Ernährung in den Wechseljahren

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2.9.2026

Die Wechseljahre erlebt jede Frau – aber jede auf ihre eigene Weise: Manche gehen fast unbelastet durch diese Zeit, vielen aber machen die hormonellen Veränderungen ziemlich zu schaffen. Was häufig unterschätzt wird: Eine angepasste Ernährung kann den Körper in dieser Phase spürbar unterstützen.
Was passiert in den Wechseljahren?
Stell Dir Dein Hormonsystem wie ein gut eingespieltes Orchester vor: Jahrzehntelang haben Östrogen und Progesteron im Takt gespielt und dabei nicht nur den Zyklus gesteuert, sondern auch Herz und Knochen, Schlaf, Stimmung und Stoffwechsel beeinflusst.
In den Wechseljahren, medizinisch Klimakterium genannt, beginnt dieses Konzert zu verstummen. Die Eierstöcke reduzieren ihre Hormonproduktion schrittweise, über Jahre hinweg. Diese Veränderung macht sich bei vielen Frauen körperlich und psychisch bemerkbar. Typisch sind:
Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit,
abnehmende Knochendichte,
Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit,
vaginale Trockenheit,
Die Bandbreite der Beschwerden ist groß, und jede Frau erlebt diese Phase auf ihre eigene Weise. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen – von pflanzlichen Mitteln bis zur Hormontherapie. Doch auch kleinere Stellschrauben im Alltag können einen Unterschied machen. Eine davon ist die Ernährung: Sie kann den hormonellen Wandel zwar nicht aufhalten, aber sie beeinflusst, wie der Körper damit umgeht.
Kalzium
Kalzium
Weil der sinkende Östrogenspiegel den Knochenabbau beschleunigt, wird Kalzium in den Wechseljahren besonders wichtig. Schließlich ist Kalzium der Hauptbaustoff des Knochengerüsts.¹⁾ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Frauen ab 50 täglich 1.000 mg. Gute Quellen sind Milchprodukte, kalziumreiches Mineralwasser (ab 150 mg/l), grünes Gemüse wie Brokkoli, Grünkohl und Rucola sowie Mandeln. Auch Tofu aus Kalziumsulfat-Herstellung ist eine sehr gute Kalziumquelle (in der Zutatenliste und oft auch auf der Verpackung angegeben).
Vitamin D
Vitamin D
Vitamin D ist für die Kalziumaufnahme im Darm essenziell: Ohne ausreichend Vitamin D nützt auch das beste Kalziumangebot wenig.²⁾ Gleichzeitig hat Vitamin D eigenständige Bedeutung für die Muskelfunktion und das Immunsystem.³⁾
Die wichtigste Vitamin-D-Quelle ist die Sonne: Der Körper bildet 80–90 % des Vitamin D durch UV-B-Strahlung in der Haut. Diese Fähigkeit nimmt jedoch mit dem Alter ab.
Über die Ernährung lässt sich nur wenig beisteuern, denn Vitamin D steckt in geringer Menge nur in fettem Fisch, Eiern und manchen Speisepilzen. Um den Bedarf zu decken, können Vitamin-D-Präparate nötig werden – am besten nach Absprache mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Protein
Protein
Ab dem 30. Lebensjahr baut der Körper schrittweise Muskelmasse ab. In den Wechseljahren beschleunigt sich dieser Prozess durch den sinkenden Östrogenspiegel zusätzlich. Relevant ist das vor allem für den Stoffwechsel: Muskeln sind die größten „Kalorienverbraucher" des Körpers. Wer Muskelmasse verliert, verbrennt weniger und merkt das früher oder später auf der Waage.
Eine ausreichende Proteinzufuhr – am besten kombiniert mit Krafttraining – ist eine der wirksamsten Strategien, um den Muskelabbau zu verlangsamen. Die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen bis 65 Jahre 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich, ab 65 Jahren steigt die Empfehlung auf 1,0 g. Für Frauen in den Wechseljahren spricht vieles dafür, sich bereits früher an der höheren Menge zu orientieren – auch wenn es hierfür noch keine offizielle Empfehlung gibt.
Gute Quellen sind Hülsenfrüchte, Eier, Fisch, mageres Fleisch, Milchprodukte, Tofu, Tempeh, Nüsse und Samen.
