Blut
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24.4.2026
Es transportiert Sauerstoff, verteilt Nährstoffe, reguliert die Körpertemperatur und schützt Dich vor Krankheitserregern. Die Rede ist von Blut. Obwohl es täglich fantastische Arbeit vollbringt, schenken wir ihm kaum Aufmerksamkeit – meist nur dann, wenn wir uns verletzen oder eine Blutuntersuchung ansteht. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick.
Woraus besteht Blut?
Unser Blut besteht aus zwei großen Bestandteilen. Davon sind 55 % flüssig – das sogenannte Blutplasma – und 45 % fest – die Blutzellen.
Blutplasma
Blutplasma ist eine klare, gelbliche Flüssigkeit. Sie besteht zu etwa 90 % aus Wasser. Die restlichen 10 % setzen sich aus verschiedenen Stoffen zusammen, darunter Eiweiße, Nährstoffe wie Glukose (Zucker), Elektrolyte, Vitamine, Hormone und Abfallstoffe des Stoffwechsels.
Blutzellen
Die festen Bestandteile des Blutes sind die Blutzellen. Sie entstehen aus sogenannten Stammzellen. Das sind Vorläuferzellen, die sich noch in verschiedene Zelltypen entwickeln können. Bei Erwachsenen werden neue Blutzellen vor allem im Knochenmark gebildet – also im Inneren unserer Knochen. Von dort wandern sie dann in den Blutkreislauf.
Es gibt drei verschiedene Typen von Blutzellen: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutblättchen (Thrombozyten).
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Die roten Blutkörperchen bilden die größte Gruppe der Blutzellen. In einem Milliliter Blut befinden sich etwa 5 Milliarden davon! Rote Blutkörperchen sehen aus wie kleine Scheiben, die in der Mitte leicht eingedellt sind. Sie besitzen keinen Zellkern. Dadurch sind sie enorm flexibel und können in jedes noch so kleine Blutgefäß „hineinschlüpfen“. Im Inneren enthalten sie Hämoglobin. Dieses Eiweiß verleiht dem Blut seine rote Farbe. Die wichtigste Aufgabe der Erythrozyten: der Transport von Sauerstoff.
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
In einem Milliliter Blut befinden sich etwa 5 bis 10 Millionen weiße Blutkörperchen. Sie sind nicht nur im Blut unterwegs, sondern auch in Gewebe und im Lymphsystem.
Es gibt verschiedene Arten, die sich in Form und Aufbau unterscheiden:
- Monozyten,
- (neutrophile, basophile und eosinophile) Granulozyten,
- Lymphozyten.
Die meisten davon leben nur wenige Stunden oder Tage. Einige können jedoch auch viele Jahre im Körper bleiben. Die wichtigste Aufgabe der Leukozyten: die Abwehr von Krankheitserregern.
Blutblättchen (Thrombozyten)
Blutblättchen (Thrombozyten)
Blutblättchen sind die kleinsten Bestandteile der Blutzellen. Sie messen nur 0,002 bis 0,003 Millimeter! In einem Milliliter Blut befinden sich 150 bis 400 Millionen davon. Blutblättchen leben etwa fünf bis neun Tage.
Die wichtigste Aufgabe der Blutblättchen: die Blutgerinnung.
Welche Aufgaben hat das Blut?
Blut ist ein echtes Multitalent. Es ĂĽbernimmt mehrere lebenswichtige Funktionen gleichzeitig.
- Immunabwehr
Damit Krankheitserreger keine Chance haben, setzt der Körper auf seine weißen Blutkörperchen. Sie spüren Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze auf und machen sie unschädlich. Einige von ihnen reagieren direkt auf Eindringlinge, andere bilden Antikörper. Antikörper sind Eiweiße, die Erreger gezielt erkennen, markieren und neutralisieren. - Blutgerinnung
Wird ein Blutgefäß verletzt, zum Beispiel, wenn Du Dich mit einem Messer schneidest, setzt der Körper sofort einen Gerinnungsprozess in Gang. Blutblättchen lagern sich an der verletzten Gefäßwand an, verklumpen und verschließen das Gefäß. So wird verhindert, dass Du zu viel Blut verlierst. - Transport
Blut ist das wichtigste Transportmittel des Körpers. An verschiedenen Stellen nimmt es Stoffe auf, transportiert sie weiter und liefert sie exakt dorthin, wo sie gebraucht werden, zum Beispiel:- Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen, wo er zur Energiegewinnung benötigt wird,
- dabei entstehendes Kohlendioxid zurĂĽck zur Lunge, von wo aus es ausgeatmet wird,
- Nährstoffe vom Darm zu den Organen, wo sie als Baustoffe oder Energielieferanten dienen,
- Hormone zu ihren Zielorten, wo sie wichtige Körperfunktionen steuern,
- Abfallstoffe zu Leber, Nieren oder Darm, wo sie umgebaut, gefiltert oder ausgeschieden werden.
