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Gebärmutterhalskrebs: Vorsorge und Früherkennung

dm-drogeriemarkt

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Lesedauer 10 Min.

13.7.2026

Abbildung einer animierten Gebärmutter

In Sachen Gebärmutterhalskrebs hat die Medizin in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Dank Früherkennungsuntersuchungen und der HPV-Impfung erkranken heute deutlich weniger Frauen als früher – zumindest, wenn beides konsequent genutzt wird. Hier erfährst Du, was Früherkennung bedeutet und was Du darüber hinaus selbst tun kannst, um Dich zu schützen. 

Was ist Gebärmutterhalskrebs und wie entsteht er? 

Die Gebärmutter ist ein muskuläres Hohlorgan im unteren Bauchraum. Sie ist ungefähr 7 bis 10 cm lang und hat in etwa die Form einer Birne. Der breite Teil liegt oben, der schmale unten. Dieser untere, schmale Teil ist der Gebärmutterhals (medizinisch: Zervix) – ein kräftiger Muskelschlauch, der die Gebärmutter mit der Vagina verbindet. Wenn Zellen in diesem Bereich außer Kontrolle geraten und sich krankhaft verändern, entsteht Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Zervixkarzinom). 

In den allermeisten Fällen sind Humane Papillomaviren (HP-Viren oder kurz: HPV) Auslöser für die Erkrankung. HP-Viren werden vor allem beim Sex übertragen. Sie sind so verbreitet, dass sich die meisten sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal anstecken. Zum Glück verlaufen die meisten HPV-Infektionen aber völlig ohne Symptome und verschwinden von selbst: Das Immunsystem erledigt das still und leise.  
Doch das gelingt nicht immer. 

Manche Typen der HP-Viren können sogenannte Feigwarzen verursachen. Diese Warzen im Genitalbereich, sind zwar lästig, aber medizinisch ungefährlich. Viel problematischer sind die sogenannten Hochrisikotypen, allen voran HPV 16 und HPV 18: Einmal unbemerkt in der Schleimhaut eingenistet, können sie über die Jahre Veränderungen an den Zellen auslösen – Veränderungen, aus denen sich mit der Zeit Krebs entwickeln kann. 

Wie kannst Du Dich vor HPV schützen? 

Die meisten Menschen stecken sich mit HP-Viren beim vaginalen Sex an. Aber eine Ansteckung ist überall dort möglich, wo direkter Schleimhautkontakt stattfindet, also auch bei Anal- und Oralsex. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht – es sei denn, Du verzichtest komplett auf Sex oder bist ausschließlich mit einer Person intim, die nachweislich nicht infiziert ist und ebenfalls ausschließlich mit Dir zusammen ist. 

Kondome und Femidome senken zwar das Ansteckungsrisiko, schützen aber nicht vollständig, denn HP-Viren sitzen auch auf Hautbereichen, die davon nicht bedeckt sind.  

Impfstoffe: Welche gibt es? 

In Deutschland sind derzeit zwei Impfstoffe zugelassen. Beide gelten als gut verträglich, sicher und wirksam, haben aber einen unterschiedlichen Schutzumfang: 

  • Cervarix schützt gegen die Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18, die zusammen für etwa 60 bis 70 % aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich sind. Gegen Feigwarzen schützt er nicht. 

  • Gardasil 9 deckt insgesamt neun HP-Viren ab – darunter die beiden Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 sowie fünf weitere krebserregende Stämme – und beugt zusätzlich Feigwarzen vor.  

Wichtig: Auch wenn das Risiko stark reduziert ist, kannst Du trotz Impfung noch an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Deshalb bleibt die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung auch für geimpfte Frauen weiterhin wichtig. 

Pap-Test und HPV-Test zur Früherkennung 

Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs lassen sich durch Früherkennungsuntersuchungen zuverlässig erkennen – lange bevor sie sich zu Krebs entwickeln. In Deutschland haben alle Frauen ab 20 Jahren Anspruch auf diese Untersuchungen. Gesetzlich Versicherte zahlen dafür nichts, die Krankenkasse übernimmt die Kosten vollständig. Privatversicherte schauen am besten in ihre Versicherungsunterlagen oder fragen direkt bei ihrer Kasse nach. In der Regel sind die Leistungen ebenfalls abgedeckt. 

Je nach Alter sieht das Programm unterschiedliche Untersuchungen und Abstände vor: 

  • 20 bis 34 Jahre: einmal jährlich ein Pap-Test  

  • ab 35 Jahren: alle drei Jahre eine Kombiuntersuchung aus Pap-Test und HPV-Test (auch Ko-Test genannt) 

Gut zu wissen: Die längeren Abstände ab 35 Jahren sind kein Zeichen dafür, dass die Vorsorge dann weniger wichtig wird. Die Kombiuntersuchung ist nur deutlich aussagekräftiger als der Pap-Test allein. Ein unauffälliges Ergebnis bedeutet, dass das Risiko für krankhafte Veränderungen in den nächsten drei Jahren sehr gering ist. 

