Natürliche Verhütung
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16.1.2026
Wer ohne Hormone oder Eingriffe in den Körper verhüten möchte, kann auf natürliche Verhütungsmethoden zurückgreifen. Sie basieren darauf, den eigenen Zyklus gut zu kennen – also zu verstehen, wann Eizellen befruchtungsfähig sind und wie der Körper das zeigt. Mit etwas Routine lässt sich das zuverlässig beobachten und bewerten.
Wie verläuft der weibliche Zyklus?
Der Menstruationszyklus dauert im Schnitt etwa 28 Tage, doch auch kürzere oder längere Rhythmen zwischen 21 und 35 Tagen sind völlig normal. Er beginnt mit der Monatsblutung (Menstruation). Danach reifen in den Eierstöcken Eibläschen heran (Follikelphase). Etwa in der Mitte des Zyklus springt eine Eizelle aus dem Eierstock und wandert durch einen Eileiter in Richtung Gebärmutter, das ist der Eisprung (Ovulation). Danach bereitet sich der Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor (Sekretionsphase). Bleibt diese aus, stirbt die Eizelle ab, die Hormone sinken und die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen. Der Zyklus beginnt von vorn.
Fruchtbare Tage
Die fruchtbaren Tage liegen rund um den Eisprung. Eine Eizelle kann etwa 24 Stunden lang befruchtet werden, bevor sie sich wieder auflöst. Da Spermien bis zu fünf Tage im Körper der Frau überleben und auf eine nahende Eizelle warten können, ergibt sich ein Zeitfenster von insgesamt etwa sechs Tagen pro Zyklus, in denen eine Schwangerschaft möglich ist. In dieser Phase verändern sich Körpertemperatur, Zervixschleim und Muttermund. Bei genau diesen Körpersignalen setzen natürliche Verhütungsmethoden an: Sie nutzen die verschiedenen Hinweise, um die fruchtbaren Tage möglichst genau einzugrenzen.
Die wichtigsten Methoden der natürlichen Verhütung
Die natürliche Familienplanung umfasst verschiedene Methoden, mit denen die fruchtbaren Tage im Zyklus erkannt werden können. Um eine Schwangerschaft zu vermeiden, muss in dieser Zeit entweder auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder auf zusätzliche Verhütungsmittel wie Kondome zurückgegriffen werden.
- Kalender-Methode (Knaus-Ogino-Methode)
Aus den vorangegangenen Zyklen wird der wahrscheinliche Zeitpunkt des nächsten Eisprungs berechnet. - Temperatur-Messung
Bei dieser Methode wird täglich zum gleichen Zeitpunkt (am besten nach dem Aufwachen) die Temperatur mit einem Thermometer gemessen. Ist die Temperatur nach dem Aufstehen dreimal hintereinander um mindestens 0,2 °C höher als an den sechs vorausgegangenen Tagen, hat der Eisprung mit großer Wahrscheinlichkeit stattgefunden. - Zervixschleim-Beobachtung (Billings-Methode)
Der Schleim im Gebärmutterhals ist normalerweise zäh und klebrig, um Erreger und Spermien abzuhalten. Kurz vor dem Eisprung verändert er sich jedoch: Er wird dünnflüssig, durchsichtig und „spinnbar“ (er lässt sich zwischen zwei Fingern zu Fäden ziehen). Durch die tägliche Beobachtung des Zervixschleims ist es möglich, zu erkennen, ob ein Eisprung bevorsteht oder bereits erfolgt ist. - Untersuchung des Muttermunds
Der Muttermund ist das untere Ende des Gebärmutterhalses. Er kann mit dem Finger in der Vagina ertastet werden. Direkt nach der Menstruation ist er geschlossen und fest. In der fruchtbaren Phase wird er weicher, öffnet sich und rückt nach oben, wodurch er schwerer zu erreichen ist. - Symptothermale Methode (Kombination)
Diese Methode kombiniert verschiedene Messungen – in der Regel die der Basaltemperatur und des Zervixschleims, gegebenenfalls ergänzt durch die Beobachtung des Muttermunds.
