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Kompostieren leicht gemacht

Gartenexpertin Martina Kolarek ist überzeugt von der Heißkompostierung, die wertvolles „grünes Gold“ für den Garten schafft. © Katharina Geist

Im Gespräch mit Expertin Martina Kolarek

Einen Heißkompost anzulegen hat Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Hauskompost, stärkt die Verbindung zwischen Mensch und Natur – und macht als Gemeinschaftsprojekt viel Freude, wie die Kompostexpertin Martina Kolarek weiß.

Was ist Heißkompostieren und wo liegen die Vorteile?

Martina Kolarek hat sämtliche Kompostierverfahren, die es gibt, selbst ausprobiert und miteinander verglichen. Voll und ganz überzeugt hat sie allein die Heißkompostierung. Wie dieses Verfahren Schritt für Schritt funktioniert und wie man in seinem Garten einen Heißkompost aufbaut, beschreibt sie in ihrem Buch „Kompostieren! Biologisch, einfach, schnell“. Menschen kompostieren seit rund 12.000 Jahren mit Hitze. Dieses Wissen wurde von Nonnen in Klöstern bewahrt – sie praktizieren es noch heute. Für Martina Kolarek profitieren Mensch und Natur von dieser Art des Kompostierens am meisten:

  • Die Garten- und Küchenreste einer Person reichen aus, um einmal im Jahr einen Heißkompost aufzubauen. Deshalb eignet sich das Verfahren für große und kleine Gärten gleichermaßen.
  • Der Kompost wird an einem Tag Schicht für Schicht aufgebaut, allein oder als Event mit mehreren großen und kleinen helfenden Händen.
  • Innerhalb von zwei Tagen entsteht im Komposthaufen, der für etwa eine Woche mit Naturfasermatten abgedeckt wird, eine Temperatur von 60 Grad. Dadurch werden Krankheiten sowie pflanzliche und tierische Schädlinge eingedämmt.
  • Es entstehen keine Gerüche.
  • Heißkompost muss nur ab und zu gegossen, aber nicht umgesetzt werden.
  • Der Kompost ist nach drei, über den Winter in sechs Monaten fertig.

Kompost als Garant für lebendigen Boden

Das A und O beim Heißkompost ist der Bodenkontakt. Denn es braucht das Zutun aller Bodenlebewesen, damit Humus entsteht, der den Boden nährt. Humus ist das Endprodukt aller Prozesse im Boden. Er bildet eine nährstoffreiche, fruchtbare Schicht. Wenn wir Gemüse oder Blumen ernten, werden dem Boden Nährstoffe entzogen, die wieder an ihn zurückgegeben werden müssen. „Biologischer Kompost, der aus vielen verschiedenen Resten entstanden ist, hat die optimale Zusammensetzung an Nährstoffen.“ Martina Kolarek, die an der Wiener Universität für Bodenkultur studierte, weiß: „Dafür sind Küchenabfälle unverzichtbar.“ Bekommen Pflanzen jedoch nicht ausreichend Spurenelemente, bauen sie den nährstoffreichen Humus im Boden ab, mit der Folge, dass die Humusschicht immer dünner wird und auch die Biodiversität schwindet. Denn die Schicht ist Lebensraum für Bodentiere, die dauerhaft Humus aufbauen und wilde Tiere ernähren.

Der fertige Heißkompost wird eine Woche abgedeckt, um eine gleichmäßige Hitzeentwicklung von 60 Grad zu unterstützen. © Martina Kolarek

alverde: Warum ist es zukunftsweisend zu kompostieren?

Martina Kolarek: In welcher Welt wollen wir leben? Das ist eine wichtige Frage. Ich möchte gemeinsam mit allen Lebewesen, mit diversen Pflanzen, Tieren, Mikroben und Menschen leben. Dafür ist es wichtig, dass wir biologisch Kompost herstellen. Mit den Produkten aus Kompost- und Biogasanlagen kann kein Humus aufgebaut werden. Die meisten Gärtnerinnen und Gärtner wissen, dass Kompostieren wichtig ist und tun es auch. Wir müssen eine Lösung dafür finden, wie Kompostieren in der Landwirtschaft rentabel wird.

alverde: Ein Heißkompost ist ein Lebensraum für sich. Was kann man beobachten?

Martina Kolarek: Sie können sehr gut sehen, wie sich der Kompost innerhalb von drei Monaten verändert, wer da alles einzieht, wer wieder auszieht. Alle Tiere Ihres Gartens, auch aus dem Boden, stellen sich quasi bei Ihnen vor. Es kommen nicht nur Bodenorganismen, sondern auch Lebewesen, die von diesen leben: Igel, Kröten, Frösche. Vögel kommen natürlich in großen Mengen oder mal eine Katze, die sich sehr gern am Heißkompost wärmt. Und dann können Sie einfach erleben, wie alle Tiere miteinander verwoben sind und miteinander alles so verrichten, damit alle glücklich und zufrieden sind. Das ist schon etwas Besonderes.

alverde: Was ist am traditionellen Gartenkompost anders?

Martina Kolarek: Viele Menschen haben einen herkömmlichen Kompost im Garten. Der ist auch vollkommen okay, braucht aber viel mehr Pflege als der Heißkompost. Viele denken, sie müssen Küchen- und Gartenreste einfach nur draufschmeißen und das wird dann schon irgendwie. Doch immer, wenn man etwas neu zum Kompost bringt, sollte man es untermischen und durch Gießen feucht halten. Kompost braucht neben Wasser genug Luft. Deshalb muss der Kompost mehrmals umgesetzt, also an anderer Stelle auf dem Boden umgedreht wieder aufgehäuft werden – bis er nach zwei bis drei Jahren fertig ist. In der Zeit kann er riechen und Ungeziefer anziehen. Mangels Hitze werden keine Beikrautsamen oder Pflanzenkrankheiten entfernt wie beim Heißkompost.

Unsere Expertin Martina Kolarek

Martina Kolarek ist Dipl.-Ingeneurin für Angewandte Ökologie, Biochemie und biochemische Technologien. © Bettina Keller

Martina Kolarek ist Dipl.-Ing. für Angewandte Ökologie, Biochemie und biochemische Technologien. Ihre Initiative die-bodenschafft.de stellt Kompost mit solidarischen Wohn-, Garten-, Landwirtschafts- und Kunstprojekten her.

Warum Kompost wichtig und nützlich ist

  • Erde aus Kompost enthält alle lebenswichtigen Stoffe, die Pflanzen benötigen, im richtigen Verhältnis.
  • Er schließt den natürlichen Kreislauf: Pflanzenreste und Küchenabfälle (nur Ungekochtes, keine Fleischreste) werden Teil des Bodens, statt im Müll zu landen.
  • Er nützt nachhaltig, umfassend und kostengünstig der Umwelt und dem Klima – darüber hinaus fördert er das Bodenleben und die Biodiversität.
  • Kompost speichert viel Wasser und Luft im Boden. Das beeinflusst das Klima, die Wasser- und Luftqualität positiv.

Buch-Tipp:

Martina Kolarek. Kompostieren! Biologisch, einfach, schnell.