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Hormonfreie Verhütung

dm-drogerie markt

Lesedauer 7 Min.

16.1.2026

Immer mehr Frauen wünschen sich eine Verhütung ohne Hormone. Zum Glück gibt es heute zahlreiche hormonfreie Methoden, die bei richtiger Anwendung auch sehr zuverlässig sein können. Welche Methode für Dich die richtige ist, hängt ganz von Deinen persönlichen Bedürfnissen und Deinem Lebensstil ab.

Warum hormonfreie Verhütung?

Hormonelle Verhütungsmittel wie Pille, Hormonspirale oder Vaginalring gelten als sehr zuverlässig – sie können aber Nebenwirkungen haben wie zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen oder Veränderungen der Libido. Diese Nebenwirkungen sind ein Hauptgrund, warum viele Frauen ihren Körper nicht dauerhaft hormonell beeinflussen möchten, sondern eine natürliche und nachhaltige Alternative suchen.

Weitere mögliche Gründe für hormonfreie Verhütung sind:

  • Wunsch nach einem natürlichen Zyklus ohne Eingriffe,
  • Nachhaltigkeit (keine hormonellen Rückstände im Abwasser),
  • Verträglichkeit – besonders bei bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen,
  • bewussteres Erleben des eigenen Körpers und Zyklus.

Hormonfreie Verhütungsmethoden: eine Übersicht

Es gibt verschiedene hormonfreie Möglichkeiten, eine Schwangerschaft zu verhindern – von natürlichen bis mechanischen Methoden.  

Natürliche Verhütungsmethoden  

Natürliche Verhütungsmethoden basieren auf der Beobachtung körperlicher Signale, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus zu erkennen. Zu den wichtigsten Methoden gehören:

  • Körpertemperatur (Basaltemperaturmethode): 
    Die Temperatur wird täglich zur gleichen Zeit (am besten direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen) mit einem Thermometer gemessen. Steigt die Temperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen um mindestens 0,2 °C im Vergleich zu den sechs vorherigen Messungen, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit der Eisprung stattgefunden. Die unfruchtbare Phase beginnt dann am Abend des dritten höheren Messwerts.
  • Zervixschleim (Billings-Methode): 
    Der Zervixschleim verändert sich im Verlauf des Zyklus deutlich. Um anhand des Schleims die Fruchtbarkeit zu bestimmen, entnimmst Du ihn am besten direkt am Muttermund mit zwei Fingern und überprüfst seine Konsistenz und Spinnbarkeit: Kurz nach der Regelblutung ist er meist zäh oder kaum vorhanden. Je näher der Eisprung rückt, desto klarer, dehnbarer und flüssiger wird der Schleim. Diese Veränderung zeigt die fruchtbaren Tage an. Nach dem Eisprung wird der Schleim wieder dickflüssiger und trüber.
  • Veränderungen des Muttermunds: 
    Auch der Muttermund, das untere Ende des Gebärmutterhalses, verändert seine Lage und Beschaffenheit im Laufe des Zyklus. Während der unfruchtbaren Phase ist er eher fest, geschlossen und liegt weiter unten. In der fruchtbaren Zeit wird er weicher, öffnet sich leicht und steht höher im Vaginalkanal. Der Muttermund kann mit dem Finger in der Vagina ertastet werden.

Einzeln betrachtet sind diese Anzeichen oft nicht eindeutig, daher kombiniert die sogenannte symptothermale Methode mehrere Messungen – in der Regel die der Basaltemperatur und des Zervixschleims, gegebenenfalls ergänzt durch die Beobachtung des Muttermunds. So lässt sich der Eisprung präziser bestimmen und die Sicherheit der Methode deutlich erhöhen. Richtig angewendet kann die symptothermale Methode eine hohe Zuverlässigkeit erreichen. Sie erfordert aber Geduld, Disziplin und ein gutes Verständnis für den eigenen Zyklus.

Tipp: Apps, Basalthermometer oder Zykluscomputer können helfen, Temperaturveränderungen und Eisprung zuverlässig zu bestimmen.  

Barriere-Methoden

Barriere-Methoden verhindern, dass Spermien in die Eileiter gelangen und dort eine Eizelle befruchten. Sie sind sofort wirksam, beeinträchtigen den Zyklus nicht und können bei korrekter Anwendung eine hohe Sicherheit bieten.