Tipp: Apps, Zykluscomputer oder Basalthermometer mit Bluetooth können die Auswertung erleichtern.
Natürliche Familienplanung (NFP) und Kinderwunsch
Die Verhütungsmethoden lassen sich natürlich nicht nur zur Verhütung einsetzen, sondern auch bei Kinderwunsch. Der Sex kann gezielt auf die fruchtbaren Tage abgestimmt werden, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen.
Wie sicher sind natürliche Verhütungsmethoden?
Natürliche Verhütungsmethoden sind weniger sicher als die meisten anderen Verhütungsmethoden – vor allem, wenn Du Dich auf ein einziges Körperzeichen verlässt. Die Kalender-Methode etwa ist unzuverlässig, da sie von einem „Standard-Zyklus“ mit 28 Tagen ausgeht. Tatsächlich unterscheiden sich Zykluslängen jedoch von Frau zu Frau und können selbst bei derselben Frau monatlich variieren. Auch die alleinige Temperatur-Messung ist störanfällig, da Faktoren wie Infekte, Stress, Alkoholkonsum, spätes Essen am Abend oder unruhige Nächte die Messergebnisse beeinflussen können.
Deutlich sicherer wird die Verhütung, wenn mehrere Körpersignale kombiniert werden. Die Auswertung von Temperaturverläufen und Veränderungen des Zervixschleims, ergänzt durch die Beobachtung des Muttermunds, gilt als die zuverlässigste Form der natürlichen Verhütung. Der sogenannte Pearl-Index liegt bei 0,4. Das heißt, etwa vier von 1.000 Frauen, die auf diese Weise verhüten, werden innerhalb eines Jahres schwanger. Zum Vergleich: Für die Pille beträgt der Pearl-Index bei richtiger Anwendung je nach Quelle zwischen 0,1 und 0,9.
Vor- und Nachteile natürlicher Verhütung
| Vorteile natürlicher Verhütung | Nachteile natürlicher Verhütung |
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Praktische Tipps für die Anwendung
Damit natürliche Verhütung zuverlässig funktioniert, ist Konsequenz entscheidend.
- Gut vorbereiten: Nimm Dir Zeit, Dich eingehend mit der Methode zu beschäftigen – etwa mithilfe von Fachbüchern, Zyklusratgebern oder in Kursen, die von geschulten Beraterinnen und Beratern angeboten werden. Viele dieser Kurse sind mittlerweile auch online verfügbar.
- Temperatur messen: Miss die Temperatur jeden Morgen zur gleichen Zeit, am besten direkt nach dem Aufwachen und noch vor dem Aufstehen. Gemessen werden kann im Mund, in der Vagina oder im After – die letzten beiden Varianten gelten als etwas genauer.
Wichtig: Innerhalb eines Zyklus sollte immer an derselben Stelle gemessen werden. Verwende ein digitales Basalthermometer mit zwei Nachkommastellen, um kleinste Temperaturveränderungen zuverlässig zu erkennen. Zervixschleim beobachten: Um den Zervixschleim zu prüfen, entnimmst Du täglich eine kleine Probe am Ausgang der Vagina und prüfst die Konsistenz zwischen Daumen und Zeigefinger:
- klar, spinnbar und dehnbar. Hinweis auf fruchtbare Phase
- trüb, zäh, klebrig oder kaum vorhanden. Hinweis auf unfruchtbare Phase
Notiere Deine Beobachtungen am besten in einem Zyklusblatt oder einer App, um Muster zu erkennen.
- Hilfsmittel nutzen: Zykluscomputer, Basalthermometer mit App-Anbindung oder Ovulationstests können die Beobachtung erleichtern und die Daten automatisch auswerten.
- Geduld haben: Es dauert meist drei bis sechs Zyklen, bis Du Deinen Körper und seine Signale richtig einschätzen kannst. Die Mühe lohnt sich, denn Du gewinnst auch Körperbewusstsein und Selbstsicherheit.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). (2024). Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung (S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015-095). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-095
- World Health Organization (WHO) & Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Center for Communication Programs (CCP). (2018). Family planning: A global handbook for providers (3. Aufl.). WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9780999203705



