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Mein Verein

Fünf Mädchen in roten Fußballtrikots auf einem Rasen: zwei Mädchen in der Bildmitte, eine trägt die andere auf dem Rücken und beide lachen, ein Fußball liegt vorn auf dem Gras, links und rechts stehen weitere Mitspielerinnen in roten Trikots und Stutzen, Hintergrund Bäume und Parklandschaft

Gemeinsam sportlich: In einem Verein macht das Training mehr Spaß als alleine. ¹⁾

Im Interview mit drei Vereinsmitglieder

Sportvereine schaffen Räume, in denen Menschen ganz selbstverständlich zusammenkommen. Und dabei geht es um mehr, als fit zu bleiben oder sich im Wettkampf zu messen. Drei Mitglieder erzählen, wie ihr Verein sie durchs Leben trägt.

Ein Ort zum Wachsen

Als Kind verbrachte Julia Schmidt einen Großteil ihrer Zeit im Wasser, heute steht sie als Übungsleiterin bei der TG Herford am Beckenrand.

Schwimmtraining ist für mich weit mehr als Bahnen ziehen. Ich lasse mit Flossen, Paddles oder Schnorcheln trainieren, spiele mit Tempo und Technik. Das Training soll Spaß und die Jugendlichen fit machen für die Wettkämpfe. Die finden am Wochenende statt und auch dahin begleite ich sie. Die Aufregung, Vorfreude, die Enttäuschung oder Euphorie nach dem Wettkampf kann ich gut nachvollziehen, denn bis vor rund zehn Jahren war ich selbst als Leistungssportlerin im Becken. 

Schwimmen begleitet mich, seit ich denken kann. Schon als Baby war ich mit meiner Familie oft im Schwimmbad, mit vier hatte ich mein Seepferdchen. Ich habe im Verein auch andere Sportarten ausprobiert – Ballett, Hip Hop – aber das Wasser ist mein Element. Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule habe ich dann auf Wettkampf-Niveau trainiert. Absolutes Highlight: die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften.

„Das Training soll Spaß machen.“ – Julia Schmidt

Dann kam Corona. Plötzlich war das Bad geschlossen, und statt fünf- bis sechsmal in der Woche zum Training zu gehen, war ich fast nur zu Hause. Vor allem fehlte der Kontakt zu meiner Trainingsgruppe – meine engsten Freunde damals. Nach der Pandemie habe ich nicht mehr in den Leistungssport zurückgefunden, aber schwimme weiterhin hobbymäßig im Verein. Dafür bin ich langsam ins Ehrenamt hineingewachsen. Ich habe erst in Schwimmkursen ausgeholfen, später eine Sporthelfer-Ausbildung gemacht und irgendwann als Übungsleiterin eigene Trainingsgruppen übernommen. Die Menschen in der TG Herford haben mir immer etwas zugetraut und es spornt mich an, Verantwortung zu übernehmen.

Einen Teil meines Sportpensums absolviere ich heute im Fitnessstudio. Ich schätze die zeitliche Flexibilität und die Vielfalt der Geräte, aber im Studio bleibt jeder für sich: Kopfhörer im Ohr, Blick auf den Trainingsplan. Im Verein dagegen entstehen Gespräche von selbst und aus Bekanntschaften werden oft Freundschaften. Das ist für mich das Schönste am Verein: Ich kann dort sein, wie ich bin – als Trainerin, Sportlerin und Teil einer vielfältigen Gemeinschaft.

Kurz gefragt

  • Wichtigstes Trainings-Utensil: Die Handpfeife. Der Lärmpegel im Schwimmbad ist hoch.
  • Schönster Sportmoment: Wenn ich merke, dass ich – vor allem für die Mädchen – ein Vorbild bin.
  • Mein Motto im Training: „Von nichts kommt nichts.“ Ich verstehe mich super mit den Kids und wir haben viel Spaß. Aber ich achte auch darauf, dass ich mein Programm durchziehe. Und das darf anstrengend sein.

Ein Ort, der einlädt

Die Freigeister auf dem Board und die festen Strukturen eines Vereins: Dass beides sehr wohl zusammenpasst, zeigt Tim Kopta mit seinen Skate Rats in Kaiserslautern.

Skaten habe ich durch meinen besten Freund als Teenager entdeckt – und es hat mich komplett gepackt. Als Kind war ich klassisch im Sportverein und habe Fußball und Tischtennis gespielt. Doch richtig zu Hause gefühlt habe ich mich erst auf dem Board. Ich mochte, dass ich viel allein üben konnte, meine Konzentration nur auf meine Füße, das Brett und den nächsten Trick richten konnte. Bis heute schaltet mein Kopf beim Skaten komplett ab.

Gleichzeitig ist beim Skaten die Community extrem wichtig. In Kaiserslautern trifft sie sich seit Ewigkeiten auf dem Rathausplatz. Aber ein offizieller Skatepark? Fehlanzeige. Mit meinen Freunden habe ich irgendwann gemerkt: Wir sind alle Anfang 30, stehen im Leben und wenn wir etwas verändern wollen, dann jetzt. Also haben wir 2025 die „Skate Rats Kaiserslautern“ gegründet. 

„Ein Verein bedeutet für uns nicht weniger Freiheit, sondern mehr Möglichkeiten.“ – Tim Kopta

Ein Verein bedeutet für uns nicht weniger Freiheit, sondern mehr Möglichkeiten. Kinder und vor allem Mädchen, die sich vorher nicht an die freie Szene herantrauten, können jetzt sonntags zum Training kommen. Manche Jugendliche sind in der Schule Außenseiter, etwa weil sie ADHS haben. Auf dem Board fällt es ihnen leicht, sich zu konzentrieren. Das regelmäßige Training ist für Skatevereine untypisch, aber gerade dadurch ist unser Verein in kurzer Zeit auf fast 100 Mitglieder gewachsen.

