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Glück wächst im Garten

Für Gabriella Pape ist Gärtnern mehr als Arbeit – es ist eine kreative, meditative Reise und eine Quelle der Zuversicht. © Isabelle Van Groeningen

Im Gespräch mit Gabriella Pape

Gabriella Papes Herz schlägt seit jeher für den Garten. Ihr Wissen um Flora und Fauna erwarb sie in England, wo sie studierte, 25 Jahre blieb, Gärten gestaltete und sich einen Namen machte. In Berlin leitet sie heute die Königliche Gartenakademie und wünscht sich viel mehr Grün in deutschen Städten.

„Schon bevor ich laufen konnte, habe ich Gießkannen hinter mir hergezerrt, Pflanzen rausgerupft und sie in meine Sandkiste gepflanzt“, erzählt Gabriella Pape. Als ihr Vater, ein Architekt, einen befreundeten Landschaftsarchitekten beauftragte, den Garten der Familie zu gestalten, war das ein Novum in der Nachbarschaft – und sie war als Kind fasziniert und begeistert von dessen Arbeit. Sie glaubt: „Fast alles, was mir im Leben so passiert ist, waren Angebote aus dem Universum, auf die ich mich dann einfach eingelassen habe.“ Gabriella Pape spricht grundsätzlich nie von Gartenarbeit. Um das Spielerische, Kreative, auch Meditative daran zu betonen, nennt sie es Gärtnern. „Gärtnern ermutigt zu Zuversicht, und die macht zweifellos sehr glücklich.“

Wie eine rote Linie zieht sich die Leidenschaft für den Garten durch ihr Leben: über die Ausbildung in einer hiesigen Baumschule und ihr späteres Leben auf der britischen Insel, wo sie zunächst ein College für biologisch-dynamische Landwirtschaft in Sussex besuchte. Dort setzte sie sich mit Anthroposophie auseinander – ein komplett anderer Ansatz als der „Pestizid-Hype“, dem sie in ihrer Ausbildung in Deutschland begegnete und dem sie nie folgen wollte.

„Den Mut, die Kraft und die Demut, also eigentlich alles, was man fürs Leben braucht, habe ich im Garten bekommen.“ – Gabriella Pape

Die Queen schüttelte ihr anerkennend die Hand

Drei Jahre studierte sie am größten botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, um dann noch ein Landschaftsarchitektur-Studium obendrauf zu setzen. 1992 macht sie sich mit ihrem Gestaltungsbüro „Landart“ in den Cotswolds selbstständig. Als sie bei der Chelsea Flower Show, der inoffiziellen Weltmeisterschaft für Gartenbaukunst, die Silver-Gilt-Medaille gewinnt, schüttelt ihr die Queen anerkennend die Hand. Vielleicht gerade weil sie in England alles erreicht hat, wagte sie in Deutschland einen Neuanfang. „Ich dachte mir, die Engländer können auch ohne mich Gärten machen, vielleicht werde ich jetzt in meiner Heimat mehr gebraucht“, sagt Gabriella Pape. Sie möchte zum Beispiel Überzeugungsarbeit leisten gegen Vorgärten, die aus vermeintlich praktischen Gründen in tote Steinwüsten verwandelt werden.

Bis sie 2007 die Gewächshausanlage der historischen „Königlichen Gärtnerlehranstalt“ in Berlin erwerben konnte, war es ein steiniger Weg mit hohen bürokratischen Hürden. „Das Gärtnern hat mir auf faszinierende Art und Weise beigebracht, dass Zuversicht, Ausdauer und Mut erlernbar sind; sie entspringen der Geduld und der Demut, die das Gärtnern uns abverlangt.“ Ihr langer Atem zahlt sich aus: „Unsere Königliche Gartenakademie ist ein ausgesprochen gut besuchter Ort, weil die Menschen merken, dass hier Leidenschaft drinsteckt, dass wir viel Wert darauf legen, die Menschen mitzunehmen und die Sortenvielfalt zu erhalten, weil das einfach schön ist. Die Engländer haben das schon lange vor uns für sich entdeckt.“

Bessere Antworten auf den Klimawandel finden

Inzwischen hat sie 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen Stauden- und Pflanzenverkauf, eine Gartenschule und vieles mehr betreuen. Gabriella Pape unterrichtet viel, gestaltet Gärten in ganz Deutschland, solche, die „die Natur in den Arm nehmen“, wie sie sagt. Entsprechend den Lichtverhältnissen zählt sie sieben Jahreszeiten. Jede prägt den Garten durch andere Farben und Veränderungen, sodass immer etwas blüht, an dem man sich erfreuen kann. „Meine Aufgabe ist es, Pflanzen, die an einem bestimmten Ort sein möchten, sich dort wohlfühlen und mit dem Klima und dem Boden auskommen, ein Zuhause zu geben.“

Öffentliche Aufträge hat die 63-Jährige nicht. Doch ihr brennt ein Thema besonders auf den Nägeln: die Flächenversiegelung in Städten, im Besonderen rund um öffentliche Gebäude. „Man könnte wesentlich mehr entsiegeln, Bäume pflanzen, Grünflächen schaffen, den Menschen einen lebenswerteren Ort kreieren“, sagt sie. „Das wäre auch eine bessere Antwort auf den Klimawandel.“ Denn mehr Grün sorgt für Abkühlung, nimmt Regenwasser auf und verbessert insgesamt das Stadtklima. Naturnahe Gärten tragen hierzu schon einen großen Teil bei.