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Mit Respekt auf Reisen

Petra Thomas steht auf einem Bootsdeck am Steg, trägt ein schwarzes oder Kleid mit offenem hellblauem Innenfutter und braunem Mantel darüber, hält sich an Reling fest; im Hintergrund Wasser und mehrere Segelboote sichtbar

Petra Thomas genießt die Zeit zu Hause an ihrem Lieblingsbootssteg an der Hamburger Alster. ¹⁾

Im Gespräch mit Petra Thomas

Als Geschäftsführerin des „forum anders reisen“ e. V. setzt Petra Thomas Maßstäbe für nachhaltigen Tourismus. Für sie sollte die Reise hin zu Urlauben gehen, die für Mensch, Natur, Kultur und die Wirtschaft vor Ort positiv sind.

Als Kind lauschte Petra Thomas mit glänzenden Augen bei Familientreffen den Seemannsgeschichten am „Männertisch“. Und als sie von Atlantis hörte, wollte sie die mythische, versunkene Insel unbedingt entdecken. Im übertragenen Sinn strebt Petra Thomas auch als Erwachsene danach: Sie sucht an einem Urlaubsort das, was oberflächlich verborgen bleibt. Das ist für sie „die Liebe, auf Reisen immer neu einzutauchen“ – in die Kultur, die Natur, die Begegnung mit den Menschen vor Ort. Dabei erwachte auch ihre Begeisterung für Kunstgeschichte und Archäologie.

Unterwegs ein guter Gast sein

Als Kind in den Urlaub zu fahren, hatte in ihrer Familie mit positivem Aufbruch und Verbundenheit zu tun. An der Adria verbrachte sie viele schöne Urlaube. Das Land der Sehnsucht ihres Vaters, Italien, wurde auch für immer zu ihrem Herzensland. Petra Thomas, die auch Italienisch spricht, zieht es dorthin immer wieder zurück – während ihres Studiums unter anderem auch als Reiseleiterin. Als sie mit 26 Jahren erstmals nach Indien reist und überwältigt ist von der Gastfreundschaft der Einheimischen, wird ihr klar, dass es sehr stark auf die Art des Reisens ankommt, damit es „für beide Seiten schön ist“. Da ist schon klar, dass sie Reisen zu ihrem Beruf machen würde. „Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn Menschen einen so willkommen heißen, dass sie einen zum Tee einladen. Das funktioniert natürlich nur, wenn man unterwegs selbst auch ein guter Gast ist.“

Welche Auswirkung haben Reisende vor Ort? Diese Frage beschäftigt sie nicht erst, seit sie dem „forum anders reisen“ e. V. vorsteht. Sie stellte sich, je mehr Petra Thomas die Welt bis in die hintersten Winkel bereiste, um für einen Reiseveranstalter Routen zu entwickeln. Untrennbar mit Tourismus verbunden sind in vielen Gegenden zum Beispiel Plastikflaschen, wie die Hanseatin erläutert. Vor allem Touristen kaufen sie aus begründeter Angst vor Keimen in Leitungswasser. „Allein bei einer Gruppe von 16 Personen mit jeweils drei Flaschen am Tag kommt eine gewaltige Menge Abfall zusammen, die oft in der Natur landet“, sagt sie. Zum Beispiel im Himalaya in Nepal, wo es keine Entsorgungsanlage oder Müllverbrennung gibt. 

Sie berichtet von einer lokalen Initiative, die doppelt Gutes tut: Touristen verbinden die Wanderung zu Bergdörfern damit, unterwegs Müll einzusammeln, gleichzeitig bringen sie den Ortsansässigen Medikamente mit – auch eine Möglichkeit der Begegnung. Petra Thomas findet den Austausch über solche Initiativen in den Urlaubsländern sehr sinnstiftend. „Ich habe das Glück, dass ich liebe, was ich mache. Es ist die Vielfalt der Menschen, mit denen ich im Austausch bin, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, etwas zu verändern und voranzubringen“, sagt sie.

„Wir sollten alle Reiseangebote ressourcenschonend und sozialverträglich gestalten, damit Tourismus überhaupt weiter bestehen kann.“

Ihr Traum: Möglichst CO₂-neutrale Mobilität

„Im Tourismus dafür zu sensibilisieren, dass Reisende Verantwortung übernehmen können, damit fühlen sich viele Gäste wohl.“ Im Prinzip könne man bei jedem Urlaub nachhaltige Aspekte einbauen. Der Ansatz des „forum anders reisen“ ist es, „Reisen zu organisieren, die möglichst klima- und umweltfreundlich sind, soziale und ethische Aspekte respektieren und faires Wirtschaften unterstützen“

Richtschnur ist ein 14-seitiger Kriterienkatalog, der überprüfbare und zertifizierte Nachhaltigkeitsstandards enthält, an den sich die rund 110 Reiseanbieter halten, die Mitglied im Forum sind. Petra Thomas denkt noch weiter: „Wir sollten perspektivisch alle Reiseangebote auf dem Markt ressourcenschonend und sozialverträglich gestalten, damit Tourismus überhaupt weiter bestehen kann“, ist sie überzeugt. „Menschen werden immer reisen wollen.“ Doch der Klimawandel und die Veränderungen, die er mit sich bringt, wie zum Beispiel großer Wassermangel in manchen Ländern, erforderten ein Umdenken. Ihr Traum: Mobilität ohne fossile Brennstoffe und möglichst CO₂-neutral.

Selbst reist Petra Thomas fast ausschließlich mit dem Zug. Zu Hause in Hamburg genießt sie, die Nordsee vor der Haustür zu haben und dort am Meer den Geschichten der Seeleute in ihrer Familie nachzuspüren. In die Ferne mag sie nach Jahrzehnten des Ländererkundens nicht mehr schweifen. Doch nach Italien, quasi ihre zweite Heimat, zieht es sie regelmäßig. Im Süden liebt sie es, immer wieder aufs Neue in das Dolce Vita einzutauchen.