Was ist der Pap-Test? 

Für den Pap-Test führt die Frauenärztin oder der Frauenarzt ein medizinisches Instrument (Sepukulum) in die Vagina ein und entnimmt mit einem kleinen Bürstchen oder Spatel ein paar Zellen der Gebärmutterhals-Schleimhaut. Dieser sogenannte Abstrich dauert nur wenige Sekunden und ist meistens schmerzfrei. 

Die Zellen werden in ein Labor geschickt und dort unter dem Mikroskop auf mögliche Veränderungen untersucht. Das Ergebnis der Untersuchung wird in einer Skala angegeben, die nach dem Arzt Georgios Papanikolaou benannt ist:

Befund 

Bedeutung 

Pap I 

normale, unauffällige Zellen 

Pap II 

leichte Zellveränderungen; kein Grund zur Sorge 

Pap III 

unklarer Befund; Kontrolle empfohlen 

Pap IIID 

leichte bis mittelstarke Zellveränderungen, aber nicht bösartig; Verlaufsbeobachtung 

Pap IV 

Verdacht auf starke Gewebeveränderung oder Krebsvorstufen, Gewebeentnahme als nächster Schritt 

Pap V 

Krebszellen liegen vor; Krebsdiagnose ist wahrscheinlich 

Bei den meisten Frauen ist das Ergebnis unauffällig, es werden also keine Gewebeveränderungen gefunden. Dann reicht es, den Pap-Test nach frühestens einem Jahr zu wiederholen.  

Der HPV-Test 

Beim HPV-Test wird, wie auch beim Pap-Test, ein kleiner Abstrich vom Gebärmutterhals genommen und im Labor auf mögliche HP-Viren untersucht. Ein negativer HPV-Test bedeutet, dass keine HP-Viren nachgewiesen wurden. Werden HP-Viren gefunden, ist es wichtig, sie zu identifizieren: Sind sie harmlos und können nur Feigwarzen verursachen? Oder handelt es sich um Hochrisiko-Viren, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können? 

Auffälliger Befund – was jetzt?

Wirst Du über einen auffälligen Befund informiert, klingt das erst einmal beunruhigend. Aber auffällig bedeutet nicht automatisch gefährlich. Was als Nächstes passiert, hängt davon ab, was genau der Befund zeigt: Wie sehen die Zellen im Pap-Abstrich aus? Sind Hochrisiko-Typen im HPV-Test nachweisbar?  

  • Pap-Abstrich unauffällig, aber HP-Viren nachweisbar:  
    Dann richtet sich das weitere Vorgehen nach der Art der gefundenen Viren.   

  • Handelt es sich um Viren, die Feigwarzen verursachen können?  
    Diese Viren können zwar lästig sein, erhöhen aber das Risiko für Gebärmutterhalskrebs nicht. Um sie loszuwerden, reicht oft eine äußerliche Behandlung mit Cremes oder Salben. 

  • Handelt es sich um Hochrisiko-HP-Viren? 

In diesem Fall wird der Befund engmaschig beobachtet – meist mit einer Kontrolluntersuchung nach zwölf Monaten. Oft bekämpft das Immunsystem die Viren in dieser Zeit von selbst. 

  • Pap-Abstrich auffällig, aber keine Hochrisiko-HP-Viren nachweisbar:  
    Leichte Zellveränderungen ohne Virusnachweis sind meist harmlos und bilden sich häufig von selbst zurück. Auch hier wird in der Regel eine Kontrolluntersuchung nach zwölf Monaten empfohlen. 

  • Pap-Abstrich auffällig und Hochrisiko-HP-Viren nachweisbar:  
    Diese Kombination erfordert genaueres Hinschauen. Bei stärkeren Veränderungen folgt in der Regel eine Kolposkopie. Das ist eine Untersuchung, bei der der Gebärmutterhals mit einer speziellen Lupe (dem Kolposkop) vergrößert betrachtet wird. Dabei kann auch eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, um die Veränderung genauer zu beurteilen.  

 Wie werden Krebsvorstufen behandelt? 

Wenn eine ernsthafte Krebsvorstufe (Dysplasie) gefunden wird, sollte sie entfernt werden – denn ohne Behandlung besteht ein hohes Risiko, dass sich daraus Gebärmutterhalskrebs entwickelt. Der Eingriff heißt Konisation: Dabei wird ein kleines, kegelförmiges Gewebsstück (lateinisch: conus = Kegel) aus dem Gebärmutterhals herausgeschnitten. Operiert wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose. Nach dem Eingriff folgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen über mehrere Jahre. 

