Urlaub einmal anders

Arbeiten und reisen: Im Urlaub arbeiten, dabei umsonst wohnen. ¹⁾
Drei Arten von Urlaub im Überblick
Reisen ist global betrachtet Luxus. Und auch hierzulande spürt man schnell, wie stark das Budget die Planung prägt. Gleichzeitig gibt es einige Wege, Neues zu erleben, ohne klassisch zu verreisen – weltweit und vor der eigenen Haustür.
Work & Travel
Wir packen an
Einige Stunden am Tag mitarbeiten – und dafür Übernachtung und oft einen Teil der Verpflegung gestellt bekommen: Das Konzept, das besonders bei jungen Globetrottern beliebt ist, ermöglicht heute Menschen jeden Alters authentische Urlaubserlebnisse.
Housesitting bei Paris, Erntehilfe auf einer Bio-Farm in Italien, Unterstützung einer Kinderhilfsorganisation in Tansania: Auf Plattformen wie Workaway.info ist die Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten riesig und quer über den Globus verteilt. Manchmal werden bestimmte Fähigkeiten gesucht, etwa handwerkliches Geschick oder Fremdsprachenkenntnisse. Manchmal beträgt der Mindestaufenthalt einen Monat. Doch es gibt auch niederschwellige Angebote für zwei Wochen. In der Regel arbeiten die Freiwilligen zwischen vier und sechs Stunden täglich und haben zwei Tage in der Woche frei.
Wichtig zu wissen: Workaway.info prüft die Profile, deshalb ist eine kostenpflichtige Mitgliedschaft (60 bis 80 Euro) nötig. Die Plattform vermittelt aber nur den Kontakt – alle Details klären Interessenten direkt mit dem Gastgeber. Bewertungen anderer Freiwilliger zu lesen und vorab offen zu kommunizieren, sind gute Voraussetzungen dafür, dass es später passt. Auch die Anreise und eventuell dafür notwendige Visa organisiert man selbst. Wer Eigeninitiative mitbringt und sich ein Stück aus seiner Komfortzone wagt, kann einen Urlaub erleben, der sich sinnerfüllt anfühlt und enge Kontakte zu Einheimischen ermöglicht.
Auch zu Hause lässt sich Urlaub erleben – vieles am Heimatort kennt man oft nicht. ²⁾
Staycation
Wir bleiben hier
Was früher Urlaub auf „Balkonien“ war, nennt sich heute Staycation. Hinter dem Anglizismus steckt auch eine neue Wertschätzung für die vielen Möglichkeiten, die der eigene Wohnort bereithält.
Die übliche Orga um Anreise und Unterkunft fällt weg, die Frage „Was will ich im Urlaub erleben?“ bleibt. Wenn Sie schon lange einmal etwas ausprobieren wollten – einen Nähkurs oder eine längere Wanderung –, bietet sich diese Zeit an. Doch auch ohne „Projekt“, lohnt, es sich bewusst zu machen, was Ihnen auf Reisen gefällt – etwa Natur, Kulinarik, Bewegung –, und dann zu schauen, wie Sie es zu Hause umsetzen können. Leihen Sie sich doch in der Bibliothek mal einen Reiseführer für Ihre Region aus – Sie werden überrascht sein, was Sie alles noch nicht kennen.
Während man an anderen Orten den Schalter fast automatisch umlegt, kann das schwieriger sein, wenn man sich im gewohnten Umfeld bewegt. Was hilft ist, bewusst Routinen zu durchbrechen und Neues zu entdecken: In anderen Geschäften einzukaufen, mit dem Bus in einen Stadtteil zu fahren, in dem man noch nie war, Social-Media-Pausen einzulegen oder, statt abends Serien zu streamen, mal wieder ins Kino zu gehen. Wichtig fürs Urlaubsfeeling sind auch die kleinen Gönn-Momente: eine Freundin zum Frühstück im Café zu treffen, mit der Familie mittags zu grillen oder das Vintage-Kleid zu kaufen, das einen schon länger im Schaufenster anlacht. Und eben weil der Urlaubsort so alltagsnah ist, kann man sich im Nachgang auch einige Rituale und Entdeckungen leichter bewahren.
Wohnung tauschen: Im Internet gibt es Portale, auf denen man Tauschwillige kennenlernen kann. ³⁾
Wohnungstausch
Wir ziehen ein
Statt eine Ferienwohnung zu mieten, wohnt man in einem anderen Zuhause. Das steht leer, weil dessen Bewohner wiederum anderswo Urlaub machen.
Der Charme eines Wohnungstausches liegt für viele darin, dass man die Infrastruktur der Einheimischen übernimmt: Die Küche ist voll ausgestattet, im Keller steht ein Fahrrad und Tipps für Lieblingsplätze in der Umgebung haben die Gastgeber auch hinterlassen. Wie findet man sein perfektes Match? Auf Plattformen wie HomeExchange.com und HomeLink.de stellen Mieter und Eigentümer aus aller Welt ihr Zuhause vor – von der Mietwohnung in Metropolen bis zum Bauernhof. Je offener man beim Zeitraum oder dem Ziel ist, desto eher wird man fündig. Das Prinzip basiert auf Gegenseitigkeit, doch muss das Paar Meier, das in London Urlaub macht, nicht zur gleichen Zeit die Familie Smith in seiner Kölner Wohnung aufnehmen.
Bei HomeExchange.com ermöglicht eine Punkte-Währung viel Flexibilität. Um zu tauschen, ist eine Mitgliedschaft nötig (um die 170 Euro im Jahr). Weil niemand Geld fürs Wohnen nimmt, zählt der Aufenthalt nicht als Untervermietung. Die Plattformen empfehlen dennoch, den Vermieter zu informieren. Und ein eventuelles Kopfkino, was fremde Leute in der eigenen Wohnung anstellen? Die Plattformbetreiber geben aus ihrer langjährigen Erfahrung Entwarnung: Weil sich jeder in derselben Lage befindet, verhalten sich die Urlauber in fremden Wohnungen besonders rücksichtsvoll.



