RSV bei Babys & Kindern: Was Eltern wissen sollten
Lesedauer 5 Min.
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6.2.2026
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Gerade in den Wintermonaten häufen sich die Atemwegsinfekte bei Kindern. Neben der klassischen Erkältung sorgt besonders ein Erreger immer wieder für Verunsicherung bei Eltern: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Was genau hinter diesem Virus steckt, wie es sich äußert und wann eine ärztliche Behandlung notwendig wird, erklären Dir Nibras und Florian von Hand, Fuss, Mund in diesem Artikel.
Was ist RSV?
Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, ist ein weit verbreiteter Erreger, der die Atemwege befällt. Es ist weltweit einer der häufigsten Auslöser von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. Tatsächlich haben nahezu alle Kinder bis zum zweiten Lebensjahr mindestens einmal eine RSV-Infektion durchgemacht.
Das Virus beginnt oft wie ein Infekt der oberen Atemwege, kann – insbesondere bei Säuglingen – auf die unteren Atemwege übergreifen und kann zu einer Entzündung der kleinen Bronchien (Bronchiolitis) oder zu einer Lungenentzündung führen. Besonders gefährlich ist RSV für Säuglinge in den ersten Lebensmonaten, Frühgeborene und Kinder mit Vorerkrankungen wie Herzfehlern oder chronischen Lungenerkrankungen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen verläuft eine RSV-Infektion meist milder, ähnlich einer normalen Erkältung.
Wie stecken sich Babys und Kinder mit RSV an?
RSV ist hochansteckend und verbreitet sich vor allem in den Herbst- und Wintermonaten, typischerweise zwischen November und März. Die Übertragung erfolgt auf zwei Hauptwegen:
Tröpfcheninfektion: Wenn eine infizierte Person hustet, niest oder spricht, werden winzige virushaltige Tröpfchen in die Luft freigesetzt. Andere Personen in der Nähe können diese Tröpfchen einatmen und sich so anstecken.
Schmierinfektion über Oberflächen: Das Virus kann auf Oberflächen wie Türklinken, Spielzeug oder Handtüchern mehrere Stunden überleben. Fasst ein Kind eine kontaminierte Oberfläche an und berührt danach sein Gesicht, kann es sich anstecken.
Besonders in Kitas, Kindergärten und anderen Gemeinschaftseinrichtungen verbreitet sich RSV daher sehr schnell. Auch ältere Geschwisterkinder, die das Virus aus der Kita mitbringen, stecken häufig ihre jüngeren Geschwister an.
Wie erkennt man RSV? – Symptome und Krankheitsverlauf
Die Symptome einer RSV-Infektion können sehr unterschiedlich ausfallen und hängen stark vom Alter des Kindes und seinem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Leichter Verlauf
Leichter Verlauf
Bei vielen Kindern verläuft eine RSV-Infektion ähnlich wie eine gewöhnliche Erkältung. Typische Symptome sind:
Schnupfen und verstopfte Nase
Leichter Husten
Halsschmerzen
Leichtes Fieber oder erhöhte Temperatur
Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein
In diesen Fällen klingt die Erkrankung meist nach einer Woche wieder ab, und das Kind erholt sich vollständig.
Schwerer Verlauf
Schwerer Verlauf
Bei Säuglingen und Risikokindern kann RSV jedoch zu einer schweren Atemwegsinfektion führen. Warnsignale für einen schweren Verlauf sind:
Schnelle, flache Atmung oder Atemnot
Einziehungen der Haut zwischen den Rippen oder am Hals beim Atmen
Pfeifendes Atemgeräusch (Giemen) oder brummendes Ausatmen
Bläuliche Verfärbung der Lippen oder der Haut
Starke Trinkschwäche oder Nahrungsverweigerung
Ausgeprägte Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit
Atempausen bei Säuglingen
Besonderheiten bei Säuglingen: Gerade bei Säuglingen unter sechs Monaten können die Symptome anfangs sehr unspezifisch sein. Manchmal zeigt sich zunächst nur eine Trinkschwäche oder vermehrte Müdigkeit, bevor die typischen Atemwegssymptome auftreten.
Behandlungsmöglichkeiten bei RSV: Wann zum Arzt?
In den meisten Fällen ist bei einer RSV-Infektion keine spezielle Behandlung notwendig. Es gibt keine routinemäßig empfohlene antivirale Therapie gegen RSV. Die Therapie konzentriert sich daher darauf, die Symptome zu lindern und den Körper des Kindes bei der Heilung zu unterstützen.
Hausmittel und unterstützende Maßnahmen
Hausmittel und unterstützende Maßnahmen
Ausreichend Flüssigkeit: Achtet darauf, dass Euer Kind genug trinkt. Bei Säuglingen bedeutet das häufiges Stillen oder Fläschchen geben, eventuell in kleineren Portionen.
Nasentropfen: Kochsalznasentropfen können helfen, die Nase freizuhalten und das Atmen zu erleichtern.
Erhöhte Kopflage: Das Baby sollte weiterhin in Rückenlage schlafen. Eine leicht erhöhte Oberkörperposition kann beim Wachsein oder z. B. auf dem Arm helfen, die Atmung zu erleichtern.
Ruhige Umgebung: Sorgt für eine ruhige, rauchfreie Umgebung und vermeidet Überanstrengung.
Wann sollte man zum Arzt?
Wann sollte man zum Arzt?
Eltern sollten mit ihrem Kind zum Kinderarzt gehen, wenn:
Das Baby jünger als drei Monate ist und Symptome einer Atemwegsinfektion zeigt
Das Kind Fieber über 38,5 °C hat, das länger als drei Tage anhält
Der Husten sehr stark wird oder das Kind Schwierigkeiten beim Atmen hat
Das Kind deutlich weniger trinkt oder isst
Das Kind ungewöhnlich müde oder teilnahmslos wirkt
Wann ins Krankenhaus?