- Regulation der Körpertemperatur:
Der menschliche Körper funktioniert optimal bei einer Temperatur von etwa 37 °C. Das Blut trägt entscheidend dazu bei, diese Temperatur konstant zu halten: Weiten sich die Blutgefäße – vor allem in der Haut –, wird mehr warmes Blut an die Oberfläche geleitet, sodass Wärme an die Umgebung abgegeben werden kann. Ziehen sich die Gefäße hingegen zusammen, bleibt die Wärme stärker im Körperinneren gespeichert. - Regulation des pH-Werts:
Der pH-Wert zeigt an, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist. Der pH-Wert des Blutes bewegt sich normalerweise in einem leicht basischen Bereich zwischen 7,35 und 7,45. Dieser enge Rahmen ist wichtig, damit lebenswichtige Prozesse im Körper reibungslos ablaufen können. Schon kleine Abweichungen können Enzyme und Stoffwechselprozesse beeinträchtigen. Deshalb arbeitet ein eingespieltes Team im Körper rund um die Uhr daran, Schwankungen blitzschnell auszugleichen und den pH-Wert stabil zu halten: Das Blut selbst kann Säuren teilweise abpuffern, die Lunge reguliert über die Atmung den Kohlendioxidgehalt (und damit den Säureanteil) und die Nieren scheiden überschüssige Säuren oder Basen über den Urin aus.
Das beeinflusst Dein Blutvolumen
Jeder Mensch hat durchschnittlich etwa fĂĽnf bis sechs Liter Blut. Die Blutmenge (auch Blutvolumen genannt) kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden:
- Körpergröße, Gewicht und Geschlecht: Größere und schwerere Menschen haben in der Regel mehr Blut als kleinere oder leichtere Personen.
- Geschlecht: Männer haben prozentual ein höheres Blutvolumen als Frauen.
- FlĂĽssigkeitszufuhr: Wer ausreichend trinkt, unterstĂĽtzt ein stabiles Blutvolumen.
- Blutverlust: Durch Verletzungen, Operationen oder starke innere Blutungen kann das Blutvolumen akut sinken. Der Körper versucht zwar, den Verlust auszugleichen – dennoch wird ein größerer Blutverlust schnell gefährlich.
- Erkrankungen: Erkrankungen mit starkem Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel Durchfall, Erbrechen oder starkes Schwitzen, können das Blutvolumen verringern. Auch Herz- oder Nierenerkrankungen beeinflussen die Flüssigkeitsverteilung im Körper und können das Blutvolumen erhöhen oder senken.
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft steigt das Blutvolumen deutlich an – um bis zu 30 bis 50 Prozent. Dadurch wird sichergestellt, dass sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind ausreichend versorgt werden.
Blutgruppen
Jeder Mensch hat sein ganz individuelles Blut, das sich in bestimmten Eigenschaften von dem eines anderen Menschen unterscheidet. Diese Unterschiede betreffen vor allem bestimmte Strukturen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Auf dieser Grundlage werden Blutgruppen unterschieden.
Es gibt inzwischen rund 30 verschiedene Blutgruppensysteme. Zwei Systeme sind jedoch von besonderer Bedeutung: das AB0-System und das Rhesus-System.
Das AB0-Blutgruppensystem
Im AB0-System unterscheidet man Blutgruppen anhand bestimmter Moleküle, die sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befinden. Diese Moleküle werden auch Antigene genannt. Es gibt zwei verschiedene Antigene: Antigen A und Antigen B.
