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Ab ins Beet!

Eckart von Hirschhausen hilft TV-Kommissarin Maria Furtwängler nicht beim Ermitteln, sondern beim Gärtnern. ¹⁾

Kolumne von Eckart von Hirschhausen

Liebe alverde-Lesende,

nein, das links ist kein Foto aus einem Tatort, Maria Furtwängler ist nicht als Ermittlerin unterwegs, sie vermittelt! Und ich durfte einen Tag an ihrer Seite drehen für eine neue ARD-Natur-Dokumentation und dabei viel über die Kunst des Gärtnerns lernen. In dieser Ausgabe haben Sie vielleicht schon die Beiträge entdeckt, warum Menschen gärtnern, was „Slow“ und was „Urban“ Gardening eigentlich bedeuten. Maria und ich waren auch mitten in der Stadt und sind in Berlin auf ein Dach gestiegen. Denn dort steppt zwar nicht der Bär, aber es blüht das pralle Leben: Lavendel, Salbei, Sonnenhut, Apfelbäumchen und Brombeerblätter – vieles, was auf diesem Dach wächst, hat sogar heilende Wirkung, gleich in mehrfacher Hinsicht.

Und obwohl Maria und ich beide Medizin studiert haben, spielten Pflanzenheilkunde und auch die förderliche Wirkung des Gärtnerns für die seelische Gesundheit dabei kaum eine Rolle – heute können wir uns beide dafür umso mehr begeistern. Das Gärtnern gleicht einem mäßigen Herz-Kreislauf-Training, denn auch wenn man nicht ins Schwitzen kommt, ist man draußen, man bewegt sich, und das regt den Blutkreislauf an und wirkt sich positiv auf das Herz aus. 

Je nach Tätigkeiten, kommen auch eine Menge Muskeln zum Einsatz: Man hebt, bückt sich, schiebt, gräbt und schleppt. Vor allem aber gibt es immer mehr Forschung darüber, wie sehr Natur und bereits kleine Grünanlagen der Seele guttun. Der Blick ins Grüne, die wechselnden Farben und die beruhigenden Naturgeräusche wirken entspannend, senken den Blutdruck und lindern Schmerzen. Die Betrachtung der verschiedenen Lebensphasen, der Rhythmus von Säen und Blühen und Ruhephasen bauen Stress ab und im besten Fall auch die Weisheit auf: Keine Blume blüht permanent – warum sollten wir das dann von uns erwarten?

„Der Blick ins Grüne, die wechselnden Farben und die beruhigenden Naturgeräusche wirken entspannend.“ – Eckart von Hirschhausen

Was ich mir als grundsätzlich ungeduldiger Mensch immer klarmache: Nichts wächst schneller, wenn man daran zieht. Auch für die Gesundung braucht es oft Geduld. Und im Umgang mit Kranken. Das macht die Dachterrasse, die sich auf einer psychosomatischen Klinik befindet, so beliebt sowohl bei den Patientinnen und Patienten als auch den Mitarbeitenden, die hier in ihren freien Minuten entspannen. Eine Therapeutin erzählte, wie gerne die Menschen hier nicht nur die „Seele baumeln lassen“, sondern im Sommer auch die Füße in den kleinen Bachlauf stecken. Das habe ich mir dann nicht nehmen lassen, fand dabei den „Frauenmantel“, alias Alchemilla mollis. Traditionell als Arzneitee bei Menstruationsschmerzen getrunken, aber seine Gerbstoffe wirken auch bei Entzündungen der Schleimhäute im Mund. Zum Beispiel, wenn man den Tee zu heiß probiert hat.

Wie gesagt – Geduld ist nicht meine Stärke. So wie es in einer Pflanze oft viele Substanzen braucht, braucht die Natur die Vielfalt. Nimmt man alle Gartenflächen in Deutschland zusammen, entspricht ihre Fläche den Naturschutzgebieten. Und weil Insekten ja keine Schilder lesen, sondern primär danach schauen, wo etwas Geeignetes wächst, kann jede Gartenfläche auch zum Natur- und Menschenschutz beitragen.

Viele in den Städten sehnen sich nach Natur – und nach einem herzlichen Kontakt mit anderen. An vielen Orten entstehen Gemeinschaftsgärten, Firmen entsiegeln Flächen auf ihrem Gelände und pflanzen insektenfreundliche Wiesen, Obstbäume werden an Straßen gepflanzt. Jede grüne Fläche, die Wasser aufnimmt, kühlt die Umgebung in den Hitzephasen. Die Apfelblüten machen erst die Bienen glücklich – und später alle, die die Früchte pflücken und schnabulieren. Mich hat dieser Drehtag sehr inspiriert, und mit der Hand in der Erde spürte ich die Mission meiner Stiftung ganz sinnlich zwischen den Fingern: gesunde Erde – gesunde Menschen!

Ihr
Eckart von Hirschhausen

Für die ARD-Doku Deutschland, deine Gärten – Mit Maria Furtwängler drehte diese zusammen mit ihm auf einem Krankenhaus-Dachgarten (voraussichtlich am 20.4. um 20.15 Uhr im Ersten).