Wann ins Krankenhaus?
In schwereren Fällen kann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden. Dies ist der Fall, wenn:
Das Kind deutliche Zeichen von Atemnot zeigt
Einziehungen beim Atmen auftreten
Bei bläulicher Verfärbung der Lippen oder der Haut
Das Kind nicht mehr ausreichend trinkt und Gefahr der Austrocknung besteht
Atempausen auftreten
Im Krankenhaus kann das Kind dann Sauerstoff erhalten, wenn notwendig über eine Magensonde ernährt und engmaschig überwacht werden. In den allermeisten Fällen erholen sich die Kinder nach einigen Tagen im Krankenhaus wieder vollständig.
Schutzmaßnahmen gegen RSV
Da es kein Medikament gegen RSV gibt, ist die Vorbeugung besonders wichtig. Hier können Eltern einiges tun, um ihr Kind zu schützen:
Hygiene und Abstand
Regelmäßiges Händewaschen: Wascht Euch gründlich die Hände, bevor Ihr Euer Baby berührt, besonders nach dem Heimkommen oder nach Kontakt mit anderen Kindern.
Oberflächen reinigen: Reinigt regelmäßig Spielzeug, Türklinken und andere häufig berührte Oberflächen.
Abstand zu Erkrankten: Haltet Euer Baby von Menschen mit Erkältungssymptomen fern. Auch ältere Geschwister sollten bei einem Infekt engen Kontakt zum Baby vermeiden.
Impfungen und Prophylaxe
Seit kurzem gibt es neue Möglichkeiten, Säuglinge vor schweren RSV-Verläufen zu schützen. Für Hochrisikokinder wie Frühgeborene oder Kinder mit Herzfehlern gab es bereits seit Jahren eine passive Immunisierung mit Antikörpern. Mittlerweile steht auch für alle Säuglinge eine Prophylaxe zur Verfügung: Eine einmalige Gabe eines langwirksamen Antikörpers (Nirsevimab) in den ersten Lebensmonaten kann schwere RSV-Verläufe deutlich reduzieren. Zusätzlich gibt es seit 2023 eine Impfung für Schwangere, durch die Antikörper über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Sprecht mit Eurer Kinderärztin oder Eurem Kinderarzt über diese Schutzmöglichkeiten.
Verhalten in der RSV-Saison
Vermeidet in der Hochsaison (November bis März) große Menschenansammlungen mit eurem Neugeborenen
Bittet Besucher höflich, bei Erkältungssymptomen den Besuch zu verschieben
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange ist man bei RSV ansteckend?
Wie lange ist man bei RSV ansteckend?
Die Ansteckungsgefahr ist am größten in den ersten drei bis acht Tagen nach Auftreten der Symptome. Bei Säuglingen und Kindern mit geschwächtem Immunsystem kann die Ansteckungszeit jedoch auch bis zu vier Wochen betragen. Generell gilt: Solange das Kind hustet und Schnupfen hat, können noch Viren ausgeschieden werden.
Gibt es eine Impfung gegen RSV?
Gibt es eine Impfung gegen RSV?
Ja, seit 2023 gibt es eine Impfung für Schwangere, die in der späten Schwangerschaft verabreicht wird. Die Antikörper werden dann auf das Baby übertragen und schützen es in den ersten Lebensmonaten. Zusätzlich steht für alle Säuglinge eine passive Immunisierung mit einem langwirksamen Antikörper (Nirsevimab) zur Verfügung. Sprecht mit Eurem Kinderarzt über die für Euch passende Schutzmöglichkeit.
Was tun bei Verdacht auf RSV?
Was tun bei Verdacht auf RSV?
Bei Verdacht auf RSV solltet Ihr zunächst die Symptome Eures Kindes genau beobachten. Zeigt Euer Kind nur leichte Erkältungssymptome, könnt Ihr zunächst mit den oben genannten Hausmitteln unterstützen. Entwickelt Euer Kind jedoch Atembeschwerden, trinkt es deutlich weniger oder ist es auffällig müde, solltet ihr zeitnah Eure Kinderärztin oder euren Kinderarzt aufsuchen. Bei schweren Atemproblemen zögert nicht, den Notarzt zu rufen.
Kann ein Kind mehrfach RSV bekommen?
Kann ein Kind mehrfach RSV bekommen?
Ja, eine durchgemachte RSV-Infektion schützt nicht dauerhaft vor einer erneuten Ansteckung. Kinder können im Laufe ihrer Kindheit mehrfach an RSV erkranken. Die gute Nachricht: Mit jeder durchgemachten Infektion baut das Immunsystem einen besseren Schutz auf, sodass spätere Infektionen meist milder verlaufen. Erwachsene stecken sich ebenfalls immer wieder mit RSV an, bemerken dies aber oft nur als leichte Erkältung.
RSV ist ein weit verbreitetes Virus, das fast alle Kinder in den ersten Lebensjahren mindestens einmal durchmachen. Während die meisten Infektionen mild verlaufen und von selbst ausheilen, kann RSV besonders bei Säuglingen und Risikokindern zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Wichtig ist es, die Symptome aufmerksam zu beobachten und bei Anzeichen von Atemnot oder Trinkschwäche schnell ärztliche Hilfe zu suchen. Durch gute Hygienemaßnahmen und die neuen Prophylaxemöglichkeiten können Eltern ihr Kind bestmöglich vor schweren Verläufen schützen. Bei Unsicherheiten steht Euch Eure Kinderärztin oder Euer Kinderarzt immer als Ansprechpartner zur Verfügung.
Wir wünschen Dir und Deinem Baby alles Gute!
Nibras, Florian & Dein glückskind-Team ♥