eSports: Die wollen nur spielen

Vor dem Bildschirm Fußball spielen: Sport geht auch digital und ohne Körpereinsatz. ¹⁾
Zu Besuch bei der Eintracht Frankfurt eSports Academy
Der sogenannte eSport wirft vor allem bei Menschen Ü30 Fragen auf. Zum Beispiel: Ist stundenlang vor dem PC sitzen wirklich Körperertüchtigung? Wir haben ein paar erstaunliche Antworten in der eSport-Abteilung von Eintracht Frankfurt gefunden.
Leistungsstarke Spielekonsolen, ergonomische Stühle, die jeweils aktuelle Version der angesagtesten Spiele, ein fantastisch schnelles Internet. Was aussieht wie ein Gamer-Jugendtraum, ist auch und vor allem ein Sportplatz. Genauer gesagt, in der Eintracht Frankfurt Esports Academy. Längst wird der Verein nicht mehr nur mit Spitzenleistungen im Männer- und Frauenfußball, sondern auch im eSport assoziiert.
Anderen zuzusehen, wie sie vor dem PC sitzen und sich beim „Gamen“ – also etwa beim virtuellen Fußballspielen – miteinander messen, genießt mittlerweile eine ähnlich große Popularität wie „König Fußball“. Mit mehr als 600 Millionen Zuschauern weltweit gehört der eSport zu den meistgesehenen Sportarten.²⁾ Und er erzielt noch einen weiteren Rekord, so Max Brömel, Leiter der eSport-Abteilung bei der Eintracht Frankfurt: „90 Prozent unseres Publikums sind unter 35.“ Auch das macht den Sport für die Vereine und ihre Sponsoren so interessant.
Die Vereine sind inzwischen die Antithese zur ewigen Elternsorge, Gaming würde die Jugend von frischer Luft, von Bewegung, von ernsthaften beruflichen Ambitionen, von Freundschaften fernhalten. Das können auch die beiden Eintracht-Esport-Profis, der 22-jährige Maxime Muscheid und der 21-jährige Romeo Rissling bestätigen. „Wir werden hier angehalten, Ausgleichssport zu machen, uns gesund zu ernähren, unsere Zeit nicht einfach zu verdaddeln, sondern etwa auch zu lernen, wie man mit Stress umgeht und mit Niederlagen.“ Es geht bei dem Sport um Aufmerksamkeit, Denkvermögen und Reaktionsgeschwindigkeit. Und um Teamgeist. Denn entgegen anderslautenden Gerüchten erfordern viele Spiele Kooperation und vor allem Kommunikation in der Gruppe.
Romeo Rissling (vorne) und Maxime Muscheid sind echte eSport-Profis mit strammem Trainingsplan. ¹⁾
Der Profi-eSport ist eine Männerdomäne. Wie beim Fußball ist auch eine eSport-Karriere endlich. Deshalb ist dem Verein wie den Spielern wichtig, für die Zukunft nicht alles auf die Gamer-Karte zu setzen. Romeo erzählt: „Ich studiere International Business Administration.“ Und Maxime, der als rechte Hand seines Vaters im familieneigenen Betrieb arbeitet, sagt: „Irgendwann will man auch eine Familie, Kinder.“ Die dazugehörige Partnerin wird er vermutlich nicht beim eSport kennenlernen.
Obwohl fast die Hälfte aller Gamer weiblich ist, sind nur wenig Frauen Teil der professionellen eSport-Szene. Max Brömel bedauert das. Er sieht die Ursachen unter anderem im Internet, „wie wir wissen, ohnehin kein freundlicher Raum. Aber wir wollen das in Zukunft gerne ändern und eSportlerinnen fördern“. Ein Teil des Events ist ja, dass Spiele live übertragen und von den Zuschauern kommentiert werden können. Auch männliche Spieler brauchen bisweilen ein dickes Fell, so Max Brömel. „Gerade, wenn wir verloren haben, gibt es schon mal böse Kommentare. Oder es wird gesagt, wir sollen doch lieber was Ordentliches schaffen.“
Aber sie „schaffen“ ja. Neben vielem anderen ein Bewusstsein dafür, dass sich die Welt auch im Sport weiterdreht: Seit dem 1. Januar 2026 ist eSport in Deutschland offiziell als gemeinnützig anerkannt, was den Vereinen Erleichterungen bei Steuern und Fördergeldern bringt. Doch wie verhält es sich mit der Körperlichkeit, der Athletik? Eine auf den ersten Blick berechtigte Frage, doch sie stellt sich ebenso bei anerkannten Sportarten wie Darts oder Tischfußball. Und bei einem ungeschriebenen Kriterium des „echten“ Sports sind die Räume der eSport Academy überraschend nah an den Umkleidekabinen der Fußballer, so Max Brömel: „Nach einem langen, anstrengenden Trainingstag kann es durchaus mal nach Schweiß riechen.“