Ob und welche Antigene Du trägst, bekommst Du von Deinen Eltern vererbt. Und genau das bestimmt Deine Blutgruppe:
- Blutgruppe A → trägt Antigen A
- Blutgruppe B → trägt Antigen B
- Blutgruppe AB → trägt Antigen A und B
- Blutgruppe 0 → trägt kein Antigen
Das Rhesus-System
Das Rhesussystem ist das zweitwichtigste Blutgruppensystem. Auch hier geht es wieder um ein Eiweiß auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen – ein bestimmtes Antigen, das man Rhesusfaktor nennt. Es erhielt seinen Namen von den Rhesusaffen, bei denen das Merkmal zum ersten Mal entdeckt wurde.
- Hast Du dieses Antigen? → Rhesus positiv (Rh+)
- Hast Du dieses Antigen nicht? → Rhesus negativ (Rh–)
Gut zu wissen: In Deutschland sind etwa 85 % der Menschen Rh-positiv und nur 15 % Rh-negativ. Der Grund dafür liegt in der Vererbung: Der Rhesusfaktor wird dominant vererbt. Das heißt: Es reicht aus, wenn ein Elternteil die Anlage für „Rh-positiv“ weitergibt. Schon dann ist auch das Kind Rhesus-positiv. Nur wenn sowohl von der Mutter als auch vom Vater die Anlage für „Rh-negativ“ vererbt wird, ist eine Person Rhesus-negativ.
Verteilung der Blutgruppen in Deutschland
| Blutgruppe | Vorkommen |
|---|---|
| A+ | 37 % |
| A– | 6 % |
| 0 + | 35 % |
| 0 – | 6 % |
| B + | 9 % |
| B – | 2 % |
| AB + | 4 % |
| AB – | 1 % |
Warum ist die Blutgruppe wichtig?
Im normalen Alltag spielt Deine Blutgruppe keine Rolle. Du merkst nichts davon, welche Antigene Du in Dir trägst. Dein Blut macht einfach still seinen Job.
Aber: Es gibt Situationen, in denen Deine Blutgruppe plötzlich extrem wichtig wird.
Wenn Du viel Blut verlierst, zum Beispiel bei einem schweren Unfall oder während einer Operation, brauchst Du schnell Ersatz. Dann kommen Blutkonserven zum Einsatz. Die Übertragung von gespendetem Blut nennt man Bluttransfusion. Da Blut so unterschiedlich ist, kann man es aber nicht beliebig von einem auf den anderen Menschen übertragen. Die Blutgruppen müssen miteinander verträglich sein.
Wenn jemand nicht kompatibles Blut bekommt, reagiert der Körper sofort: Er erkennt die fremden Antigene als „Feind“ und greift die gespendeten roten Blutkörperchen an. Die Blutkörperchen verklumpen und werden zerstört. Um das zu vermeiden, wird vor jeder Blutübertragung ganz genau getestet, ob Spender- und Empfängerblut zusammenpassen.
FĂĽnf spannende Fakten ĂĽber Blut
- Blut macht etwa 7–8 % Deines Körpergewichts aus.
- Dein Herz pumpt täglich etwa 7.000 bis 8.000 Liter Blut durch Deinen Körper.
- Pro Sekunde werden im Knochenmark rund 2 Millionen rote Blutkörperchen neu gebildet.
- Im Ruhezustand benötigt das Herz etwa eine Minute, um das Blut einmal durch den gesamten Körperkreislauf zu pumpen.
- Obwohl die Zusammensetzung von Blut sehr genau bekannt ist, ist es bis heute nicht gelungen, einen Ersatz herzustellen, der sich zur Transfusion eignet.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- Bundesinstitut fĂĽr Ă–ffentliche Gesundheit (BIĂ–G). (.o.J.). Blutgruppen. Abgerufen am 25.02.2026 unter: https://www.blutspenden.de/rund-ums-blut/blutgruppen
- Kronstein-Wiedemann, R., Thiel, J., & Tonn, T. (2021). Blood pharming – eine realistische Option? Transfusionsmedizin, 11(3), 162–174. https://doi.org/10.1055/a-1342-0820
Printquellen
Printquellen
- Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. (2019). Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie. Berlin: Springer.
- Menche, N. (2020) Biologie Anatomie Physiologie. MĂĽnchen: Urban und Fischer.