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren
Östrogen schützt Herz und Gefäße. Wenn dieser Schutz in den Wechseljahren wegfällt, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen messbar an. Omega-3-Fettsäuren können hier unterstützen: Die in fettem Fisch enthaltenen Varianten EPA und DHA verbessern die Blutfettwerte und regulieren den Blutdruck.⁴⁾Die Empfehlung der DGE lautet deshalb: ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, idealerweise fetten Fisch wie zum Beispiel Lachs, Makrele oder Hering.
Wer keinen oder wenig Fisch isst, kann auf pflanzliche Omega-3-Quellen wie Leinöl oder Walnussöl zurückgreifen. Allerdings enthalten diese eine andere Form der Fettsäure (ALA), die der Körper nur begrenzt in die wirksameren Varianten EPA und DHA umwandeln kann.
Ballaststoffe
Ballaststoffe
Ballaststoffe halten uns nicht nur länger satt – sie helfen auch dabei, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, und senken den LDL-Cholesterinspiegel, also das sogenannte „schlechte" Cholesterin. Außerdem kann eine ballaststoffreiche Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen senken.
Genug Gründe also, auf eine ausreichende Ballaststoffzufuhr zu achten! Ballaststoffe stecken vor allem in Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten sowie Nüssen und Samen. Die DGE empfiehlt mindestens 30 g täglich.
Phytoöstrogene & Co.
Phytoöstrogene sind pflanzliche Verbindungen, die im Körper östrogenähnlich wirken können. Besonders bekannt sind Isoflavone – vor allem aus Soja und Rotklee –, die auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich sind. Weil sie strukturell dem menschlichen Östrogen ähneln und an dieselben Rezeptoren andocken können, werden sie seit Jahren intensiv erforscht – auch mit der Frage, ob sie Wechseljahresbeschwerden lindern können.
Die Studienlage ist noch nicht abschließend geklärt und die Erfahrungen fallen unterschiedlich aus: Manche Frauen berichten von weniger Hitzewallungen, bei anderen zeigt sich wenig bis keine Wirkung. Wer Isoflavon-Präparate ausprobieren möchte, orientiert sich am besten an den Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA):
Soja-basierte Präparate: maximal 100 mg Isoflavone täglich, nicht länger als zehn Monate
Rotklee-basierte Präparate: maximal 43,5 mg Isoflavone täglich, nicht länger als drei Monate
Empfohlene Lebensmittel in den Wechseljahren
Eine gute Ernährung in dieser Lebensphase muss nicht kompliziert sein. Im Wesentlichen geht es darum, bewährte Prinzipien bewusst und konsequent umzusetzen. Das Grundmuster, das sich durch alle Leitlinien und Studien zieht, ähnelt der mediterranen Ernährung – und das aus gutem Grund: Sie ist die am besten untersuchte Ernährungsweise mit nachgewiesenen positiven Effekten auf die Herzgesundheit, Entzündungswerte und Lebenserwartung.
Täglich
Täglich
Gemüse (mindestens drei Handvoll) und Obst (zwei Handvoll)
Vollkornprodukte (z.B. Haferflocken, Vollkornbrot, Vollkornnudeln)
Milchprodukte (z.B. Joghurt, Käse, Quark) oder kalziumreiche pflanzliche Alternativen (z.B. dunkles Blattgemüse wie Grünkohl oder Rucola, Hülsenfrüchte, Nüsse, angereicherte Pflanzendrinks und kalziumreiches Mineralwasser)
hochwertige Pflanzenöle (z. B. Olivenöl, Leinöl, Walnussöl)
eine kleine Handvoll Nüsse
Mehrmals pro Woche
Mehrmals pro Woche
2x pro Woche: fetter Seefisch (z.B. Lachs, Makrele, Hering)
mindestens 1x pro Woche: Hülsenfrüchte (z.B. Erbsen, Bohnen, Linsen)
Selten
Selten
rotes und verarbeitetes Fleisch
Fertiggerichte und Fast Food
Zucker und zuckerhaltige Getränke
Alkohol
Tipp: Starte den Tag mit einem proteinreichen Frühstück, zum Beispiel Quark mit Nüssen und Beeren oder Vollkornbrot mit Ei. Ersetze eine Fleischmahlzeit pro Woche durch Hülsenfrüchte: Linsensuppe, Kichererbsen-Curry oder Bohnen zur Gemüsepfanne. Wähle Walnüsse oder Mandeln als Snack für zwischendurch. Tausche Weißmehlprodukte Schritt für Schritt gegen Vollkornvarianten aus. Und: Trinke über den Tag verteilt ausreichend Wasser.
