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Reise mit Aussichten

Mutter hĂ€lt Kleinkind auf dem Schoß in einem Zugabteil, beide blicken aus dem Fenster, Mutter trĂ€gt gestreiftes T-Shirt, Kind trĂ€gt blaue Latzhose

Entspannt reisen – unterwegs mit Kind und Zug. Âč 

Europa mit der Bahn bereisen

Erst Ende 2025 hat die Bahn ihr Angebot fĂŒr den internationalen Fernverkehr mit einem neuen Ticketsystem verbessert. Aber es gibt auch TrĂŒbungsfaktoren beim europaweiten Reisen. Darunter alte Bekannte, aber auch Überraschendes.

In knapp acht Stunden von Frankfurt nach Marseille. In weniger als sieben von MĂŒnchen nach Bologna und das ohne Umsteigen und zu Preisen von um die 50 Euro fĂŒr eine Strecke. Ja, das Reisen mit dem Zug ist nicht nur die sicherste und umweltfreundlichste Art, Europa nĂ€herzukommen. Es kann auch enorm gĂŒnstig sein: Wenn man mindestens einen Monat im Voraus bucht und so in den Genuss eines Supersparpreises oder Sparpreises kommt. Hinzu kommt, dass man seit Kurzem direkt ĂŒber die Plattformen der Deutschen Bahn Tickets fĂŒr AnschlusszĂŒge im Ausland kaufen kann. Ebenso fĂŒr die ZĂŒge anderer europĂ€ischer Staatsbahnen, die auch Deutschland befahren. So wie etwa der französische TGV, der die Strecke von Frankfurt nach Marseille bedient.

Europaweit buchen

„Seit Auslandsfahrkarten fĂŒr europĂ€ische Bahnen im Nah- und Fernverkehr direkt ĂŒber bahn.de und den DB Navigator erhĂ€ltlich sind, haben diese TicketkĂ€ufe um 75 Prozent zugenommen“, vermeldete der Chef der Fernverkehrssparte der Bahn, Michael Peterson. Das ist die eine Seite der Medaille. Von der anderen erfĂ€hrt man etwa, wenn der Zug auf der RĂŒckfahrt vom Nordseeurlaub in den Niederlanden fĂŒr Stunden an der Grenze strandet, weil plötzlich die ElektrizitĂ€t weg ist. 

„Wir haben immer noch unterschiedlichste Bahnstromsysteme in Europa mit entsprechend großen technischen Herausforderungen“, so Alexander Kaas Elias. Er ist Sprecher fĂŒr klima- und sozialvertrĂ€gliche MobilitĂ€t des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), und sagt, dass wir in Sachen Bahn noch lĂ€ngst nicht so „europĂ€isiert“ seien, wie es die vielen Ziele auf dem Fahrplan nahelegen.

HĂŒrden auf Schienen

Neben den unterschiedlichen Stromsystemen gibt es noch weitere HĂŒrden. Etwa dass der LokfĂŒhrer jeweils die Sprache des Mitgliedstaates beherrschen muss, in dem er unterwegs ist. Und dann die Sache mit den Fahrgastrechten. Alexander Kaas Elias: „Eigentlich wollte das EuropĂ€ische Parlament ein Durchgangsticket fĂŒr alle genutzten ZĂŒge, bei denen dann auch Fahrgastrechte durchgĂ€ngig gelten.“ Doch das ist erst einmal vom Tisch. Also muss man beim Umstieg in den Zug eines anderen Betreibers eine VerspĂ€tung jeweils mit der jeweiligen Staatsbahn regeln. 

Reist man etwa von Frankfurt in die Normandie, kann man zwar ĂŒber den DB-Navigator die ganze Reise inklusive des französischen Anschlusszuges buchen. Aber ist der deutsche ICE nach Paris so verspĂ€tet, dass man den Folgezug verpasst, hat man ein Problem. In Frankreich gilt ĂŒberwiegend „Mitfahrt nur mit Reservierung“ und es ist gut möglich, dass der nĂ€chste Zug ausgebucht ist.

„Viele möchten Europa mit der Bahn bereisen. Das muss besser auf die Schiene gebracht werden.“ – Alexander Kaas Elias, Verkehrsclub Deutschland

Fliegen bevorzugt

Ein weiteres Problem ist auch der Preis. Eine europaweite Greenpeace-StudieÂČ  kam zu dem Ergebnis, dass das Fliegen auf ungefĂ€hr der HĂ€lfte der Strecken noch immer gĂŒnstiger ist als Bahnfahren. So ist die Bahn fĂŒr StĂ€dte in Polen, Tschechien, Österreich und Belgien fast immer die budgetfreundlichere Wahl. Bahntickets nach Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien kosten hingegen oft deutlich mehr als Flugtickets. Alexander Kaas Elias sieht hier die Ursache ein Ungleichgewicht der politischen Entscheidungen. „Auf internationalen Strecken zahle ich beim Fliegen keine Mehrwertsteuer. Zudem muss die Bahn ihren Strom versteuern, aber auf Kerosin werden keine Abgaben fĂ€llig.“

VerspÀtung inklusive

Fliegen mag bisweilen billiger sein. Sehr viel zuverlĂ€ssiger aber ist es auch nicht mehr. 2025 war in Deutschland zeitweise fast jeder vierte Flug von VerspĂ€tungen betroffen.ÂłâŸ „Außerdem sind die Fluggastrechte noch schlechter als die der Bahn“, so Alexander Kaas Elias. Am Ende bleibt einem die Qual der Wahl erhalten. Aber zumindest kann man sagen: Die Bahn arbeitet daran, dass einem nicht mehr allein die Klimabilanz oder die schöne Aussicht, sondern auch noch Preis, Taktung, Erreichbarkeit und ZuverlĂ€ssigkeit die Entscheidung erleichtern.

Tipp – Schlafend ans Ziel

Die Deutsche Bahn verweist selbst beim Reisen mit dem Nachtzug auf den ÖBB-Nightjet (nightjet.com), also auf ungarische, kroatische und polnische NachtzĂŒge. Und dann gibt es noch, relativ neu auf dem Markt, das Unternehmen European Sleeper (europeansleeper.eu/de). Es verbindet Deutschland mit 25 europĂ€ischen Metropolen und Urlaubsregionen. Oder man fĂ€hrt mit dem ICE nach Paris und kann sich von dort bis an die CĂŽte d’Azur durchschlafen. Die Preise sind von vielen Faktoren – wie Alter oder Buchungszeitraum – abhĂ€ngig und auch die BuchungsmodalitĂ€ten sind unterschiedlich. So kann man etwa bei European Sleeper nur direkt buchen, wĂ€hrend Tickets fĂŒr NachtzĂŒge des ÖBB auch ĂŒber das Portal der Bahn zu haben sind.