Zu diesen Methoden zählen:

  • Kondom: Das Kondom ist die bekannteste Form der Barriere-Verhütung. Es wird vor dem Geschlechtsverkehr über den steifen Penis gerollt. Nach dem Orgasmus sammelt sich das Sperma in der Spitze des Kondoms. Kondome schützen nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten (STI). Bei richtiger Anwendung gelten sie als sehr zuverlässig.
  • Frauenkondom (Femidom): Das Frauenkondom ähnelt dem Männerkondom, ist jedoch weiter und an der Öffnung durch einen dünnen, flexiblen Kunststoffring verstärkt. Es wird vor dem Sex in die Vagina eingeführt und dort fixiert. Das Femidom schützt bei richtiger Anwendung ebenso zuverlässig vor Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten wie das Männerkondom.
  • Diaphragma und Portiokappe: Diese biegsamen Silikonkappen werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt und über den Muttermund gesetzt. Für zuverlässigen Schutz werden sie immer zusammen mit einem spermienhemmenden Verhütungsgel verwendet.

Kupfer-Methoden

Kupfer wirkt spermienhemmend und verhindert die Befruchtung. Die Kupferspirale, Kupferkette und der Kupferball werden von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen in die Gebärmutter eingesetzt, wo sie kontinuierlich Kupferionen freigeben und auf diese Weise eine Schwangerschaft verhindern. Alle drei Methoden bieten langfristigen Schutz – je nach Modell 3 bis 10 Jahre. Da keine Hormone abgegeben werden, bleibt der Zyklus natürlich erhalten

Chemische Verhütungsmittel

Spermizide (z. B. in Form von Cremes, Gels oder Zäpfchen) enthalten Stoffe, die Spermien unbeweglich machen oder vernichten. Allein angewendet gelten sie als sehr unsicher. Daher wird empfohlen, sie nur in Kombination mit Barriere-Methoden wie dem Diaphragma zu verwenden.

Operative Methoden

Für Paare, die ihre Familienplanung abgeschlossen haben, kommt auch eine Sterilisation infrage.

  • bei Frauen: Durchtrennung, Blockierung oder Verschluss der Eileiter (Tubenligatur)
  • bei Männern: Durchtrennung der Samenleiter (Vasektomie)

Beide Eingriffe werden unter ärztlicher Beratung sorgfältig abgewogen und gelten als sehr sicher. Sie sind als dauerhafte Lösung gedacht. Die Entscheidung zur Sterilisation sollte daher gut überlegt und die Familienplanung abgeschlossen sein. Zwar ist es in vielen Fällen möglich, die Eileiter oder Samenleiter wieder zu verbinden, jedoch garantiert dieser Eingriff keine erneute Fruchtbarkeit. Zudem ist die sogenannte Refertilisierung mit erheblichem medizinischem Aufwand und hohen Kosten verbunden. 

Vor- und Nachteile auf einen Blick

MethodeVorteileNachteile
Natürliche Verhütung kostenlos (bis auf Hilfsmittel), fördert das Körperbewusstsein, nachhaltig, auch bei Kinderwunsch praktisch erfordert Disziplin, Wissen und Geduld, schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten (STI)
Kondom / Femidomschützt auch vor STI, kann schnell besorgt und direkt verwendet werden, auch der Mann übernimmt Verantwortung (Kondom) kann reißen oder verrutschen, Empfindung kann vermindert sein 
Diaphragma / Portiokappe wiederverwendbarAnwendung erfordert Übung, geringere Sicherheit bei falscher Handhabung, schützt nicht vor STI
Kupferspirale / -kette langfristig wirksam, hohe Sicherheit, keine tägliche Anwendung nötigkann Blutungen verstärken, erfordert ärztlichen Eingriff, schützt nicht vor STI
Spermizideeinfache Anwendung, lokal begrenztbei alleiniger Anwendung geringe Sicherheit, weiteres Verhütungsmittel empfohlen, mögliche Reizungen, können das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen, schützen nicht vor STI
Sterilisationdauerhaft, sehr zuverlässigoperativer Eingriff, kann nicht immer rückgängig gemacht werden, schützt nicht vor STI

Wie findest Du die richtige Methode?

Welche Methode am besten passt, hängt von Lebenssituation, Zyklus und persönlichen Vorlieben ab. 
Falls Du noch auf der Suche nach der für Dich richtigen Methode bist, können Dir folgende Fragen helfen, Deine Wahl zu treffen:

  • Möchte ich eine natürliche oder eine technische Methode?
  • Wie viel Aufwand und Kontrolle bin ich bereit, täglich oder regelmäßig zu übernehmen?
  • Brauche ich auch Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten?
  • Plane ich eine Schwangerschaft in naher Zukunft oder suche ich eine langfristige Lösung?

Auch eine ärztliche Beratung kann Dich bei Deiner Entscheidung unterstützen. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2024). Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung (S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015-095). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-095
  • World Health Organization (WHO) & Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Center for Communication Programs (CCP). (2018). Family planning: A global handbook for providers (3. Aufl.). WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9780999203705