen sie nach einigen Tagen nicht ab, solltest Du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Dann können Antibiotika notwendig sein, um die Bakterien gezielt zu beseitigen.
Harnwegsinfekten vorbeugen
Ein Patentrezept gegen Blasenentzündungen gibt es leider nicht. Aber wer im Alltag einige Dinge beachtet, kann das Risiko im besten Fall verringern.
- Genug trinken: etwa 1,5–2 Liter Flüssigkeit täglich, um die Harnwege gut durchzuspülen.
- Nach dem Sex zur Toilette gehen: So können eingedrungene Bakterien schneller ausgespült werden.
- Sanfte Intimhygiene: Warmes Wasser reicht meist völlig aus. Auf Intimsprays oder aggressive Seifen sollte verzichtet werden. Falls nötig, besser spezielle, milde Intimwaschlotionen verwenden.
- Baumwollunterwäsche und trockene Kleidung: Baumwolle lässt die Haut atmen, nasse Badekleidung solltest Du zügig wechseln.
- Verhütung überdenken: Manche Verhütungsmittel wie Diaphragmen oder spermienabtötende Mittel können Blasenentzündungen begünstigen. Eine Alternative kann z. B. das Kondom sein.
- Cranberry-Produkte: Cranberrys enthalten sekundäre Pflanzenstoffe (Proanthocyanidine), die verhindern können, dass sich Bakterien an der Blasenwand festsetzen. Studien zeigen, dass Frauen, die regelmäßig Cranberry-Präparate einnehmen, etwas seltener an unkomplizierten Blasenentzündungen erkranken. Wichtig: Der Effekt besteht nur, solange die Präparate eingenommen werden.
- D-Mannose: Dabei handelt es sich um einen natürlichen Einfachzucker, der unverändert über die Nieren ausgeschieden wird. Dort kann er – so die Annahme – bestimmte E.-coli-Bakterien binden, sodass diese sich nicht an der Blasenschleimhaut festsetzen können. Viele Frauen nutzen D-Mannose deshalb vorbeugend oder begleitend bei Blasenentzündungen. Die Studienlage ist jedoch noch uneinheitlich.
- Immunprophylaxe: Wenn Blasenentzündungen immer wieder auftreten, kann auch eine Immunprophylaxe in Betracht gezogen werden. Dabei wird das Immunsystem gezielt trainiert, damit es schneller und besser auf die typischen Erreger reagieren kann. Möglich ist das zum Beispiel durch orale Immunstimulation (Tabletten/Kapseln) oder durch eine Impfung (StroVac®). Ob diese Methode für Dich geeignet ist, solltest Du mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
- Hormontherapie: Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen in den Wechseljahren kann eine lokale Hormontherapie helfen. Wenn Du betroffen bist, sprichst Du am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt darüber.
Tipp: Dein Immunsystem freut sich grundsätzlich über ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, weniger Stress, eine abwechslungsreiche Ernährung mit vielen Nährstoffen und eventuell über Unterstützung mit Vitaminen, Mineral- und sekundären Pflanzenstoffen.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- Benseler A, Anglim B, Zhao ZY et al. Antibiotic prophylaxis for urodynamic testing in women: a systematic review. Int Urogynecol J 2021; 32(1): 27-38. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32845398/
- Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). (2024). S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI) (AWMF-Registernr. 053-001.) AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-044
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2022.) Blasenentzündung: Helfen pflanzliche Mittel bei wiederkehrender Blasenentzündung? HTA-Bericht. https://www.iqwig.de/sich-einbringen/themencheck-medizin/berichte/ht20-01.html