Nach einer Konisation sind die meisten Frauen schnell wieder fit. Die anschließenden Kontrolluntersuchungen über mehrere Jahre klingen vielleicht aufwändig, geben aber die Sicherheit, dass alles im Blick bleibt und frühzeitig reagiert werden kann, falls doch noch etwas nachkommt. 

Wichtig: Die allermeisten Frauen, bei denen eine Krebsvorstufe entdeckt und behandelt wird, erkranken nie an Gebärmutterhalskrebs. Genau dafür sind die Früherkennungsuntersuchungen da. 

Weitere Tipps rund um Deine Gesundheit 

Zum Abschluss noch ein paar Dinge, die – unabhängig von persönlicher Situation und Befund – eine Rolle spielen für die Gesundheit von Frauen. 

  • Aufhören mit dem Rauchen: Frauen, die rauchen, haben ein höheres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Denn Rauchen schwächt das Immunsystem und macht es schwerer, Viren abzuwehren. Mit etwas Planung, der richtigen Strategie und ein bisschen Geduld kannst auch Du dauerhaft rauchfrei werden. 

  • Immunsystem stärken: Ein stark eingeschränktes Immunsystem kann eine HPV-Infektion nicht so erfolgreich bekämpfen. Ein gesunder Lebensstil – also ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und gutes Stressmanagement – ist entscheidend. 

  • Zyklusgesundheit im Blick behalten: Den eigenen Zyklus zu kennen ist ein unterschätzter Teil der Gesundheit von Frauen. Unregelmäßigkeiten, ungewöhnliche Blutungen oder Ausfluss können manchmal auf Veränderungen hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden. 

  • STI-Vorsorge im Blick behalten: Beim Vorsorgetermin lohnt es sich, auch über andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) zu sprechen. Viele verlaufen symptomlos und können dennoch langfristige Auswirkungen haben. 

  • Vorsorgeerinnerung einrichten: Notiere Dir am besten schon beim Verlassen der Praxis den nächsten Termin oder richte Dir eine Erinnerung im Handy ein. Vorsorge gerät leicht in Vergessenheit – vor allem, wenn man sich gut und gesund fühlt. 

  • Offen mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen: Fragen, Unsicherheiten, Ängste – in Deiner gynäkologischen Praxis solltest Du alles ansprechen dürfen, ohne Dich dabei unwohl zu fühlen. Falls das nicht der Fall ist: Du darfst jederzeit die Praxis wechseln. Es ist Dein Körper, Deine Gesundheit und Du verdienst eine Anlaufstelle, in der Du Dich wirklich gut aufgehoben fühlst.

Kann sich jeder gegen HPV impfen lassen?  

Die HPV-Impfung ist seit 2007 in Deutschland zugelassen und die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren – vor dem ersten Sexualkontakt, denn dann ist sie am wirksamsten. Auch für Jungen gilt die Empfehlung, weil sie HP-Viren übertragen können, ohne selbst zu erkranken. Außerdem besteht auch für sie ein Krebsrisiko – Hochrisiko-HPV-Typen können bei Männern zum Beispiel zu Anal- oder Peniskrebs führen. 

Wer die Impfung in diesem frühen Alter verpasst hat, kann sie bis zum 18. Geburtstag nachholen. Bis dahin übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten vollständig. 

Du bist über 18 und ungeimpft? Für Erwachsene gibt die STIKO keine generelle Empfehlung. Grund ist, dass viele Erwachsene irgendwann schon Kontakt mit HP-Viren hatten und die Impfung dann weniger wirksam ist. Trotzdem ist sie weiterhin möglich und kann sich lohnen. Sprich bei Interesse am besten Deine Gynäkologin oder Deinen Gynäkologen darauf an. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.   

Quellen

Internetquellen

Bundesministerium für Gesundheit. (2024). Sexuell übertragbare Infektionen (STI). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/s/sexuell-uebertragbare-infektionen-sti.html 

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2022). S3 Leitlinie: Prävention des Zervixkarzinoms (AWMF-Registernr.: 015 027OL). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-027OL 

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2022). S3 Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom (AWMF-Registernr.: 032 033OL). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-033OL 

Deutsches Krebsforschungszentrum. (2024). Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung. https://www.krebsinformationsdienst.de/gebaermutterhalskrebs 

Printquellen

Stübs, F. A., Beckmann, M. W., Pöschke, P., Heindl, F., Emons, J., Gaß, P., & Häberle, L. (2025). Epidemiologie des Zervixkarzinoms in Deutschland: Registerbasierte Analyse von Inzidenz, Überleben, Tumorcharakteristika (2003–2021). Deutsches Ärzteblatt International, 122, 483–488. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2025.0105