Als Verein finden wir auch in der Kommunalpolitik mehr Gehör – die freie Skaterszene wurde eher misstrauisch beäugt. Wir renovieren momentan den provisorischen Skatepark in der Innenstadt. Unser Ziel ist, den Park zu einem Angebot für alle Kinder und Jugendlichen zu erweitern. Denn vieles, was wir tun, geht über das Skaten hinaus, wie Graffiti-Workshops oder Theater-Kooperationen. Außerdem brauchen wir eine eigene Halle, damit Skaten bei jeder Wetterlage stattfinden kann. Wenn ich sehe, wie viel Talent und Leidenschaft manche Kinder mitbringen, motiviert mich das noch mehr, ihnen das Skaten auf hohem Niveau zu ermöglichen. Und es bestätigt mich darin, wie wertvoll ein Ort ist, an dem sie sich ausprobieren können.

Kurz gefragt

  • Dieses Vorurteil nervt: Dass Skater „Assis“ seien oder nichts zu tun hätten. Die meisten haben Jobs, Ausbildung, Alltag.
  • Mein schönster Moment auf dem Board: Nach einer langen Verletzungspause wieder schwierige Tricks zu wagen und Blockaden zu überwinden.
  • Mein Learning aus der Phase der Vereinsgründung: Man braucht viel Geduld. Es sind viele Stellen beteiligt und nicht immer kommunizieren sie miteinander.

Ein Ort, der in Bewegung bringt

Zuerst brachte Nicole Trommler nur ihren Sohn zum Sport, wenig später leitete sie selbst eine Trainingsgruppe beim AC Taucha.

Als ich 2020 nach Taucha zog, machte die Coronapandemie es schwierig, neue Leute kennenzulernen. Über den Kindergarten erfuhr ich im Frühjahr 2021, dass eine Kindersportgruppe beim AC Taucha startete und meldete meinen Sohn an. Zunächst war ich einfach eine Mutter am Spielfeldrand, die ihrem Kind die Wasserflasche reicht und tröstet, wenn etwas nicht geklappt hat. Doch irgendwann störte es mich, dass wir Erwachsenen nur rumsaßen, während die Kinder über den Rasen rannten.

Aus einer spontanen Idee heraus zeigte ich den anderen Eltern ein paar funktionelle Übungen. Ich habe jahrelang CrossFit (Anmerkung der Redaktion: eine Mischung aus verschiedenen Fitnessarten) gemacht und auch beruflich als Polizistin spielt Sport eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ich wusste also, was ich tat, auch wenn ich damals noch keinen Trainerschein hatte. Erst waren wir zu viert, dann wurden wir immer mehr, und plötzlich freuten sich Eltern regelrecht darauf, selbst aktiv zu werden. Wir haben uns über WhatsApp organisiert und draußen neben den Kindern trainiert. 2023 bekam ich schließlich ein festes Zeitfenster in der Halle. Ich hatte inzwischen meinen Trainerschein gemacht, und der Kurs war unabhängig von der Kindergruppe und offen für alle.

„Ideen werden nicht zerredet, sondern bekommen eine Chance.“ – Nicole Trommler

Das Erstaunliche ist: Vor dem AC Taucha, hatte ich keine Berührungen mit Sportvereinen. Hier merkte ich, wie leicht es ist, etwas zu bewegen. Ideen werden nicht zerredet, sondern bekommen eine Chance. Deshalb habe ich auch „Ja“ gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich für den Vorstand kandidieren will. Heute leite ich dort die Kindersportabteilung und springe nur noch vertretungsweise als Trainerin ein. Wir möchten Kindern mit allen Interessen und Leistungsniveaus ein Zuhause im Verein geben, deshalb haben wir inklusive Sportgruppen genauso wie Dart, Ringen, Jiu-Jitsu oder Volleyball, das vor allem bei Mädchen beliebt ist.

Ich konnte sogar andere Hobbys mit dem Sport verbinden und zum Beispiel bei Ringer-Wettbewerben fotografieren. Und als letztes Jahr das Turnfest in Leipzig stattfand, war ich mit anderen aus dem Verein zehn Tage als Helfer dabei. Für mich war der Verein der Einstieg in ein aktiveres, vielseitigeres Leben.

Kurz gefragt

  • Diese Übung geht immer: Burpees (Anmerkung der Redaktion: Liegestütz-Hock-Strecksprünge) bringen unheimlich viel. Alle stöhnen zwar, aber ohne sie fehlt dem Training etwas.
  • Diese Sportart reizt mich noch: Ich würde gern noch intensiver in olympisches Gewichtheben einsteigen.
  • Das Wichtigste, das ich im Verein gelernt habe: Dass ohne Ehrenamt nichts läuft – und wie viel man bewegen kann, wenn man Verantwortung übernimmt.

Unsere Experten im Überblick

  1. Julia Schmidt Schwimm-Trainerin bei der TG Herford

    Sie schreibt an ihrer Bachelorarbeit in Medienwissenschaften. Danach möchte sie als Journalistin arbeiten und hofft, dass ihr der Beruf noch genug Zeit für den Verein lässt.

  2. Tim Kopta Vorstandsvorsitzender der Skate Rats Kaiserslautern e.V.

    Er hat eine eigene Tischlerei. Seine handwerkliche Expertise nutzt er auch, um beispielsweise Holzrampen für den Skaterpark zu schreinern. © Kirill Papraukin

  3. Nicole Trommler Vorstandsmitglied im AC Taucha

    Sie arbeitet als Polizistin in Leipzig. Obwohl sie sich selbst beim Training gern auspowert, findet sie: „Sport sollte Leichtigkeit haben.“

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