Ganzheitlich gesunder Lebensstil
Ernährung ist wichtig – aber doch nur ein Teil eines größeren Ganzen: Erst wenn Du sie mit regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf und bewussten Auszeiten verbindest, kann sie ihre volle Wirkung entfalten. Ein paar alltagstaugliche Hinweise:
Für die Knochengesundheit
Für die Knochengesundheit
ausreichend Kalzium und Vitamin-D¹⁾ ²⁾
regelmäßiges Kraft- und Balancetraining
Sonnenlicht (zwei- bis dreimal pro Woche für wenige Minuten Hände, Arme und Gesicht ohne Sonnenschutz der Sonne aussetzen)
Rauchen und Alkohol meiden
Für das Herz
Für das Herz
mediterrane Kost
wenig gesättigte Fettsäuren und Transfette (wenig Fertigprodukte, Fast Food),
wenig Salz
regelmäßiges Ausdauertraining
mehr Alltagsbewegung
Stressmanagement
Für den Schlaf
Für den Schlaf
leichte, kohlenhydratreduzierte Abendmahlzeit
Koffein nach 14 Uhr meiden
Alkohol meiden
regelmäßige Schlafenszeiten einhalten
Für die Stimmung
Für die Stimmung
B-Vitamine und Magnesium⁵⁾
regelmäßig Bewegung
regelmäßige Auszeiten
soziale Kontakte
bei Hitzewallungen
bei Hitzewallungen
scharfe Speisen, Alkohol und heiße Getränke meiden
leichte, lockere und atmungsaktive Kleidung tragen
Schlafzimmer kühl halten
regelmäßiges Ausdauertraining
Entspannungstechniken wie Yoga, Atemübungen oder progressive Muskelentspannung
Wichtig: Bei starken und anhaltenden Beschwerden solltest Du Deine Gynäkologin oder Deinen Gynäkologen ansprechen. Es gibt wirksame Behandlungsoptionen, von lokalen Maßnahmen bis zur Hormontherapie.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Internetquellen
Internetquellen
Bundesamt für Strahlenschutz. (2022). Konsentierte Empfehlung zu UV-Strahlung und Vitamin D. https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/empfehlung-vitamin-d.html
Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. (2025). Linderung von Wechseljahresbeschwerden. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/linderung-von-wechseljahresbeschwerden/
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). (o. D.). Vitamin D. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). (o. D.). Calcium. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/calcium/
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). (o. D.) Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen/#c6415
Printquellen
Printquellen
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2020). S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen (AWMF-Registernr.: 015-062).
EFSA ANS Panel (EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food). (2015). Scientific opinion on the risk assessment for peri- and post-menopausal women taking food supplements containing isolated isoflavones. EFSA Journal 13(10). https://doi.org/10.2903/j.efsa.2015.4246
Grant, M. D., Marbella, A., Wang, A. T., Pines, E., Hoag, J., Bonnell, C., Ziegler, K. M., Aronson, N. (2015) Menopausal Symptoms: Comparative Effectiveness of Therapies. AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; No. 147). www.effectivehealthcare.ahrq.gov/reports/final.cfm
Krebs, E. E., Ensrud, K. E., MacDonald, R. Wilt, T. J. (2004) Phytoestrogens for treatment of menopausal symptoms: a systematic review. Obstet Gynecol 104(4): 824-836. https://doi.org/10.1097/01.AOG.0000140688.71638.d3
Lethaby, A., Marjoribanks, J., Kronenberg, F., Roberts, H., Eden, J., Brown, J. (2013). Phytoestrogens for menopausal vasomotor symptoms. Cochrane Database Syst Rev. (12). https://doi.org/10.1002/14651858.CD001395
Wang, H., Liu, Y., Kwok, J. Y. Y., Xu, F., Li, R., Tang, J., Tang, S., Sun, M. (2025). The effectiveness of yoga on menopausal symptoms: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Nurs Stud. (161). https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2024.104928
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